Sie befinden sich hier: Home - Interviews - F - Interview mit Florian Flicker: Der Überfall

Das erstaunliche Leben des Walter Mitty Das erstaunliche Leben des Walter Mitty

Walter Mitty

Es kommt der Tag, an dem du mit dem Träumen aufhören und dein Schicksal in die eigenen Hände nehmen musst.
...jetzt mehr!

Interview mit Florian Flicker: Der Überfall

Der Überfall ist die dritte Kinoarbeit des Wiener Regisseurs Florian Flicker. Das folgende Interview mit ihm fand im Juli 2000 statt, während er in der Schweiz die Tonspur seines Films fertig stellte. ...

Interview mit Florian Flicker


Der Überfall ist die dritte Kinoarbeit des Wiener Regisseurs Florian Flicker. Das folgende Interview mit ihm fand im Juli 2000 statt, während er in der Schweiz die Tonspur seines Films fertig stellte.

Frage: Wie entstand die Idee zu Der Überfall?

Florian Flicker: Es interessierte mich, drei Männer zu beobachten, die sich in einer Extremsituation befinden, wie sie da miteinander umgehen und was für zwischenmenschliche Abgründe sich dabei auftun. Der enge Rahmen des Kammerspiels war sozusagen eine erschwerende, katalytische Komponente in der Konfrontation der Charaktere. Vor allem der Wechsel zwischen liebevollem Umgang und absoluter Brutalität, dieses ständige Hin und Her zwischen Machtkampf und Hilflosigkeit, das fand ich spannend. Jeder von ihnen ist eine Tragödie für sich: da ist Andis Hilflosigkeit sich selbst und seinen beiden "Opfern" gegenüber, ihm gegenüber Böckels sture Verschlossenheit und dann der Kopper, der ist für mich der Österreicher schlechthin: ja nicht Stellung beziehen, zur Not intrigieren und vor allem immer das Opfer sein wollen. Außerdem wollte ich nach "Suzie Washington" einen Film machen, der sich noch mehr auf die Schauspieler konzentriert, und dafür war ein Stoff, der in einem engen Raum spielt, ideal.

Frage: Haben Sie den Schauspielern bei den Dreharbeiten mehr freien Lauf gelassen, als Sie es gewohnt waren?

Florian Flicker: Ich wollte, dass sie sich nicht nur mit den Figuren, sondern auch mit der Geschichte identifizieren können, und mir war wichtig, dass sie nicht bloß ihre Rolle abliefern. Deswegen habe ich sehr auf ihre Vorschläge geachtet. Es sollte unsere Geschichte werden und nicht nur meine. Nur dann könnten sie das auch überzeugt spielen. Das macht die Arbeit sehr intensiv, weil man ständig gemeinsam auf der Suche ist nach Verbesserungen und die Geschichte ständig in Bewegung bleibt.

Frage: Wie hat die "Chemie" im Team funktioniert?

Florian Flicker: Was ich zu Anfang befürchtet habe - dass es in dieser Klaustrophobie zu einem Koller kommen könnte - ist zum Glück nicht eingetroffen. Dafür sind die drei Hauptdarsteller auch viel zu professionell, und außerdem haben wir uns ja nicht erst am ersten Drehtag mit der Geschichte auseinandergesetzt, sondern schon Wochen vorher intensiv geprobt. Allerdings war natürlich - so wie im Film auch - ein Aufeinanderprallen dreier Welten zu beobachten. Diese drei Männer kommen ja auch im wirklichen Leben aus sehr verschiedenen Ecken, und das hat mir schon bei der ersten Leseprobe sehr gefallen. Im Film weitet sich das aus und äußert sich nicht zuletzt in den verschiedenen Sprachen der Figuren, die den drei Welten eine zusätzliche Farbe geben.

Frage: Ist die Arbeit in einem kleinen, übersichtlichen Set einfacher oder komplizierter?

Florian Flicker: Sie ist einfacher, weil man weniger organisatorischen Aufwand betreiben muss. Anstrengender ist dafür, dass das gesamte Team sich ständig in einem kleinen Raum befindet - das sind zehn bis fünfzehn Leute, und man steigt sich zwangsläufig gegenseitig auf die Füße. Es entstehen auch keinerlei Umbaupausen oder Drehortwechsel, deshalb gibt es selten Leerlaufphasen - wir haben quasi permanent durchgearbeitet. Das war schon sehr intensiv und ging oft an die Grenzen unserer Kraft, letztendlich hat es den Szenen wahrscheinlich sehr viel Authentizität verpasst.

Frage: Es steckt viel Tragödie in Der Überfall, aber es gibt auch dauernd was zu lachen. Haben wir es am Ende doch mit einer Komödie zu tun?

Florian Flicker: Die Frage, ob das jetzt ein ernster, seriöser Autorenfilm oder eine Komödie ist, kam schon beim Drehen immer wieder auf. Roland und Josef können ja aus fast jedem Satz eine Pointe machen. Ich musste da manchmal auf die Bremse steigen, sonst wäre der Film zu sehr in Richtung Komödie gewandert. So lässt er sich aber nicht auf ein bestimmtes Genre reduzieren. Wenn dann ist es so etwas wie ein tragikomisches Kammerspiel. Ich habe versucht, die Extreme auszuloten, sowohl in Richtung Gewalt und zwischenmenschlicher Härte als auch in Richtung Liebenswürdigkeit und Sensibilität im Umgang miteinander. Die Geschichte zwischen den Dreien kann sich nur aus ihren Charakteren heraus entwickeln, aus dem Umstand, dass drei Männer plötzlich unter sich sind und die Außenwelt nicht mehr zählt. Im entstehenden Konflikt sind sie wie Zahnräder eines defekten Motors, die sich so sehr ineinander verbeißen, dass man sie nicht mehr voneinander lösen kann. Ein menschliches Drama, aber von außen betrachtet wirkt so was oft komisch.

Frage: Ist Der Überfall ein Kabarettfilm - oder ein Kabarettistenfilm?

Florian Flicker: Der Begriff Kabarettistenfilm ist mir fremd. Ich habe keine Kabarettisten engagiert, sondern Filmschauspieler. Ich wollte ein von der Chemie her homogenes und von den Charakteren her möglichst heterogenes Ensemble. Als ich "Hinterholz 8" gesehen habe, war ich sehr beeindruckt vom Roland, was für ein toller Filmschauspieler er ist. Vom Josef wusste ich das schon seit "Indien". Ich schätze die beiden als Filmschauspieler sehr. Und sie machen auch Kabarett. Mit Joachim als dritten war die Kombination ideal.

Frage: Wie hat das Publikum bisher auf ihren Film reagiert?

Florian Flicker: Bei den Testvorführungen war es sehr verschieden. Einmal haben die Leute kaum gelacht und waren sehr betroffen von der Geschichte und den Figuren, ein anderes Mal wurde von Anfang an gelacht. Der Josef hat einmal gesagt, dass die Leute sicher eine Komödie erwarten, wenn sie Hader und Düringer am Plakat lesen - und dann hoffentlich positiv enttäuscht sein werden. (DJFL)


Alle Interviews mit Interview mit Florian Flicker: Der Überfall

Interview mit Florian Flicker: Der Überfall
Der Überfall ist die dritte Kinoarbeit des Wiener Regisseurs Florian Flicker. Das folgende Interview mit ihm fand im Juli 2000 statt, während er in der Schweiz die Tonspur seines Films fertig stellte. [mehr]



Interviews

Bei DigitalVD.de gibt es Interviews mit Prominenten, Stars oder Schauspielern. Ein Interview ist eine Befragung mit dem Ziel persönliche Informationen oder Sachverhalte zu einem Thema zu erhalten. Das journalistische Interview ist die bekannteste Form der Befragung. Wir befragen Personen persönlich, telefonisch oder per E-Mail. Unsere Interviews werden in unterschiedlicher Form durchgeführt. Zusammen mit unseren Biografien liefert das Interview ein schönes Gesamtbild zu einem Schauspieler(in).

Wir führen Interviews mit Schauspieler und Schauspielerinnen, Regisseure und andere Prominente aus der Film-Branche. Möchten Sie auch gerne ein Gespräch mit uns führen? Sprechen Sie uns an.

[A]  [B]  [C]  [D]  [E]  [F]  [G]  [H]  [I]  [J]  [K]  [L]  [M]  [N]  [O]  [P]  [Q]  [R]  [S]  [T]  [U]  [V]  [W]  [X]  [Y]  [Z]

Gezielt ein Interview suchen:






+++ ..DVD-RUBRIKEN.. +++

Alles Gute!

zum heutigen Geburtstag
wünschen wir folgender Person:
Jennifer Nitsch, und allen anderen!
> Weitere Geburtstage...