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Porträt: Philippe Graber

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Porträt: Philippe Graber

Ein Mann für gewisse stille Stunden, ein Mann, der selber lieber ruhig bleibt, als laut wird. Der Luzerner Theater- und Filmschauspieler Philippe Graber erobert nach den Bühnenbrettern nun auch die Filmleinwände: In seinem neuesten Filmcoup „Der Freund“ beweist er einmal mehr, daß Intensität und Präsenz eines großen Schauspielers nicht auf roten Teppichen oder Cocktail-Parties stattfinden muß:

In der Ruhe liegt die Kraft, und Begabung muß nicht beredt bewiesen werden. Während andere durch dreiste Dummheit täglich in die Schlagzeilen drängen, bleibt er lieber daheim, um an einem neuen Drehbuch zu schreiben. Er ist bekannt, aber nicht beliebt, weil ihn noch zu wenig kennen. Er ist begabt, aber nicht bejubelt.

Seine Begeisterung für das Theater entdeckte der 32jährige, unscheinbar wirkende nette Junge von nebenan schon in frühen Jahren als Statist am Luzerner Stadttheater. Jenes Stadttheater, welches ihn 2005 für die Komödie „Der Anfang vom Ende“ und 2006 für „Romeo und Julia“ als Hauptdarsteller zurückholte. Deshalb betont er stets, daß er sich mit Luzern nach wie vor sehr verbunden fühle“, weil auch „seine Familie und gute Freunde da sind.“ Und für ein Engagement am Stadttheater ist er „jederzeit wieder zu haben“, weil er es „super“ findet, was Schauspieldirektor Andreas Hermann für eine grandiose Arbeit leistet.“ Graber wollte, will und wird nach oben kommen.

Und so überzeugte der nun in Zürich lebende Allrounder beispielsweise 2000 in Shakesspares „Richard II“ unter Claus Peymann, spielte gegen Gott und die Welt in Büchners „Leonce und Lena“ (2003) und überraschte 2005 als Andreas Baader mit „RAF Unplugged“. Entscheidend war aber Leander Haussmann, der ihn 2002 nach dem „Sommernachtstraum“ vom Theater zum NVA-Film brachte. Jetzt gilt er im Kino als großer schweizerischer Hoffnungsträger: Denn nach dem eher mageren Schweizer Filmjahr 2007 gilt soll „Der Freund“, der Mitte Januar in die Lichtspielhäuser kommt, ein besseres 2008 einläuten. Die überzeugende Tragikomödie rund um einen schüchternen Außenseiter, der zum Pro-forma-Freund einer umschwärmten Popsängerin wird, ist im Geschichtenatelier von Micha Lewinsky entstanden. Der brillante Drehbuchautor, aus dessen Feder Schweizer Filmhits wie „Sternenberg“ und „Little Girl Blue“ stammen, überzeugt ungemein mit seiner ersten großen Spielfilmregie. Nicht zuletzt durch seinen Protagonisten Graber: „Philippe Graber habe ich nach einem sehr langen und mühsamen langen Casting-Prozess gefunden. Und ich bin sehr glücklich darüber. Er ist wirklich eine echte Entdeckung. Ich bin überzeugt, wir werden ihn noch in vielen Filmen erleben!“, frohlockte Lewinski enthusiastisch nach dem Dreh.

Dabei will der 180 cm große Graber alles andere als Sympathieträger sein: Als streberhafte Soldat Stadlmair überzeugte er 2005 in der Filmkomödie „NVA“, die vom Leben in der Nationalen Volksarmee in der Endphase der DDR handelt, das europäische Publikum.

“Ich spiele gerne uncoole Typen, die erinnern einen an sich selber. Man ist ja auch nicht immer so cool, wie man sein möchte“, gesteht Graber im Interview. Man spürt sofort, er will keinen Rummel um seine Person, und man fühlt seine Sensibilität und Sensitivität ist in seinem darstellerischen Spiel. Das Gold glänzt eben im Verborgenen, und das weiß Graber weiß auch nur zu gut, auch, wie „schnelllebig und hohl das Showbusiness“ ist. Heute Top, morgen Flop. Das will er nicht: „Ich mag es überhaupt nicht, als Schauspieler überhaupt erkannt zu werden, betont er energisch. Im Gegenteil, die „Schauspielerei gibt mir keine größere Selbstsicherheit; man wird dadurch bloß eitel und arrogant.“ Überdies provoziere Derartiges bloß â€žewig dieselben Fragen“ wie: Wann geht’s nach Hollywood?“ Keinen Zweifel, Graber, der in seiner Freizeit Fußball, Schach und Lesen favorisiert, hat sein Metier von der Pike auf gelernt, büffelte er doch von 1996 – 2000 an der Hochschule für Musik und Theater in Zürich. Klar, Zürich ist sein neues Domizil, aber „Luzern ist und bleibt meine Heimat, ich immer wieder gerne da“, gesteht Graber und ehrlich. Das ehrt ihn, den Mann für große gewisse und stille Theater- und Filmstunden: „Ich möchte gerne das Filmen intensivieren, und auch das Theaterspielen beibehalten, wünscht sich Graber, und das, „obwohl es zwei völlig unterschiedliche Welten sind.“.

Porträt: Philippe Graber wurde bearbeitet von Jean LüdekePermalinkKommentar schreiben »

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