Sie befinden sich hier: Home - Interviews - S - Interview mit Christopher Smith: Creep

Die Eiskönigin Die Eiskönigin

Die Eiskönigin

Die furchtlose Königstochter Anna macht sich zusammen mit dem schroffen Naturburschen ...
...jetzt mehr!

Interview mit Christopher Smith: Creep

"Für mich aber muss es weiter gehen, tiefer gehen." Christopher Smith ist der Regisseur und Drehbuchautor des englisch-deutschen Kinofilms Creep. Frage: Mr. Smith, der Horrorfilm ist ein Genre ...

Interview mit Christopher Smith


"Für mich aber muss es weiter gehen, tiefer gehen."

Christopher Smith ist der Regisseur und Drehbuchautor des englisch-deutschen Kinofilms Creep.

Frage: Mr. Smith, der Horrorfilm ist ein Genre mit besonders leidenschaftlichen und hingebungsvollen Fans, und auch spätere Horrorregisseure gestehen oft, seit ihrer Kindheit und Jugend infiziert zu sein – zum einen sicherlich aus reiner Schaulust an spektakulären Effekten, zum anderen, weil Horrorfilme von den ganz existentiellen Dingen des Lebens erzählen. War das bei Ihnen ähnlich?

Christopher Smith: Also, ich war ganz sicher als Teenager kein „Nerd“, was das angeht, und ich möchte keinesfalls allein aufgrund von Creep das Label eines Horrorfilmers verpasst bekommen. Aber natürlich haben mich Horrorfilme geprägt.

Mit acht Jahren habe ich mich heimlich aus dem Kinderzimmer geschlichen, um im Fernsehen die alten „Hammer“-Filme zu schauen, mit zwölf waren meine Kumpel und ich unheimlich scharf auf so genannte Video Nasties (Anm.: in England verbotene Filme, die dann als Raubkopien kursieren), hatten Poster von George Romero-Streifen an der Wand und lasen „Fangoria“.

Aber das machte zu meiner Zeit einfach auch eine normale englische Jugend aus.

Frage: Aber immerhin fasziniert das Genre Sie doch so sehr, dass Ihr erster Spielfilm ein Horrorfilm geworden ist, der sowohl dunkle Welten als auch Emotionen offenbart ...

Christopher Smith: Zum einen hat mich natürlich gereizt, wie es der Horrorfilm einem erlaubt, Grenzen zu überschreiten, Extreme auszuloten und die Realität auszureizen.

Zum anderen war es für mich wichtig, dass Creep auch durchaus kommerzielles Potenzial besitzt und ich als Debütant mit meinem ersten realisierten Projekt die Chance habe, international überhaupt wahrgenommen zu werden.

Frage: Creep ist ein Spiel mit Konventionen und Zuschauererwartungen, aber im Gegensatz zur Welle der netten Teenie-Gruselkomödien echter Horror und kein postmodernes Zitatenspiel.

Christopher Smith: Wenn Sie sich Filme wie "Scream" oder "I know what you did last Summer" ansehen, wissen Sie, dass es sicherlich ein paar Morde geben wird – aber Sie können sich auch sicher sein, dass nichts passiert, das Sie wirklich erschüttert und verstört.

Bei den Horrorklassikern aus meiner Jugend, über die ich eben sprach, wusste man hingegen nie, wo der Regisseur die Grenze ziehen würde.

Alles war möglich. Jede Erwartung konnte unterlaufen, jedes Gefühl der Sicherheit einem sofort wieder geraubt werden. Ich sehe Creep in dieser Tradition, etwa mit der Szene, in der Mandy von Craig auf dem gynäkologischen Stuhl festgebunden und gefoltert wird.

Daneben aber wollte ich auch das Innenleben des Killers zeigen. Sonst erlebt man die Mörder im Horrorfilm ja meist lediglich als Axt schwingenden Maniac, für mich aber muss es weiter gehen, tiefer gehen.

Deswegen taucht Craig in der ersten Hälfte des Films nie sichtbar auf, bis man dann in der zweiten Hälfte dafür auch permanent bei ihm bleibt.

Frage: Trotzdem erkennt man natürlich Zitate und wem Sie eine Hommage erweisen ...

Christopher Smith: Große Inspiration beim Schreiben war für mich "After Hours" von Martin Scorsese als ein großstädtischer Alptraum, bei dem alles schief geht und bei dem alles trotzdem noch getoppt werden kann.

Als Franka nach dem Wegdösen auf dem U-Bahnsteig wieder aufwacht, gibt es einen kurzen surrealen Moment, in dem man sich wie in ihrem Kopf fühlt und zunächst nicht weiß, ob das, was geschieht, Wirklichkeit oder ein Traum ist.

Natürlich gibt es auch einzelne Szenen oder Momente, die Einflüsse offenbaren. Die Szene, in der der Wachmann in der Stationszentrale ermordet wird, zollt Tribut an "Tenebrae", den ich als Teenie gesehen habe und in dem eine ähnliche Szene existiert.

Man weiß, dass der Killer auftauchen wird, erwartet ihn aber ganz woanders – ich habe damals vor Überraschung und Angst geschrieen und wollte, dass dies nun mein Publikum tut. Die Käfige dagegen erinnern einen natürlich automatisch an "The Deer Hunter".

Ich glaube, dass Kreativität ganz allgemein so funktioniert: dass man aus persönlichem Input seinen Output gestaltet – so wie etwa Oasis stark von den Beatles inspiriert sind, wobei ich als nicht ausgewiesener Musikkenner nicht genau ihre Akkorde denen von Beatles-Stücken zuordnen könnte.

Ähnlich ist es, wenn ich schreibe: Ich erinnere mich vielleicht an Dialoge aus anderen Filmen, oder genauer noch: deren Rhythmus, den ich auf eigene Gedanken übertrage.

Ähnlich ist es in der Bildsprache. Bloß wie ich auf die Idee zu dem Stuhl gekommen bin, keine Ahnung. Die stammt wohl tatsächlich von mir ...

Frage: Mit dieser Szene überrumpeln Sie raffiniert alle Zuschauererwartungen, die Sie vorher aufgebaut haben ...

Christopher Smith: In der ersten Hälfte ist Creep eher ein Thriller, getragen von einer international renommierten und seriösen Schauspielerin, die zweite ist ein Horror-Fest. Da stimme ich absolut zu.

Dabei existierte diese Schlüsselszene in der ersten Script-Fassung gar nicht. Im Verlauf der Drehbuchentwicklung kristallisierte sich jedoch heraus, dass nur ein Mädchen sterben würde, was für einen echten Horrorfilm nun mal definitiv zu wenig ist.

Also holte ich Mandy zurück in die Story. Statt zwei Mädchen zu killen, tötete ich eines gleich zweimal.

Frage: Wie verlief die Arbeit am Set? Die Schauspieler, angefangen bei Franka Potente, schwärmen, wie sehr sie sich auf Ihre Anmerkungen eingelassen hätten, dabei bleibt bei einem Horrorfilm, in dem jede Geste und jeder Effekt perfekt getimt sein muss, doch sicherlich wenig Platz zum Improvisieren.

Christopher Smith: Nein, mindestens 99 Prozent von dem, was Sie auf der Leinwand sehen, stand so auch im Script. Natürlich ist eine der ersten Lektionen, die man als junger Regisseur lernt, dass man sich auch mal von Ideen trennen können muss.

Eine Szene kann im Drehbuch und sogar noch bei den Proben wunderbar funktioniert haben, beim Drehen aber ist man plötzlich nicht mehr von ihr überzeugt. Dann muss man umdisponieren.

Franka ist eine sehr intelligente Schauspielerin, die stets den ganzen Film mitdenkt und die einige Ideen hatte. Allerdings haben wir nie im klassischen Sinn improvisiert.

Es gab einen solchen Moment; den haben wir besprochen, ich habe die Szene über Nacht neu geschrieben und dann am nächsten Tag noch mal auf den Drehplan gesetzt.

Frage: Aber verändern sich Dialoge und Szenen nicht auch automatisch durch die Besetzung?

Christopher Smith: Natürlich, man muss Dialoge oft so verändern, dass sie glaubhaft klingen, je nachdem, wer sie spricht. Aber ohnehin wird einem als junger Regisseur in der Ausbildung schon beigebracht, dass jeder Schauspieler anders und darum auch anders zu behandeln ist.

Franka ist zum Beispiel ein absolut souveräner Profi. Sie kann einem ein Gefühl mit fünf oder sechs verschiedenen Ausdrücken liefern, wenn man das möchte; sie kann eine Szene aber auch mehrmals hintereinander absolut gleich spielen, wenn es etwa für die Continuity beim Schnitt wichtig ist.

Dagegen war Kelly Scott unsere Novizin am Set. Creep war ihr allererster Film, frisch von der Schauspielschule. Wenn Sie ihre Augen sehen, wie sie entsetzt hin- und herwandern, als Craig die Anästhesiemaske vor Mandys Gesicht hält, dann sehen Sie in ihrem Blick echte Angst.

Das ist Kellys Angst. Sie fürchtete sich vor der Szene, und ich hatte ihr versprochen, dass ich sofort, wenn Sean Harris ihr die Maske vors Gesicht halten würde, „Cut“ rufen und dann in einer anderen Einstellung neu ansetzen würde.

Aber ich habe es nicht getan, und sie wurde immer nervöser, fast panisch am Ende, suchte mit ihren Augen mich. Ich gestehe, da habe ich sie ganz eklig ausgetrickst, um diese Empfindung von ihr zu bekommen.

Frage: Stimmt es, dass Sean Harris nie seinen Charakter abgelegt hat? Christopher Smith: Ja. In eben dieser Szene hatte nicht nur Mandy Angst vor Craig, sondern auch Kelly fürchtete sich vor Sean. Er hat zum Beispiel zwischen Aufnahmen kein einziges Wort mit seinen Kollegen gesprochen, blieb auch für sie eine Art Monster.

So wirkten ihre Reaktionen auf ihn vor der Kamera um so realistischer. Sean Harris verschreibt sich seinen Rollen total, aber das hat natürlich Methode – es ist Method Acting im doppelten Sinne, weil nicht nur er damit einfach grandios überzeugt, sondern auch seine Mitspieler zu authentischeren Reaktionen herausfordert.

Während Franka also zum Beispiel zwischen den Takes in drei Mäntel gehüllt auf ihrem Platz saß – es war bei den Dreharbeiten im Winter nämlich bitterkalt – und sich innerlich auf die nächste Szene und Emotion konzentrierte, stand Sean in Shorts in der Ecke und starrte vier Stunden lang die Wand an ...

Frage: Sie haben in stillgelegten Bahnhöfen der Londoner Underground gedreht. Eine geheimnisvolle Welt ...

Christopher Smith: Der Horror in Creep gewinnt immens dadurch, dass er an verlassenen Orten im Londoner Untergrund spielt, die real existieren – in einer geheimnisvollen Zwischenwelt, die ja tatsächlich existiert, bloß nicht im Bewusstsein der Millionen Passagiere, die täglich die U-Bahn benutzen.

Die Geschichte dieser verlassenen und aufgegebenen U-Bahn-Stationen, die zum Teil im Originalzustand erhalten sind, ist extrem faszinierend. Wer weiß, welche Geheimnisse sich wirklich noch dort unten verbergen.

Im Zweiten Weltkrieg waren dort geheime amerikanische Truppen untergebracht; von vielem, was da passierte, weiß man sicherlich heute noch nicht alles. Aber es gibt Krankenhäuser, die noch heute die Tunnel und unterirdischen Räume nutzen.

Das muss man sich mal vorstellen: Man steht im Lift und kann Etage 1 drücken, Etage 2 und 3, aber auch Minus 14! Aber auch da ist vieles noch streng geheim, eine Szenerie wie aus einem James Bond-Film.

Vor dem Studium habe ich mal bei einem Installationsbetrieb für Klimaanlagen gejobbt, und bis ich mit nach dort unten zu Aufbau oder Reparaturen durfte, musste meine ganze Familie erst mal Sicherheitschecks durchlaufen.

Frage: Das Sounddesign ist klasse. Wer sind diese Musiker, The Insects?

Christopher Smith: Das ist eine Band aus Bristol, die sich mit 'Massive Attack' ein Studio geteilt haben und im Technobereich ziemlich groß sind: Sie machen nicht nur Musik, sondern gestalten quasi Gesamtkunstwerke mit Videos, Lichtdesign, Musik etc.

Sie sind ziemlich von deutscher Elektronik beeinflusst, und ich bin ganz begeistert von dem, was sie bei Creep gemacht haben. Dabei hatten sie keine konkreten Vorgaben von mir.

Ich halte es bei solchen Dingen generell mit Woody Allen, der sagt, er gebe einem Schauspieler nie vor, wie er einen Satz rüberzubringen habe, da er dies wahrscheinlich besser tut als er es sich hätte ausdenken können.

So ergänzten wir uns im Austausch großartig. Zum Beispiel hatten sie es im ursprünglichen Entwurf zum Schluss so richtig krachen lassen, ich wollte dann aber doch lieber ein Liebesthema haben – weil ich Sean liebe, weil ich hoffe, dass auch das Publikum am Ende Craig irgendwie liebt, weil er Opfer ist wie alle in diesem Film Opfer sind.

Das ist ja auch der Grund, warum Franka ihn zunächst nicht töten kann. Darüber hört man Craig tief und verzweifelt atmen. In Wirklichkeit ging dies vier Minuten so, aber das haben wir gekürzt.

In Wirklichkeit dauert es viel länger, bis ein Mensch stirbt, als im Film, wo alles immer rasend schnell geht. Aber zum Glück gibt es eben diesen Unterschied zwischen Wahrheit und Fiktion selbst beim Horrorfilm. (DJFL)


Alle Interviews mit Interview mit Christopher Smith: Creep

Interview mit Christopher Smith: Creep
"Für mich aber muss es weiter gehen, tiefer gehen." Christopher Smith ist der Regisseur und Drehbuchautor des englisch-deutschen Kinofilms Creep. Frage: Mr. Smith, der Horrorfilm ist ein Genre [mehr]


Nachrichten rund um Interview mit Christopher Smith: Creep

Neue Rezensionen der letzten sieben Tage!
Wir haben die Neuerscheinungen auf DVD unter die Lupe genommen. [mehr]

Filmstarts bei Ascot Elite: DVDs von Mai bis Juni
Bei Ascot Elite Home Entertainment erscheinen von Mai bis Juni einige neue Titel auf DVD. [mehr]

Ascot Elite von April bis Mai: Triangle, One Week, Cargo ...
Veröffentlichungen von ASCOT ELITE HOME ENTERTAINMENT: DVDs und Blu-ray Discs. [mehr]

TRIANGLE auf DVD und Blu-ray Disc
Zwei Jahre arbeitete Regisseur Christopher Smith (CREEP, SEVERANCE) an dem Script des Horror-Thrillers und liefert ein fantastisches Ergebnis. TRIANGLE ist ein absolutes Genre-Highlight, das durch seine grandiose Optik, den herausragenden CGI-Effekten und einer frischen und zutiefst fesselnden Story besticht! [mehr]

Ascot Elite von März bis April: Cargo, Boston Streets, Cash, ...
Neue Titel bei Ascot Elite von März bis April. [mehr]

SEVERANCE - Eine schaurig-schöne Jagd durch osteuropäische Wälder
Wir alle kennen eine "Schnitzeljagd". Sie wird am Liebsten von Kindern gespielt und am besten im Wald. [mehr]

Splendid: DVD Highlights im April
In diesem April besucht uns wieder einmal der allseits bekannte und beliebte Eierbringer namens Osterhase. Was man aber bis dato vielleicht noch nicht wusste: der Osterhase ist nicht der einzige Überbringer der bunten Eier. In der Schweiz diente z.B. der Kuckuck als Eierlieferant. In Teilen von Westfalen und Hessen hat der Fuchs und in Thüringen der Hahn diese traditionelle Aufgabe übernommen. [mehr]


Blog-Einträge rund um Interview mit Christopher Smith: Creep

INTRUDERS - wer spielt wen?
Am 19. Januar startet mit INTRUDERS ein hochkarätig besetzter Suspense-Thriller in den deutschen Kinos. Anbei senden wir Ihnen ein Talent Feature mit... [mehr]

BLACK DEATH - Filmwebsite online
LiWir möchten euch darauf aufmerksam machen, dass ab sofort die Website zum neuen Thriller von Christopher Smith („Severance“, „Creep“) mit Trailer,... [mehr]

BLACK DEATH mit Sean Bean, Eddie Redmayne, Carice van Houten, Kimberley Nixon
Europa im Jahr 1348. Der dunkle Mantel der Pest legt sich unaufhaltsam über den ganzen Kontinent. Während der Schwarze Tod Millionen Menschen... [mehr]

BLACK DEATH ab 9. September im Kino
Europa im Jahr 1348. Der dunkle Mantel der Pest legt sich unaufhaltsam über den ganzen Kontinent. Während der Schwarze Tod Millionen Menschen... [mehr]

BLACK DEATH - Dreharbeiten zum Mittelalter-Mystery-Thriller mit internationaler Besetzung in Sachsen-Anhalt und Brandenburg
Seit Ende April bis Anfang Juni laufen in Sachsen-Anhalt die Dreharbeiten zu BLACK DEATH mit Herr der Ringe-Star Sean Bean in der Hauptrolle. Die... [mehr]



Interviews

Bei DigitalVD.de gibt es Interviews mit Prominenten, Stars oder Schauspielern. Ein Interview ist eine Befragung mit dem Ziel persönliche Informationen oder Sachverhalte zu einem Thema zu erhalten. Das journalistische Interview ist die bekannteste Form der Befragung. Wir befragen Personen persönlich, telefonisch oder per E-Mail. Unsere Interviews werden in unterschiedlicher Form durchgeführt. Zusammen mit unseren Biografien liefert das Interview ein schönes Gesamtbild zu einem Schauspieler(in).

Wir führen Interviews mit Schauspieler und Schauspielerinnen, Regisseure und andere Prominente aus der Film-Branche. Möchten Sie auch gerne ein Gespräch mit uns führen? Sprechen Sie uns an.

[A]  [B]  [C]  [D]  [E]  [F]  [G]  [H]  [I]  [J]  [K]  [L]  [M]  [N]  [O]  [P]  [Q]  [R]  [S]  [T]  [U]  [V]  [W]  [X]  [Y]  [Z]

Gezielt ein Interview suchen:






+++ ..DVD-RUBRIKEN.. +++

Alles Gute!

zum heutigen Geburtstag
wünschen wir folgender Person:
Brendan Fraser, und allen anderen!
> Weitere Geburtstage...