600 Filme in 6 Tagen – Die Preisträger der 55. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen
Zum halbrunden Jubiläum des bedeutenden Kurzfilmwettbewerbs in Oberhausen, der in diesem Jahr vom 30. April bis 5. Mai stattfand, wurden annähernd 600 kurze Filme und Videos in den verschiedensten Programmen gezeigt. Diese erstreckten sich vom Internationalen Wettbewerb mit 51 Beiträgen aus 31 Ländern über den Deutschen Wettbewerb mit 25 Beiträgen bis hin zum erstmals veranstalteten NRW-Wettbewerb, in dem zehn Filme um die beiden von der NRW-Bank gestifteten Preise konkurrierten. Parallel dazu gab es auch in diesem Jahr wieder den Kinder- und Jugendwettbewerb sowie den schon zum 11. Mal vergebenen MuVi-Preis für das beste Musikvideo. Der Themenbereich widmete sich unter dem Schlagwort „Unreal Asia“ dem vielfältigen Filmschaffen im asiatischen Raum und bot als Herzstück eine Retrospektive des japanischen Filmavantgardisten Matsumoto Toshio, der in diesem Jahr seinen 77. Geburtstag feierte.
Die Internationale Jury verlieh den, mit 7.500 Euro höchstdotierten, Großen Preis der Stadt Oberhausen in diesem Jahr an den 18minütigen thailändischen Beitrag „A Letter to Uncle Boonmee“ von Apichatpong Weerasethakul. Das sehr persönlich gehaltene dokumentarische Werk ist als Brief des Filmemachers an seinen Onkel konzipiert und „spannt den Bogen von einer biografischen Geschichte über eine Reflexion filmischen Erzählens bis hin zur Darstellung politischer und historischer Zusammenhänge“. So die Begründung der Jury des Ministerpräsidenten des Landes Nordrhein-Westfalen, mit deren Preis Weeerasethakuls Film ebenfalls ausgezeichnet wurde. Die beiden mit je 3.500 Euro dotierten Hauptpreise gingen an Carsten Aschmann für „Ketamin – Hinter dem Licht“, eine sinnlich-morbide filmische Fahrt, und an den US-Amerikaner Robert Frank für „True Story“. Dieses ebenfalls sehr persönlich gehaltene Werk beschreibt nachhaltig den Verlust von Freunden und Familienangehörigen des Künstlers.
Duncan Campbell lässt in „Bernadette“ das politische Wirken von Bernadette Devlin Revue passieren, die in den frühen 1970er Jahren als jüngstes Parlamentsmitglied für die Belange Nordirlands einstand und durch eine Ohrfeige für den britischen Innenminister für Schlagzeilen sorgte. Die von experimentellen weißen Flecken gesäumten Archivaufnahmen waren den Oberhausener Jurys ebenfalls zwei Preise wert. „Bernadette“ gewann den ARTE-Preis und den FIPRESCI-Preis der Internationalen Filmkritik. Auch „Elefantenhaut“ von Severin Fiala und Ulrike Putzer hinterließ bei den Juroren einen bleibenden Eindruck. Der Ausbruch einer älteren Frau, die noch immer bei ihrer Mutter wohnt, aus ihrem tristen Alltag, wurde mit dem Preis der Ökumenischen Jury bedacht und erhielt eine lobende Erwähnung von der Jury des Preises des Ministerpräsidenten von Nordrhein-Westfalen.
Der Hauptpreis des Deutschen Wettbewerbes wurde 2009 ex aequo verliehen an Michael Klöfkorns zivilisationskritischen Kurzfilm „n.n.“ und an David OReillys zehnminütige Animation „Please Say Something“ über die Beziehung zwischen einer Katze und einer Maus. Der erste Preis des NRW-Wettbewerbs ging an Simon Rittmeiers „A Taste of Honey“. Als Student der Kunsthochschule für Medien in Köln realisierte der 27jährige in Kuba einen Film in Schwarz-Weiß und gänzlich ohne Worte, der einen bleibenden Eindruck hinterlässt. Trotz staatlicher Zensur und Kontrollen gelang es dem jungen Filmemacher, das Ende einer Utopie in einem tropischen Paradies zu visualisieren. Frank Brenner
Alle weiteren Preisträger der 55. Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen:
Preise der Kinojury
„Prrrride“ von Sirah Foighel Brutmann und Eitan Efrat
„Murphy“ von Bjørn Melhus
Preis der Internationalen Kurzfilmtage Oberhausen
„Burning Palace“ von Mara Mattuschka
3sat-Förderpreis
„Rebeca“ von Gonzalo H. Rodríguez
Zweiter Preis des NRW-Wettbewerbs
„Dial M for Mother” von Eli Cortiñas Hidalgo
Preis der Kinderjury des Internationalen Kinder- und Jugendfilmwettbewerbs
„Adriaan: Een Kist voor Stippie“ (Adriaan: Ein Sarg für Stippie) von Mischa Kamp
Preis der Jugendjury des Internationalen Kinder- und Jugendfilmwettbewerbs
„Ralph“ von Alex Winckler
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