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Interview mit Hannes Jaenicke: Sardsch

Hannes Jaenicke ist Hauptdarsteller in "Sardsch". Der TV-Krimi "Sardsch" wurde zum erstenmal am 28., 29. und 30. Dezember 1997 auf Sat.1 ausgestrahlt. Frage: Die Dreharbeiten zu 'Sardsch' liegen ...

Interview mit Hannes Jaenicke


Hannes Jaenicke ist Hauptdarsteller in "Sardsch". Der TV-Krimi "Sardsch" wurde zum erstenmal am 28., 29. und 30. Dezember 1997 auf Sat.1 ausgestrahlt.

Frage: Die Dreharbeiten zu 'Sardsch' liegen fast ein Jahr zurück. Hat sich mit dem Abstand auch die Euphorie für die Rolle gelegt?

Hannes Jaenicke: Sardsch ist ein Sonderfall. In diese Figur habe ich viel Herzblut hineingesteckt. Da zu Beginn die Bücher aus unterschiedlichen Gründen nicht fertig wurden, durfte ich zusammen mit dem Regisseur 'Sardsch' weiterentwickeln. An der Rolle hänge ich wirklich, und ich habe bereits zugesagt, weiterzumachen - als lose Folge à la Schimanski. Voraussetzung ist natürlich, dass es beim Publikum ankommt. Also, wenn ich heute über 'Sardsch' rede, dann tu' ich das immer noch sehr gern.

Frage: Sie spielen einen Staatsanwalt mit Schimanski-Allüren. Ist es gerade das, was Sie in die Rolle 'reinbringen wollten?

Hannes Jaenicke: Das Problem war, dass der Staatsanwalt in Deutschland keine filmische Figur ist. Anwälte haben es da viel leichter. Ich fragte mich, wie es wohl mit einer 90er Jahre-Version von Horst Schimanski wäre? Schimanski ist für mich eine ganz tolle Krimi-Figur aus den frühen 80ern. Wie haben im Team darüber nachgedacht und uns dafür entschieden. Zusammen mit den hervorragenden Geschichten von Wolfgang Hesse ging das gut zusammen. Das ist ein Autor, der einen altmodischen, ich würde sagen, 'sozialdemokratischen' Anspruch hat. dass man nämlich mit Fernsehen mehr machen kann als nur Krawall. Hesse hat drei Geschichten erzählt, die ich ambitionierter finde als vieles, was man sonst so im Fernsehen zu sehen bekommt. Als die Produzenten und der Redakteur zuerst davon hörten, dass ich mich selbst an 'Sardsch' setzen will, sind die natürlich nervös geworden. Aber dann haben sie sich Mut gemacht und gesagt: 'Lassen wir den Spinner ruhig mal machen.' Ich habe dann die Figur entwickelt, und es hat hoffentlich funktioniert. Was ich allerdings nicht angetastet habe, waren die Geschichten. Ich muss allen Beteiligten danken, dass sie den Mut hatten, mich das machen zu lassen. Denn das betraf ja auch meine Kollegen. Die mussten sich ja plötzlich auf eine völlig andere Figur und auf neue Dialoge einlassen.

Frage: Was ist das Besondere an "Sardsch"?

Hannes Jaenicke: Die Idee war, einen Typ zu kreiieren, Polizistensohn, der genau wie sein Vater die Polizeischule gemacht hat, auf Streife gegangen ist, dann zum SEK, Abend-Abi und anschließend Jurist wurde. 'Sardsch' bleibt aufgrund seiner Herkunft und seiner Denke zwar ein kleinbürgerlicher Gerechtigkeitsfanatiker, der aber mehr aus sich machen will, als bei der Bullerei nur den Dienst zu schieben. 'Sardsch' ist ein Jurist, der nach wie vor tickt wie ein kleiner Bulle.

Frage: Hat Sie denn bei der Geschichte auch der Ost-West-Konflikt interessiert?

Hannes Jaenicke: Nein, ich glaube, das Ost-West-Thema kann erst in vielen Jahren richtig gut filmisch umgesetzt werden. Die Leute sind noch viel zu empfindlich und zu sensibel für das Thema. Aber das ist bei fast allen historischen Themen so. Zum Beispiel wurden die wirklich guten Vietnam-Filme erst viele Jahre nach dem Krieg gedreht. Ich habe mich in 'Sardsch' überhaupt nicht an dem Ost-West-Thema hochgezogen. Wir haben ein paar Witze und eine Liebesgeschichte eingebaut, aber ich wollte keine Ost-West-Geschichte erzählen.

Frage: Sie haben ja inzwischen mehrere Drehbücher geschrieben, die bereits verfilmt wurden. Was reizt Sie, auf der anderen Seite zu stehen?

Hannes Jaenicke: Für mich ist das in erster Linie ein Hobby, das mir Spaß macht.

Frage: Welche Kriterien muss ein Drehbuch erfüllen, damit Sie zusagen?

Hannes Jaenicke: Für mich ist das erste Kriterium, dass man eine gute Geschichte nicht in 45 Minuten erzählen kann. Deshalb mache ich auch keine Serien. Es muss einen gewissen Anspruch an Intelligenz haben. Rosamunde Pilcher wird mir z. B. seit Jahren angeboten, aber sowas kann ich gar nicht spielen. Die Figuren müssen halbwegs glaubwürdig sein, handwerklich muss es sauber gearbeitet sein. Ein gutes Zeichen ist ebenso, wie schnell ich ein Drehbuch lese. Fesselt es mich beim Lesen, oder quäle ich mich eine Woche damit 'rum. Aber eigentlich habe ich bis heute nicht herausbekommen, was ein wirklich gutes Drehbuch ausmacht.

Frage: Wie war die Zusammenarbeit mit Rolf Hoppe?

Hannes Jaenicke: Sie werden lachen, aber wir hatten gar nicht viel miteinander zu tun, da er mein Gegenspieler ist und wir so gut wie nie aufeinandertreffen. Wir haben einen extrem gegensätzlichen Arbeitsstil. Der Rolf ist ein großartiger Schauspieler. Seine Darstellung in 'Mephisto' werde ich nie vergessen. Rolf ist allerdings jemand, der lernt seinen Text äußerst penibel, improvisiert ungern, und ich mache genau das Gegenteil. Ich sehe mir ein Motiv an, gucke nach, wer da mitspielt, und dann schau' ich, was so passiert.

Frage: Sie gehören zu den ganz großen Schauspielern in Deutschland. Trotzdem bringt man Sie nicht unbedingt in Verbindung mit der neuen Film-Generation, die gerade in den letzten Jahren in Deutschland erfolgreich heranwächst. Woran liegt das?

Hannes Jaenicke: Ich weiß es nicht, keine Ahnung.

Frage: Leiden Sie darunter?

Hannes Jaenicke: Manchmal schon. Ich würde gern mal mit Dietl was machen, mit Eichinger oder Vilsmaier. Aber ich kann sie ja nicht zwingen, mich zu mögen oder zu besetzen.

Frage: Was macht für Sie der Beruf der Schauspielerei eigentlich wirklich aus?

Hannes Jaenicke: Die Vielfältigkeit. Was mir wirklich Spaß macht, ist, wenn ich zuerst in 'Katharina, die Große' mitspiele, dann wieder einen Bauarbeiter und anschließend einen Schönheitschirurgen. Und wenn die Leute mir das abkaufen, dann habe ich irgend etwas richtig gemacht.

Das Gespräch wurde im Dezember 1997 von Rolf Grabner geführt. (DJFL)


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