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Interview mit Hans Weingartner: Das weisse Rauschen

Hans Weingartner ist der Regisseur des Films Das weisse Rauschen Frage: Sie haben vor ihrem Filmstudium an der Kunsthochschule für Medien in Köln Gehirnforschung studiert. Wie kam es zu diesem ...

Interview mit Hans Weingartner


Hans Weingartner ist der Regisseur des Films Das weisse Rauschen

Frage: Sie haben vor ihrem Filmstudium an der Kunsthochschule für Medien in Köln Gehirnforschung studiert. Wie kam es zu diesem ungewöhnlichen Lebenslauf?

Hans Weingartner: Ich war mit 21 schon für ein Jahr an der Filmakademie in Wien und hätte da auch bleiben können. Aber ich wollte mich erst noch geistig weiterentwickeln, selbst Lebenserfahrungen machen, bevor ich Filme mache. Ich war sehr wissbegierig und neugierig. Ich bin viel gereist und habe in verschiedenen Städten gelebt und in verschiedenen Lebenszusammenhängen. Das Studium der Gehirnforschung hat mich interessiert, nicht so sehr als Berufsausbildung, sondern um des Studierens willen. Mit dem Filmstudium habe ich gewartet, bis ich wußte: Jetzt bist du soweit.

Frage: Wer sind ihre filmischen Vorbilder?

Hans Weingartner: Mein großes Vorbild ist John Cassavetes, der schon in den 60er und 70er Jahren einen wirklichkeitsnahen Stil praktiziert hat. Damals waren die Kameras aber noch größer und weniger lichtempfindlich, und es war nur für elf Minuten Film drin, dann musste man umständlich den Film wechseln. Heute, mit der digitalen Technik, ist alles viel einfacher, man kann der Realität noch näher kommen. Würde Cassavetes noch leben, er würde auch mit DV drehen.

Hier findet im Moment eine Revolution statt, ausgelöst durch eine technische Neuerung, die auch sehr viele Parallelen mit der "Nouvelle -Vague"-Bewegung der 60er Jahre aufweist. Durch die 16mm-Technik wurde das Filmedrehen leichter und billiger als mit der damals vorherrschenden 35mm-Technik. Natürlich muss man jetzt bei DV Abstriche in punkto Bildqualität machen. Je schwächer die Bilder, um so stärker müssen die Geschichten und die Inszenierung sein.

Frage: Sie haben den ganzen Film digital gedreht. Wie würden Sie die Vorteile dieser Technik beschreiben?

Hans Weingartner: Alles ist viel unkomplizierter. Man braucht keinen großen Stab, man ist freier, nicht abhängig von der großen Technik. Wir haben die meisten Szenen mit drei DV Kameras gleichzeitig gedreht. So braucht man Szenen nicht zu wiederholen. Und man kann mit diesen Kameras im öffentlichen Raum drehen, ohne Drehgenehmigung. Die Kameras sind so klein, die fallen gar nicht auf. So kann man mit den Schauspielern mitten hinein in die Realität gehen, und der Spielfilm wird so auch zum Zeitdokument.

Frage: Stichwort: Dogma ...

Hans Weingartner: Ich finde es schade, dass "Dogma" so schnell als Hype abgetan wird. Man spricht von einer Modewelle. Zu Unrecht! Für mich ist es ein großartiger Impuls für das europäische Kino. Als ich nach "Das Fest" aus dem Kino kam, war ich überwältigt. Aber Das weisse Rauschen ist kein Dogma-Film. Wir haben versucht, etwas weiter zu gehen als die "Dogmaisten". Nach ein paar Wochen entwickelte sich eine so intensive Zusammenarbeit zwischen Crew und Schauspielern, dass wir Film und Wirklichkeit manchmal nicht mehr auseinanderhalten konnten. Wir haben ja zusammen gelebt und gearbeitet. Niemand von uns hat Geld verdient bei der Produktion. Nur die Schauspieler und der Tonmann bekamen 100 Mark am Tag.

Frage: Wie sind Sie auf das Thema Schizophrenie gestoßen?

Hans Weingartner: Ich kenne selbst einen Fall in meinem Bekanntenkreis und habe gemerkt, wie schwer es mir gefallen ist, damit umzugehen. Ich habe nie so recht verstanden, was mit diesem Freund los war, und vieles auch falsch interpretiert. Im Kino wird das Thema ja meist nur auf Effekthascherei hin ausgeschlachtet. Da sieht man dann psychopathische Serienkiller oder wahnwitzige Genies. Mit der Realität hat das gar nichts zu tun. Mich hat es interessiert, ein wahrhaftigeres Bild von der Krankheit, von ihren Auswirkungen auf die Erkrankten und ihre Umgebung zu schaffen. Lukas ist sehr allein, ihm fehlen soziale Bindungen. Er gibt seiner Umwelt genügend Zeichen, die als Hilferufe zu verstehen wären. Aber durch den ganzen Film hindurch gibt es niemanden, der auf ihn eingeht. Niemand nimmt sich die Zeit, ihm zuzuhören. Das ist bekannt, die Krankheit bricht vor allem bei Leuten aus, die einsam sind, keine Beziehungen haben. Bei denen, die eine stabile Familie haben, da bricht die Krankheit viel seltener aus. In der Hinsicht ist der Film für mich aber auch ein Portrait einer Generation. Einer verlorenen, verwirrten Generation.

Frage: Sie haben sehr intensiv und sorgfältig gecastet. Worauf haben Sie dabei besonderen Wert gelegt?

Hans Weingartner: Wir haben wochenlang gecastet. Ich habe mir mehr als 500 Demobänder von Schauspielern angeguckt. Den Hauptdarsteller Daniel Brühl habe ich allerdings erst gefunden, als ich schon fast aufgeben wollte. Er lief auf dem Demoband eines anderen Schauspielers ins Bild. Ich sah ihn und wußte gleich: Der ist es! Er hat so eine unglaubliche Präsenz.

Wichtig war, dass alle Schauspieler sich für unser radikales Projekt begeistern konnten und Talent zum Improvisieren mitbrachten. Bei unserer Art des Drehens muss ein großer Teil der Figur in den Schauspielern drinstecken. Die Kamera ist so nah dran, und beim Improvisieren läßt der Schauspieler soviel von sich selbst raus, dass der Zuschauer sofort merken würde, wenn er was vorgegaukelt bekäme. Als Regisseur musst du es schaffen, diesen Teil in dem Schauspieler zu entdecken und ihn zusammen mit ihm freizulegen. Es ist quasi eine gemeinsame Forschungsarbeit.

Frage: Wie hat sich die Tatsache, dass ihr als Team sechs Wochen lang praktisch im Filmset gelebt habt, auf die Arbeit ausgewirkt?

Hans Weingartner: Die Grenzen zwischen Realität und Filmgeschichte verschmelzen immer mehr. Aber das ist unglaublich inspirierend, wenn man sich praktisch den ganzen Tag im Film bewegt. Anabelle Lachatte z.B. hat in dem Zimmer gewohnt, in dem auch ihre Filmfigur gewohnt hat, Anabelle hat sich da eingerichtet für die Zeit der Dreharbeiten, und irgendwann war sie dann einfach Kati. In meinen Augen war das aber nicht verwirrend, sondern beflügelnd. Ich fand das sehr angenehm. Während des Drehens ist etwas ganz besonders entstanden, eine Kraft und Energie, das habe ich selbst noch nie erlebt. Und das kommt auch daher, dass wir den Film so verinnerlicht hatten. Irgendwann mußten wir gar nicht mehr nachdenken, wie es weitergeht. (DJFL)


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