VON MORGENS BIS MITTERNACHTS bei SoundTrack_Cologne
Die Partnerschaft des Kölner Silent Movie Theatre, KölnMusik und von SoundTrack_Cologne ermöglicht die Neuvertonung – “Von morgens bis mitternachts”, ein deutscher Filmklassiker von 1920, erfährt die Uraufführung der frisch restaurierten Fassung des Filmmuseums München mit der Neukomposition von Yati Durant. Silent Movie Theatre findet im Rahmen des Netzwerks ON – Neue Musik Köln statt.
Auch nach fast neunzig Jahren ist der deutsche Filmexpressionismus weltweit ein Begriff. In seiner graphischen Bildauffassung und den vielfach imitierten Schattenwelten inspirierte er bis heute Generationen von Filmschaffenden – insbesondere im Horrorgenre. Tatsächlich aber gab es um 1920 nur eine kleine Gruppe von deutschen Stummfilmen rund um Robert Wienes Klassiker “Das Kabinett des Dr. Caligari”, die im engeren Sinne expressionistisch waren. Mit der Wiederentdeckung des Filmdramas “Von morgens bis mitternachts” wird nun das zweite Schlüsselwerk dieser Filmströmung wieder zugänglich.
Erstmals überhaupt in seiner Geschichte trifft Karlheinz Martins Stummfilm mit dem großen Theaterstar Ernst Deutsch dabei auf eine kongeniale Filmmusik. Der in Berlin lebende US-amerikanische Komponist Yati Durant, der an der Kölner Musikhochschule studierte, wird sie im Rahmen von Soundtrack Cologne mit einem eigens zusammengestellten Ensemble zur Uraufführung bringen.
Initiiert wurde die Neuvertonung von Daniel Kothenschulte, Filmkritiker und Begründer der Kölner Filmreihe Silent Movie Theatre: “Seit ich Yati Durants erstaunlich eigenständige und klangewaltige Neuvertonung zum “Panzerkreuzer Potemkin” hörte”, sagt Kothenschulte, “seine Abschlussarbeit an der Kölner Musikhochschule, suchte ich für ihn nach einem Film, der nach seinem Talent noch dringender verlangt, weil es bislang keine definitive Filmmusik dazu gibt. Deshalb brachte ich ihn mit Stefan Drössler vom Münchner Filmmuseum zusammen, der gerade, “Von morgens bis mitternachts” restaurierte. Er war ebenso begeistert wie die Partner der aufwändigen Aufführung: SoundTrack_Cologne, ON – Neue Musik Köln und KölnMusik”. Für Yati Durant erwies sich das weithin unbekannte Filmjuwel als wahrer Glücksfall: “Es ist ein filmisches Kunstwerk, das dem Komponisten einen enormen Freiraum für eigene Inspirationen lässt.”
In der Verfilmung des bekannten Dramas von Georg Kaiser spielt Ernst Deutsch den Kassierer einer Bank, der eine große Summe stiehlt, um ein besseres Leben zu finden. Er stürzt sich in die Vergnügungen der Großstadt – und bleibt doch unglücklich und unerfüllt. So vertraut er sich schließlich einer Schwester der Heilsarmee an – doch sie ruft die Polizei.
Nicht nur in den gemalten Kulissen erinnert der Film an den kurz zuvor realisierten “Caligari” — es gibt auch einen gemeinsamen Nebendarsteller, Hans Heinrich von Twardowski. Bekannt war der Film lange nur durch einen frühen Klassiker der Filmliteratur, das Buch “Expressionismus und Film” von Rudolf Kurtz. Alle Filmkopien und das Negativ waren verschollen, einen regulären Kinostart hatte es hierzulande nie gegeben. In Deutschland war der Film seinerzeit nur in
Privat- und Sondervorführungen zu sehen gewesen. Sein Stil war möglicherweise zu radikal für den Massengeschmack. So kam er allein in Japan in die Kinos, wo er sehr erfolgreich gezeigt wurde und offenbar weit besser verstanden wurde: Der vom Theater beeinflusste Stil und das maskenhafte Make-Up der Darsteller hat eine große Nähe zu dortigen Theatertraditionen. Dort wurde schließlich eine Kopie ohne Zwischentitel gefunden, die lange zur falschen Einschätzung führte, dieser Film habe bewusst auf dieses Erzählmittel verzichtet. 1963 wurde diese wiederentdeckte Kopie des verschollen geglaubten Films in Ostberlin aufgeführt. Das Münchner Filmmuseum hat nun auch die Zwischentitel wiederhergestellt und in den Film eingefügt. “Auch die Bildqualität ist brillant”, meint Daniel Kothenschulte “Von morgens bis mitternachts”
wird nun nicht nur im alten Glanz wiederauferstehen, er wird erstmals in Deutschland überhaupt eine würdige Premiere feiern — komplettiert durch eine verständige Originalmusik, die seine Modernität bis in die Gegenwart vermittelt.”
Von morgens bis mitternachts. Deutschland 1920. Regie: Karlheinz Martin.
Uraufführung der Neukomposition von Yati Durant am 20. November 2009 im Rahmen von SoundTrack_Cologne im Filmforum NRW. Tickets an der Abendkasse zu 10 Euro, ermäßigt 8 Euro. Vorverkauf über SoundTrack_Cologne.
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[...] Gesehen im Filmforum im Museum Ludwig, Köln, am 20. November 2009. Uraufführung der restaurierten Fassung (72 Minuten) mit der neu komponierten Musik von Yati Durant. [...]
Samstag, 21 November 2009 @ 4:03pm