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Interview mit German Kral: Musica Cubana

"Das Leben der Musiker wird so authentisch und wahrhaftig wie möglich gezeigt." German Kral ist der Regisseur und Drehbuchautor des Musikfilms Musica Cubana. Frage: Wie sind Sie zu Musica ...

Interview mit German Kral


"Das Leben der Musiker wird so authentisch und wahrhaftig wie möglich gezeigt."

German Kral ist der Regisseur und Drehbuchautor des Musikfilms Musica Cubana.

Frage: Wie sind Sie zu Musica Cubana gekommen?

German Kral: Wichtig ist zunächst: Ich bin in Buenos Aires aufgewachsen und habe dort die Filme von Wim Wenders gesehen. Ich habe sie geliebt. Sie waren der Grund, warum ich selbst Filmemacher werden wollte und warum ich unbedingt in München Film an der Filmhochschule studieren wollte, wo auch Wim Wenders studiert hatte. Der Zufall wollte es, dass er ein paar Jahre später tatsächlich mein Professor wurde. Wir haben damals einen Film zusammen mit ihm gedreht. Mit ihm zusammen am Set hinter der Kamera stehen zu können, war die Erfüllung eines Traums.

Jahre später brachte der Zufall uns wieder zusammen. Ich war in Buenos Aires, wo ich an einem Film arbeitete, und habe aus einem ganz anderen Grund eine Mail an Wim Wenders geschickt. In seiner Antwort schrieb er mir, dass man ihm ein Filmprojekt mit dem Titel "Die Söhne von Buena Vista" angeboten hätte. Diesmal sollte es um die jungen Musiker in Kuba gehen. Er fragte ganz unverblümt, ob ich nicht Interesse hätte, diesen Film zu machen. Er könne sich gut vorstellen, mir als executive producer beizustehen.

Frage: Wie war Ihre Reaktion?

German Kral: Im ersten Moment habe ich natürlich unheimlich Schiss gehabt. Mir war klar, dass dieser Film sofort an "Buena Vista Social Club" gemessen werden würde. Aber dann überwog bei mir doch der Gedanke: Wow, was für eine tolle Möglichkeit. Also habe ich zugesagt.

Frage: Gab es zu diesem Zeitpunkt bereits ein Konzept?

German Kral: Die Kernidee war klar formuliert: ein Film über die junge Musikszene in Kuba. Wim Wenders hatte das Gefühl, dass es wichtig sei, den jungen Musikern des Landes zu helfen, ihnen eine Plattform zu verschaffen, sie auch außerhalb ihres Landes, in dem sie Superstars sind, bekannt zu machen. Von diesem Zentrum ging alles weitere aus.

Aber es war ein weiter Weg, von einer Idee zu einem Film. Es gab drei oder vier Recherchereisen nach Kuba, wo ich Musiker getroffen und gesprochen habe. Nach und nach habe ich mir die, die ich als beste Charaktere für unser Filmkonzept empfand, herausgepickt.

Auf diesen Reisen haben wir immer wieder Pío Leiva getroffen. Er ist eine lebende Musiklegende und war einer der Stars von "Buena Vista Social Club". Und er war eigentlich von Anfang mit dabei. Er ist sehr lustig. Morgens kam er zu uns ins Hotel und setzte sich an den Frühstückstisch, wo er sein erstes Bierchen getrunken und seine Zigarren geraucht hat. Irgendwie war sofort klar, dass Pío eine Hauptfigur in dem Film sein musste. Er unterstützte uns auch bei der Suche nach den jungen Musikern.

Viele von ihnen sind unglaublich gut. Zum Beispiel Mayito Rivera - er ist der Sänger von "Los Van Van" und wird in Kuba gefeiert wie Mick Jagger. Wenn man mit ihm die Straße entlang geht, wird man unentwegt angesprochen. Die Leute wollen Autogramme und lassen sich mit ihm fotografieren. Unglaublich! Der Bassist Feliciano Arango spielt eigentlich bei NG La Banda, eine Supergruppe in Kuba. Und der Klavierspieler, Roberto Carcassés, ist einer der talentiertesten Musiker, die man auf der ganzen Insel finden kann. Er hat auch die Arrangements beigesteuert. Und unseren Trompeter muss ich noch nennen, Julio Padron, die erste Trompete von "Irakere". Alle sind einfach ausgezeichnet.

Frage: Wer hatte die Idee, dass man diese Jungs zu einer neuen Formation zusammenstellt?

German Kral: Zusammen mit meinem Ko-Autor Stephan Puchner, ebenfalls ein Absolvent der Filmhochschule, der auch schon mit Wim Wenders gearbeitet hatte, haben wir uns hingesetzt. Wim meinte, dass es wichtig für die Spannung und den Verlauf des Films wäre, wenn diese jungen Musiker etwas Utopisches, etwas Unerreichbares suchen würden. Etwas Unmögliches, von dem man überzeugt ist, dass es ihnen niemals gelingen wird.

Stephan Puchner hatte dann die Idee, dass die Musiker auf die Reise in eine ihnen fremde Welt gehen sollten. So kamen wir auf das Konzert in Tokio, eine Stadt, die das absolute Gegenteil von Havanna ist. Das gefiel uns, weil die Struktur auf sympathische Weise auf "Buena Vista Social Club" verweist, in dem die alten Musiker am Schluss in New York auftreten. Es war sehr hilfreich für uns, weil wir damit den nötigen roten Faden für den Film gefunden hatten.

Frage: Ein weiterer roter Faden ist die Rahmenhandlung, in der Pío Leiva mit einem Taxifahrer in dessen Taxi durch die Straßen kurvt, um nach Musikern zu suchen und deren Karriere zu planen.

German Kral: Ich habe selbst schon eine Dokumentation über drei Taxifahrer in drei Städten gedreht. Ich finde Taxifahrer faszinierend. Sie hören im Verlauf eines Tages so viele Geschichten und reisen unentwegt durch ihre Städte. In Kuba fielen mir die Taxifahrer sofort auf, in ihren wunderbaren alten Autos.

Viele von ihnen fahren feste Routen und haben bisweilen acht bis zehn Passagiere mit an Bord. Und uns ging es tatsächlich so, dass wir zwischen zwei Terminen im Taxi über Musiker diskutierten, und dann schaltete sich der Taxifahrer ein, der gleich noch viel bessere Vorschläge hatte. Immer wieder klinkten sie sich in unsere Gespräche ein und hatten dabei nie das Gefühl, dass sie womöglich stören oder aufdringlich sein könnten.

Das hat mich so sehr beeindruckt, dass ich es unbedingt in meinem Film unterbringen wollte. Und so kamen wir auf den Geistesblitz, Pío Freundschaft einem Taxifahrer schließen zu lassen. Gemeinsam sollten sie sich auf die Suche nach den besten Musikern begeben.

Frage: Wie haben Sie den Taxifahrer besetzt?

German Kral: Das ist Bárbaro Marín, ein sehr, sehr bekannter kubanischer Schauspieler. Auch ihn haben wir zufällig bei einer unserer Recherchereisen kennen gelernt. Er war ganz unfällig im Tross eines der Musiker, den wir besetzen wollten.

Aber unsere kubanische Rechercheurin erkannte ihn sofort und machte mich auf ihn aufmerksam. Sie war sehr beeindruckt, weil er ungeheuer bekannt ist. Wir haben sofort zugeschlagen. Er war begeistert. Er gestand uns, dass er sich als verkappter Musiker empfindet und hatte auch schon in einem Theaterstück von Compay Segundo gespielt.

Als ich beim Dreh der ersten Szene in der El Nene "Fiebre de Tí" singt, ein sehr schönes Lied, Pío und Bárbaro in ihren Kostümen zusammen sah, war ich begeistert. Da wusste ich, dass unser Film sehr schön werden könnte.

Frage: Haben Sie mit einem festen Drehbuch gearbeitet? Wie viel entstand spontan, wie viel wurde improvisiert?

German Kral: Bei meinem Taxifilm, den ich in Berlin, Buenos Aires und Tokio gedreht habe, war alles offen. Der Schnitt erwies sich genau deshalb als nackter Albtraum. Ich nahm mir fest vor, dass mir so etwas nicht noch einmal passiert. Deshalb hatten wir bei Musica Cubana ein sehr detailliertes und umfassendes Treatment, teilweise sogar mit ausgearbeiteten Dialogen.

Bei den Recherchen hatten wir die ganzen Interviews und Gespräche mit den Musikern aufgenommen. Daran orientierten wir uns beim Verfassen des Treatments. Die Geschichte war klar umrissen.

Das Konzept sah es auch vor, offene Szenen in die Struktur zu integrieren. Wenn Pío also aus seinem Leben, aus seiner Vergangenheit erzählt, dann sind dies alles authentische Geschichten aus seinem Leben. Für uns war sehr wichtig, dass das Leben der Musiker trotz der fiktiven Handlung so authentisch und wahrhaftig wie möglich gezeigt wird.

Frage: Wie gestaltete sich die Beteiligung von Wim Wenders?

German Kral: Zunächst einmal hatte er die Idee. Er wollte die Geschichte der kubanischen Musik erzählen, vom Son bis Rock. Für mich war wichtig, dass er immer da war, wenn ich Fragen oder Zweifel hatte. Er hat mir den Rücken gestärkt. Ich hatte es mir beispielsweise in den Kopf gesetzt, 40 Tage lang zu drehen.

Die Produzenten sagten mir kurz vor Drehbeginn, dass 24 Tage das höchste der Gefühle wäre. Ich war entmutigt, weil ich überzeugt war, dass sich der Film in so kurzer Zeit nicht machen ließe. Also habe ich Wim Wenders verzweifelt angerufen. Und er antwortet nach einer längeren Pause sehr bedächtig: "German, weißt Du, in 24 Tagen kann man eine ganze Menge drehen." Und so was gab mir Mut.

Frage: Wie groß war das Team?

German Kral: Sehr groß, vielleicht zu groß. Aus Deutschland kam der Kameramann, Jörg Widmer, der bereits BUENA VISTA SOCIAL CLUB gedreht hatte - was schön war, weil wir damit auch visuell eine Verbindung herstellen konnten. Der Tonmann, Martin Müller, ist ebenfalls ein langjähriger Weggefährte von Wim Wenders. Gleiches gilt für den Cutter, Peter Przygodda, der auch meinen Abschlussfilm geschnitten hatte. Einige Leute mehr kamen noch aus Deutschland. Bei den Musikaufnahmen, die in der ersten Woche abgewickelt wurden, waren wir dann teilweise 50 Leute im Raum. Das war eine Menge, vielleicht zuviel.

Frage: Kannten Sie sich als Argentinier mit der Musikszene Kubas bereits vor der Arbeit an Musica Cubana aus?

German Kral: Die junge kubanische Musik ist ganz anders als die Musik, die man aus "Buena Vista Social Club" kennt. Diese Musik kannte ich nicht. Ich komme aus Buenos Aires. Die Stadt hat eine ganz andere Stimmung.

Wir Argentinier sind Melancholiker. Wir hören Tango, Astor Piazzolla. Wenn wir leiden können, sind wir glücklich. In keiner Stadt der Welt gibt es mehr Psychoanalytiker. In Kuba dagegen gibt es keine Psychoanalyse. Das sagt eigentlich alles. Ich musste die Musik erst kennen lernen. Anfangs war sie mir sehr fremd. Aber am Schluss habe ich sie geliebt.

Als wir das Konzert in Tokio aufgenommen haben, tanzte und schrie ich wie verrückt. Wie gesagt: Das sind brillante Musiker, die in ihrer Heimat nicht von ungefähr große Stars sind. Wenn sie in Clubs spielen, dann steht Kuba Kopf. Bei Konzerten von "Los Van Van" muss die Polizei dafür sorgen, dass die Ordnung gewahrt wird. Musik ist unglaublich wichtig für die Menschen in Kuba.

Frage: Kannte Pío Leiva selbst die neue Musik Kubas?

German Kral: In Kuba kennt wirklich jeder Pío. Und Pío kennt wirklich jeden. Er ist aus dem öffentlichen Leben einfach nicht wegzudenken. Natürlich kannte er, was die Jungen machen. Wichtig ist aber: Er liebt es, auch wenn er musikalisch etwas ganz anderes macht und auch einen ganz anderen Hintergrund hat.

Man muss es so sehen: Die Menschen in Kuba spielen Musik nicht, sie sind die Musik. Da gibt es keine Posen. Die Musik entsteht ganz natürlich aus den Musikern heraus. Das ist das eigentliche Bindeglied zwischen Pío und beispielsweise "Los Van Van". Es klingt anders, aber ist das Gleiche.

Bei den Konzertszenen waren die Musiker nicht zu bremsen. Auch wenn ich "Schnitt!" rief, spielten sie immer weiter. Sie können einfach nicht anders. Musik ist ihr Leben. (DJFL)


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