Räuber Kneißl – Tod oder Freiheit
Nicht zuletzt ist es Marcus H. Rosenmüller und seinem überaus erfolgreichen „Wer früher stirbt, ist länger tot“ zu verdanken, dass der Heimatfilm und mit ihm das Bayerische wieder Einzug auf der großen Leinwand gehalten haben. Nun hat der Regisseur die Renaissance genutzt, um mit „Räuber Kneißl“ eine der großen Volkslegenden filmisch neu aufzubereiten. Teilweise als Volksheld verehrt, ist der historisch verbürgte Matthias Kneißl zwar kein Robin Hood, aber trotz seiner Gesetzesübertretungen in seiner Getriebenheit und den widrigen Umständen seiner Existenz als Identifikationsfigur glaubwürdig. Besetzt hat ihn Rosenmüller mit Maximilian Brückner, der offensiv mit seinen bayerischen Wurzeln und seiner Naturverbundenheit umgeht und deswegen die momentan sicherlich glücklichste Wahl darstellen dürfte.
Schon Kneißls Vater verdingt seinen Lebensunterhalt mit Räubereien, weswegen der junge Matthias schnell ins gleiche Fahrwasser gerät. Nach einer ersten mehrjährigen Zuchtstrafe versucht er redlich, mit Arbeit ein neues Leben zu beginnen, doch die Vergangenheit holt ihn durch die Vorbehalte der Mitmenschen ein. Mit seiner Liebe Mathilde will er nach Amerika auswandern, doch das fehlende Geld treibt Kneißl in eine fatale Sackgasse. Rosenmüller hat die klassische Geschichte bierernst in Szene gesetzt, was sie größtenteils auf das konventionelle Niveau eines Fernsehfilms mit Heimatmotiven zurechtstutzt. Trotz guter Darstellerleistungen bleiben Längen nicht aus, zumal das Drehbuch arm an wirklich spannenden dramaturgischen Höhepunkten ist. Das Ergebnis ist die Romantisierung eines Kämpfers gegen die Obrigkeit. Dass dabei eine durchaus reizvolle Figur in Stereotypen begraben wird und insbesondere gegen Ende die Inszenierung unschöne pathetische Züge annimmt, reduziert den Unterhaltungswert des Films zusätzlich.
D 2008. Regie: Marcus H. Rosenmüller. Buch: Karin Michalke, Christian Lerch. Musik: Gerd Baumann. Schnitt: Georg Söring. Kamera: Stefan Biebl. Produktion: Wiedemann & Berg Filmproduktion, Bayerischer Rundfunk. Mit: Maximilian Brückner, Brigitte Hobmeier, Thomas Schmauser, Maria Furtwängler, Christian Lerch, Andreas Giebel, Michael Fitz. 114 Min. Movienet ab 21. 8.08.
Räuber Kneißl – Tod oder Freiheit wurde bearbeitet von Frank Brenner • Permalink • Kommentar schreiben »













