Kabale & Liebe unplugged am 10. November 2009 in Potsdam
2005 war Schillerjahr.
2009 ist Schillerjahr.
Diesmal jährt sich am 10. November 2009 Schillers Geburtstag zum 250. Mal.
An diesem Tag wird um 20:00 Uhr im CinemaxX Potsdamer Platz Berlin der Spielfilm Kabale & Liebe unplugged uraufgeführt.
Die Gegenwart.
Die Finanzkrise kriecht überall aus den Löchern. Die einen zerbrechen an ihr, die anderen dienen unbelehrbar weiter der Gier. Die einen versuchen, ihr Leben zu leben, die anderen langweilen sich zu Tode, da ihnen nichts mehr Glück und Zufriedenheit verschafft. Die einen leben von wenig, die anderen von mehr und mehr und mehr. Die einen setzten auf Menschlichkeit, die anderen zerstören sie. Die einen kämpfen, die anderen lassen kämpfen. Die einen riskieren, die anderen kennen das Wort “Risiko” überhaupt nicht. Die einen scheitern, die anderen sehen beim Scheitern zu. Die einen arbeiten an ihrer Bestimmung, die anderen bestimmen alles. Die einen entwickeln sich, die anderen würden niemals abtreten.
Zurück bleiben eine Tote, ein Selbstdarsteller, eine Bestie, ein Handlanger, eine Verrückte, ein Träumer, ein Opportunist, eine Mentaltote, noch eine Opportunistin, ein Henker, ein Famulus, noch ein Toter und ein Kassandrus.
“Kabale & Liebe unplugged” wird auf HDV im “Dogma”-Style. Regisseur Markus Hahn verzichtet zum Beispiel weitestgehend auf künstliche Beleuchtung und gibt den Schauspieler/innen viel Raum für die schwierige und herausfordernde Interpretation des zwar gekürzten, aber in jedem Wort originalen Schillertextes (auch wenn er in einer Szene zum Teil auf chinesisch gesprochen wird). Interessante Drehorte wie der Grünstreifen eine Hauptverkehrsstraße, eine Stretchlimousine oder der Friseursalon von Udo Walz steuern ihr Übriges zur spannenden Interpretation des immer noch aktuellen Stoffes bei.
Dieser Film läßt niemanden kalt. Probevorführungen von bereits fertigem Material zeigen: wer den Film lediglich schaut in der Hoffnung, sich zurücklehnen und die schöne Sprache des ehrenwerten Schillers genießen zu können, wird erschüttert. Die unaufgesetzte Auslegung durch die Schauspieler und den Regisseur elektrisiert das Publikum und führt eine immerwährende Kernproblematik der Menschheit (Neid, Egoismus, Narzißmus) auf eine immer fesselnde und kompromißlose Ebene. Die zur Beobachtung freigegebene Entwicklung der Figuren räumt mit gängigen Klischees der “alten Schillerwelt” auf und verteilt die Schuldhaftigkeit neu. Luise wird zerstört, weil sie selbstbewußt ist und ihren, von der kranken Gesellschaft verurteilten Weg unbeirrbar vorangeht.
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