Roman Polanski auf der Cologne Conference – Filmpreis Köln für Roman Polanski
Der mit 25.000 Euro dotierte Filmpreis Köln geht in diesem Jahr an Roman Polanski. Der 1933 in Paris geborene polnische Regisseur gilt mit Filmen wie „Chinatown“ oder „Der Pianist“ als einer der renommiertesten Filmemacher des Weltkinos. Polanskis Biografie, so begründete die Cologne Conference die Entscheidung, biete „selbst Stoff für gleich mehrere Spielfilme. Er hat sich, ausgehend von den tiefgreifenden Erlebnissen seiner Existenz, intensiv mit dem Zusammenhang von Kommunikation, Sinneswahrnehmung und Filmsprache auseinandergesetzt – und dies mit prägenden Arbeiten über einen Zeitraum von mehr als fünfzig Jahren hinweg“.
Der von der Filmstiftung NRW und der Stadt Köln gestiftete Filmpreis wird jährlich im Rahmen der Cologne Conference an einen herausragenden Filmkünstler vergeben, der die Grammatik und Poetik der audiovisuellen Medien entscheidend beeinflusst hat. Die bisherigen Preisträger waren der US-Regisseur und Drehbuchautor Paul Haggis (2007) und die belgischen Filmemacher Jean-Pierre und Luc Dardenne (2008). Roman Polanski wird den Filmpreis Köln am 3. Oktober in Empfang nehmen. Der Regisseur wird sich außerdem in einem Werkstattgespräch zu seinem jüngsten Filmprojekt „The Ghost“ äußern. Der Spielfilm, der in Deutschland gedreht wird, befindet sich derzeit in der Postproduktion. Zudem wird Roman Polanski von der Cologne Conference mit einer Retrospektive geehrt.
Nach einigen international ausgezeichneten Kurzfilmen Polanskis galt sein erster Spielfilm „Das Messer im Wasser“ (1962) bereits als Sensation. Für seinen Regiekollegen Andrzej Wajda stand der subtile Thriller für einen Neubeginn im Land: „Zum ersten Mal seit dem Zweiten Weltkrieg kam ein Film in die polnischen Kinos, der nichts mit dem Krieg zu tun hatte.“ Der Erfolg von „Das Messer im Wasser“ ermöglichte Polanski den Sprung in den Westen. Mit „Rosemaries Baby“ (1968), seinem ersten in den USA gedrehten Film, landete er gleich einen phänomenalen Erfolg bei Publikum und Kritikern. Sein größter Triumph während seiner Zeit in den USA war „Chinatown“ (1974) mit Jack Nicholson in der Hauptrolle. Der Schauspielstar sagt bis heute, Roman Polanski sei der größte Regisseur, mit dem er je zusammengearbeitet habe. „Chinatown“ wurde vom Meisterwerk zu einem Klassiker, nachdem Polanski das im Drehbuch vorgesehene Happy End durch einen düsteren Schluss ersetzt hatte. Das entsprach seiner Lebenserfahrung: Seine Mutter starb im Konzentrationslager, seine Frau Sharon Tate wurde 1969 von Charles Mansons ermordet. Kein anderer Regisseur hat bitterer erfahren müssen, wie sich Ohnmacht im Angesicht bestialischer Verbrechen anfühlt.
Die klaustrophobische Situation des Individuums ist nach Polanskis Rückkehr nach Europa in den späten 70er Jahren ein Hauptmotiv seines Werks. In den Literaturverfilmungen „Tess“ (1979), „Der Pianist“ (2002) und „Oliver Twist“ (2005) geht es stets um Außenseiter, die sich gesellschaftlicher und institutioneller Diskriminierung erwehren müssen. Für „Der Pianist“ kehrte der in Paris lebende Polanski erstmals nach 40 Jahren zum Drehen nach Polen zurück. Sein persönlichster Film entstand auf Basis der Memoiren des jüdischen Pianisten Wladyslaw Szpilman, der mit Glück und durch die Hilfe von Bewunderern im von den Nazis besetzten Warschau überleben konnte. Polanski, der selber als Kind ins Krakauer Ghetto deportiert worden war, zeigt in diesem Film, für den er mit dem Oscar ausgezeichnet wurde, wie Leben und Tod völliger Willkür ausgesetzt waren.
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