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Interview mit Frank Goosen: Liegen lernen

"Ich hasse diese Romane, die mit dem Stadtplan in der Hand geschrieben sind." Frank Goosens Roman "Liegen Lernen" diente als Vorlage zum gleichnamigen Film, der am 4. September 2003 in den ...

Interview mit Frank Goosen


"Ich hasse diese Romane, die mit dem Stadtplan in der Hand geschrieben sind."

Frank Goosens Roman "Liegen Lernen" diente als Vorlage zum gleichnamigen Film, der am 4. September 2003 in den deutschen Kinos erscheint.

Frage: Wie findest du den fertigen Film denn? Erkennst du dein Buch wieder?

Frank Goosen: Hab gerade noch mit meiner Frau drüber gesprochen, wie toll wir ihn finden! In manchen Momenten war ich völlig überrascht und gerührt.

Frage: Obwohl du als Romanautor doch eigentlich wissen müsstest, wie es endet ...

Frank Goosen: So ganz genau ja nicht, weil im Drehbuch ja doch einiges verändert wurde. Außerdem ist es doch bewegend, wenn man plötzlich Teile seiner eigenen Geschichte, seines eigenen Lebens auf der großen Kinoleinwand sieht - was jetzt nicht heißen soll, Liegen lernen sei ein autobiografischer Roman.

Ich hab den Helmut schon erfunden, aber es gibt kleine Details, die auf Erlebnisse aus meinem Leben beruhen. Auch ich hab mal eine Freundin gehabt, die in die USA gegangen ist, auch ich hab mal, völlig sinnfrei, einen Ring verschenkt und mir wunders was davon versprochen - aber ich glaube, das sind Sachen, die wohl jeder mal so oder ähnlich gemacht hat.

Frage: Nur hat nicht jeder die Gelegenheit, sich das im Kino noch mal erzählen zu lassen.

Frank Goosen: Film hat schon noch mal eine ganz andere Wucht, ich war doch ziemlich gerührt.

Frage: Ist das so, wie Helmut im Film sagt, dass man nur still abwarten muss, dann laufen einem die tollsten Frauen zu?

Frank Goosen: Das kann ich aus persönlicher Erfahrung nun nicht bestätigen. Ich war übrigens auch mal Parkwächter, aber Frauen hab ich dabei nicht kennengelernt. Aber auch bei mir war es mal so, dass ich beruflich zielstrebiger war als in privaten Dingen.

Frage: Als Leser macht man sich ja schon einen bestimmtes Bild von Romanfiguren, das muss als Autor der Geschichte ja noch schlimmer sein. Entspricht Fabian Busch also Helmut?

Frank Goosen: Fabian ist großartig, born to be Helmut! Wie aber übrigens alle Schauspieler perfekt passen. Helmut wird im Buch ja auch nie äußerlich beschrieben, vielleicht hab ich das unterschwellig so gehalten, weil ich ihn nicht wie mich beschreiben wollte aber auch nicht zu weit weg von mir.

Frage: Die Stadt, in der Helmut wohnt, ist auch in Ihrer Romanvorlage nie konkret genannt, vermittelt eher die Idee von Westdeutschland. Warum?

Frank Goosen: Es gibt eine Stelle (im Roman), die Hinweis darauf gibt, dass die Geschichte in Bochum spielt, als sie nämlich vom Balkon auf den Fluss schauen. Aber ansonsten war dies eine bewusste Entscheidung: Ich hasse diese Romane, die mit dem Stadtplan in der Hand geschrieben sind. Vor allem aus Berlin kommen ja zur Zeit Unmengen davon, die natürlich alle in Prenzlauer Berg spielen.

Frage: Auf der Datumsschiene sind einige Tage dagegen sehr genau genannt.

Frank Goosen: Ja, es beginnt damit, wie Helmut am 16. September 1998 aus ner Kneipe fällt - eine Woche, bevor Helmut Kohl abgewählt wurde. Und auch den 9. November 1989 hab ich bewusst eingebaut, um die Reaktion auf den Mauerfall zu zeigen.

Frage: Haben die 80er dich auch persönlich so stark geprägt?

Frank Goosen: Natürlich, weil ich damals jung war. Für mich beginnen "die 80er" mit dem Amtsantritt von Ronald Reagan, dann kam die "geistig-moralische Wende" 1982. Aber auch durch die Nachrüstungsdebatte war damals Politik wieder sehr wichtig, man war damals in jeder Hinsicht im Aufbruch - persönlich wie gesellschaftlich.

Natürlich gibt es grad ein großes 80er-Revival, aber ich persönlich halte es für einen passenden Zeitpunkt, auf sein bisheriges Leben zurückzublicken, wenn man sich gesettelt hat, wenn man auf die wilde Partyzeit in seinem Leben zurückblickt und spürt, wie merkwürdig folgenlos viele Entscheidungen damals im Gegensatz zu später blieben - obwohl man alles wichtig und aufregend fand, weil man Dinge dort zum ersten Mal tat. Da spielt im Rückblick natürlich auch ein Sehnsuchtsmoment mit.

Frage: So hat jede Coming-of-Age-Geschichte doch auch etwas Universelles ...

Frank Goosen: Klar, die nächste Generation hat dann lediglich andere Helden, aber die Mechanismen sind die gleichen. Ich persönlich hab dabei ausgerechnet gar keine Helden in den 80ern gehabt, ich war immer schon großer Beatles-Fan und John Lennon schon immer meine Ikone. Das wurde mir ja auch in der Kritik vorgehalten, in den 80ern hätte man gar nicht mehr über Nicaragua, sondern über französischen Dekonstruktivismus geredet. Kann sein, ich kann dazu nur sagen: im Gymnasium am Ostring in Bochum nicht!

Frage: Warst du denn in die Drehbucharbeit involviert? Hast du mal daran gedacht, selbst das Film-Script zu schreiben?

Frank Goosen: Nein, da hatte ich keine Ambitionen. Als ich Henk kennen lernte, war mir auf Anhieb klar, dass wir ähnliche Geschichten zu erzählen haben und dass das Projekt bei ihm in den besten Händen liegt. Er hat mir mal ein Drehbuch geschickt, das mir sehr gut gefiel, dann haben wir uns getroffen und darüber gesprochen, das war's eigentlich.

Ich wäre gerne öfter bei den Dreharbeiten dabei gewesen, aber ich hatte in der Zeit leider unheimlich viele Auftritte. Eigentlich sollte ich im Film auch mitspielen: So wie es am Anfang Männer gibt, die Dinge anschauen, sollte ich ganz am Schluss als Mann auftauchen, der einen Stromkasten anstarrt - ein Part, auf den ich mich mit Method-acting vorbereitet habe, aber leider wurde das Ende dann umgeschrieben. Dafür habe ich im Film meine Doppelkopf-Runde untergebracht.

Die Jungs haben einfach keine Ruhe gegeben, bis ich bei X Filme angerufen und gefragt hab, ob sie als Statisten mitwirken können. Der Mann, der in der Kneipe regungslos am Tisch sitzt, seit ihn seine Frau vor 15 Jahre verlassen hat, das ist übrigens mein Kumpel Ralle. Die haben mich später beim Dreh gefragt, wo ich den denn aufgetrieben habe, weil er vier Stunden regungslos da saß - da hab ich nur gesagt: Der ist Lehrer! (DJFL)


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