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Interview mit Chris Nahon: Das Imperium der Wölfe

"Für Science-Fiction habe ich nicht besonders viel übrig." Chris Nahon ist der Regisseur des französischen Kinofilms Das Imperium der Wölfe. Frage: Wie erklären Sie sich, dass die Romane von ...

Interview mit Chris Nahon


"Für Science-Fiction habe ich nicht besonders viel übrig."

Chris Nahon ist der Regisseur des französischen Kinofilms Das Imperium der Wölfe.

Frage: Wie erklären Sie sich, dass die Romane von Jean-Christoph Grangé darauf abonniert zu sein scheinen, für die große Leinwand adaptiert zu werden?

Chris Nahon: Es gibt kaum andere Autoren, die ihre Stories so pointiert und filmisch aufbereiten wie Jean-Christophe Grangé. Er schreibt nicht bewusst fürs Kino, und trotzdem lesen sich seine Bücher, da sie sehr faktisch und detailfreudig sind, wie die umfangreiche Outline für ein Drehbuch. Allerdings sehr viel brillanter, was den Stil angeht.

Frage: Wie groß ist die ‚Treue' des Films gegenüber der Romanvorlage?

Chris Nahon: Das Kino verlangt eine sehr viel strengere Bündelung der Handlungsfäden und Ereignisse. Wir haben den Zeitraum der Handlung verkürzt, einige Protagonisten und Orte zusammen gezogen. Und jede Änderung bringt es mit sich, leider oder gottlob, dass man darüber den Verlauf, die Logik und die Struktur insgesamt überdenken muss: vielleicht hat man übersehen, dass man bei einem Puzzlestück, das man entfernt auch einen wichtigen Hinweis weg nimmt, der erst 200 Seiten später zum tragen kommt.

Frage: Die Struktur von Das Imperium der Wölfe ist ungewöhnlich ...

Chris Nahon: Wir haben es unterlassen, einen Haupt- und einen Nebenstrang zu etablieren. Wir haben zwei gleichberechtigte und zeitgleich verlaufende Handlungsebenen. Dieses Tuning des einfachen Thriller-Plots haben wir uns geleistet. Ansonsten bin ich selbst ein viel zu großer Fan dieses Genres, als dass ich irgendwas von dem, was Filme dieser Art auszeichnet, verschenken würde. Komplexität ja, Verwirrung nein.

Frage: Ihr Film flirtet sowohl mit dem Genre des Fantastischen wie mit Science Fiction-Motiven ...

Chris Nahon: Im ersten Teil haben wir bewusst damit operiert, unserem Film eine fantastische Anmutung zu geben. Vor allem, indem wir bestimmte Sound-Atmosphären geschaffen haben. Für Science-Fiction dagegen habe ich nicht besonders viel übrig.

Frage: Die Gesamtästhetik jedoch, das Klinische und Unterkühlte erinnert sehr an Science-Fiction Filme ...

Chris Nahon: Es ging mir darum, eine visuelle Atmosphäre herzustellen, in der das Wirkliche und Handfeste der Personen mit der Unwirklichkeit ihrer Umgebung kollidiert. Das irritierende Echo in den Anfangsszenen, das die Musik ersetzt, oder die Unmöglichkeit, direkt zu kommunizieren, all das trägt dazu bei, dass man sich verunsichert, ausgeliefert fühlt. Und wenn schon Science Fiction, dann am ehesten etwas in der Art von "Gattaca", was ein sehr ungewöhnlicher Science Fiction-Film ist.

Frage: Wie haben Sie mit den Schauspielern gearbeitet?

Chris Nahon: Ich denke, Schauspieler mögen nicht allzu sehr gegängelt werden. Andererseits weiß ich genau, in welche Richtung ich gehen will. Die Schauspieler wissen das nur ungefähr. Ich gebe also kleine aber möglichst präzise Impulse. Ich habe für mich selbst bestimmte Schlüsselworte, die die Figuren charakterisieren. Diese Schlüsselworte versuche ich den Schauspielern so zu vermitteln, dass sie sie möglichst direkt für sich ‚übersetzen' können.

Die Schlüsselworte für Jocelyn waren zum Beispiel: Geschmeidigkeit, durchdringender Blick, Verletzlichkeit. Den Rest entwickelt man aus der gemeinsamen Analyse der Szenen: Es gibt ein Drehbuch, das ist die Startbahn, dann gibt es unterschiedliche Vorstellungen, wie man am besten in den Himmel kommt, daraufhin versucht man die Energien zu bündeln und in eine gemeinsame Richtung zu lenken. Schließlich gibt man Brennstoff in die Zylinder, und dann hebt man ab.

Frage: Was hat es mit dem Regen auf sich?

Chris Nahon: Es ist eine zusätzliche Figur im Drama. Er schafft einerseits einen visuellen Hintergrund und beeinflusst auch die Figuren. Im Idealfall lösen bestimmte Szenen bei den Zuschauern den Impuls aus, sich den Kragen hochschlagen zu wollen.

Frage: Verfolgten Sie ein durchgängiges visuelles Konzept?

Chris Nahon: In Bezug auf die Farben und Atmosphären ja - zumindest für den gesamten Teil der in Paris spielt. Was die Kadragen angeht, so haben wir sie sehr genau auf den jeweiligen Moment der Geschichte abgestimmt. Zu Beginn etwa sind die Bewegungen sehr schwebend und fließend, wir haben überwiegend mit der Steadicam gearbeitet. Später bekommt die Kamera sehr viel mehr Bodenkontakt, das heißt alles wird ruppiger, abgerissener, fahriger - und manchmal stolpert die Kamera sogar.

Frage: Ihr Bildaufbau folgt oft den Regeln der Symmetrie, die Szene etwa, in der Anna zwischen diesen großflächigen Spiegeln in Ihrem Badezimmer steht ...

Chris Nahon: In dieser Szene haben wir bewusst mit der Assoziation der endlosen Verdopplung und dem Hinter-den-Spiegeln-Motiv gearbeitet. Es ist die Szene, in der Anna entdeckt, dass sie nicht die ist, die sie zu sein glaubt. Jedes der Spiegelbilder zeigt ihr eine potentiell andere Identität. Aber es verhält sich hierbei wie bei allen anderen visuellen Entscheidungen: Wir wollen eine starke Story transportieren, wir wollen nicht mit starken Bildern beeindrucken.

(DJFL)


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