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Interview mit Emanuele Crialese: Lampedusa

"Ein guter Stern hat uns beschützt." Emanuele Crialese ist Regisseur und Drehbuchautor des in Cannes 2002 ausgezeichneten Films Lampedusa Frage: Sie haben lange Zeit in New York gelebt. Wie ...

Interview mit Emanuele Crialese


"Ein guter Stern hat uns beschützt."

Emanuele Crialese ist Regisseur und Drehbuchautor des in Cannes 2002 ausgezeichneten Films Lampedusa

Frage: Sie haben lange Zeit in New York gelebt. Wie sind Sie, nach Ihren Begegnungen mit einer ganz anderen Kultur und Lebenswelt, ausgerechnet auf die Insel Lampedusa gekommen?

Emanuele Crialese: Nach neun Jahren New York und meinem ersten Film, den ich dort realisierte, hatte ich das Bedürfnis, allein zu sein. Ich wollte mich zurückziehen, an einen Ort weit weg vom Kino, wo sich niemand über Regiearbeit, Drehbücher oder Schauspieler unterhielt. Außerdem dachte ich, es sei spannend, mein eigenes Land mit den Augen eines Halbemigranten anzuschauen ... Lampedusa war in dieser Hinsicht perfekt... und dort haben mir die Leute die Geschichte oder Legende von einer verrückten Frau erzählt. Mir erschien diese Frau sehr viel weniger verrückt als ausgesprochen faszinierend ... und so entstand die Idee zu meinem zweiten Film. Sechs Monate lang habe ich in Lampedusa gelebt. Ich arbeitete als Fischer und brachte ein Boot wieder in Schuss. Dabei lernte ich die Menschen kennen und sie waren es, die mir die Kraft gegeben haben, mein Vorhaben umzusetzen: die Bewohner der Insel und natürlich Valeria.

Frage: In Ihrem Film fühlt man sich ein wenig in die Tage der Kindheit zurück versetzt. "Lampedusa" beschwört nostalgische Gefühle für eine Welt, die es so nicht mehr gibt, und erinnert an ein bestimmtes italienisches Kino, das heute gleichfalls der Vergangenheit angehört.

Emanuele Crialese: Die Beschäftigung mit der Geschichte des italienischen Kinos, insbesondere mit dem Neorealismus, war für diesen Film sehr wichtig. Ich denke da zum Beispiel an " Das Wunder von Mailand" von Vittorio de Sica, einen Film, der seinen Stoff aus der alltäglichen Wirklichkeit heraus entwickelte, sich aber über die Realität erhob, indem er diese zu einer Art persönlichem Mythos verdichtete. Also genau das, was ich mag und selbst versuche. Ich hatte keine Lust, einen typischen Film "à l'italienne" zu machen, mit all dem Pittoresken, das Italien zweifellos zu bieten hat. Ich wollte eher eine Fabel erzählen, die auf die Phantasie des Zuschauers zielt. Deshalb habe ich zunächst ein Drehbuch ohne Dialoge geschrieben. Diese entstanden erst in der Folge, beeinflusst von der ganz eigenen Sprache, in der sich die Bewohner von Lampedusa untereinander verständigen. Die italienische Sprache ist sehr literarisch, sehr schön, aber gelegentlich verdrängt sie die variantenreichen Mundarten, die man in Italien spricht. Dabei kommt deren besondere Poesie, Musikalität, Unmittelbarkeit zu kurz, die ich schätze. Deshalb war es für mich außerordentlich wichtig, dass der weitaus größte Teil der Darsteller Menschen von Lampedusa waren.

Frage: "Lampedusa" ist ein mutiger Film; alles schien gegen Sie zu sein, die Hitze, die Sonne, die Kinder, die Hunde. Wie ist es Ihnen gelungen, mit solch schwierigen Bedingungen am Set fertig zu werden?

Emanuele Crialese: Sagen wir, ein guter Stern hat uns beschützt. Anders könnte ich mir das nicht erklären. Es war ein Alptraum, mit Kindern zu drehen, die alles andere als diszipliniert sind. Morgens erschienen sie nicht auf dem Set, Tag für Tag mussten wir von neuem losziehen und sie irgendwo im Gelände ausfindig machen. Besonders schwierig war auch die Arbeit mit Hunden aus dem Tierheim, das waren ja keine abgerichteten Hunde. Die Situation spitzte sich bisweilen so zu, dass wir drauf und dran waren, aufzugeben. Jeden Morgen schickte ich ein kleines Stoßgebet zum Himmel, zum guten Geist der Insel, und irgendwie wurde mein Ruf erhört. Es klingt merkwürdig, aber eben weil ich weiß, was ich durchgemacht habe, ist die Tatsache, dass dieser Film dann seinen Weg bis nach Cannes gefunden hat, für mich ein untrügliches Zeichen einer hilfreichen Hand von oben.

Frage: Wie kam es zu Ihrer Entscheidung für die Schauspielerin Valeria Golino?

Emanuele Crialese: Ich habe Valeria in "Storia d'amore" von Francesco Maselli gesehen; sie hat so ein intensives Leuchten in ihrem Blick, scheint irgendwie mit der Erde verwurzelt zu sein. Meiner Meinung nach war sie die einzige italienische Schauspielerin, die in dieser komplizierten Rolle glaubwürdig wirkt. Und ich bin ihr außerordentlich dankbar.

Frage: Es ist Ihnen gelungen, alle gängigen Klischees zu vermeiden, unter anderem das Bild vom süditalienischen Padrone, der seine Ehefrau unterdrückt.

Emanuele Crialese: In diesem Fall ist er zerbrechlicher als sie. Anfangs dachte ich daran, die Rolle einem Fischer zu überlassen. Aber Vincenzo Amato hat Grazias Ehemann Pietro eine menschliche Seite gegeben, die ich anders nicht bekommen hätte. Ich wollte nicht den Archetyp eines Macho auf die Leinwand bringen. Ganz im Gegenteil. Mir gefällt gerade die Sensibilität, mit der Vincenzo diesen Mann verkörpert, indem er ihn nicht eindimensional, sondern mit mehreren Gesichtern zeigt.

Frage: Wer ist Vincenzo Amato und wie haben Sie ihn gefunden?

Emanuele Crialese: Vincenzo ist mein Freund, ein New Yorker Bildhauer; er war schon der Hauptdarsteller meines ersten Films "When we were strangers", den ich in den Vereinigten Staaten gedreht habe. Das war überhaupt der erste italienische Kinofilm, der in die Auswahl des Sundance Festivals gekommen ist.

Frage: Gegen Ende sieht man eine sehr merkwürdige Jagdszene mit kleinen, haarigen Tieren.

Emanuele Crialese: Sie meinen Frettchen. Mit ihrer Hilfe fängt man auf Lampedusa wilde Kaninchen. Die Frettchen schlüpfen in die Felsspalten und treiben die Kaninchen hinauf zur Erdoberfläche, direkt in die Fangkörbe der Insulaner.

Frage: Entspricht die Einbettung dieser Geschichte in eine vortechnologische Zeit der heutigen Realität von Lampedusa?

Emanuele Crialese: Ich wollte Fernsehgeräte, Satellitenschüsseln und andere technologische Errungenschaften der modernen Gesellschaft wie die grässlichen Motorskooter bewusst nicht im Bild haben. Es sollte eine Momentaufnahme bleiben, die in der Luft hängt, eine Insel, auf der die Zeit stehen geblieben ist. Die Kleidung der Leute könnte in die achtziger Jahre passen. Natürlich sieht es auf Lampedusa heute anders aus. Die Haarmode hat sich verändert, die Motorroller fahren mit stärkeren Motoren. Lampedusa ist durch den Tourismus reicher geworden, aber vor zehn Jahren war es dort noch so, wie ich es im Film zeige. Ich habe mich entschlossen, in jener Zeit zu bleiben. (DJFL)


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