Woody Allen in Köln
Wer die Filme des Regisseurs Woody Allen kennt – und in den vergangenen 40 Jahren wird man sicherlich den einen oder anderen dieser Klassiker („Der Stadtneurotiker“, „Manhattan“, „Hannah und ihre Schwestern“, „Bullets over Broadway“, „Whatever Works“) einmal gesehen haben –, der weiß, welche Art von Musik dem kleinen New Yorker am Herzen liegt. Kaum ein anderer zeitgenössischer Filmemacher dürfte häufiger Melodien von George Gershwin, Irving Berlin oder Cole Porter für seine Werke verwendet haben. Auf Woodys Soundtracks sind auch immer wieder Glenn Miller, Benny Goodman oder Billie Holiday zu hören, seine ganze Liebe gehört dem Old School Jazz. Dieser Liebe frönt er mittlerweile nun schon seit 60 Jahren auch aktiv als Klarinettist. Klar, es ist nur ein Hobby, aber über all die Jahrzehnte hat sich der umtriebige Regisseur, der seit Mitte der 60er Jahre jedes Jahr einen neuen Film in die Kinos bringt, darin ein erstaunliches Talent erarbeitet.
Von diesem Talent konnte man sich nun am 1. April 2011 in der Kölner Philharmonie mal live überzeugen, denn Woody Allen war mit seiner „New Orleans Jazz Band“ für ein Gastspiel in der Domstadt am Rhein. Eigentlich ist es ja nicht seine Band, sondern die des Bandleaders und Banjo-Spielers Eddy Davis, aber Allen ist zumindest hier in Europa der zugkräftigere Name. Die siebenköpfige Band spielt normalerweise jeden Montag im Carlyle Hotel in Manhattan, doch schon seit einigen Jahren geht Woody Allen mit der Kombo auch gerne mal auf Tournee. Das Programm war formal schlicht gestaltet. Kaum, dass die Musiker die Bühne betreten hatten, ging es auch schon los mit den beschwingten Melodien, die von sämtlichen Beteiligten auch immer wieder zu lockeren Improvisationen und eindrucksvollen Soli genutzt wurden. Jazz Standards waren darunter wie „You Are My Sunshine“ oder „Battle of Jericho“, vier der sieben Musiker gaben auch jeweils eine kurze Gesangseinlage zum Besten. Woody Allen selbst meldete sich am Mikrofon nur zweimal zu Wort, zunächst zur Begrüßung, dann nach rund einem Dutzend Nummern zum Vorstellen der Band und der damit verbundenen Verabschiedung. Wenn er selbst nicht in seine Klarinette blies, saß er gedankenverloren mit gesenktem Haupt auf der Bühne und ging ganz in der Musik auf. Nur selten raunte er seinen Nebenmännern kurze Bemerkungen zu, die man in den hinteren Rängen aber nicht mehr verstehen konnte. Als nach dem letzten Stück dann ein donnernder Applaus einsetzte, ließen es sich die sieben gestandenen Herren nicht nehmen, für eine Zugabe auf die Bühne zurückzukehren. Zwei weitere Stücke wurden gespielt, bis man sich nach Standing Ovations und einem rund 100minütigen Programm dann endgültig vom dankbaren Kölner Publikum verabschiedete. Der kurzweilige und beschwingte Abend dürfte allen Fans und Liebhabern des ausgelassenen New Orleans Jazz sicherlich noch lange in angenehmer Erinnerung bleiben.
Text: Frank Brenner
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