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Interview mit Götz Spielmann: Antares - Studien der Liebe

"Die Dreharbeiten waren eine sehr schöne Erfahrung." Götz Spielmann ist der Regisseur und Drehbuchautor des österreichischen Kinofilms Antares - Studien der Liebe. Frage: Antares - Studien der ...

Interview mit Götz Spielmann


"Die Dreharbeiten waren eine sehr schöne Erfahrung."

Götz Spielmann ist der Regisseur und Drehbuchautor des österreichischen Kinofilms Antares - Studien der Liebe.

Frage: Antares - Studien der Liebe ist ein sehr mutiges Filmprojekt. Musstest du dennoch Konzessionen in irgendwelche Richtungen machen?

Götz Spielmann: Das war nach der Filmakademie der erste Film von mir, bei dem ich völlig kompromisslos arbeiten konnte. Filmemachen ist ja immer auch die Kunst des Möglichen und in diesem Fall waren die Bedingungen hervorragend. Erstmals kaum Zeitdruck, ich hatte 39 Drehtage, ein Luxus. Dann das Glück, dass sich tatsächlich jeder der vielen Schauspieler als hervorragende Besetzung erwiesen hat.

Die Dreharbeiten waren eine sehr schöne Erfahrung. Filmemachen ist ja nicht nur eine Arbeit an der Genauigkeit, sondern auch eine gegen Umstände. Die haben einen großen Einfluss, manchmal einen schädlichen. Für mich ist das die größte Mühe an der Arbeit. Ich bin mir auch häufig unsicher, ob meine Konsequenz in den Filmen noch ablesbar ist, ob sie sich noch vermittelt.

Frage: Was bedeutet für dich in diesem Zusammenhang 'Konsequenz'?

Götz Spielmann: Auf einer inneren Ebene bedeutet Konsequenz, dass man eine Gewissheit, einen Instinkt dafür entwickelt, was man zu erzählen hat und dass man daran arbeitet und darum kämpft, das auch sagen und in Form, ins Sichtbare, bringen zu können. Das ist etwas, wo man letztlich - hoffentlich - auch nicht erfolgreich sein kann, weil das eine Art Utopie ist, der sich die Arbeit immer nur nähern kann.

Auf der äußeren, gesellschaftlichen Ebene heißt Konsequenz, dass ich mein Leben so einzurichten suche, dass ich kompromisslos nur das mache, was ich mit meiner inneren Haltung in Verbindung bringen kann. Und nicht, weil es Geld verspricht, oder Erfolg, oder Prestige.

Frage: Ist die Erzählstruktur von Antares - Studien der Liebe - dieses Aneinanderreihen zeitgleich spielender Episoden - eines von vielen Mitteln, eine Geschichte zu erzählen?

Götz Spielmann: Diese Struktur war für mich zwingend notwendig. Es geht in Antares - Studien der Liebe im Wesentlichen um Menschen, die ihre Einsamkeit überwinden wollen. Deswegen drei Geschichten, die einander beeinflussen und miteinander in Verbindung stehen, zur gleichen Zeit - ohne dass die Figuren davon wissen. Und deswegen die Geschichten hintereinander.

Eine Parallelmontage wäre eine formale Beliebigkeit, im Hintereinander hingegen kann man diese Vernetztheit nacherleben, man entdeckt sie als etwas, das sich nicht von selbst versteht. Die Struktur hängt also sehr stark mit dem Thema und meiner Utopie diesem Thema gegenüber zusammen.

Frage: Aber die Figuren in Antares - Studien der Liebe empfinden ihre Einsamkeit dennoch als sehr faktisch - und es fehlt im Film auch die melodramatisch erlösende Wendung. Worin liegt also die Utopie?

Götz Spielmann: Ich setze das Leben nicht mit dem Bewusstsein gleich. Antares - Studien der Liebe ist schon deshalb kein negativer oder, wie manchmal behauptet wird, 'pessimistischer' Film, weil ich an diese Einsamkeit nicht glaube. Er ist aus einer Haltung gemacht, die das Leben bejaht. Es ist auch kein Film über die "Unmöglichkeit von Liebe". Die Liebe ist keine Illusion, sondern eine Utopie, die größte überhaupt. Sie hält uns lebendig, solange wir sie uns bewahren. Auch wenn die gelebte Realität oft schmerzt oder enttäuscht.

Frage: Wie zwingend für diese Erzählung über Menschen, die mehr oder weniger verbissen gegen ihre Einsamkeit anrennen, ist das gewählte soziale Milieu bzw. das architektonische Ambiente - dieser Vorstadt-Wohnblock?

Götz Spielmann: Es ist eine absurde Vorstellung von Innenstadt-Intellektuellen, dass in solchen Wohnsiedlungen nur sozial geschädigte Menschen wohnen. Nur weil ich einen Wohnblock als Ort verwendet hab, ist Antares - Studien der Liebe noch lange kein "Sozialdrama". So etwas interessiert mich auch nicht. Mich interessiert es, von der Realität ausgehend, Phantasien zu entwickeln.

Der Wohnblock steht für mich nicht für soziale Geschädigtheit, sondern für die Standardisierung der Menschen durch die Gesellschaft - aber auch für die individuelle Kraft und Energie, die sich solchen Standardisierungen verweigert. Die drei Wohnungen haben beispielsweise exakt denselben Grundriss - was im übrigen fast niemand bemerkt hat, weil die darin wohnenden Paare völlig verschiedene Charaktere sind und völlig verschiede Konflikte erleben.

Und darum ging es mir auch: zu zeigen, wie die individuelle Energie die gesellschaftliche Monotonisierung und Standardisierung verweigert. Der Wohnblock ist kein 'Slum', sondern ein Bild, das sehr viel über unsere Gesellschaft erzählt.

Frage: Lässt sich diese formale Konsequenz auch auf das Schauspiel anwenden?

Götz Spielmann: Über die Form zu sprechen ist fast das Schwierigste, letztlich aber auch das Entscheidende. Ich glaube, dass ich mit Antares - Studien der Liebe einen guten Schritt weitergekommen bin mit dem, was ich formal schon sehr lange - seit meinen Anfängen an der Filmakademie - verfolge: dem Versuch, Authentizität mit Genauigkeit zu verbinden.

Das betrifft auch die Schauspielführung, wo man Authentizität relativ leicht auf Kosten von Ungenauigkeit kriegt und, umgekehrt, Genauigkeit sehr rasch den authentischen Ausdruck behindern kann. Das ist prinzipiell die heikle Linie in der Arbeit mit Schauspielern: wie viel kann ich Schauspielern sagen, damit ich genau das kriege was ich will - und sie dennoch authentisch bleiben und nicht etwa in der Erfüllung von Geboten, die ein 'Polizist' ihnen von außen vorschreibt, in ihrer Lebendigkeit ersterben.

Du spricht eigentlich von zwei sehr unterschiedlichen Schulen: auf der einen Seite die Schule des Method Acting, wo es darum geht, impulsiv aus dem Innersten heraus zu agieren, auf der anderen Seite die Schauspielführung eines Hitchcock (oder auch eines David Mamet), die vom Schauspieler nicht mehr, aber auch nicht weniger fordert, als punktgenau den Anweisungen zu folgen.

Mein Wunsch ist es, eben diese zwei Schulen zu verbinden: einerseits dem Schauspieler dabei zu helfen, seine Freiheit und sein Sein zu entfalten, andererseits aber das Schauspiel in die Genauigkeit einer filmischen Form einzufügen. Sich für das eine oder das andere zu entscheiden, ist vergleichsweise einfach. Die Verbindung ist weit schwieriger - und auch das ist vielleicht eine Utopie, aber zugleich auch die ganze große Herausforderung.

Frage: ... Freejazz mit Partitur?

Götz Spielmann: Das ist gut gesagt - und natürlich ein Widerspruch in sich. Aber das ist ja die große Kraft der Kunst, Widersprüche lebendig aufzulösen und sie gleichzeitig festzuhalten.

Frage: Wie hast du in der konkreten Arbeit mit den Schauspielern auf diese Herausforderung reagiert?

Götz Spielmann: Lange Proben, viel Arbeit mit Improvisation im Vorfeld. Wir haben zum Beispiel Szenen erarbeitet, die nur mit der Vorgeschichte zu tun haben. Das waren in der Episode mit Marco und Sonja zum Beispiel volle drei Tage, in denen wir uns mit Schwierigkeiten beschäftigt haben, die sich daraus ergeben, dass die beiden aus verschiedenen Kulturen kommen.

Es war klar, dass das nicht in den Film kommen wird, weil es nicht dessen Thema ist. Aber dadurch haben die Schauspieler das erlebt, was ihre Beziehungen auch ausmacht. Das gibt dem Zusammenspiel natürlich eine gewaltige Energie.

Frage: Hattet ihr eine ähnliche Vorbereitung auch auf die doch sehr expliziten Sex-Szenen?

Götz Spielmann: Ich hab Schauspieler gewählt, bei denen ich den Mut und die Neugier für diese Aufgabe gespürt habe. Ich hab ihnen gesagt, ich möchte, dass sie so weit gehen, wie möglich, ohne Tabu. Wie weit das ist, werden wir dann sehen. Wir haben dann zwei Tage Punkt für Punkt, ganz ausführlich und ungeniert, über jeden Augenblick dieser Szenen gesprochen - alles sehr detailliert und aufrichtig. Was fühlt die Figur, was erregt sie, warum? Wie sind die Machtverhältnisse? Wo ändern sie sich? usw.

Was dadurch letztlich gelungen - und bei Sex-Szenen so oft nicht gelingt - ist, dass die Schauspieler wußten: das sind Figuren, das ist die Geschichte und Sexualität von Figuren. Das ist ein gewisser Schutz, da kann man dann ein höheres Risiko eingehen. Die Dreharbeiten waren dann auch sehr aufregend und teilweise sehr ergreifend.

Frage: Du bist meines Wissens einer der eifrigsten Benutzer der Büchereien Wiens, beschäftigst dich mit Philosophie und sprichst sehr inspiriert und inspirierend über Dinge, die du gelesen hast. Fließt diese geistige Arbeit auch in deine Arbeit als Filmemacher ein?

Götz Spielmann: Ja natürlich. Ich kann jetzt nicht sagen, wie und warum. Aber es ist ja kein Hobby, sondern Teil von meiner Arbeit, meinem Leben. Diese gedankliche Arbeit fließt mit Schauen, Erleben und Meditativem zusammen - und auf diese Weise letztlich auch in meine Filme ein.

Frage: Sehen Menschen, die viel denken, mehr?

Götz Spielmann: Es kommt darauf an, wie sie denken. Es gibt ein Denken, das den Blick verschleiert und verengt. Ich würde die Aussage auch eher umdrehen und sagen: Menschen die genau schauen, denken auch genau.

Frage: Bist du religiös?

Götz Spielmann: Ja. (Pause) Üblicherweise ergänzt man das mit "... aber ich bin nicht katholisch", aber das lass ich jetzt weg. Mich wundert es eigentlich, wenn jemand sagt, er ist nicht religiös. Und noch mehr, dass es in unserer Öffentlichkeit praktisch nicht vorkommt, dass Kunst und Künstler von der Kritik auch unter diesem Aspekt betrachtet werden.

Als ob es keine Sprache dafür gäbe. Es hat in unserer Gesellschaft etwas seltsam Verpöntes. Ich halte alles was mit Transzendenz, Spiritualität oder Religiosität zu tun hat, für eine grundlegende Dimension im Leben. (DJFL)


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