Mr. Average – Der Mann für alle Fälle – Der gläserne Verbraucher
Firmen geben Unmengen an Geld dafür aus, um den Durchschnittsverbraucher verstehen zu lernen. Was gefällt ihm, was mag er nicht, welchen Produkten gibt er unter welchen Umständen den Vorzug und macht diese damit zu erfolgreichen Geschäftsideen. Der belgische Filmemacher Pierre-Paul Renders („Thomas in Love“) hat in seinem Spielfilm das sonderbare Gebaren der Verbraucherforschung auf die satirische Spitze getrieben. Im Zentrum von „Mr. Average“ steht der junge Marokkaner Jalil, der in Paris aufgewachsen ist und die Gewohnheiten seiner französischen Landsleute wie kaum ein zweiter zu kennen scheint. In einer Fernsehshow kommt er den bei Umfragen ermittelten höchsten Werten mit seinen Einschätzungen immer am nächsten. Deswegen will ihn sich eine Werbeagentur als Stimmungsbarometer für neue Produkte sichern. Damit seine Meinung aber immer unverfälscht zum Tragen kommt, verraten sie dem jungen Mann nichts. Heimlich wird seine Wohnung mit Überwachungskameras und Mikrofonen verwanzt und mit Claire eine hübsche Volontärin auf ihn angesetzt, die ihm die Testergebnisse spielerisch entlocken soll.
Was hätte man aus dieser großartigen Idee alles machen können! Aber leider pendelt Renders’ Film äußerst unentschlossen zwischen zahmer Satire, uninspirierter Liebesgeschichte und billigen Soap-Einsprengslern hin und her und lässt deswegen schon rasch das Interesse an der Story verlieren. Im zweiten Teil wird’s dann zwar noch mal kurzzeitig spannend, wenn Jalil hinter das falsche Spiel kommt und er in Folge seine mittlerweile landesweite Popularität für seine eigenen Zwecke zu nutzen beginnt. Aber auch diese Ansätze verpuffen schließlich wieder in der Unausgegorenheit des Drehbuchs und einer mangelnden Schärfe bei den Pointen, die ein Stoff wie dieser eigentlich unbedingt hätte mit sich bringen müssen. Das Ergebnis ist leider genauso durchschnittlich wie Jalil, dem diese Eigenschaft im Film auch nicht zum Vorteil gereichte.
B/LUX/F/CDN/D 2006 (Comme tout le monde) Regie und Buch: Pierre-Paul Renders. Buch: Denis Lapiere. Musik: Mathieu Vanasse, Jean Massicotte, Claude Milot. Schnitt: Ewin Ryckaert. Kamera: Virginie Saint-Martin. Produktion: Entre Chien et Loup, Tradewind Pictures, Samsa Films, Rezo Productions, Amérique Film. Mit: Khalid Maadour, Caroline Dhavernas, Thierry Lhermitte, Gilbert Melki, Chantal Lauby, Amina Annabi, Delphine Rich. 90 Min. alpha medienkontor ab 16.10.08.
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