Mehr Gewalt, mehr Sex – Wolfgang Petersen
Seit rund fünfzehn Jahren zählt er in Hollywood zur Spitzengarde der Big-Budget-Regisseure und hat bei all seinen Projekten den begehrten Final-Cut-Status. Trotzdem bringt Wolfgang Petersen nun mit Troja – Director’s Cut seinen zweiten Film (nach Das Boot) in einer überarbeiteten Fassung in die Kinos.Â
Der Final-Cut-Status besagt, dass ein Regisseur in allen Belangen seiner Produktion, von der Auswahl der Darsteller über den Endschnitt bis hin zur Musikuntermalung, Mitspracherecht hat und sich im Zweifel gegen die Forderungen des produzierenden Studios behaupten kann. Wolfgang Petersen, der aus Emden stammende Filmemacher, hat diesen „Ritterschlag“, wie er selbst diese Hollywood-interne Auszeichnung tituliert, seit dem Film Air Force One intus. Das war seinerzeit nach In the Line of Fire und Outbreak der dritte Film des Regisseurs in Folge, der zu einem großen Publikumserfolg avancierte. Grund genug, Petersen in den elitären Kreis der zehn bis fünfzehn Regisseure aufzunehmen, die den Studios das Fürchten lehren. Dennoch hat er vor drei Jahren mit Troja einen Film in die Kinos gebracht, mit dem er selbst nicht so recht zufrieden war.
Das Mammutprojekt entstand für geschätzte 185 Millionen Dollar – eine Summe, bei der es den Entscheidungsträgern in den Führungsetagen etwas mulmig wurde. „Wir mussten aufpassen wegen der Länge, wegen der Gewaltszenen und wegen der Nacktheit.“ Immer wieder mussten im Schneideraum Szenen entfernt werden, damit der Film noch eine Jugendfreigabe bekommen konnte – was in Amerika nie geschah, wo der Film trotz all dieser Selbstzensur nur das gefürchtete „R“-Rating erhielt. „Während dieses Prozesses, als ich an dem Film das erste Mal gearbeitet hatte, musste ich schon gewisse Frustrationen in Kauf nehmen, weil ich merkte, dass der Film deutlich kreativ verlor. Der Rhythmus war plötzlich nicht mehr derselbe, weil ich mir nicht mehr die Zeit nehmen konnte, diese epische Geschichte angemessen zu erzählen.“ Auch hinsichtlich des historischen Kontextes sei auf diese Weise etwas von der Realität verloren gegangen, meint Petersen, weil die Schlacht zwischen Griechen und Trojanern in Wirklichkeit eben wesentlich blutiger abgelaufen sei.
Aufgrund des großen Erfolges von Troja erhielt Petersen nun die Möglichkeit, mit einem Team von rund vierzig Mitarbeitern noch mal drei Monate an seinem Film zu basteln und ihn endlich so in die Kinos zu bringen, wie er von ihm ursprünglich vorgesehen war. Länger ist er geworden, brutaler und sexuell freizügiger. Aber auch hinsichtlich der technischen Aspekte hat sich etwas getan. Die neue Fassung ist eine komplette Digitalversion. „Der alte Film wurde am Computer noch einmal Szene für Szene farblich, hinsichtlich des Kontrastes und mit allem Drum und Dran so nachbearbeitet, dass er diese erstaunliche Brillanz und Qualität bekam.“ Auch im eigenen Heimkino setzt Petersen auf Perfektion: sein Screening Room hat eine Riesenleinwand, ist mit einem HD-DVD-Projektor und einer 7.1-Soundanlage ausgestattet. Deswegen liebt er das Kino zu Hause fast so sehr wie die Filme auf der Kinoleinwand. Seinen absoluten Lieblingsfilm, John Fords Der schwarze Falke, hat er sich schon fünfzehn Mal angeschaut. Und wenn Troja – Director’s Cut im Herbst dann ebenfalls als Silberling in den Handel kommt, wird die Endversion des DVD-Liebhabers Petersen mit zahlreichen neuen Extras bestückt sein – in High Definition und mit all den Vorzügen, die der Regisseur in seiner ersten Version des Filmes noch nicht verwirklichen konnte.
Mehr Gewalt, mehr Sex – Wolfgang Petersen wurde bearbeitet von Frank Brenner • Permalink • Kommentar schreiben »













