Pierre-André Boutang, Regisseur, Produzent und Mitbegründer von ARTE gestorben
Pierre-André Boutang, Regisseur, Produzent und Mitbegründer von ARTE, ist am 20.08.2008 bei einem Unfall ums Leben gekommen.
In seinem Berufsleben widmete sich Pierre-André Boutang (71 J.) mit Leidenschaft der Kultur und zeichnete sich durch eine seltene Vielseitigkeit in Literatur, Film und Fernsehen aus. Er arbeitete als Regisseur, führte Interviews wie kaum ein anderer, war Programmdirektor mit Visionen und Erfinder neuer Sendungskonzepte. Vor allem aber bleibt er uns als Mann von umfassender Bildung und außerordentlichem Wissen in Erinnerung, voller Ideen und unermüdlich auf der Suche nach neuen Begegnungen und Projekten. Die Bilanz seines Wirkens ist beeindruckend.
Unter der Leitung von Yves Jaigu entwickelte er 1987 bei dem französischen Sender France 3 die Kultursendung “Océaniques”, die das Fernsehen und die intellektuelle Debatte der damaligen Zeit prägte und für die er 1987 und 1988 den angesehenen französischen Fernsehpreis “7 d’Or” erhielt.
Georges Duby holte ihn später zu “La Sept”, und 1990 wurde er an der Seite von Jérôme Clément stellvertretender Programmdirektor. Er verstand es, der Kulturlandschaft neue Impulse zu geben. In der Gründungszeit von ARTE hat er den kreativen Dialog zwischen Franzosen und Deutschen maßgeblich vorangebracht. Durch Pierre-André Boutang lernte der junge Sender ARTE, die Neugier wach zu halten, Hintergründe aufzuzeigen und Kreativität zum Anspruch zu erheben.
Viele Filme aus Pierre-André Boutangs umfangreichem Werk werden den ARTE-Zuschauern in Erinnerung sein, so “Das große ABC von Gilles Deleuze”, “13 Tage im Leben von Pablo Picasso”, der vor kurzem wiederholte “Alexander Solschenizyn”, “Depardieu… Mit den Augen der anderen”, die Reihe “Mao – Eine chinesische Geschichte”, “Musée du Quai Branly” und “Ein Platz für die primitive Kunst” sowie das faszinierende Porträt “Jeanne Moreau – Im Film und ganz privat” (2008). Seinen letzten Film “Claude Lévi-Strauss par lui-même” aus Anlass des 100. Geburtstages des Ethnologen und Anthropologen wird ARTE am 27. November ausstrahlen.
Pierre-André Boutang war nicht nur unmittelbar für viele Themenabende zuständig, sondern brachte auch das ARTE-Kulturmagazins “Metropolis” mit auf den Weg, das er von 1995 bis 2006 auf französischer Seite geleitet hat.
ARTE trauert um eine herausragende Persönlichkeit des europäischen Kulturfernsehens und einen wunderbaren Kollegen und Vorgesetzten.
In tiefem Mitgefühl mit seiner Ehefrau und Angehörigen drücken Gottfried Langenstein, Präsident von ARTE, Jérôme Clément, Vizepräsident von ARTE und Präsident von ARTE France sowie alle deutschen und französischen ARTE-Mitarbeiter ihre hohe Wertschätzung und enge Verbundenheit mit Pierre-André Boutang aus.
ARTE wird Pierre-André Boutangs mit einem Sonderprogramm gedenken: in der heutigen ARTE-Kultursendung um 20.00 Uhr, mit einer Metropolis-Sondersendung am 30.09.2008, um 20.15 Uhr und mit der Wiederholung von “13 Tage im Leben von Pablo Picasso” am Samstag, 23. August, um 22.45 Uhr
Quelle: Arte
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