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Interview mit Ingolf Lück: Voll witzig

Ingolf Lück, 41, moderiert "Die Wochenshow", samstags, ca. 22.30 Uhr, und "Voll witzig!", sonntags, 22.15 Uhr Frage: "Die Wochenshow" ist Dir scheinbar nicht anstrengend genug. Nun bist Du auch ...

Interview mit Ingolf Lück


Ingolf Lück, 41, moderiert "Die Wochenshow", samstags, ca. 22.30 Uhr, und "Voll witzig!", sonntags, 22.15 Uhr

Frage: "Die Wochenshow" ist Dir scheinbar nicht anstrengend genug. Nun bist Du auch Anchorman bei "Voll witzig!". Wie schaffst Du das?

Ingolf Lück: Ja, das Schöne ist, dass 'Voll witzig!' für mich in der Sommerpause der 'Wochenshow' begonnen hat. Jetzt haben wir die Möglichkeit, die aktuellen Dinge zu beleuchten - und das auf witzige Art. Dadurch haben wir natürlich eine große Chance, alle Themen in 23 Minuten abzudecken. Das macht irre Spaß.

Frage: "Voll witzig!" macht auch vor tagesaktuellen Witzen im Bereich Politik und Gesellschaft keinen Halt.

Ingolf Lück: Europa wird eins, und deshalb haben wir ein schönes europäisches Thema - nämlich EU-Minister Bangemann und seine dicken Gehälter. Darauf können wir uns als Comedians mit aller Freßlust und Vorliebe werfen. Bei uns geschieht ja so einiges zwischen Umweltminister Trittin und - sagen wir mal - seinem Chef Schröder, bei den Grünen überhaupt geht es sehr lustig zu. Und natürlich sind auch andere Hennen, ob in Käfighaltung oder in Bodenhaltung, ein Thema. Ebenso die Tour de France. Das ist die Aufgabe unserer Komik-Giganten, die wir jede Woche zu Gast haben! Sie müssen sich informieren und auf alle Fragen und Themen, die von mir als Moderator vorgegeben werden, möglichst witzige Antworten geben. Dafür gibt´s Punkte, Punkte, Punkte. Am Ende ist eine Mannschaft Sieger.

Frage: Gibt es Gäste, die Du besonders gern einladen würdest?

Ingolf Lück: Wir sind ein gutes Team. Ich habe das Glück, mit denen zusammenzuarbeiten, mit denen ich schon immer wollte, z. B. Mirco Nontschew. Dann ist Markus Maria Profitlich dabei, den ich erst seit kurzem richtig kenne - es macht richtig Spaß. Die beiden laden Gäste ein, das Team 'Mirco' spielt gegen das Team 'Markus'. Die Gäste sind immer wieder Überraschungen. Jeder kann kommen!

Frage: Bei "Voll witzig!" und bei der "Wochenshow" wird die Politik durch den Kakao gezogen. Wo liegen die Unterschiede und die Gemeinsamkeiten?

Ingolf Lück: Beides sind Comedy-Shows. 'Die Wochenshow' hat nur den Mantel einer Nachrichtensendung, sie ist keine. Wir benutzen nur die Ästhetik, die Nachrichten erfinden wir selbst. So ist es auch bei 'Voll witzig!' - alles erfunden! Wir nehmen ein Bild und stellen es in einen anderen Kontext. Und dann zählt die coolste und abgefahrenste Assoziation.

Frage: Ihr sprecht mit "Voll witzig!" besonders stark die Zielgruppe der 14 bis 49jährigen an.

Ingolf Lück: Nicht nur das. 'Voll witzig!' ist auch ein großer Kindergeburtstag, und ich weiß, dass viele Kids das, was wir am Sonntagabend gezeigt haben, am Montag nachspielen. In der letzten Sendung hatten wir fast 50 Prozent Marktanteil bei den bis 20jährigen. Das ist sehr überraschend.

Frage: Warum?

Ingolf Lück: Früher, als ich beim ZDF gearbeitet habe, war ich ein Frischling, und nur die Älteren haben geguckt. Jetzt ist es fast umgekehrt. Mich erkennen Leute auf der Straße, die damals, als ich anfing, vor zwölf, 13 Jahren, noch gar nicht gelebt haben. Das hat eine Qualität, die ich sehr genieße und die mir sehr viel Spaß macht.

Frage: Wie erklärst Du Dir den Comedy-Boom im deutschen Fernsehen?

Ingolf Lück: Es gibt keinen Comedy-Boom, es hat immer Comedy gegeben: Leute wie Peter Frankenfeld, Rudi Carrell, Diether Krebs, Didi Hallervorden, Harald Juhnke, Grit Böttcher. Vielleicht hatten sie nur nicht diesen Stellenwert wie wir ihn heute kennen. Das lag vielleicht auch daran, dass ihre Comedy aus den Witzbüchern geschöpft hat.

Frage: Witzbücher?

Ingolf Lück: Was wir heute mit 'Voll witzig!' und mit der 'Wochenshow' machen, ist aktuell. Ein anderer Grund, warum wir nicht mit Witzfibeln arbeiten, ist, dass es heute eine Generation gibt, die mit dem Fernsehen aufgewachsen ist und sich an diese Sprache gewöhnt hat. Es gibt auch viel mehr, über das man sich in einer Comedy-Show lustig machen kann - und sei es das Fernsehen selbst.

Frage: Glaubst Du, dass es eine Chance für eine neue Form von Comedy in Deutschland gibt?

Ingolf Lück: Ja. Früher gab es das politisch fundierte Kabarett mit Dieter Hildebrandt. Dann die große Abendunterhaltung mit Rudi Carrell, dann Witzeerzähler. Und heute gibt es den Begriff 'Comedy' - da ist alles zusammen, alles ist in einem Programm möglich. Die Zuschauer haben heute viel mehr Informationen. Man kann ja nur einen Witz machen, wenn der Boden schon beackert ist. Wir sind Dienstleister, unsere Witze müssen verstanden werden. Das Publikum heute ist einfach polyglotter.

Frage: Als Du mit der "Wochenshow" begonnen hast, warst Du Dir sicher, dass es ein großer Erfolg wird?

Ingolf Lück: Ja. Ich hatte immer schon eine 'Wochenshow-Idee' - seit vielen, vielen Jahren. Aber damals gab es nur die öffentlich-rechtlichen Sender, und die konnten es sich in ihrer Struktur und von der Schnelligkeit her nicht vorstellen, so etwas bei sich zu machen. Bei den Privaten und speziell bei SAT.1 hat es dankenswerterweise geklappt. Man hat von Anfang an sehr viel Vertrauen gehabt.

Frage: Und bei "Voll witzig!"?

Ingolf Lück: Natürlich muss das Produkt erst einmal gut sein, und das ist es. Bei der 'Wochenshow' und bei 'Voll witzig!' waren wir zuerst sehr bescheiden, eine Sendung ist wie eine kleine Pflanze, die wachsen muss. Sie muss die Möglichkeit haben, sich weiterzuentwickeln. Falsch wäre es zu sagen, wir erfinden Comedy neu. Der Zuschauer muss entscheiden. Eine Sendung muss neugierig machen, der Zuschauer will etwas für sich selbst entdecken. So hat es bei der 'Wochenshow' funktioniert, und so soll es auch bei 'Voll witzig!' sein.

Frage: Wieviel ist improvisiert und wieviel ist vorgegeben bei "Voll witzig!"?

Ingolf Lück: Ich weiß natürlich, welche Bilder und Filme kommen. Aber dazwischen muss es sehr viele Möglichkeiten zur Improvisation geben. Da bin ich häufig der, der stoppt. Ich sage: 'Leute Ruhe, weiter im Programm, Punkte machen.' Und da ist schließlich die Uhr, die unerbärmlich läuft und mir nach 23 Minuten signalisiert: 'Jetzt musst du am Ende sein.' Die anderen brennen darauf, ihre Gags loszuwerden, und ich bin der Regulator.

Frage: Mirco Nontschew ist ja ein ehemaliger "Ossi". Gibt es für Dich als Comedian Grenzen des Humors, gibt es Tabu-Themen?

Ingolf Lück: Mirco? Ja, der hat manchmal Schwierigkeiten sich für uns alle verständlich auszudrücken. Und man merkt auch, dass da Ressentiments sind ... Inhaltlich spiegelt sich immer wieder 40 Jahre Schere im Kopf wieder, und doch ist er so unverschämt. Typisch. Aber er schwimmt sich ganz gut frei. Er ist unser Quoten-Ossi und fühlt sich sehr wohl ...

Ich bin selbst ein halber Ossi, meine Mutter kommt aus Dresden. Insofern gibt es eine ganz gute Ost-West-Quote. Wir machen eine Unterhaltungssendung, und wir beschäftigen uns mit Dingen, die der Unterhaltung dienlich sind. Natürlich ist der Kosovo-Krieg für uns kein Thema. Wir sind auch nicht zynisch, sondern machen am allermeisten Witze über uns selbst und gehen uns in der Sendung auch auf angenehme Weise an. Das ist schon ein richtiger Kampf und Geplänkel zwischen den beiden Teams.

Frage: Was ist Deine Aufgabe?

Ingolf Lück: Ich will den Bildschirm sauber halten. Gewisse Äußerungen werden mit Punktabzug bestraft. Meine Aufgabe ist eine ganz einfache: Ich denke mir Ideen aus, lese Zeitung und suche mit unseren Autoren das 'raus, was aktuell ist, witzig und skurril ist. Ich bin eine Art 'Master of Ceremony'. Die Gags sollen die anderen bringen. Ich hab' da zwar noch immer einen auf der Hinterhand, aber es ist vielleicht eine Kunst, den einen oder anderen Scherz einfach zu verschlucken. (DJFL)


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