Sie befinden sich hier: Home - Interviews - D - Interview mit Byambasuren Davaa

Der Hobbit - Smaugs Einöde Der Hobbit - Smaugs Einöde

Smaugs Einöde

Zusammen mit Zauberer Gandalf und 13 Zwergen unter der Führung von Thorin Eichenschild versucht Bilbo ...
...jetzt mehr!

Interview mit Byambasuren Davaa

"Ich sehe hier, wie eine Gesellschaft durch die Medien beeinflusst wird." Byambasuren Davaa wurde 1971 in Ulan Bator in der Mongolei geboren. Zusammen mit dem Italiener Luigi Falorni drehte sie ...

Interview mit Byambasuren Davaa


"Ich sehe hier, wie eine Gesellschaft durch die Medien beeinflusst wird."

Byambasuren Davaa wurde 1971 in Ulan Bator in der Mongolei geboren. Zusammen mit dem Italiener Luigi Falorni drehte sie ihren Abschlussfilm an der Hochschule für Film und Fernsehen, HFF München, Die Geschichte vom weinenden Kamel, der auf dem Münchner Filmfest 2003 einen Sog ausgelöst, der von da an in alle Welt ging.

Frage: Wie sind Sie auf das Thema Ihres Films gekommen?

Byambasuren Davaa: Das Ritual ist in der älteren Generation noch allgemein bekannt. Durch einen 17-minütigen TV-Dokumentarfilm, der Anfang der Achtziger in der Mongolei gedreht wurde, wurde auch die jüngere Generation, vor allem die, die in der Stadt lebt, auf die Tradition des weinenden Kameles aufmerksam. Nun kennt das fast jeder Mongole. Dass die Tiere Tränen vergießen, dieses Ereignis hat eine magische Kraft - ich kann das nicht anders erklären. Ich habe das als kleines Kind gesehen, und es ist mir immer stark im Gedächtnis geblieben. Wenn ich an Kamele denke oder an die Wüste Gobi, kommt sofort dieses Bild.

Frage: Dass das Kamel weint, ist also echt?

Byambasuren Davaa: Das werde ich immer wieder gefragt. Ja, das Kamel weint wirklich. Es wäre auch unmöglich gewesen, das zu manipulieren. Das Tier war so aggressiv, dass es niemanden von uns an sich heran ließ.

Frage: Was passiert während des Rituals?

Byambasuren Davaa: Das sollten die Wissenschaftler untersuchen, die Tierpsychologen! Meine Meinung ist, dass das Kamel auf jeden Fall die Musik wahrnimmt, das ist ganz offensichtlich. Am Anfang ist es ganz misstrauisch und ängstlich, dann hört es zu und gerät langsam in eine Art Trancesituation.

Frage: Klappt das immer?

Byambasuren Davaa: Ich glaube, ich kann schon immer sagen. Das Ritual wird genauso bei Schafen und Ziegen angewandt, allerdings weinen diese Tiere nicht. Dass Kamele weinen, ist schon etwas sehr Besonderes! Wenn es dann zu diesem Ritual kommt, dann ist es sehr ergreifend und dramatisch.

Frage: Sie sind in der Mongolei aufgewachsen, studieren seit drei Jahren in Deutschland, an der Münchner Filmhochschule. Was war das für ein Gefühl, mit einem westlichen Team in Ihr Heimatland zurückzukehren? Wussten Sie immer, zu welcher Seite Sie gehören?

Byambasuren Davaa: Ich stand genau in der Mitte und das hat mir auch immer wieder sehr viel Schmerz bereitet. Direkt am ersten Drehtag zum Beispiel, haben wir in der Wüste ein von Wölfen angegriffenes Fohlen gefunden. Das Team wollte das Fohlen ins Lager bringen, aber unser Hausherr hat das abgelehnt, das würde seiner Herde Unglück bringen.

Man sagt dort - und das ist eine Art Tradition - dass ein Wolf innerhalb von drei Jahren wieder an den Ort zurückkehrt, an dem er das Opfer gerissen hat. Das würde auch eine Gefahr für die gesamte Herde bedeuten. Dann wollte der Hausherr dem Fohlen trotzdem Milch bringen, dass es einmal erfährt, wie Milch schmeckt. Er war sehr menschlich in seinem Handeln.

Ich konnte das Team verstehen, das das Leben des Fohlens retten wollte. Aber der Mann, der sein ganzes Leben in der Wüste verbracht hat, wollte das nun einmal nicht. Beide haben mit ihren Reaktionen Recht und ich saß zwischen den Stühlen. Unser Team hat das Tier dann ins Lager gebracht, hat Antibiotika verabreicht. Und am nächsten Tag hat der Hausherr zu mir gesagt "Schwester, ich habe gehört, Ihr habt das Fohlen bei euch?". Solche Situationen waren wahnsinnig schwierig.

Frage: Hat die Familie den Film schon gesehen?

Byambasuren Davaa: Ich war kürzlich dort, sie mochten den Film sehr. Die Urgroßmutter ist inzwischen gestorben, im letzten April, und im Film haben sie sie wieder gesehen. Das war traurig, gleichzeitig haben sie es als Glück empfunden. Sie haben Tränen vergossen und viel gelacht. Das war sehr nett und sehr aufregend.

Frage: Man sieht Kamele mit anderen Augen nach dem Film. Waren Sie immer schon ein Kamel-Fan?

Byambasuren Davaa: Nicht unbedingt Kamel-Fan, aber Tiere liegen mir besonders am Herzen, das ist die mongolische Kultur. Wir sind so erzogen, dass uns Tiere sehr nahe sind. Kamele, Kühe, Schafe, Ziegen sind die typischen Tiere der Nomaden. Zu Kamelen hatte ich bisher eigentlich am wenigsten Kontakt, allerdings hatte ich immer großen Respekt vor Ihnen. Das Kamel ist für mich ein "himmlisches Tier". Den intensiven Kontakt zu Kamelen gewann ich durch den Dreh.

Frage: Das heißt, das Nomadenleben, von dem Sie im Film erzählen, ist Ihnen nicht fremd, obwohl Sie in der Stadt gelebt haben?

Byambasuren Davaa: Ich habe nie so direkt mit Tieren zusammengelebt, aber ich habe viele Verwandte auf dem Land, die noch nomadisch leben. Meine Mutter kam mit 15 oder 16 Jahren in die Stadt, mein Vater ein bisschen früher. Meine Kindheit mit der Großmutter im Sommerlager, hat mich tief geprägt.

Frage: Können Sie auch Kamele reiten?

Byambasuren Davaa: Kamele auch, vor allem aber Pferde. Ich habe schon als kleines Mädchen das Pferde-Reiten gelernt. Nomaden-Kinder werden schon als Kleinkind in Kontakt mit Pferden gebracht. Auch das Reiten lernen sie sehr früh, sie können beinahe früher reiten als laufen, so dass man gerne liebevoll scherzt: "Kinder werden auf dem Pferderücken geboren".

Frage: Die Fernsehbegeisterung von Ugna, dem Jungen in Ihrem Film, ist rührend und witzig. Man spürt aber auch Ihre Sorge, wie sich das Leben dieser Menschen verändern wird, wenn dort einmal ein Fernseher steht.

Byambasuren Davaa: Ich sehe hier, wie eine Gesellschaft durch die Medien beeinflusst wird. Andererseits haben mir Menschen aus der Mongolei, die den Film gesehen haben, gesagt, dass es gut sei, dass die Mongolen, die wir gefilmt haben, auch Fernsehen haben. Sonst würden sie nur als Wilde gezeigt. Auch hier stehe ich wieder dazwischen. Ich persönlich finde, dass durch den Einzug des "modernen Lebens" in meiner Heimat etwas verloren geht: die Ruhe und das unmanipulierte Leben. Aber bewerten möchte und kann ich dies nicht.

Frage: Wie lang waren Sie bei der Familie?

Byambasuren Davaa: Die Dreharbeiten haben sieben Wochen gedauert. Insgesamt waren wir acht Wochen in der Mongolei. Wir haben in insgesamt 4 Jurten gewohnt, 2 fürs Team, eine für die Fahrer und eine für die Küche. Alle Familien haben mitgeholfen, dass wir unsere Jurten aufbauen und mit dem Nötigsten ausstatten konnten. Das war sehr freundlich; jede Familie gab also das dazu, was sie eben gerade entbehren konnte.

Frage: War es schwierig dort zu drehen?

Byambasuren Davaa: Dass der Wind ein Problem werden würde, hatten wir schon bei der Recherche festgestellt. Er weht in diesem Teil der Wüste sowohl von Osten als auch von Westen, dadurch entsteht so eine Art Wirbel. Wir hatten deshalb einen Sandschutz wie eine Jacke für die Kamera. Trotzdem hat sie irgendwann plötzlich versagt. Da hat unser Kameraassistent sich ganz schnell eine Art Labor eingerichtet, feucht gesäubert, und die Kamera auseinander genommen - wirklich jede Schraube - und nach Sandkörnern gesucht.

Ein großes Problem war auch, dass das ganze Team einer nach dem anderen krank geworden ist. Ich hatte nur einen Hautausschlag, alle anderen hatten Durchfall, Fieber, Erkältung. Das Klima dort ist extrem. An einem Tag ist es 15, 18 Grad warm, am nächsten Tag wachst du im Schnee auf. Die Zeit, in der wir da waren, der Frühling, ist sogar für die Einheimischen eine ganz harte Zeit. Es ist für mich ein Wunder, dass das Team das alles ausgehalten hat, keiner hat aufgegeben.

Frage: War es schwierig die Filmhochschule zu überzeugen, dass Ihr Film ausgerechnet am anderen Ende der Welt spielen sollte?

Byambasuren Davaa: Im Gegenteil. Ich habe mir aus der Mongolei den alten Dokumentarfilm schicken lassen. Und als klar war, dass die Geschichte nicht erfunden ist, hat sie jeder geliebt, sofort.

Frage: Ist das "Kamel" ein Dokumentar- oder ein Spielfilm?

Byambasuren Davaa: Es ist eine Mischform. Wir hatten unsere Geschichte, aber wir haben sie mit authentischen Leuten, an einem authentischen Ort, in ihrem Alltag erzählt.

Frage: Es vielleicht eine naive Frage, aber wie typisch sind die Bilder in Ihrem Film für das Leben in der Mongolei? Gibt es dort noch viele Nomaden?

Byambasuren Davaa: Das ist gar keine naive Frage, das ist eine Existenzfrage. Im Moment wird das Nomadenleben in der Mongolei noch akzeptiert. Aber nach der Wende ist die Zahl der Nomaden schnell gesunken. Es ist auch ein Generationenkonflikt - die Jüngeren wollen alle in die Stadt, Coca Cola trinken und Gameboy-Spielen. Da gibt es jetzt Probleme, die es früher nicht gab, wie Arbeitslosigkeit oder Alkoholismus. Deshalb ist das, was ich in meinem Film erzähle, für mich als Mongolin auch so wichtig - in zehn oder zwanzig Jahren finden wir diese Geschichte vielleicht nicht mehr. Wir müssen solche Dinge festhalten, so lange es sie noch gibt. (DJFL)


Alle Interviews mit Interview mit Byambasuren Davaa

Interview mit Byambasuren Davaa
"Ich sehe hier, wie eine Gesellschaft durch die Medien beeinflusst wird." Byambasuren Davaa wurde 1971 in Ulan Bator in der Mongolei geboren. Zusammen mit dem Italiener Luigi Falorni drehte sie [mehr]


Nachrichten rund um Interview mit Byambasuren Davaa

DAS LIED VON DEN ZWEI PFERDEN ab 28. Januar auf DVD und Blu-ray!
Auf Dschingis Khans Spuren - polyband veröffentlicht die Kino-Dokumentation „Das Lied von den zwei Pferden“ am 28.01.2011 auf DVD und Blu-ray. [mehr]

Polyband im Januar: Mythos Wald, Erfolgsstory Mensch, Muhammad Ali, ...
DVD- und Blu-ray-Neuerscheinungen im Januar 2011. [mehr]

Polyband im Juni: Modellbauer, Brain Fitness, Abenteuer Survival
Kino-, DVD- und Blu-ray-Neuerscheinungen im Juni 2010. [mehr]

Warner Home Video: ''Die Höhle des gelben Hundes''
''DIE HÖHLE DES GELBEN HUNDES'' erscheint am 10. März 2006 bei Warner Home Video Germany auf DVD! [mehr]

Sunfilm Entertainment: Neue Titel im November
Sunfilm Entertainment News November und Dezember [mehr]


Blog-Einträge rund um Interview mit Byambasuren Davaa

Frühlingsgefühle auch im Kino
Die ersten warmen Sonnenstrahlen – die Zeit der Frühlingsgefühle beginnt. Auch im Kino startet die neue Jahreszeit mit ganz großen Emotionen. In den... [mehr]

Feuerherz
Mit Die Geschichte vom weinenden Kamel hat Luigi Falorni 2003 einen der erfolgreichsten deutschen Dokumentarfilme aller Zeiten inszeniert, der es... [mehr]



Interviews

Bei DigitalVD.de gibt es Interviews mit Prominenten, Stars oder Schauspielern. Ein Interview ist eine Befragung mit dem Ziel persönliche Informationen oder Sachverhalte zu einem Thema zu erhalten. Das journalistische Interview ist die bekannteste Form der Befragung. Wir befragen Personen persönlich, telefonisch oder per E-Mail. Unsere Interviews werden in unterschiedlicher Form durchgeführt. Zusammen mit unseren Biografien liefert das Interview ein schönes Gesamtbild zu einem Schauspieler(in).

Wir führen Interviews mit Schauspieler und Schauspielerinnen, Regisseure und andere Prominente aus der Film-Branche. Möchten Sie auch gerne ein Gespräch mit uns führen? Sprechen Sie uns an.

[A]  [B]  [C]  [D]  [E]  [F]  [G]  [H]  [I]  [J]  [K]  [L]  [M]  [N]  [O]  [P]  [Q]  [R]  [S]  [T]  [U]  [V]  [W]  [X]  [Y]  [Z]

Gezielt ein Interview suchen:






+++ ..DVD-RUBRIKEN.. +++

Alles Gute!

zum heutigen Geburtstag
wünschen wir folgender Person:
Beau Bridges, und allen anderen!
> Weitere Geburtstage...