Neulich in Belgien – Matty Mostrich
Matty ist vor einem halben Jahr von Werner für eine Jüngere verlassen worden. Als sie mit ihren Kindern auf einem Supermarktparkplatz einen Unfall baut, lernt sie den um einiges jüngeren LKW-Fahrer Johnny kennen, der ihr in Folge den Hof zu machen beginnt. Bitter-süße Suche nach dem Lebensglück.
Barbara Sarafian zeichnet jene Matty von Anfang an als unglückliche, verhärmte Frau in mittleren Jahren. Der Auffahrunfall auf dem Parkplatz ist nur die Krönung auf einem Berg voll Pech. Werner hat sie und die drei Kinder zwar verlassen, weil er in der Midlife-Crisis steckt und mit seiner jungen Geliebten, einer Studentin seines Zeichenseminars, Neues ausprobieren möchte. Aber Matty liebt ihn noch immer und hofft, dass diese Phase bald zu Ende geht und ihr Ehemann wieder zu ihr zurückkehrt. Dass nun ausgerechnet der rund 15 Jahre jüngere LKW-Fahrer, den Matty zunächst als tumben Klotz wahrgenommen hat, Interesse an ihr bekundet, schmeichelt und verstört sie zugleich. Sie lässt sich auf das Abenteuer ein, nur um schon kurz darauf festzustellen, dass Johnny früher wegen Trunkenheit und Gewaltausbrüchen im Gefängnis saß. Welcher der beiden Männer ist der richtige für Matty, welcher kann sie wirklich glücklich machen?
Christophe van Rompaeys Regiedebüt steckt voller symbolischer Anspielungen, die aus seiner Mischung aus realitätsnaher Alltagskomödie und Liebesdrama einer Frau in mittleren Jahren ein interessantes Stück Gegenwartskino machen. Beim ersten gemeinsamen Essen zwischen Matty und Johnny gibt es Blutwurst, die Matty großzügig mit Senf verfeinert. Johnny wird später diese Eigenheit auf Mattys Liebesleben übertragen und ihr vorwerfen, sie würde ihre wahren Gefühle und die Signale ihres Herzens mit scharfem Senf zukleistern und deswegen nicht mehr erkennen. Auch nutzen die Drehbuchautoren und van Rompaey einen Vergleich Johnnys zwischen Matty und da Vincis „Mona Lisa“ als roten Faden für die Liebesgeschichte, die sich zwischen den beiden Figuren nach und nach zu entspinnen beginnt. Eine Frau in mittleren Jahren, die vom Leben mehrfach enttäuscht wurde und nun auf der Suche ist nach ihrem eigenen kleinen bisschen Glück – das erinnert an Bernd Böhlichs gerade in den Kinos gelaufenen zweiten Spielfilm, „Der Mond und andere Liebhaber“. Und genau wie dieser unter den kleinen Leuten mit ihren alltäglichen Problemen spielte, so hat auch van Rompaey als Setting für seinen Film die Arbeiterviertel Moscou und Ledeberg am Stadtrand der flämischen Stadt Gent gewählt. Neben dem Erfolg an den heimischen Kinokassen hat das Debütwerk auch bei seiner Teilnahme an der Sektion „Semaine de la Critique“ bei den internationalen Filmfestspielen von Cannes für Aufsehen gesorgt und wurde dort mit dem „Prix SACD“ für das beste Drehbuch ausgezeichnet. Ein unterhaltsamer und zu Herzen gehender Film, der eine Geschichte von länderübergreifender Relevanz erzählt.
Neulich in Belgien: B 2007 (Aanrijding in Moscou) Regie: Christophe van Rompaey. Buch: Jean-Claude van Rijckeghem, Pat van Beirs. Musik: Tuur Florizoone. Kamera: Ruben Impens. Schnitt: Alain Dessauvage. Produktion: A Private View. Mit: Barbara Sarafian, Jurgen Delnaet, Johan Heldenbergh, Anemone Valcke, Sofia Ferri, Julian Borsani, Bob de Moor. Senator. 102 Min. Ab 16. Oktober 2008 im Kino.
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