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Interview mit Dani Levy: Alles auf Zucker

"Die jüdische Kultur war mit der deutschen sehr stark verschmolzen." Dani Levy ist der Regisseur und Co-Drehbuchautor der deutschen Komödie Alles auf Zucker!. Frage: Herr Levy, was ist das ...

* 17. November 1957 in Basel, Schweiz, Regisseur, Drehbuchautor, Schauspieler, Produzent Dani Levy ist einer der kreativen Köpfe der Produktionsgesellschaft X-Filme, mit Hauptsitz in Berlin. Im Laufe des letzten Jahrzehnts hat er konsequent seine persönliche Vision von Kino verwirklicht: Ein Kino ... [komplette Biografie]

Interview mit Dani Levy


"Die jüdische Kultur war mit der deutschen sehr stark verschmolzen."

Dani Levy ist der Regisseur und Co-Drehbuchautor der deutschen Komödie Alles auf Zucker!.

Frage: Herr Levy, was ist das Besondere am jüdischen Humor?

Dani Levy: Humor ist immer dann am schönsten und berührendsten, wenn er aus einer Not und damit aus einer Situation heraus entsteht, in der man ein starkes Mitgefühl mit jemandem hat. Humor ist das wahrscheinlich schönste und legitimste Überlebensmittel. Der jüdische Humor zeichnet sich dadurch aus, dass er ziemlich schonungslos, frech und durchaus selbstironisch mit den menschlichen Schwächen und Macken umgeht – auch mit den Eigenheiten der Juden. Und: Der jüdische Witz nährt sich aus der psychologischen Kenntnis des Menschen, das finde ich schön.

Frage: Worum geht es in Alles auf Zucker!?

Dani Levy: Der Begriff „Jüdische Komödie“ ist hier nur ein Label. Im Prinzip ist Alles auf Zucker! eine Familiengeschichte über ganz normale Menschen in einer bestimmten grotesken, aber gleichzeitig auch sehr authentischen Situation. Jaeckie Zucker ist ein Held, der in höchster Not ist – auf allen Ebenen. Nun reist zu allem Überfluss auch noch der Bruder mit seiner Familie an. Das führt zu einem Kollaps. Und kollabierende Familiensituationen sind ein super Stoff für Komödien. Man braucht eine gute Grundgeschichte mit stimmigen Randfiguren und Anekdoten, die einem Detailreichtum garantieren – eine Komödie lebt dadurch, dass sie im Detail gut ist. Das immer weiterzutreiben, hat bei Alles auf Zucker! einen Riesenspaß gemacht.

Frage: Was gab den Impuls zu einer jüdischen Komödie?

Dani Levy: Eine Komödie mit jüdischen Figuren hat den Anspruch, uns in Deutschland zu einer bestimmten Realität zurückzuführen. Die jüdische Kultur war mit der deutschen sehr stark verschmolzen – in allen Sparten der Kunst und auch in der Psychoanalyse – ihr Ausdruck war gewollt und geliebt. Das Hauptproblem heute in Deutschland ist, dass die meisten Menschen, wenn sie sich mit dem Thema Judentum befassen, auf gar keine Erfahrungen zurückgreifen können. Es gibt so wenige Juden hierzulande, dass ich behaupte, 80 bis 90 Prozent der Deutschen kommen gar nicht mit ihnen in Berührung. So entsteht natürlich eine Fremdheit, die durchdrungen ist von schlechtem Gewissen die Geschichte betreffend. Daraus nähren sich irrationale Berührungsängste und eine Scheu vor dem „fremden Volk“.

Aber wie bei anderen Minderheiten ist es immer hilfreich, wenn man über diese Menschen Filme macht. Filme, die herzerwärmend sind, mit Figuren, die nicht als unantastbare Idealmenschen irgendwo am Horizont stehen, sondern durchdrungen sind vom alltäglichen Chaos, das uns alle begleitet. Wenn man Alles auf Zucker! gesehen hat, hat man nicht das Gefühl, dass man Juden gesehen hat - man ist Menschen begegnet, die einen berühren und über die und mit denen man lacht. Und vielleicht hat man das Gefühl, man habe einen Juden einmal aus völlig neuen Blickwinkeln gesehen und verliert ein Stück weit die Angst vor dem Fremden.

Frage: Spannend in Alles auf Zucker! ist auch, dass der eine Familienzweig in Frankfurt am Main lebt und der andere in Berlin ...

Dani Levy: In der alten Drehbuchfassung kam Samuels Familie aus Amerika. Aber warum in die Ferne schweifen? Eine zerstrittene Familie, aufgespalten innerhalb Deutschlands, in Ost und West ist doch viel realistischer und interessanter für die deutsche Geschichte. Also haben wir das Buch umgeschrieben und so erhielt Alles auf Zucker! zusätzlichen Nährstoff. Man kann den Konfliktboden für eine Komödie gar nicht genug düngen! Den reichen Westler gegen den Wendeverlierer zu stellen, und damit aktuelle soziale und wirtschaftliche Probleme aufzugreifen, hat natürlich einen zusätzlichen Funken in den Brennstoff „Erbschaft“ gebracht.

Frage: Hatten Sie keine Bedenken, dass das teilweise freche Spiel mit Klischees falsch verstanden werden könnte?

Dani Levy: Meine größte Angst bestand darin, dass Juden sehr schnell bereit sein können, hinter kontroversen und humorvollen Schilderungen des jüdischen Lebens antisemitische Tendenzen zu vermuten. Doch derartige Reaktionen hab ich bisher auf Alles auf Zucker! nicht erlebt. Meine Eltern, die Jüdische Gemeinde zu Berlin, die das Projekt unterstützt hat, meine Schwester und mein Schwager, die sehr orthodoxe Juden sind, gaben mir alle ihren Segen und lieben Alles auf Zucker!

Frage: Im Film staunt ein Taxifahrer, dass die Mutter Zuckermann nach dem Holocaust in Deutschland geblieben ist ...

Dani Levy: Etliche jüdische Familien sind nach Ende des Naziregimes wieder nach Deutschland zurückgekehrt. Bei ihnen hat das Heimatgefühl trotz dieser katastrophalen Geschichte und gigantischen Destruktion weiter fortbestanden. Meine Mutter ist in Berlin geboren und aufgewachsen. 1939 floh sie im Alter von 12 Jahren mit ihrem Vater. Dass ich 40 Jahre später wieder nach Berlin zurückkehre und hier wieder auf ganz vielschichtige Art und Weise Fuß fasse, ist eine Ironie der Familiengeschichte.

Meine Mutter fand das zunächst sehr befremdlich und brauchte einige Jahre, bis sie mich hier besucht hat. Ich habe anfangs gar nicht realisiert, was mein Umzug nach Berlin für meine Familie bedeutete. Denn die Jugenderlebnisse meiner Mutter und der Holocaust waren ein Tabu. Mein Bedürfnis, mich mit der Geschichte auseinander zu setzen – von "Meschugge" über "Ohne mich", "Hannah und ihr Papa" und jetzt auch Alles auf Zucker! - wurde stark aus dem Mangel genährt, dass es bei uns zu Hause keine Kommunikation und Aufklärung über die Zeit gab, die meine Mutter als Kind hier erlebt hat. Filme wie ALLES AUF ZUCKER! sind meine Art, das Gespräch mit meiner Mutter zu suchen.

Frage: Gibt es einen roten Faden durch Ihre Filme?

Dani Levy: Mein roter Faden ist die Liebe, sind Liebesgeschichten. Die ersten drei - "Du mich auch", "Robbykallepaul" und "I was on Mars" – hatten einen melancholischen aber sehr humoristischen, ja tragikomischen Ansatz. Danach kamen drei schwere Filme, die mir sehr am Herzen lagen. Ich spürte einen starken Bezug zum Drama, weil mich Menschen in schwierigen Situationen sehr berühren. Ich haben ein großes Bedürfnis, anderen für ihre eigenen verkorksten Lebensgeschichten eine Identifikationsform zu bieten. Mit Alles auf Zucker! bin ich wieder zur Komödie zurückgekehrt, sie ist für mich ein ganz instinktives Ausdrucksmittel, das mir einfach liegt.

Frage: Wie haben Sie Henry Hübchen für die Rolle Jaeckie Zuckers entdeckt?

Dani Levy: Henry Hübchen stand von Anfang an fest. Ich kannte ihn zwar nicht wirklich, weil ich die meisten seiner Stücke an der Volksbühne nicht gesehen habe. Als wir uns dann trafen, war für mich sehr entscheidend, dass er sich selber so vehement in der Figur des Jaeckie Zucker gesehen hat. Die Spielfreude und seine Lust auf diese Figur waren wirklich körperlich zu spüren, das hat mich sehr berührt und dazu bewegt, mit ihm zusammen zu arbeiten.

Frage: Auch Hannelore Elsner besticht in der Rolle von Jaeckies Ehefrau ...

Dani Levy: Diese Rolle war ihr wie auf den Leib geschrieben. Klar, auch eine Ostberlinerin hätte Marlene spielen können, eine, die das Milieu besser verkörpert. Aber da ich mir für diesen Film vorgenommen hatte, jede Deckungsgleichheit zu vergessen und stattdessen mit Lust und Spaß Dinge einfach zu behaupten, fand ich die instinktive komödiantische Seite, die ich von Hannelore Elsner bisher gar nicht kannte, unglaublich. Sie hat Vieles bis an die Grenze des Grotesken ausgereizt und ist eine geborene Komödiantin.

Frage: Ein Teil der Komik in Alles auf Zucker! basiert auf dem Unvermögen der Familien, die strengen jüdischen Regeln einzuhalten. Das setzt natürlich das Wissen um jüdische Sitten und Gebräuche voraus. Wie haben Sie die Schauspieler darauf vorbereitet?

Dani Levy: Wichtig war, dass Samuels Familie dieses bewusst Jüdische glaubwürdig verkörpern kann. Mit Golda Tencer habe ich eine beeindruckende jiddische Volksschauspielerin gefunden, die auch Leiterin des jüdischen Theaters in Warschau ist. Udo Samel hat sehr viel Kontakt, Wissen und Beziehung zur jüdischen Kultur, er hat in einigen seiner Rollen schon Juden verkörpert und besitzt einen sehr feinen Humor. Sebastian Blomberg hat sich den orthodoxen Juden richtig antrainiert. Er ist langsam in die Figur Joshuas reingekrochen, für den Rest sorgte sein schauspielerisches Talent.

Elena Uhlig hatte am allerwenigsten Bezug und ließ sich von dem Strom mitreißen. Als schwarzes Schaf der Familie geht bei ihr alles gut auf. Rolf Hoppe als Rabbiner war eine späte, aber wirkliche Entdeckung. Erstaunlich, wie er das Gefühl dafür entwickelte, wie ein Rabbiner ist. Er fand eine ähnliche Art der Argumentation und Sentimentalität im Ausdruck, so dass der Schauspieler allmählich mit der Figur verschmolz. Meine ursprüngliche Scheu, diesen Film mit nicht jüdischen Schauspielern zu drehen, hat sich dadurch erledigt.

Es war faszinierend, diesen Schauspielern täglich zuzuschauen, und es war ein Geschenk mit ihnen zu arbeiten. Das hat mich wieder darin bestätigt, wie schön das Medium Film ist. Es kann reine Fiktion sein und trotzdem eine authentische Stimmung verbreiten, weil die Erfindung mit voller Leidenschaft und voller Kraft vorangetrieben wird. Das ist das Ermutigende.

(DJFL)


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