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Interview mit Barry Sonnenfeld: Men In Black

"Es ist ein Film in den Kinos, aber welche seiner verschiedenen Versionen das Original ist, kann kein Zuschauer mehr beurteilen." Für den weltweiten DVD-Release seines Blockbusters Men In Black ...

* 1. April 1953 in New York City, New York, USA, Produzent, Regisseur, Kameramann Er ist einer der erfolgreichsten Hollywood-Regisseure des letzten Jahrzehnts. Seine Erfolge wie "Addams Family", "Addams Family in verrückter Tradition", Schnappt Shorty oder Wild Wild West weisen ihn als einen der ... [komplette Biografie]

Interview mit Barry Sonnenfeld


"Es ist ein Film in den Kinos, aber welche seiner verschiedenen Versionen das Original ist, kann kein Zuschauer mehr beurteilen."

Für den weltweiten DVD-Release seines Blockbusters Men In Black engagierte sich der am 1. April 1953 in New York geborene Barry Sonnenfeld mit voller Kraft, öffnete seine Archive, stellte nie gesehenes Material zur Verfügung und kommentierte gemeinsam mit Oscar-Preisträger Tommy Lee Jones sein SciFi-Comedy-Meisterwerk.

Frage: Barry Sonnenfeld, sind Sie stolz auf die Arbeit, die Sie und das ganze Team für die Erstellung der DVD zu Men In Black geleistet haben?

Barry Sonnenfeld: Ohne direkt darauf eingehen zu wollen: Ich habe immer ein Problem gehabt mit den vielen, viel zu vielen Kinos, die einen Film nicht in der gebotenen Qualität aufführen können. Das ist mein Problem: Die meisten kommerziellen Kinotheater haben eine schreckliche Projektionsqualität, einen schrecklichen Sound. Ich bin davon überzeugt, dass die Filmfans, die sich Men In Black auf DVD ansehen - unabhängig davon, dass Ihnen das Erlebnis entgeht in einem großen Kino mit großer Leinwand umgeben von anderen Zuschauern Kino zu genießen - eine qualitativ bessere Version des Film sehen können.

Frage: Sind also die Möglichkeiten von DVD für Sie als Regisseur das Nonplusultra?

Barry Sonnenfeld: Ich bin keiner der Filmemacher, die glauben, dass es dem Werk nützt, den eigenen Film für DVD zu verändern. Ich glaube nicht an Special Editions und daran, dass man für den Video-Release seinen Film noch einmal verändern sollte, indem man zusätzliche Szenen hineinschneidet oder einmal geschnittenes Material wieder hinzufügt.

Frage: Fällt das nicht manchmal schwer?

Barry Sonnenfeld: Sehen Sie sogar bei Schnappt Shorty habe ich im Sinne der Dramaturgie und der Qualität des Gesamtfilms meine Lieblingsszene vor der Premiere herausgeschnitten. Anlässlich der DVD-Veröffentlichung des Films hat man mich gebeten, diese Szene doch wieder hinzuzufügen. Ich habe darauf verzichtet: Das wäre dann nicht mehr der Film. Das wäre nicht mehr Schnappt Shorty, das wäre doch allenfalls Schnappt Shorty mit einer zusätzlichen Szene! Wir haben die Szene dann am Ende des Films mit auf die DVD genommen. Aber wir haben den Film natürlich nicht verändert!

Frage: Es gibt namhafte Kollegen, die das anders sehen.

Barry Sonnenfeld: Ja, aber es gibt auch Leute wie die Coen, Ethal und Joel, die letztens etwas gemacht haben, dass absolut meiner Philosophie vom Filmemachen entspricht: Sie haben "Blood Simple" wiederveröffentlicht und gegenüber der Kinofassung gekürzt. Sie haben dafür neun Minuten aus dem Film herausgenommen. Das finde ich gut. Mir schwebt auch immer vor, mich kürzer zu halten, wenn ich die Gelegenheit habe.

Frage: Auf der anderen Seite ist DVD ja ein Medium, dass Ihnen erlauben würde, in aller Breite und Sorgfalt das darzustellen, was Sie mit Ihrem Film geschaffen haben.

Barry Sonnenfeld: Völlig klar, doch das widerspricht dem gerade Gesagten ja nicht. Ich bin ein Perfektionist, die Filme sind meine Kinder und ich will doch meine Kinder nicht ohne Schuhe draußen auf den Straßen sehen. Als Steven Spielberg die Erlaubnis zur DVD-Veröffentlichung von Men In Black gab, war mein größtes Ziel natürlich das Allerbeste daraus zu machen: Es sollte großartig aussehen, eine großartige Ton- und Bild-Qualität haben und jeden, der es sieht vor Begeisterung völlig verrückt machen!

Frage: Aber das wird ja nicht alles sein, was uns auf der DVD Men In Black erwartet?

Barry Sonnenfeld: Nein, keineswegs. Ich wollte von vornherein, dass die DVD gewisse Dinge enthält, die nicht nur cool sind, sondern auch genau das, was mich selbst, wäre ich der Fan und Zuschauer, brennend interessieren würde und meine Fragen an den Film - wie man beispielsweise bestimmte Dinge und Szenen gemacht hat - beantworten würde. Eine DVD leistet all das besser als jedes andere Medium!

Frage: Können Sie ein paar davon benennen?

Barry Sonnenfeld: Gerne. Da sind ein paar Schlüsselszenen des Films, deren Entstehung wir explizit beantwortet haben. Zum Beispiel die Endszene zwischen Will Smith und dem "Edgar Bug" (gespielt von Vincent D'Onofrio) und natürlich die Tunnel-Szene in der Tommy Lee Jones und Will Smith raketengetrieben durch diesen mit Autos gestauten Tunnel rasen um den Tag und die Welt zu retten. Gerade diese zuletzt erwähnte Szene haben wir auf der DVD in allen Entwickungsstadien ihrer Entstehung (vom Storyboard über die Blue Screen-Tricks) bis zur fertigen Sequenz genau dargestellt. Alles natürlich mit Kommentaren und Dialog versehen. Die fertige Szene - die Sie natürlich auch sehen - ist ungefähr anderthalb Minuten lang und sie bekommen jede Phase ihrer Realisierung vorgeführt. Insgesamt also fünfmal!

Frage: Das ist doch wirklich interessant und überzeugend.

Barry Sonnenfeld: Ja, die Szene ist wirklich sehr lustig geworden. Aber während der Vorbereitungs und Entstehungsphase hat das nicht jeder gedacht. Einer davon war sogar Steven Spielberg. Ich habe ihm die Szene vorgeführt, als wir nur Will Smith und Tommy Lee Jones im Auto hatten, nur Blue Screen und ohne all die später hinzugefügten Effekte. Ich war zu der Zeit schon sehr stolz auf die Szene, aber er hat sie sich nur angesehen und gefragt: Brauchen wir diese Szene wirklich im Film?

"Ja", habe ich gesagt, "sie ist doch wirklich gut und lustig!" "Gut", fragte er zweifelnd um dann zu sagen: "Können wir sie dann so kurz wie möglich halten!" Das muss man sich mal vorstellen - ausgerechnet Steven Spielberg, ein Regisseur, der vermutlich am meisten von allen von Blue Screen-Technik versteht, hatte seine Zweifel an dieser Szene und konnte nicht visualisieren, was ich mit all meinen Einstellungen erreichen wollte!

Es ist schon faszinierend, dass Filmregie so unglaublich subjektiv ist. Es ist eine unablässige Folge von Entscheidungen, die man, in dem Falle ich, als Regisseur treffen muss. Jeder kann diese Entscheidungen treffen. In diesem Falle war ich es, der es tun musste. Und diese ganze Zusamenballung teilweise sehr verrückter Entscheidung wurde letztlich zu der inzwischen von allen geschätzten und geliebten Tunnel-Sequenz!

Frage: Diesen Prozeß haben Sie doch gewiß schon häufiger erlebt oder vielleicht besser: durchlitten.

Barry Sonnenfeld: Ja, klar. Ich erinnere mich noch als Joel, Ethan Coen und ich "Arizona Junior" gedreht haben. Wir haben uns damals die Laser-Disc von "Road Warrior" ("Mad Max) angesehen um herauszufinden, wie sie all die Sachen gemacht haben. Dabei haben wir festgestellt, dass sie immer nur die Kamera extrem schnell bewegt haben, die Trucks u.s.w. krochen geradezu dahin, vielleicht mit 2 Meilen pro Stunde. Wenn also Mel Gibson gegen ein Auto oder ein Truck fuhr, so bewegte der sich gar nicht ...

Frage: Laserdiscs boten ja seinerzeit gar nicht soviel, wie es DVDs heute tun.

Barry Sonnenfeld: Nein, nein, da war kein Kommentar der Filmemacher, oder zusätzliche Infos. dennoch waren sie für Filmfreaks eine wunderbare Sache um herauszufinden, wie Szenen gemacht und aufgebaut wurde. Wir haben mit der "Road Warrior"-Disc schon eine ganze Menge darüber erfahren, wie die scheinbar so rasante Action erreicht wurde. Und, das ist ja eben das Tolle bei der DVD - Cinephile Fans, Filmfreaks und Movie-Buffs können alles über den Film erfahren. Und, wie ich bereits sagte, es sieht besser aus und der Sound ist besser als in vielen Kinos!

Frage: Mr. Sonnenfeld, was haben Sie bei Ihrer Men In Black-DVD alles gemacht?

Barry Sonnenfeld: Wir haben u.a. eine Dokumentation gemacht und dabei den Film kommentiert. Sie können zum Beispiel sehen, wie Tommy Lee Jones und ich uns den Film ansehen und dabei die einzelnen Szenen kommentieren. Lassen Sie sich dabei nicht von Tommys rauher Stimme erschrecken. Er hatte sich eine schreckliche Erkältung eingefangen, hat sich aber dennoch mit mir gemeinsam ins Kino gesetzt und auf ziemlich witzige und lakonische Weise unsere Arbeit kommentiert. Kommentare bekommen sie auch von Visual- und den Special-Effects-Leuten wie Bo Welch, die an der Produktion maßgeblich beteiligt waren. Ich denke, sie erhalten dabei und in dem Editorial Workshop einen tollen Eindruck über die vielen verschiedenen Aspeke der Arbeit, die notwendig sind, um einen Film herzustellen.

Frage: Nach welchen Kriterien haben sie verschiedenen Szenen für den Editoral Workshop der DVD ausgewählt. Und welche Szenen sind das?

Barry Sonnenfeld: Es waren natürlich ganz bestimmte Sequenzen, die von uns ausgewählt wurden, hauptsächliche solche, denen die meiste Wechselwirkung und natürlich komplexe Arbeitsabläufe zwischen Anfang und Ende inne ist. Die bereits erwähnte Tunnel-Sequenz mit ihren fünf hochkomplizierten Arbeitsabläufen, Storyboard, Background-Arbeit, Blue-Screen usw. Dann das Finale, der Kampf zwischen Will Smith und der Mega-Kakerlake Edgar Bug, weil hier so viele verschiedene Techniken und Effekte zum Einsatz kommen. Wir haben also bewusst jene Szenen ausgewählt waren, bei denen uns die visuellen Effekten am meisten Arbeit bereitet haben. Manche kurze Szenen - wo Tommy Lee Jones Jeebs Kopf explodieren läßt - haben heftige Probleme bereitet. Da liefen bis zu sieben Computer monatelang gleichzeitg, bis alles so war, wie es sein sollte. Auch die Arbeit an der Geburtsszene des Baby-Aliens, bei der Will Smith mächtig herumgewirbelt wird, haben wird genauer beleuchtet.

Frage: Das Finale zwischen Will Smith und Edgar Bug soll ursprünglich ganz anders geplant gewesen sein. Es heißt man habe ein riesiges Modell der Kakerlake gebaut, dass habe aber nicht funktioniert, so das dieses Monster im PC neu erschaffen werden musste.

Barry Sonnenfeld: Gut, dass Sie das fragen. Ursprünglich war im Skript vorgesehen, dass Men In Black mit einer Debatte zwischen Will Smith und Edgar Bug über das Wesen und die Natur des Universums endet: Edgar sagt, ihr Menschen habt über Äonen nach dem Sinn und dem Ursprung des Universums geforscht - und hier bin ich. Euer schlimmster Alptraum und so weiter. Das konnte es nicht sein. Während der Dreharbeiten habe ich an jedem Wochenende nochmal das Script studiert und jeden Montag die Produktionsverantwortlichen angerufen und gesagt: "Ihr wollt ein Action-Adventure & Comedy-Movie, und was habt ihr? Eine Geschichte, bei am Ende ein Mensch und ein Alien über den Sinn des Universums diskutieren. Das ist vielleicht nicht komisch genug, geschweige denn, dass es Action und Adventure bietet."

Das war das Eine, was wir Gott sei Dank geändert haben. Die andere Sache war, dass der großartige Rick Baker für eine Million Dollar einen fast 3,5 Meter großen animatronischen Edgar Bug gebaut hatte. Das Ding konnte reden. Aber es konnte weder laufen, noch Menschen verschlucken, noch klettern. Und am Ende der 15. Drehwoche habe ich noch einmal alle Produzenten angerufen und sie gebeten, wenigstens die letzten zehn Seiten des Scripts zu lesen: "Es ist euer Geld, das hier ausgegeben wird und wenn euch euer Regisseur bittet, mal einen Blick ins Drehbuch zu werfen, ist das vielleicht auch in eurem Sinne."

Na, und am Montag Morgen, zu Beginn der 16. Drehwoche, bekam ich dann endlich den Anruf, den ich schon viel früher erhofft hatte: "Um Gottes Willen, was sollen wir tun?" Und so kam alles in Bewegung, wir mussten uns von dem animatronischen Edgar-Getüm trennen und wir mussten dafür sorgen, dass mehr Action ins Finale kam. Da sind für den einen oder anderen eine Menge Überstunden angefallen, weil wir diesen Fehler zu beheben hatten. Klar, es musste ein neues Ende her - und natürlich neue Special Effects! Wir haben es geschafft! Sie kennen ja den fertigen Film. Eine Menge Arbeit und 45 vorher nicht geplante Visual Effects-Einstellungen.

Frage: Eine Menge zusätzlicher Arbeit für viele Mitarbeiter. Wieviele Menschen waren eigentlich an dem gesamten kreativen Prozess während der Dreharbeiten beteiligt?

Barry Sonnenfeld: Es gab Zeiten, da waren bei George Lucas' Industrial Light & Magic bis zu 500 Mitarbeiter an Men In Black beschäftigt. Und wir hatten überdies bis zu 800 Crew-Mitglieder, die an den Bauten, den Drehvorbereitungen, beim Second Unit oder beim First Unit involviert waren, Das war alles ziemlich groß. Während der ganzen Zeit habe ich mich nur einmal einen Tag bei ILM blicken lassen, um mit den Jungs dort zu reden. Da war ja alles prächtig vorbereitet. Die ganze Postproduktion hingegen hat in meinem Heimatort East Hampton in Long Island stattgefunden. Wie waren über eine Digital PC-Line miteinander verbunden, haben 3.000 Meilen voneinander entfernt bestens mitaneinander gearbeitet und jeden Tag mehrfach über das Netz kommuniziert und uns besprochen. Das hat ausgezeichnet geklappt. Wir haben uns quasi nur virtuell gesehen, aber wir haben uns so immer die Shots ansehen können, an denen die ILM-Jungs in San Raphael gerade arbeiteten.

Frage: Und was wurde dabei konkret besprochen?

Barry Sonnenfeld: Wenn wir uns Szenen angesehen haben und das Gefühl hatten, dass der eine oder andere der computergenerierten Stars nicht absolut echt aussah, dann haben wir Dinge diskutiert wie: "Mickey hier sieht aus, als ginge er ein paar Zentimeter über dem Boden und schwebe wie ein Ballon, was kann man tun, dass er schwerer und lebensechter daherkommt?" Die Jungs waren Klasse, wenn es um die Arbeit und das Lösen technischer Probleme ging, aber sie hatten ihre Probleme damit, witzig zu sein. Das musste ich ihnen erst beibringen.

Frage: Hatten Sie während der Arbeit an Men In Black eigentlich eine ungefähre Vorstellung von dem Erfolg der sich für den Film ergeben würde?

Barry Sonnenfeld: Keineswegs. Während der Dreharbeiten und noch während der Postproduktion habe ich immer zu Steven Spielberg gesagt: das wird ein kleines Buddy-Movie mit Aliens, also erwarte dir nicht zuviel. Auf gar keinen Fall wird das einer jener großen Sommer-Popcorn-Bockbuster-Steven Spielberg-Hits, niemals! Ich hatte Unrecht, Gott sei Dank!

Frage: Wie kamen Sie eigentlich zu dem Projekt?

Barry Sonnenfeld: Ich wurde verpflichtet während ich in der Postproduktionsphase von Schnappt Shorty war. Man kannte mich von den "Addams Family"-Filmen und hatte mich wohl deshalb angesprochen. Vermutlich war Steven Spielberg die treibende Kraft. Mit ihm hatte ich auch die meisten Diskussionen. Er kontrollierte alle Vorbereitungen, alle Storyboards, alle Zeichnungen. Erinnern Sie sich an die Szene, wenn Will Smith bei dem Vorstellungsgespräch ist und alle in den Schalensesseln sitzen?

Nun, diese Ausstattung, wie überhaupt die ganze Ausstattung der Zentrale der Organisation hat Steven Spielberg nur wenig gefallen. Das war ihm alles zu stilisiert. Und er begann seine Sätze immer mit: "Barry, du bist der Regisseur, aber ...". Und er war der berühmte Steven Spielberg und ich, ich war ... na, was auch immer. Ich sagte ihm jedenfalls, dass ich glaube, dass das Einzige, was an bei einem Film wie Men In Black machen kann ist, ihn stilistisch aufzumotzen. Wie auch immer, ich bin sehr froh, dass ich mich in vielen Punkten letztendlich durchsetzen konnte. Ich glaube, alle diese Ideen und Sets und ihr Stil haben auch ihren Teil zum Erfolg des Films beigetragen.

Frage: Können Sie sich vorstellen, dass der Filmemacher der Zukunft bei den Dreharbeiten seines Kinofilms bereits die Arbeit an der künftigen DVD im Kopf hat - weil er dabei vielleicht seine Vision des Film besser darstellen kann?

Barry Sonnenfeld: Das ist eine sehr gute Frage und ich will Ihnen gerne dazu meine Meinung sagen. Im Laufe der nächsten zehn Jahre werden die meisten der großen Kinos mit digitalen Projektionsapparaten arbeiten. Es werden also keine 35 Millimeter-Kopien mehr benötigt. Der Film wird das Theater entweder über Satellit ereichen - weil jedes Haus eine Schüssel auf dem Dach hat - oder als DVD, die ein Kurier anliefert und dem Vorführer aushändigt.

Frage: Und was wird das für Folgen haben?

Barry Sonnenfeld: Nehmen wir an, George Lucas hat gerade "Star Wars 7" herausgebracht. Der Film ist ein Hit. Aber jetzt ist er sechs Wochen in den Kinos, andere große Filme drängen auf den Markt, die Zuschauerzahlen brechen ein. Und nehmen wir an, George Lucas hat bei den Dreharbeiten schon fünf zusätzliche Originalszenen gedreht. Dann ist die Entscheidung schnell klar: Man bringt die neue Version in die Kinos. Mit der Werbung: Jetzt "Star Wars 7" mit fünf brandneuen Sequenzen. Und man braucht dann keine neuen teuren Kopien mehr, man muss sie auch nicht für viel Geld an die Kinos ausliefern, sondern irgendjemand, bei Columbia, Fox, Warner oder wem auch immer, drückt auf einen Knopf und diese neue Filmversion wird über Satellit an die Kinotheater verschickt.

Frage: Man kann vielleicht auch inhaltlich reagieren.

Barry Sonnenfeld: Ja, nehmen wir einmal an, Jar-Jar Bings funktioniert nicht mehr so gut. In der neuen Version wird Jar-Jar einfach kleiner gefahren zugunsten irgendeines anderen Charkters. Was es bedeutet, wenn solche Gedankenspiele Wirklichkeit werden, brauche ich Ihnen ja nicht zu sagen ...

Frage: Es gibt dann kein originales Filmkunstwerk mehr.

Barry Sonnenfeld: Genau. Es ist ein Film in den Kinos, aber welche seiner verschiedenen Versionen das Original ist, kann kein Zuschauer mehr beurteilen. Unabhängig davon liebe ich aber all die Möglichkeiten, die die DVD uns Filmemachern bietet. Wir haben hier wirklich die Chance höchster technischer Perfektion und ich kann mich nur wiederholen, das Filmerlebnis auf DVD in Sachen Bild und Ton ist einfach besser als in dem ganz normalen Kino um die Ecke, geschweige denn von irgendeinem Lichtspieltheater irgendwo auf dem Lande - das kann man nämlich vergessen!

Frage: Aber dennoch ...

Barry Sonnenfeld: Dennoch ist das alles kein Grund für mich, keine DVDs mehr zu machen. Ich kann meine ursprüngliche Filmversion zeigen, ich kann all die Zusatzinformationen und Erläuterungen, Kommentare und vielleicht noch ein spezielles Making of, ein Musikvideo und vieles mehr bieten, was immer der Filmfreak wünscht. Hier kann er es finden! Niemals jedoch werde ich Special Editions mit zusätzlichen Szenen, die nicht im Original zu finden sind, herstellen.

Frage: Aber Sie würden sie dem Zuschauer nicht vorenthalten wollen?

Barry Sonnenfeld: Nein, das bieten wir ja auch bei Men In Black. Da gibt es 5 Szenen, die ich aus Gründen einer strafferen Dramaturgie aus dem Film herausgeschnitten habe. Unter einem besonderen Menüpunkt wird der Zuschauer diese Szenen finden und ansehen können. Um noch einmal auf Ihre Ausgangsfrage zurückzukommen: Vielleicht wird man auf den DVDs immer die Originalversion sehen können. Und all die zusätzliche Szenen oder eine neue Farbgebung - weil viellleicht in dieser oder jener Saison mehr Blau oder was auch immer angesagt ist - sind nur für die digitalen Kinoversionen gedacht. Ich bin sicher, dass das passiert. Warum auch nicht? Man kann einen Film sechs Wochen lang auswerten ... und startet dann mit neuen Szenen die Vermarktung nochmal von vorn.

Frage: Die Idee zwei Leute kommentierend in den Vordergrund zu stellen, während hinten der Film abläuft, ist wohl erstmal bei der "Ghostbusters"-DVD zum Einsatz gekommen?

Barry Sonnenfeld: Das ist richtig. Eine hinreißende Idee! Die Produzenten von "Ghostbusters" haben mir gezeigt, was sie gemacht haben und ich war sofort begeistert. Wir haben das hier mit den Kommentaren von Tommy Lee Jones und mir noch auf die Spitze getrieben. Einiges geht auf den Football-Kommentator John Madden zurück, der dies im Fernsehen bei Spielanalysen betrieben hat. Man kann auf dem Bildschirm malen und bestimmte Dinge hervorheben. Die Möglichkeiten von DVD sind wirklich unglaublich. Das ist eine komplett neue Kunstform, die eine unendliche Vielfalt an Möglichkeiten technischer und inhaltlicher Art bietet. Wenn Sie den letzten "Muppets"-Film gesehen haben - "Muppets aus dem All" - da hat die DVD Unglaubliches geleistet. Auf der DVD ist der Film weit besser als in der Originalversion!

Frage: Auf der DVD soll ja auch schon ein Teaser für "Men in Black 2" sein?

Barry Sonnenfeld: Ach wirklich? Wie sieht er denn aus? Ich bin sehr gespannt und kann kaum erwarten, ihn auch zu sehen.

Frage: Wenn wir schon mal dabei sind: Wie steht es eigentlich um "Men in Black 2" Angekündigt und mit wenigen Inhaltszeilen versehen, kann man schon seit über einem Jahr darüber im Internet lesen.

Barry Sonnenfeld: Zum derzeitigen Zeitpunkt ist das Produktionsvorhaben "Men in Black 2" so nah wie nie zuvor an seiner Realisierung. Wir haben gerade zu ersten Mal einen Deal für Tommy Lee Jones, Will Smith und mich verhandelt, der funktionieren könnte. Derzeit ist das Geld für die Produktion noch nicht vorhanden, aber es gibt ein Drehbuch an dem gearbeitet wird, und das ist sehr lustig. Will muss Tommy Lee Jones zurück in den Dienst holen, denn wir haben natürlich keine Lust, eine Fortsetzung ohne Tommy Lee Jones zu machen. Wir habe eine Menge witziger Ideen, die jetzt nur noch in das Skript einfließen müssen. Bei Sony ist man optimistisch, dass die Dreharbeiten nächsten Jahr im Mai beginnen können und im Sommer 2002 in den USA in die Kinos gebracht werden kann Das ist der Stand. Hätten Sie mich vor einem Monat danach gefragt, hätte ich Ihnen noch geantwortet, dass es keinen "MIB2" geben wird.

Frage: Wird Linda Fiorentino auch wieder mit von der Partie sein?

Barry Sonnenfeld: Ja, aber nicht als Agenten-Partnerin von Will Smith. Sie wird eher weiterhin viele lustige Autopsien an Aliens vorzunehmen, als sie zu jagen ...

Frage: Was drehen Sie gerade hier in Miami?

Barry Sonnenfeld: Wir verfilmen ein Buch von David Barry, "Big Trouble" mit Rene Russo, Stanley Tucci, Tom Sizemore und Tim Allen in den Hauptrollen. Berry ist ein Mann, der bereits mehrfach den Pulitzer-Preis erhalten hat und "Big Trouble" kommt vom Ton her wohl Schnappt Shorty sehr nahe und es hat keinen einzigen Visual Effect im ganzen Script. Und das beste ist es, hier in Miami zu arbeiten. Ich liebe Miami. Es kommt Europa sehr nahe. Und überall wird geraucht! Das finde ich wunderbar. Ich rauche zwar selber nicht, aber es gehört doch zum Leben und zum Flair dazu, dass man in einer Hotellobby zusammensteht und raucht. Amerika sollte eigentlich ein Platz sein, an dem es Spaß macht zu leben. Aber das ist es nicht mehr. Zu viele Regeln und immer die Sorge, ob es auch politisch korrekt ist, was man gerade sagt, denkt oder machen will. Ich liebe es, Menschen rauchen zu sehen. Das ist in L. A. kaum noch möglich. Wirklich schade!

Frage: Eine letzte Frage: Warum hat es eigentlich so lange gedauert, bis Men In Black als DVD realisiert wurde? Weil Sie eine ganz besondere, bessere und informativere DVD machen wollten?

Barry Sonnenfeld: Das ist nicht der Grund. Es waren finanzielle Gründe. Steven Spielberg kontrolliert die Rechte und die Vermarktung eines jeden Films, den er produziert hat. Und Steven Spielberg hat immer gesagt, dass es keine DVD-Veröffentlichungen seiner Filme geben wird, bis es nicht wenigstens 4 Millionen DVD-Player gäbe. Ansonsten sei er nicht gewillt, in eine DVD-Vermarktung zu investieren, weil es nicht genügend Konsumenten gäbe, die das fertige Produkt auch sehen könnten. Inzwischen gibt es mehr als 10 Millionen DVD-Player und die DVD-Premiere wird wirklich das große Ding, das Steven Spielberg sich vorgestellt hat. (DJFL)


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