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Interview mit Jaco Van Dormael: Am achten Tag

Jaco Van Dormael führt Regie in dem Film Am achten Tag Frage: Woher kam die Idee zu dem Film? Jaco Van Dormael: Nach "Toto der Held", der mit den narrativen Strukturen spielte, hatte ich Lust ...

Interview mit Jaco Van Dormael


Jaco Van Dormael führt Regie in dem Film Am achten Tag

Frage: Woher kam die Idee zu dem Film?

Jaco Van Dormael: Nach "Toto der Held", der mit den narrativen Strukturen spielte, hatte ich Lust auf einen mehr linearen Film, in dem das Außerordentliche vor allem von den Personen selbst kommen sollte. Zunächst hat mich die Figur des Georges, des Mongoloiden, motiviert: ich wollte sein Anderssein zeigen, nicht nur das äußerliche, das einem in die Augen springt, sondern das, was er hat und wir nicht haben. Sehr schnell hat sich das Drehbuch dann konzentriert auf die Begegnung zweier Männer, die sich normalerweise nie getroffen hätten. Es ist der schockartige Zusammenstoß zwischen zwei Welten, der von Georges und der von Harry, den Daniel Auteuil spielt. Ein Schock zwischen Ordnung und Anarchie, Vernunft und Wahnsinn, zwischen dem Weißen Clown und dem Dummen August.

Harry gehört zur Gesellschaft, Georges hat da keinen Zutritt. Und schließlich ist es Georges, der Harry zu Hilfe kommt. Georges liebt ohne Vorbehalte, ohne Einschränkungen. Harry ist vorsichtig, geht keine Risiken ein. Harry tut, was er zu tun hat, Georges tut, was er will. Harry lebt immer in Gedanken an morgen, Georges lebt hier und jetzt. Harry kennt nur eine Wirklichkeit. Georges kennt viele Realitäten, er projiziert sich selbst ins Universum. Georges ist ein freies Wesen. Harry hat sich so erfolgreich dem Image angepaßt, das man von ihm erwartet, dass er sich darin verloren hat. Er ist niemand mehr. Harry hat alles verkauft, jede Stunde des Tages, hat seine Zeit verkauft, sein Leben gehört ihm nicht mehr. Er lebt allein, seine Frau und seine Kinder haben ihn verlassen. Er beherrscht die Kunst des Verkaufens und weiß, wie man nimmt. Er hat nicht gelernt zu geben. Er ist blind gegenüber allem, was nicht zu seiner Welt gehört. An den sieben Tagen der Woche verschließt er sich in einem höllischen Zyklus von mehr und immer mehr Arbeit. Bis eines Tages dieser achte Tag kommt, der nicht im Kalender auftaucht, dieser unendliche Tag, an dem er Georges trifft. Dieser Tag, der nie zu Ende geht, an dem die Zeit stillsteht.

Harry lernt endlich, sich um jemanden zu kümmern. Er lernt zu geben. Er empfindet eine große Zuneigung zu Georges. Er wird wieder ein freier Mensch. Sein Leben und seine Zeit gehören ihm wieder. Er schafft es wieder, sich ins Gras zu legen, die Luft zu fühlen, wie sie seine Lungen füllt, den Wind auf seiner Wange zu spüren, einen Schmetterling zu betrachten ... Er entdeckt wieder die Freude zu leben.

Frage: Wie haben Sie die Schauspieler ausgewählt?

Jaco Van Dormael: Pascal Duquenne spielte schon in "Toto der Held", wir verstanden uns gut, und außerdem spielt er gern, er ist ein wirklicher Schauspieler. Was Daniel Auteuil betrifft, hatte ich einfach Lust, mit ihm zu arbeiten. Und er hatte Lust, mit mir zu arbeiten. Er schien mir geeignet für die Rolle des Harry, dessen Risse bereits sichtbar sind und der sich Schritt für Schritt als zutiefst menschliches Wesen entpuppt. Neben Pascal brauchten wir einen Schauspieler, der Wahrheit und Intensität hat. Daniel Auteuil hat diese Qualitäten. Daniel betrügt nicht, er ist ein sehr nobler Schauspieler. Zwischen beiden ist sehr schnell eine Komplizenschaft entstanden. Auf verschiedenen Wegen sind sie in ihrer Darstellung zur selben Wahrheit gelangt. Und ich glaube, ein Erfolg des Films liegt darin, dass keine der beiden Figuren der anderen voraus ist. Sie sind ein Paar im Stil von Laurel und Hardy. Wenn sie zusammen sind, sind sie am interessantesten.

Frage: Warum haben Sie Pascal Duquenne gebeten, die Rolle des Georges zu spielen?

Jaco Van Dormael: Wissen Sie, zur Zeit von Shakespeare wurden die Frauenrollen von verkleideten Männern gespielt. Zu Beginn unseres Jahrhunderts haben Weiße mit geschwärztem Gesicht die Rollen von Schwarzen gespielt. Man dachte, die Schwarzen könnten nicht spielen. Längst hat man sich vom Gegenteil überzeugen lassen. In Am achten Tag ist Pascal ein wirklicher Schauspieler. Er hat seine Rolle gespielt, wie sie meiner Meinung nach kein"normaler" Schauspieler hätte spielen können, mit einer Kraft und Wahrhaftigkeit, die nur ihm eigen sind. Wenn die Kamera läuft, kann er sich auf dem Boden wälzen, weinen, schreien, aber wenn ich sage "cut!", erhebt er sich lachend. Man applaudiert ihm, und er geht zu allen Mädchen am Set und küßt sie auf den Hals. Er kontrolliert, was er tut, er dosiert es, er weiß, wann er komisch ist, er weiß, wann er emotional bewegend ist.

Frage: Welche Methode haben Sie angewendet, um ihn zu inszenieren?

Jaco Van Dormael: Ich habe keine Methode, um die Schauspieler zu inszenieren, jeder Darsteller hat andere Bedürfnisse, und ich versuche, mich da heranzutasten, seine Wellenlänge zu finden. Pascal zu inszenieren war nicht grundlegend anders als die Arbeit mit anderen Schauspielern. Manchmal braucht er mehr Zeit, manchmal weniger. Er hat ein Gedächtnisproblem beim Text, aber das haben andere Schauspieler auch. Sein einziger Anspruch ist, Freude zu haben. Um gut zu spielen, muss er Freude empfinden am Spielen, an der Rolle. Und damit hat er vollkommen recht. Das ist seine Lebensmaxime: entweder ist das , was er macht, ein Vergnügen, oder es ist keins. Wenn es kein Vergnügen ist, soll man es besser lassen.

Frage: Woher kommt Ihr Interesse an Mongoloiden? Gibt es in Ihrem Freundeskreis welche oder in Ihrer Familie?

Jaco Van Dormael: Nein. Ich habe sie zum erstenmal durch das Kino erlebt, ich machte Kurzfilme mit ihnen. Doch Am achten Tag ist kein Film über Mongoloide. Ich glaube, sie interessieren mich, weil ich mich mit ihnen wohl fühle. Sie geben enorm viel. Sie haben ein Talent zum Leben, das Leben zu lieben, in jeder Minute - was uns oft fehlt. Das ist die Liebe auf Erden. Eine Welt, die direkt neben uns existiert und über die wir nichts wissen. Alle Länder sind erforscht worden, die gesamte Erdoberfläche ist kartografiert. Und trotzdem gibt es unbekannte Welten hier unter uns, falls wir uns überhaupt die Mühe machen, sie zu sehen. Für mich symbolisieren sie den Unterschied, eine andere Art, die Welt zu sehen. Ich wäre glücklich, wenn die Zuschauer nach dem Film einen Bus besteigen, einen Mongoloiden dort sehen und sagen : "Toll, ein Mongoloide!" Bei der Arbeit war ihre Anwesenheit ein Vergnügen. Das Filmemachen fordert eine Menge Zwänge, wo jede Stunde zählt, alles vorbereitet und organisiert ist. Bei meiner Manie, alles vorher entscheiden zu wollen, bis ins kleinste Detail vorzubereiten, jede Einstellung zu skizzieren, nichts dem Zufall zu überlassen, sind Menschen wie Pascal ein Geschenk. Es ist der Glücksfall, der durchs Fenster schlüpft, Unordnung verursacht - eine Unordnung, die ich brauche. Und eine der großen Qualitäten von Daniel Auteuil ist seine Spontaneität im Spiel mit seinen Partnern und sein Talent, auf Unerwartetes zu reagieren. Deshalb gab es ein Gleichgewicht und perfektes gegenseitiges Verstehen zwischen Daniel und Pascal.

Frage: Ist es ein Happy End?

Jaco Van Dormael: Das Happy End ist, wenn man so will, dass die beiden Männer miteinander verschmelzen, sie werden die beiden Facetten desselben Mannes, eines Mannes, der zugleich Georges und Harry ist, der Dumme August und der Weiße Clown, Laurel und Hardy. Und dann scheint es mir wichtig, dass Georges Harry das Leben rettet, der sich fast umgebracht hätte, indem er das Steuer seines Autos losließ . . . Um ein bißchen weiterzugehen, kann man sagen, dass am Ende Harry tot ist, dass der alte Harry verschwunden ist, dass er sich gehäutet hat dank Georges, und dass Georges in dieser neuen Haut weiterlebt.

Frage: Was motiviert Sie tief im Inneren, einen Film zu machen?

Jaco Van Dormael: Ich mache Filme, weil ich es für notwendig halte, zu erzählen. Ich bin ziemlich faul, und wenn man mich fragt, was meine Lieblingsbeschäftigung im Leben ist, dann ist es das Nichtstun, das ist für mich das Natürlichste. Also, ich steige in einen Film ein in dem Moment, wo mich irgend etwas packt und ich gar nicht anders kann, als den Film machen. "Toto der Held" und Am achten Tag haben mich jeweils fünf Jahre in Anspruch genommen. Und sie sind mir nicht auf die Nerven gegangen. Trotzdem gibt es einen Widerspruch in der Tatsache, dass einen Film machen, der im Grunde nichts anderes sagt als "unser Leben gehört uns", doch bedeutet, dass während der Zeit, in der ich ihn mache, mein Leben mir nicht mehr wirklich gehört . . . Das ist ein Paradox. Das Wunderbare am Kino ist, dass es uns die Möglichkeit gibt, dem Zuschauer die Tiefe seiner eigenen Gefühle zu offenbaren. dass es uns erlaubt, vergrabene Emotionen zu erwecken. Das Kino kann uns an einer Erfahrung teilnehmen lassen und an einer Begegnung, die im normalen Leben unwahrscheinlich wären. Es weckt das Interesse für die anderen. In meinen Filmen versuche ich, dass der Zuschauer sich wohl fühlt und am Ende des Films glücklich ist zu leben und dass er sich für andere menschliche Wesen interessiert.
(DJFL)


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