Sie befinden sich hier: Home - Interviews - S - Interview mit Jean-Pierre Sinapi: Uneasy Rider

Der Teufelsgeiger Der Teufelsgeiger

Der Teufelsgeiger

Der europaweit gefeierte Geigenvirtuose und notorische Frauenheld Niccolò Paganini ...
...jetzt mehr!

Interview mit Jean-Pierre Sinapi: Uneasy Rider

Jean-Pierre Sinapi ist Regisseur und Drehbuchautor des Films Uneasy Rider Frage: Woher stammt die Idee zu Uneasy Rider? Jean-Pierre Sinapi: Der Produzent Jacques Fansten schlug mir vor, mich an ...

Interview mit Jean-Pierre Sinapi


Jean-Pierre Sinapi ist Regisseur und Drehbuchautor des Films Uneasy Rider

Frage: Woher stammt die Idee zu Uneasy Rider?

Jean-Pierre Sinapi: Der Produzent Jacques Fansten schlug mir vor, mich an seiner Filmreihe "Digitale Blicke" für Pierre Chevalier von ARTE mit einem Film zu beteiligen. Der gemeinsame Nenner dieser Filme ist die Verwendung von digitalen Amateur-Video-Kameras. Bei der Wahl des Sujets haben die Regisseure freie Hand, und ich verspürte Lust, mich auf ein Abenteuer einzulassen.

Ich hatte fünfzehn Jahre lang als Drehbuchautor fürs Fernsehen gearbeitet, und es war mein Ehrgeiz, irgendwann einmal die Seite zu wechseln und Regie zu führen. Also war mir die Technik und das Budget zunächst mal egal! Allerdings hatte ich zu dem Zeitpunkt keinerlei konkrete Ideen für ein Drehbuch. Im Verlauf meiner zahlreichen Treffen mit Jacques habe ich immer wieder Vorschläge gemacht, die ihn jedoch nicht allzu sehr begeisterten. Eines Tages sagte ich schließlich zu ihm, ich hätte da eine Geschichte im Kopf, die er ganz bestimmt nicht haben wolle. Er wurde sofort neugierig.

Frage: Das waren die Anfänge von Uneasy Rider?

Jean-Pierre Sinapi: Ja. Ich habe ihm die Geschichte erzählt, die ich von meiner Schwester Julie gehört hatte, die als speziell ausgebildete Pflegerin in einem Heim für körperlich Behinderte in der Nähe von Toulon arbeitet. Eines Tages brach einer der Bewohner dieses Heims, der sehr jähzornig von Charakter war und sich die Zeit damit vertrieb, andauernd das Personal zu beleidigen, vor ihr in Tränen aus. Er gestand ihr, dass er mit einer Frau schlafen wolle, und bat sie, eine Prostituierte für ihn zu finden, da er wusste, dass eine normale Frau sich nicht mit ihm einlassen würde.

Also ist meine Schwester die Route Nationale entlanggefahren. Mit ihrem kleinen Zentimetermaß hat sie heimlich die Breite der Türen an den Wohnwagen abgemessen, in denen die Prostituierten arbeiten. Sie wollte herausfinden, ob ein Rollstuhl da hindurchpassen würde. Und dann mussste sie eine Prostituierte überzeugen. Fansten sagte zu mir: "Jean-Pierre, das könnte ja ein Stoff von Maupassant sein! Worauf wartest Du noch?" Innerhalb von drei Monaten habe ich, zusammen mit Anne-Marie Catois, das Drehbuch geschrieben. Dieser Film, bei dem sie zum ersten Mal als Drehbuchautorin tätig war, markiert den Beginn unserer Zusammenarbeit.

Frage: Also sind die Hauptfiguren des Films, Julie, die Pflegerin, und René, der an Myopathie leidet, in der Realität verwurzelt?

Jean-Pierre Sinapi: Oh ja. Die Figur der Julie ist von meiner Schwester inspiriert. Julie ist eine Heilige. Eine weltliche Heilige, die verloren scheinende Schlachten ausficht - und sie gewinnt. Sie opfert sich völlig für die Behinderten auf, mit denen sie arbeitet. Und zusätzlich kämpft sie in diesem Heim auch noch auf administrativer Seite für die Durchsetzung von fortschrittlichen Maßnahmen. Zum Segen für die Behinderten, um die sie sich kümmert!

Die Figur des René ist eine Mischung aus verschiedenen realen Vorbildern. Da ist zum einen René Amistadi, ein verstorbener Freund von mir. Er war ein Gewerkschafter aus dem Osten Frankreichs, der früher im Bergwerk gearbeitet hatte. Er hat mir bei der Entwicklung der Figur des "Arbeiters" in meinem ersten Drehbuch La Valle des Espoirs geholfen. Als ich ihn kennen lernte, ging er an Krücken. Er litt an Myopathie. Über fünfzehn Jahre hinweg habe ich mitangesehen, wie sein Gesundheitszustand sich immer weiter verschlechterte. Erst ist er auf einen mechanischen Rollstuhl umgestiegen, dann auf einen elektrischen.

Wir wollten immer eine Geschichte über Behinderte zusammen zu schreiben. Aber wir sind nie dazu gekommen, und schließlich war es zu spät. Er ist im Alter von 50 Jahren gestorben. Ich habe mich von Renés Charakter inspirieren lassen, von seiner Intelligenz, seiner Kultiviertheit und auch von seiner Reizbarkeit und seiner provozierenden Seite. Die Geschichte mit der Sex-Besessenheit kommt dagegen von Jean-Louis, einem der Bewohner des Heims, in dem meine Schwester arbeitet.

Frage: Eine Komödie über die Sexualität von körperlich Behinderten zu machen, ist heikel und schwierig. Was hat sie dazu gebracht, es zu wagen?

Jean-Pierre Sinapi: Ich hatte niemals vor, einen ernsten, bedrückenden Film über dieses Thema zu drehen. Ich wollte von Anfang an eine Komödie daraus machen. Je schmerzhafter, härter, grausamer Dinge sind, desto mehr kommt es darauf an, sich ihnen mit Humor zu nähern. Auch Behinderte sind Menschen mit Stärken und mit Schwächen. dass sie behindert sind, heißt nicht, dass man nicht über sie und mit ihnen lachen kann. Ich hatte Lust, den mitleidigen Blick zu verändern, den man im Allgemeinen auf sie richtet.

Ich war schon immer schockiert von dieser verkappten Form der Zurückweisung, die sich an erster Stelle in der totalen Verleugnung ihrer Sexualität äußert. Über Sexualität zu sprechen, ist allerdings niemals einfach. Und egal, ob man im Rollstuhl sitzt oder nicht, das Problem ist für alle Menschen das gleiche: Wir müssen versuchen, Wunsch und Realität miteinander in Einklang zu bringen. Auch darum geht es in diesem Film, in dem die Gesunden es auch nicht leichter haben als die Behinderten.

Frage: In welcher Einrichtung haben Sie Uneasy Rider gedreht?

Jean-Pierre Sinapi: Ursprünglich sollten wir in dem Heim in Südfrankreich drehen, in dem meine Schwester arbeitet. Aber im letzten Moment, fünfzehn Tage vor Drehbeginn, bekam einer der Offiziellen Angst, die Eltern, die im Verwaltungsrat sitzen, könnten schockiert reagieren. Daraufhin habe ich mein Drehbuch an den Behinderten-Verband geschickt. Sie haben Uneasy Rider an einem Wochenende gelesen und sofort ihre Zustimmung erteilt. Diese Debatte über den Umgang mit der Sexualität in Behindertenheimen kam ihnen absolut gelegen. Und ich habe mich schließlich entschieden, in einem Heim in Combs-la-ville, 45 Kilometer von Paris entfernt zu drehen.

Frage: Sie wollten, dass neben professionellen Schauspielern auch Behinderte mitwirken. Wie sahen die Dreharbeiten aus?

Jean-Pierre Sinapi: Die Schauspieler spielten die Rollen, die im Hinblick auf die Erzielung einer komischen Wirkung am schwierigsten waren. Die Behinderten wollten alle in dem Film mitmachen, so dass ich eine Art Casting machen mussste, bei dem ich diejenigen auswählen mussste, die ich ehrlich für geeignet hielt, eine kleine Rolle zu übernehmen.

Die anderen nahmen an den Szenen im Speisesaal teil oder an der Party am Schluss. Die digitale Video-Kamera erwies sich als wahrer Trumpf. Wir haben in keiner Sekunde den normalen Betrieb in diesem Heim gestört. Abgesehen davon hätte ich, glaube ich, große Mühe gehabt, diesen Film auf herkömmliche Art zu drehen. Er hätte dann nicht dieselbe Intensität und Dichte gehabt.

Diese Bilder, die manchmal fast wie aus einem Dokumentarfilm erscheinen, haben dazu beigetragen, die Authentizität dieser Geschichte zu verstärken. Dieses neue Instrument gestattet eine andere Art des Drehens und Filmemachens. Dazu gehört auch die Verwendung einer anderer Sprache, aus dem Instinkt und aus dem Moment heraus.

Frage: In einer der verrücktesten Szenen bittet Julie einen Arzt um ein Attest für René, das besagt, dass in seinem Gesundheitszustand regelmäßige sexuelle Betätigung ratsam sei. Ist auch das authentisch?

Jean-Pierre Sinapi: Absolut! Ein Pfleger oder Erzieher, der einen Behinderten zu einer Prostituierten bringt, genießt rechtlich gesehen keinerlei Schutz. Vielmehr kann er wegen Kuppelei angeklagt werden. Der einzige Schutz dagegen ist ein ärztliches Attest.

Meine Schwester ist, genauso wie Julie im Film, zu drei verschiedenen Ärzten gegangen, die sich alle geweigert haben, so ein Attest auszustellen. Weil dann sie und nicht Julie die Verantwortung getragen hätten für eventuell auftretende Probleme. Julie wusste sich zu helfen, indem sie sich einfach darüber hinweggesetzt hat, ohne Attest, auf eigenes Risiko und eigene Gefahr. (DJFL)


Alle Interviews mit Interview mit Jean-Pierre Sinapi: Uneasy Rider

Interview mit Jean-Pierre Sinapi: Uneasy Rider
Jean-Pierre Sinapi ist Regisseur und Drehbuchautor des Films Uneasy Rider Frage: Woher stammt die Idee zu Uneasy Rider? Jean-Pierre Sinapi: Der Produzent Jacques Fansten schlug mir vor, mich an [mehr]


Nachrichten rund um Interview mit Jean-Pierre Sinapi: Uneasy Rider

Edition Salzgeber - im Dezember neu auf DVD
Am 06. Dezember 2005 starten folgende Titel auf DVD: [mehr]



Interviews

Bei DigitalVD.de gibt es Interviews mit Prominenten, Stars oder Schauspielern. Ein Interview ist eine Befragung mit dem Ziel persönliche Informationen oder Sachverhalte zu einem Thema zu erhalten. Das journalistische Interview ist die bekannteste Form der Befragung. Wir befragen Personen persönlich, telefonisch oder per E-Mail. Unsere Interviews werden in unterschiedlicher Form durchgeführt. Zusammen mit unseren Biografien liefert das Interview ein schönes Gesamtbild zu einem Schauspieler(in).

Wir führen Interviews mit Schauspieler und Schauspielerinnen, Regisseure und andere Prominente aus der Film-Branche. Möchten Sie auch gerne ein Gespräch mit uns führen? Sprechen Sie uns an.

[A]  [B]  [C]  [D]  [E]  [F]  [G]  [H]  [I]  [J]  [K]  [L]  [M]  [N]  [O]  [P]  [Q]  [R]  [S]  [T]  [U]  [V]  [W]  [X]  [Y]  [Z]

Gezielt ein Interview suchen:






+++ ..DVD-RUBRIKEN.. +++

Alles Gute!

zum heutigen Geburtstag
wünschen wir folgender Person:
Dominic Raacke, und allen anderen!
> Weitere Geburtstage...