Weisse Lilien – Schöne neue Stadt
Was Christian Frosch („K.a F.ka-Fragment“) mit seinem neuen Film gewagt hat, kommt im deutschsprachigen Raum nach wie vor viel zu selten vor. Er hat sich an einer Mischung aus gesellschaftskritischer Utopie und Psychothriller versucht, der in den USA oder Italien zu einem handfesten Genrefilm geworden wäre – hier allerdings in jener kruden Mischung stecken bleibt. In einer nicht näher bestimmten Zukunft leben 50.000 Menschen in einer „Neustadt“, einer autarken Stadt, verteilt auf nur wenige futuristisch anmutende Wohneinheiten. Als Hannah vor ihrem gewalttätigen Ehemann in eine andere, vornehmere Etage des Komplexes umzieht, kommen ihr schon bald Zweifel am Selbstmord ihrer Vormieterin. Schließlich verschwinden Freunde aus ihrem Bekanntenkreis und auch ihr Ehemann scheint spurlos verschwunden zu sein. Stimmen die Anschuldigungen, die gegen Hannah hervorgebracht werden?
Ästhetisch hat sich Christian Frosch in „Weisse Lilien“ an den dystopischen Gesellschaftsentwürfen der 70er Jahre orientiert, die in jener Zeit mit noch mehr Nachdruck auf die Gefahren einer technologisierten und entmenschlichten Zukunft hinweisen konnten. Heute hingegen wirken solche Ansätze nicht nur aufgrund der schrecklichen Badfliesen und Hängelampen altmodisch und überholt. Zudem bleiben Froschs kritische Intentionen ähnlich nebulös wie die Handlungsführung selbst, die darauf angelegt ist, die Zuschauer zu verwirren und dadurch eine wage Spannung zu schüren. Da die Hintergründe in Andeutungen und skizzenhaften Entwürfen stecken bleiben, büßen auch die Kritikpunkte an Wirkung ein. Zwar ist „Weisse Lilien“ durchweg mit renommierten und auch trefflich besetzten Darstellern bestückt, den Mangel an gesellschaftskritischer Bloßstellung und das Manko eines wirklich runden und verstörenden Spannungsaufbaus können sie aber nur schwerlich wieder wettmachen.
A/D/LUX/H 2007. Regie und Buch: Christian Frosch. Musik: Andreas Ockert. Schnitt: Michael Palm. Kamera: Busso von Müller. Produktion: Amour fou Filmproduktion, KGP Kranzelbinder Gabriele Production, Mediopolis, Neue Visionen, Weltfilm. Mit: Brigitte Hobmeier, Martin Wuttke, Johanna Wokalek, Erni Mangold, Walfriede Schmitt, Xaver Hutter, Gabriel Barylli, Günther Kaufmann. 96 Min. Neue Visionen ab 11. 9.08.
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