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Interview mit Ingo Lenßen als Anwalt

"Ich bleibe nach wie vor der Anwalt." Die Romantik und Beschaulichkeit des idyllischen Meersburg in allen Ehren. Ab März 2003 wechselt Anwalt Ingo Lenßen, Sat.1-Zuschauern seit Anfang 2002 als ...

Interview mit Ingo Lenßen


"Ich bleibe nach wie vor der Anwalt."

Die Romantik und Beschaulichkeit des idyllischen Meersburg in allen Ehren. Ab März 2003 wechselt Anwalt Ingo Lenßen, Sat.1-Zuschauern seit Anfang 2002 als knallharter, zwirbelbärtiger Verteidiger aus "Richter Alexander Hold" bestens bekannt, wieder einmal die Welten.

Ingo Lenßen, der gebürtige Rheinländer, tauscht dann Montags bis Freitags seine Kanzlei am Bodensee gegen den Chefsessel des Münchner Ermittlungsbüros Lenßen & Partner. Im Interview spricht er unter anderem über seine Ermittlungsmethoden und sein ganz besonderes Markenzeichen.

Frage: Sie sind Sozius einer Anwaltskanzlei am Bodensee, führen ein erfülltes Leben als Familienvater. Was gab den Ausschlag, sich für eine TV-Karriere zu entscheiden?

Ingo Lenßen: Nach zehn Jahren Anwaltstätigkeit wollte ich meinem Leben diesen neuen Aspekt hinzufügen. Ich wollte die große Chance ergreifen, als eigentlich Fachfremder ins TV-Geschäft reinzuschnuppern.

Frage: Haben Sie als Anwalt schon mit Ermittlungsbüros à la Lenßen & Partner zusammen gearbeitet?

Ingo Lenßen: Ab und zu schon, allerdings ist der Kostenfaktor für den Mandanten reichlich hoch. Gute Detektive kosten 50 bis 70 Euro pro Stunde.

Frage: Sind Sie von Hause aus ein "Showtyp"?

Ingo Lenßen: Ich halte mich für einen offenen Menschen, der die Anliegen seiner Mandanten dem Gericht und anderen hoffentlich verständlich darstellen kann. Wir Strafrechtler sind es gewohnt, im Plädoyer in eindringlicher Weise für unsere Mandanten einzutreten. Wenn dabei ein wenig Theatralik benutzt wird und es dem Mandanten dient, dann stehe ich dazu.

Frage: Auf welcher juristischen Grundlage operieren solche Ermittlungsbüros eigentlich?

Ingo Lenßen: Das, was man dort tut, muss sich immer im gesetzlichen Rahmen bewegen. Ich werde mein besonderes Augenmerk darauf legen, dass meine Ermittler dieses Feld nicht verlassen. Es geht in der Hauptsache um den Schutz der Wohnung, der Persönlichkeitsrechte und die Frage körperlicher Gewalt. Aus meiner Praxis weiß ich Bescheid, was man darf und was nicht, und dass Erfolg zum größten Teil eine Frage des Einsatzes ist.

Frage: Wie bereiten Sie sich auf Ihre neue Rolle als Chef eines Ermittlungsbüros vor?

Ingo Lenßen: Ich bleibe nach wie vor der Anwalt, dem die Ermittler bei der Aufklärung von Fällen helfen. Ich sitze jetzt eben weniger im Gerichtssaal, sondern versuche bereits im Vorfeld eines Verfahrens aufzuklären. Und wenn ich den Eindruck habe, meine Person wird vor Ort gebraucht, dann gehe ich da auch mal selbst los.

Frage: Haben die populären Gerichtsshows dazu beigetragen, dass Ihnen mehr Mandanten mit mehr juristischem Fachwissen begegnen?

Ingo Lenßen: Die Leute setzen sich viel intensiver mit solchen Fragen auseinander wie: Wie wird ein Urteil gefunden und wie viele Jahre bekommt wer wofür. Außerdem haben die Court-Show-Fans gelernt, dass es nicht unbedingt einen Freispruch gibt, wenn Aussage gegen Aussage steht. Allein entscheidend ist, wovon das Gericht überzeugt ist. An dieser Überzeugung hat der Verteidiger zu arbeiten.

Frage: Sowohl in "Richter Alexander Hold" als auch im wahren Leben arbeiten Sie als Verteidiger. In Lenßen & Partner überführen Sie Menschen. Was macht mehr Spaß?

Ingo Lenßen: Beides hat seinen Reiz. Bei der Ermittlungstätigkeit stellen sich einem, vereinfacht gesagt, weniger Aktenberge in den Weg. Hier bereite ich selbst vor, was dann später eventuell vor Gericht zur Grundlage wird. Das ist ein Riesenvorteil.

Frage: Optisch fallen Sie schnell durch Ihren Bart auf. Wie stehen Sie zu Ihrem "Markenzeichen"?

Ingo Lenßen: Den Bart habe ich seit über zwanzig Jahren. Ich verdanke ihn wohl meiner Liebe zur Literatur und einem Besuch im Balzac-Museum in Frankreich. Außerdem bin ich schon immer ein Fan von Mantel-und-Degen-Filmen. Für mich ist er nichts Besonderes mehr, aber wenn er als Markenzeichen dient, habe ich nichts dagegen. (D)


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