Rededuell zwischen Gottschalk und Walser beim Film-Get Together
“Wir lieben Kino” stand in Großbuchstaben auf der Leinwand im vollbesetzten Saal des Forums Film & TV beim Get Together der Film- und Verlagsbranche. Am Ende hätte dort auch “Wir lieben Martin Walser” stehen können“.
Peter Olson
Denn der mittlerweile 80-jährige Schriftsteller begeisterte und amüsierte das Publikum. Er war schlagfertig, gut gelaunt, sehr lebendig, führte das Wort und wies dem erfahrenen TV-Talker Thomas Gottschalk nahezu eine Statistenrolle zu.
Bei dem Gipfeltreffen Buch und Film, bei dem sich Martin Walser und Thomas Gottschalk ein kurzweiliges Rededuell lieferten, ging es weniger um Literaturverfilmungen. Vielmehr waren die Unterschiede der Medien und ihrer Ausdrucksformen Thema.
Martin Walser
Altersweise und gelassen outete sich Walser als Fan von “Wetten dass…“ und teilte en passant Seitenhiebe auf den Kulturbetrieb und das Feuilleton aus. “Absolut schwachsinnig“, befand er zum Beispiel, sei es bei der Kritik einer Literaturverfilmung Buch und Film zu vergleichen. “Das ist eine kulturelle Sackgasse“. Voller Lobes war er hingegen für den Regisseur Rainer Kaufmann, der jüngst Walsers Roman “Ein fliehendes Pferd“ verfilmt hat. Ein “Verfilmungsglücksfall“ seiner Ansicht nach. Besonders das Ende, hat es Walser angetan. So einen Schluss könne es nur im Film geben, nicht im Buch – ein wenig strafte ihn seine sprachgewaltige Nacherzählung des Filmes allerdings Lügen.
Thomas Gottschalk
Zwischendurch versuchte Gottschalk immer mit der Bemerkung zu punkten, dass die Pflege der Sprache im Film (und überhaupt) verloren ginge. Ohne Erfolg. “Ich muss Ihnen gleich total widersprechen“, konterte Walser, der Kulturjammer nicht hören kann. Nicht nur Gottschalk, auch Moderator Wolfgang Herles, Redaktionsleiter des ZDF-Kulturmagazins Aspekte, musste einstecken. “Was hast du gelesen?“ sei eine Oberlehrerfrage, kanzelte ihn Walser charmant, aber bestimmt ab.
Und so ging es munter weiter, zum Vergnügen des Publikums. Mit einem Thomas Gottschalk in schwarz-golden gemusterter Weste, der sich letztlich launig in seine Rolle fügte, zuletzt doch noch ein bisschen von sich erzählen und auf “Reality-TV“ schimpfen konnte. Und einem Martin Walser, der europäischen Filmregisseuren attestierte, nichts anderes als Schriftsteller zu sein, die in einem anderen Medium arbeiten – und sich als Unterhaltungstalent entpuppte: “Aber nur hier“, wiegelte er eine mögliche Einladung Gottschalks in dessen Sendung gleich ab und überließ dem TV-Unterhalter das Schlusswort dieser ungewöhnlichen Diskussion, die viel Beifall erhielt.
Ähnliche Beiträge:
Rededuell zwischen Gottschalk und Walser beim Film-Get Together wurde bearbeitet von Patrick Fiekers • Permalink • Kommentar schreiben »













