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Spektakuläre Lügen

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Spektakuläre Lügen

eine offene rechnung 150x211 Spektakuläre LügenLügen haben zwar eigentlich kurze Beine, können dafür aber notfalls sehr schnell laufen und so lange Zeit unentdeckt bleiben. So werden auch die drei ehemaligen Mossad-Agenten Rachel, Stephan und David (Helen Mirren, Tom Wilkinson und Ciarán Hinds) im neuen Thriller EINE OFFENE RECHNUNG (Kinostart am 22. September) Jahrzehnte nach einem vermeintlich ruhmreichen Undercover-Einsatz von der Vergangenheit und einer schockierenden Wahrheit eingeholt. Spektakuläre politische Lügengeschichten gibt es aber nicht nur im Kino, sondern nach wie vor auch in der Realität und oft sogar direkt vor unseren Augen.

„Der Vorwurf, meine Doktorarbeit sei ein Plagiat, ist abstrus“ (2011)
Nachdem Bundesverteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg Mitte Februar 2011 noch voller Überzeugung obigen Satz geäußert hatte, war er zwei Wochen später bereits nicht nur unzweifelhaft der Lüge überführt worden, sondern auch als Minister zurückgetreten. Anders als von ihm behauptet, enthielt seine Doktorarbeit nämlich sehr wohl zahlreiche Plagiate – und zwar auf über 90 % aller Seiten.

„I did not have sexual relations with that woman” (1998)
Als 1998 erste Berichte über eine mögliche Beziehung zwischen US-Präsident Bill Clinton und seiner Praktikantin Monika Lewinsky auftauchten, leugnete Clinton öffentlich, derartigen Kontakt mit Lewinsky gehabt zu haben. Dies wiederholte er später auch unter Eid. Ins kollektive Gedächtnis brannte sich vor allem Clintons unwahres Statement während einer Pressekonferenz, in dem er behauptete, „keine sexuelle Beziehung mit dieser Frau“ gehabt zu haben. Bekanntlich war das Gegenteil der Fall.

„Große Teile der deutschen Geschichte müssen umgeschrieben werden“ (1983)
Dass die Unwahrheit nicht nur Politikern zum Verhängnis werden kann, sondern beispielsweise auch einem Printmedium, zeigte eindrucksvoll die Affäre um die Hitler-Tagebücher. Obwohl es im Vorfeld teils erhebliche Zweifel an der Echtheit der Dokumente gegeben hatte, begann das Nachrichtenmagazin „Stern“ im August 1983 nach einer vollmundigen Ankündigung (siehe obiges Zitat) mit deren Veröffentlichung. Bereits eine Woche später stand jedoch zweifelsfrei fest, dass es sich bei den Hitler-Tagebüchern tatsächlich um Fälschungen handelte, für deren Ankauf der „Stern“ bis dahin dummerweise bereits über 9 Millionen DM bezahlt hatte…

„Der Irak verfügt über Massenvernichtungswaffen“ (2003)
Nicht zum ersten und vermutlich auch nicht zum letzten Mal diente im Februar 2003 eine Lüge zur öffentlichen Rechtfertigung eines bevorstehenden Krieges: So präsentierte Colin Powell, damaliger Außenminister der USA, dem UN-Sicherheitsrat angebliche Beweise für die Existenz von Massenvernichtungswaffen im Irak als Beleg für die unbedingte Notwendigkeit eines Angriffs. Powell selbst bezeichnete seine Rede später als „Schandfleck“ seiner politischen Karriere. Zuvor war auch schon das Eingreifen der Alliierten im Golfkrieg 1990/91 mit Hilfe einer Lügengeschichte, der sogenannten „Brutkastenlüge“, begründet worden. Die Legende über angebliche Gräueltaten irakischer Soldaten in Kuwait hatte eine New Yorker PR-Agentur im Auftrag der Organisation „Citizens for a Free Kuwait“ erfunden und über die Medien verbreitet.

„Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten“ (1961)
Zu den bekanntesten Lügen der deutschen Geschichte zählt auch ein Zitat von Walter Ulbricht, der am 15. Juni 1961 als Staatsratsvorsitzender der DDR während einer Pressekonferenz verkündete: „Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten!“. Schon zwei Monate nach seiner Äußerung, es war Mitte August 1961, begannen jedoch die Bauarbeiten an genau jener Mauer zwischen der DDR und der BRD, die doch angeblich niemand errichten wollte.

„…mein Ehrenwort – ich wiederhole – ich gebe Ihnen mein Ehrenwort…“ (1987)
Auch in den 1980er Jahren war das Ehrenwort manches Politikers nicht besonders viel wert. So beteuerte Uwe Barschel (CDU) vier Tage nach der 1987er Landtagswahl in Schleswig-Holstein noch vehement, dass die gegen ihn erhobenen Vorwürfe „haltlos“ seien. Vorgeworfen wurde ihm, die Wahl auch dank einer von ihm initiierten Verleumdungskampagne gegen den unterlegenen SPD-Kandidaten Björn Engholm gewonnen zu haben. Der daraus resultierende Skandal wurde als Barschel-Affäre bekannt. Keine drei Wochen später trat Uwe Barschel als Ministerpräsident zurück, da die Vorwürfe gegen ihn leider doch nicht so haltlos waren, wie von ihm anfangs versichert.

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