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Interview mit Günter Rohrbach: Der Zimmerspringbrunnen

Frage: Wie sind Sie auf die Geschichte Der Zimmerspringbrunnen gestoßen? Günter Rohrbach: Den Roman habe ich mit sehr viel Vergnügen gelesen. Noch im Erscheinungsjahr 1995 traf ich Jens ...

Interview mit Günter Rohrbach


Frage: Wie sind Sie auf die Geschichte Der Zimmerspringbrunnen gestoßen?

Günter Rohrbach: Den Roman habe ich mit sehr viel Vergnügen gelesen. Noch im Erscheinungsjahr 1995 traf ich Jens Sparschuh auf der Frankfurter Buchmesse und sagte ihm, dass ich für Senator die Rechte erwerben möchte. Zunächst wollte ich, dass der Autor selber das Drehbuch schreibt. Nach dem ersten Versuch hat Sparschuh aber abgelehnt und deswegen haben Katrin Richter und Ralf Hertwig das Buch verfasst.

Das Schwierigste war dann die Finanzierung. Weder TV-Sender noch Förderanstalten interessierten sich für das Thema. Die meisten waren der Meinung, dass der Osten längst im Westen angekommen sei. Das stimmt aber nicht. Wir sehen heute, dass der Prozess der Annäherung noch lange dauern wird.

Zuerst waren die Ostdeutschen so glücklich über ihre neue Freiheit, dass sie nur zu gerne ihre alte DDR-Geschichte über Bord warfen. Erst nach einigen Jahren merkten sie, dass nicht alles schlecht war. Alte DDR-Produkte und Lieder kamen wieder ins Bewusstsein, die so genannte "Ostalgie" erfasste die Menschen in den neuen Ländern. Erst als dieses Thematik auch im Westen ankam, war es möglich, Förderer für eine Verfilmung zu interessieren.

Frage: Wie und wann kam der Regisseur Peter Timm ins Spiel?

Günter Rohrbach: Peter Timm und ich haben ja schon zweimal sehr erfolgreich zusammen gearbeitet. Unser erstes Projekt war "Go Trabi go". Dabei erlebten wir eine ähnliche Situation. Wir haben direkt nach dem Mauerfall gedreht und auch damals reagierten die TV-Anstalten skeptisch. Sie sagten, dass sich in zwei Jahren niemand mehr für Trabis interessieren würde. Inzwischen sind wir schlauer: Es gibt wenige Filme aus den letzten 20 Jahren, die so viele Wiederholungen im Fernsehen erlebt haben wie "Go Trabi go". Der Stoff ist also bis heute aktuell und beliebt - vielleicht gerade deshalb, weil es kaum noch Trabis gibt. Als das Drehbuch zu Der Zimmerspringbrunnen fertig war, habe ich es Peter Timm vorgelegt. Für mich war das nahe liegend, weil ich ihn für einen guten Komödienregisseur halte und weil er durch seine Geschichte die DDR und deren Alltag sehr gut kennt. Er hat zu dem Buch viel Witz und Authentizität beigesteuert. Für diesen Stoff konnte ich mir gar keinen besseren Regisseur vorstellen.

Frage: Der Film verknüpft mehrere Geschichten und Aspekte. Was ist für Sie das Hauptthema?

Günter Rohrbach: Es geht darum, sein Selbstverständnis zu bewahren. Der Autor Jens Sparschuh ist ein bisschen wie Lobek. Auch Sparschuh hat immer im Osten gelebt und sich geweigert, alles wegzuwerfen und zu sagen, jetzt werde ich Westler. Er nimmt die neuen Möglichkeiten gerne an, aber bewahrt sich seine eigene Identität. Und das finde ich richtig und verständlich. Niemand will am Ende sagen: Ich habe 30 Jahre lang in einem System gelebt, das auf einmal nichts mehr wert ist. Jetzt hat jeder vielleicht andere und bessere Möglichkeiten, trotzdem will man die eigene Geschichte, die einen geprägt hat, nicht verleugnen.

Darüber hinaus hat die Geschichte etwas sehr Sympathisches: Lobek bejaht seinen ostdeutschen Lebensweg und macht sich gleichzeitig auch lustig darüber. Die DDR hatte ja auch etwas Ironisches, so eine ideologiegeprägte Puppenstube mit einem unmöglichen Lebenstraum, der verzweifelt gelebt und aufrecht erhalten wurde.

Frage: Sie produzieren seit 20 Jahren deutsche Kinofilme. Wie sehen Sie die ständige Kritik am heimischen Film?

Günter Rohrbach: Ich finde sie absurd, denn die Möglichkeiten des deutschen Films werden nie im Vergleich zu seiner Finanzkraft gesehen. Kino ist amerikanisch, das ist ganz klar. Die haben Budgets von bis zu 300 Millionen Mark für einen Film - so viel Geld geben wir in einem Jahr für alle Kinoproduktionen aus. Die Amerikaner können daher ganz andere Filme produzieren und Stars aufbauen.

Natürlich können die einzelnen Länder in gewissen Genres ihre Eigenheiten bewahren. Das gelingt uns Deutschen leider zu selten. Die Franzosen, die oft als Beispiel für eine gut funktionierende Kinoindustrie herhalten, schaffen das nur durch extreme Abschottung, staatliche Reglementierung im Fernsehen, hohe Subventionierung und scharfe Gesetzesauflagen. Außerdem hat "cinéma" dort einen anderen Stellenwert. Bei uns fließen die meisten Subventionen in die Theater und die Opernhäuser, nicht aber ins Kino. (DJFL)


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