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Interview mit Hendrik Handloegten: Liegen lernen

"Ich glaube an das gemeinsame Wachsen an den Aufgaben." Hendrik Handloegten drehte nach "Paul is dead" mit Liegen lernen einen weiteren Film, der in den 80ern spielt. Frage: Wie würdest du die ...

Interview mit Hendrik Handloegten


"Ich glaube an das gemeinsame Wachsen an den Aufgaben."

Hendrik Handloegten drehte nach "Paul is dead" mit Liegen lernen einen weiteren Film, der in den 80ern spielt.

Frage: Wie würdest du die Hauptfigur beschreiben?

Hendrik Handloegten: Wann immer ich die Geschichte von Helmut und Britta Männern erzählte, sah ich wissende und zustimmend nickende Gesichter. "Bei mir war das Sabine Gutmann." Oder: "Bei mir war das Patricia Fürbringer." Etc. Auch ich hatte natürlich meine Britta, aber wenn man ein bisschen Glück hat, kommt irgendwann Jemand, und man wird erlöst von diesem merkwürdigen Nachtrauern, das man übrigens meistens bei Männern antrifft. Helmut hat das Glück, und er erkennt es - im letzten Augenblick.

Frage: Was hast du gedacht, als man dir nach Paul is dead schon wieder einen Film anbot, der in den 80ern spielt? Was hat dich an dem Roman so gereizt, dass du ihn für die Leinwand adaptieren wolltest?

Hendrik Handloegten: Als ich damals Paul is dead drehte, hat sich Niemand mit den 80ern beschäftigt. Inzwischen lebt eine ganze Unterhaltungsindustrie davon, insbesondere im Fernsehen mit den ganzen 80er-Jahre-Shows. Deswegen war ich zunächst etwas skeptisch. Ich hatte mich ja in Paul is dead schon mit den ganz frühen 80ern, der Musik und dem Ende der Kindheit beschäftigt.

Was ich dann aber las, hat mich überrascht. Denn die Geschichte von Liegen lernen ist ja zeitlos. Sie könnte - natürlich in einem anderen sozialen Zusammenhang - auch in den 50ern spielen oder sogar im 19. Jahrhundert. Wie jemand sich nicht von seiner ersten Liebe lösen kann, weil er sie nicht zu Ende gelebt hat und damit immer wieder in derselben Schlaufe hängt und sich auf keine andere Frau einlassen kann, das kann ja auch heute genauso spielen.

Frage: Ist Helmuts Haltung aber nicht doch vielleicht typisch fürs Ende des 20. Jahrhunderts? Für ein verändertes Männerbild? Er ist ja so ziemlich das Gegenteil vom archaischen Jäger und Sammler, sondern Jemand, dem Beziehungen eher zustoßen als dass er sie aktiv sucht und gestaltet.

Hendrik Handloegten: Wenn man sich die Literaturgeschichte anschaut, sieht man doch aber, dass es diese passiven Helden schon immer gegeben hat. Zum Beispiel Oblomov - der lag den ganzen Tag nur auf der Couch! Auf der anderen Seite muss man schon sagen, dass die Zeit unter Helmut Kohl durch diese anscheinende Endlosigkeit schon sehr bleiern war.

Frage: Wie hast du die 80er denn aber nun in Szene gesetzt?

Hendrik Handloegten: Für mich war wichtig, dass man dies alles nur im Hintergrund sieht, sich die Ikonographie nicht in den Vordergrund drängt. Für mich ist das eine Frage der Ausstattung und der Genauigkeit. Was ich nicht wollte, waren Karnevals-80er! Ein Beispiel: Wenn Helmut 1986 22 Jahre alt ist und in einer WG wohnt, dann liegt da nicht der Rubik's Cube auf dem Küchentisch, nur weil der Zauberwürfel inzwischen die 80er symbolisiert."

Frage: Während der Film auf der zeitlichen Ebene sehr konkret einzuordnen ist, oft wird ja sogar das konkrete Datum genannt, wenn zum Beispiel Helmut Kohl schon wieder eine Wahl gewonnen hat, bleibt er doch bewusst unklar, wenn es um die Stadt geht, in der Helmut lebt. Man weiß nicht, wo das sein soll. Du hast Helmuts Heimatstadt eher wie eine Idee von Westdeutschland inszeniert.

Hendrik Handloegten: Für mich war es sehr wichtig, dass in dem Buch offen gelassen wird, in welcher Stadt es spielt, das ist ja schon in der Romanvorlage so. Mir war es wichtig, dass man ein allgemeines Gefühl für Deutschland in der Ära Kohl bekommt, für die letzten Jahre der BRD. Wobei man ja schon sieht, dass die Geschichte im oder ums Ruhrgebiet spielt. Für mich war das, insbesondere mit dem Blick aus Berlin, immer "besonders Westen": Adenauer, Bonn, Grönemeyer.

Frage: Berlin ist dagegen sehr konkret gezeigt, man erkennt natürlich die Sehenswürdigkeiten, aber auch Straßenecken.

Hendrik Handloegten: Die meisten in Berlin kommen ja gar nicht aus Berlin, Berlin ist immer wie ein Traum, ein Statement. "Ich geh nach Berlin!" Oder man sagt: "Ich bin in Berlin!", quasi hauptberuflich. Das ist doch schon prägend, wenn man schaut: Wer geht nach Berlin, wer bleibt in der Heimat? Berlin war, damals sicherlich mehr als heute, eine Herausforderung. Berlin war Lifestyle. Die Daheimgebliebenen hatten beinahe so was wie ein Minderwertigkeitsgefühl gegenüber denen, die wegzogen, das manchmal in Lokalpatriotismus umkippte.

Frage: So wie ja auch Mücke.

Hendrik Handloegten: Ja, der ist weitergezogen, während Helmut zuhause blieb.

Frage: Warum fiel deine Wahl für die Hauptrolle auf Fabian Busch?

Hendrik Handloegten: Durch die lange Zeitspanne, die wir erzählten, war die Besetzung nicht einfach. Für mich stand von Anfang an fest, dass ich einen und nicht zwei Schauspieler für Helmuts Rolle haben wollte, und mit Fabian Busch haben wir den gefunden, der überzeugend einen 20- aber auch einen 30-jährigen verkörpern kann.

Dabei muss ich gestehen, hatte ich ihn selbst erst gar nicht auf meiner Liste, aber als unsere Casterin Nessie Nesslauer ihn vorschlug, dachte ich sofort: Ja, das passt! Ich hatte vorher schon einmal mit Fabian gedreht, während meiner Ausbildung an der dffb in Berlin, das war damals nicht mal ein richtiger Kurzfilm, sondern eine Kameraübung.

Frage: Wobei es ja schon komisch ist, dass Helmut, dieser typische Westdeutsche, von einem Ost-Berliner gespielt wird.

Hendrik Handloegten: Ich hab beim Drehen mit den Schauspielern festgestellt, dass die Unterschiede in den 80ern zwischen Ost und West gar nicht so groß waren wie ich vermutet hatte. Die hatten natürlich viel von dem ganzen materiellen Kram im Osten nicht. Aber die Wünsche waren doch dieselben.

Frage: Wie hast du deine Crew ausgewählt?

Hendrik Handloegten: Die Schlüsselpositionen habe ich weitgehend mit demselben Team besetzt, mit dem ich bereits Paul is dead gemacht habe. Ich glaube an das gemeinsame Wachsen an den Aufgaben. Außerdem hat man ja schon einen gemeinsamen Ton, man muss nicht wieder bei Null anfangen, das hilft ungemein. (DJFL)


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