John Boorman im Portrait
Ein filmischer Vordenker und formaler Vorreiter: Der 74 jährige John Boorman zählt zu den vielseitigsten und wichtigsten Regisseuren des 20 Jahrhunderts. Er besitzt ein unheilbar gesundes Gespür für die psychologische Wahrhaftigkeit seiner Filmfiguren, sei es im Actioner (1967 Point Blank“), zehn Jahre später mit dem Beatnik-Fantasy-Erfolg „Zardoz“ oder im Kriegsdrama („Hope and Glory“, 1987). Der ehemalige Wäschetrockner-Vertreter verstörte 1972 die Welt mit seinem legendären Backwood-Abenteuer „Beim Sterben ist jeder der Erste“ mit Burt Reynolds auf einem tödlichen Jagdausflug. Stets atmen seine Figuren existentialistischen Nimbus pur. Boorman, der Camus an der Kamera betonte einmal im Interview: “In meinen Filmen steht immer der Mensch im Vordergrund, den versuche ich perfekt zu erhellen, und zwar, wie er sich unter bestimmten Lebens-Bedingungen verhält.“ Gesagt, getan, 1985 im Wildlife-Epos „Der Smaragdwald“: Basierend auf einer tatsächlichen Begebenheit, denn 1972 wurde im brasilianischen Urwald der Sohn eines peruanischen Ingenieurs gekidnappt, um erst Jahre später von seinem Vater als integriertes Mitglied eines Amazonas-Stammes wieder entdeckt zu werden. Boorman zauberte aus dem Drama eine abenteuerliche Coming-of–Age-Story, um den steten Konflikt zwischen „Zivilisation“ und unberührter Natur zu bebildern. Dies in seiner eigenen extravaganten Bildsprache; schön, stark sachlich und doch immer packend und unterhaltsam.
Als Regie-Merlin zauberte Boorman ebenso einen Jahrhundert-Klassiker: „Excalibur“ – zur damaligen Zeit (1981), mit den spärlichen technischen Mitteln ein wahres Wunderwerk: Eigentlich bereitete er die Verfilmung des kultigen Fantasy-Romans von J.R.R. Tolkiens Epos „Der Herr der Ringe“ vor, mußte jedoch vor den technischen und rechtlichen Problemen die weiße Fahne hissen und produzierte statt dessen eben diesen „Excalibur“. Eine spannende und opulente Adaption über den legendären König Artus. Aber wie!- Mit Boormans Background gelang ihm ein fantastischer und monumentaler Ritter- und Schwertstreifen, der seinesgleichen noch lange suchen sollte. Er rekrutierte einstens weithin unbekannte Darsteller, die mittlerweile Stars sind wie Liam Neeson („Schindlers Liste“), Helen Mirren („Die Queen“), Patrick Stewart („Star Trek“) und Gabriel Byrne („Dead Men“). Auch die eigene Familie blieb nicht verschont, da er gleich drei seiner vier Sprösslinge, Charley, Katrine und Telsche in Nebenparts einspannte.
Bei den Filmfestspielen an der Canner Croisette war 1981 dann der Preis für den „Besten Künstlerischen Beitrag“ fällig. „Ich habe mir damit einen langen Traum erfüllt, die Dreharbeiten waren zwar unmenschlich hart, aber es hat sich gelohnt!“, frohlockte Boorman seinerzeit. Auch danach blieb der gebürtige Londoner seinen analytischen Absichten treu: Es folgten einzigartige wie variationsreiche Meisterstückchen wie „Die Zeit der bunten Vögel“ (1989), „Rangoon – Im Herzen des Sturms“ (1995), „Der General“ (1999) sowie 2000 „Der Schneider von Panama“.
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