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Interview mit Cher

Cher, Darstellerin der Elsa in dem Film Tee mit Musssolini Frage: Elsa, ihre Filmfigur, ist Amerikanerin - warum hält sie sich in Italien auf? Cher: Schon seit einiger Zeit kommt sie nach ...

* 20. Mai 1946 in El Centro, Kalifornien, USA als Cherilyn LaPiere Sarkisian Schauspielerin, Sängerin, Schriftstellerin, Regisseurin Ihre Eltern waren ein franko-indianisches Starlet, das achtmal verheiratet war, und ein armenischer Gelegenheitsarbeiter mit Drogenproblemen. Cher wollte von ... [komplette Biografie]

Interview mit Cher


Cher, Darstellerin der Elsa in dem Film Tee mit Musssolini

Frage: Elsa, ihre Filmfigur, ist Amerikanerin - warum hält sie sich in Italien auf?

Cher: Schon seit einiger Zeit kommt sie nach Italien. Sie kennt all die Damen dort und reist immer hin und her. Sie hat diese steinreichen Männer geheiratet, die es ihr ermöglichten, herumzureisen und Kunstobjekte zu kaufen. Florenz ist einer ihrer Lieblingsorte. Wenn sie wieder in die Stadt kommt, kennt sie jeden und alle kennen sie, aber die englischen Ladies mögen sie nicht besonders. Die meisten der englischen Ladies haben eigentlich nichts gegen sie, aber da Lady Hester sie wirklich nicht mag, folgen die anderen Ladies dieser Einstellung.

Frage: Spiegelt sich dieser Bruch zwischen den Nationen auf dem Set wieder?

Cher: Ganz im Gegenteil. Das habe ich bei meiner Anreise zwar erwartet, aber es ist nicht der Fall. Wir gehen zwar nicht gerade ständig miteinander aus, aber gerade habe ich mit Judi Dench und Maggie Smith geplaudert. Sie sind sehr umgängliche Damen.

Frage: Gibt es Unterschiede in Ihrem jeweiligen Schauspielstil?

Cher: Das weiß ich nicht. Ich schauspielere einfach. Ich habe keine Ahnung, was die anderen tun. Sie kommen ans Set und spielen. Ich weiß nicht, wie sie sich zuvor vorbereitet haben. Stil ist für mich nicht wichtig, und ich erkenne ihn nicht, wenn ich ihn sehe.

Frage: Haben Sie für diese Rolle besonders recherhiert?

Cher: Nicht allzusehr. Ich habe mir viele Filme aus den 30ern und 40ern angeschaut und mir die Kostüme ein wenig angesehen. Diese Filme haben mir wohl einige Verhaltensweisen gezeigt. Unterschiede in den Verhaltensweisen von Briten und Amerikanern waren zu jener Zeit viel stärker ausgeprägt als heute. Die Menschen waren zurückhaltender, verkrampfter und das Klassensystem sehr dominant, weshalb sie auch auf mich und Georgie herabsahen. Abgesehen davon, dass sie die Sorte Frauen, die wir darstellen, auch nicht mögen würden, falls wir Engländerinnen wären. Lady Hester nennt uns sogar "vulgär". Das kümmert uns überhaupt nicht. Wenn wir in ihrer Gesellschaft sind, versuchen wir, uns noch vulgärer zu benehmen. In ihrer Anwesenheit benutzen wir Worte, die wir normalerweise nie in den Mund nehmen würden.

Frage: Hat Ihre Filmfigur Ähnlichkeiten mit Ihnen selbst?

Cher: Sie ist so viel umfassender als ich. Viel übertriebener. In manchen Aspekten ähneln wir uns jedoch. Wenn ich mit dem älteren Luca arbeite oder auch in einer Szene mit dem kleinen Luca, da steckt manches von mir selbst drin. Elsa ist sehr überschwenglich und laut. Sie will alles sofort. Sie will dieses Gemälde, nicht das andere, und alles gehört mir, mir, mir ...

Frage: Genießen Sie es, einen so vielschichtigen Charakter zu spielen?

Cher: Es ist keine große Rolle. Sie hat strategische Bedeutung für Teile des Films, ist aber nie wirklich von zentraler Bedeutung. Ich komme einfach und spiele. Wenn ich im gesamten Film in mehr Szenen zu sehen wäre, könnte ich mich mehr in die Figur hineinversetzen. So aber komme ich nur ab und zu herein und tue extravagante Dinge.

Frage: Wie sind die Dreharbeiten in Italien?

Cher: Ganz anders. Daheim ist alles streng strukturiert. Man probt, kommt morgens hin, legt zuerst alles fest und weiß, was man gerade tut. Hier schauen sie sich an, was man gerade macht, verändern es, gehen weg, kommen zurück und verändern es noch mal. Man kommt, macht seine Arbeit und tut, was man tun soll. Alles wird in letzter Minute entschieden.

Frage: Was tun Sie, wenn Sie gerade nicht vor der Kamera stehen?

Cher: Hier gehe ich nicht so oft aus wie zuhause. Ich treffe mich gerne mit den Ladies, wenn sie am Set sind. Gestern haben sie nicht gearbeitet, also war es etwas langweilig.

Frage: Vor zehn Jahren haben sie einen großartigen Film nach dem anderen gemacht: "Mondsüchtig", "Suspect - Unter Verdacht" und "Die Hexen von Eastwick". Was ist passiert, haben sie genug von der Schauspielerei?

Cher: Mit diesen drei Filmen war ich zwei Jahre lang beschäftigt. Mit 42 hatte ich gerade den letzten beendet und habe dann die Promotiontour gemacht, bevor die Filme ins Kino gekommen waren. Danach hatte ich einfach die Nase voll. Ich habe mich dann für andere Dinge interessiert, zum Beispiel Häuser zu designen. Und danach ist es sehr schwer, zurückzukommen, wenn man eine Zeit lang weg war. Neue Talente wachsen ständig nach, und in meinem Alter ist es in diesem Geschäft sehr schwer, die gleichen Chancen wie zuvor zu bekommen. Männer, die älter sind als ich, spielen an der Seite von Frauen, die viel jünger sind als ich. Michael Douglas ist älter als ich und in seinem letzten Film Ein perfekter Mord spielt die 25jährige Gwyneth Paltrow seine Ehefrau ...

Frage: Ist es im Musikgeschäft anders?

Cher: Nein, in der Unterhaltungsbranche ist es immer hart, älter zu werden. Denkt man an all die Berühmtheiten im Rockgeschäft, stellt man fest, die meisten in meiner Altersklasse sind Männer. Bei den Frauen fällt mir da nur Tina Turner ein.

Frage: Sie scheinen vollkommen alterslos zu sein und könnten bis 100 weitermachen ...?

Cher: Wenn man die Leute immer wieder daran erinnert, kann man das schon. Aber jedesmal, wenn man eine Auszeit nimmt oder unterbricht, wird es schwieriger. Es gehört zu meinem Naturell, das ich aufhöre und etwas anderes tue. Die Leute um mich sagen immer: "Oh mein Gott, ist das jetzt das letzte Mal?", und das frage ich mich auch selbst. Und dann plötzlich steckt man wieder mitten in der Arbeit.

Frage: Können Sie uns etwas über die Kostüme in diesem Film erzählen?

Cher: Meine Kostüme sind sehr überzeichnet. Es gibt Leopardenfell, den Stil der 40er mit großen Hüten und viel Schmuck. Elsa ist sehr modern. In den 30ern sammelt sie Picasso und all diese Avantgarde-Künstler, und jeder denkt, sie sei total verrückt. Sie besitzt diese riesige Medici-Villa, eingerichtet mit modernen Kunst. Selbstverständlich können die anderen Ladies das nicht gut heißen.

Frage: Fühlen sie sich in großer Aufmachung anders?

Cher: Nicht im Geringsten. Ich habe mich mein Leben lang aufwendig gekleidet. Ein Kleidungsstück ist für mich wie das andere. Das Kostüm hilft mir dabei, mich in die Rolle hineinzuversetzen, aber ich fühle mich nicht anders als sonst. Es gibt einem vielleicht einen kleinen Extrakick. Heutzutage tragen wir weder Hüte noch Handschuhe oder dazu passende Schuhe und eine kleine Handtasche. Also kommt man sich in einer solchen Aufmachung eher ein wenig albern vor.

Frage: Was mögen sie an der Schauspielerei besonders?

Cher: Die Erfahrung des Schauspielens ist einfach toll. Es ist manchmal nur eine flüchtige Sekunde, die einem dieses Gefühl gibt, warum sich das alles lohnt. Das ist Adrenalin pur. Dafür lohnt es sich, fünf Stunden untätig herumzusitzen.

Frage: Warum haben Sie sich für diesen Film entschieden?

Cher: Als ich das Drehbuch bekam, fand ich es sehr interessant, und mir gefiel die Idee, mit diesen englischen Ladies zusammenzuarbeiten. Ich dachte, das könnte Spaß machen. Zu der Zeit war erst Joan Plowright mit an Bord. Es waren noch andere Namen im Spiel, aber noch war nicht entschieden.

Frage: Wussten Sie bereits viel über Francos Arbeit?

Cher: Ich hatte eine Reihe seiner Filme gesehen, die mir sehr gefallen hatten. Besonders "Jesus von Nazareth", obwohl das nicht sein bekanntestes Werk ist.

Frage: Was halten Sie vom britischen Humor?

Cher: Ich habe in England gelebt, also kenne ich mich damit aus. Sie bringen mich zum Lachen, aber ich bringe sie auch zum Lachen. Wir verwenden so unterschiedliche Ausdrucksweisen. Ich redete gerade über irgendetwas und meinte, "Dieser Typ würde seinen Arsch noch nicht einmal mit beiden Händen finden", und sie bogen sich vor Lachen. Judi Dench ist fast vom Stuhl gefallen. Sie sagen auch Dinge, die mich von Hocker hauen. Die Art wie sie reden ist es, die es so witzig macht. Amerikaner kommen gleich auf den Punkt. Wir kümmern uns nicht darum, wie es klingen wird, wir steuern einfach direkt auf das Ziel zu. Die Engländer haben all diese netten Floskeln und schmücken ihre Sätze viel mehr aus. Doch ich denke, wir passen alle gut zusammen.

Frage: Wie ist die arbeit mit Franco?

Cher: Ich habe mit einigen großartigen Regisseuren gearbeitet und hatte teilweise außergewöhnliche Erfahrungen am Set mit ihnen. Franco ist da keine Ausnahme. Sein Blick auf das gesamte Spektrum des Films ist sehr umfassend angelegt. Wenn man etwas tut, das er für richtig hält, sagt er kein Wort. Wenn er etwas bemerkt, das einem helfen könnte, kommt er herüber und spricht mit dir. Er neigt zu philosophischen Argumenten, um seinen Standpunkt klar zu machen. Heute kam er und sagte, die Szene, die wir gestern gedreht haben, war gut, aber eben noch nicht genau richtig. Wir waren nicht ernst genug. Durch seine Wortwahl wusste ich genau, was ich tun mussste, damit die Szene funktioniert.

Frage: Hat der Film eine Botschaft?

Cher: Komme nie alten englischen Damen in die Quere! (Lacht) Diese Ladies werden wohl hier bleiben, bis die Bomben fallen. Es ist die Widerstandsfähigkeit der menschlichen Natur, die hier symbolisiert wird. Die Zähigkeit, am Ball zu bleiben und nicht aufzugeben. Das ist für mich der Kern des Films. Da sind Hitler, musssolini und die Amerikaner - und niemand kann diese Ladies bezwingen.

Frage: Wie denkt Elsa über musssolini?

Cher: Im Film sage ich: "Der Hintern ist zu breit für die Tanzfläche", und das ist für meine Rolle typisch. Diesen Satz habe ich sogar selbst geschrieben. Ich sage das, weil ich weiß, dass die englischen Ladies - und ganz besonders Hester - ihn so sehr verehren, dass sie sogar ein Photo von ihm in ihrem Medaillon um den Hals tragen, oder irgendwelche anderen dümmliche Dinge tun.

Frage: Wie sind die Dreharbeiten in Italien?

Cher: Ganz anders als bei Dreharbeiten in den USA. An meinem ersten Drehtag zum Beispiel kamen Stab und Besetzung überein, ihre einstündige Mittagspause ausfallen zu lassen, um früher fertig zu werden und das Viertelfinale zwischen Italien und Frankreich nicht zu verpassen. Es ist erstaunlich, welche Macht der Fußball hier hat. Ich kann mir nicht vorstellen, dass ein Filmset in den USA für die World Series zumacht, auch wenn es das siebte Spiel wäre. Ich habe mir noch nicht einmal am 4. Juli freigenommen, und das war ein Samstag!

Frage: Woran arbeiten Sie zur Zeit, außer der Schauspielerei?

Cher: Ich kann nie nur eine Sache tun. Ich musss in meinem Leben immer mehrere Dinge tun. So bin ich einfach. Ich habe also ein neues Album, "Believe", aber das soll nichts Besonderes bedeuten. Außerdem kam gerade mein Buch "The First Time" auf den Markt. Es geht um meine ersten Erfahrungen, zum Beispiel mein erster Schultag und mein erster Kusss. (DJFL)


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