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Jessica Schwarz: Flutsch und weg

Im Mai dieses Jahres wird Jessica Schwarz ihren 30. Geburtstag feiern und ist auf deutschen Leinwänden so präsent wie selten zuvor. Ihren Durchbruch als Schauspielerin erlebte die ehemalige ...

Interview mit Jessica Schwarz


Im Mai dieses Jahres wird Jessica Schwarz ihren 30. Geburtstag feiern und ist auf deutschen Leinwänden so präsent wie selten zuvor. Ihren Durchbruch als Schauspielerin erlebte die ehemalige „Interaktiv“-Moderatorin 2001 mit Benjamin Quabecks Nichts bereuen. Zur Zeit hört man ihre Stimme im ersten volldigitalen Animationsfilm der Aardman Studios, Flutsch und weg (siehe FILMSTART 12/2006). In Berlin sprachen wir mit ihr über ihre erste Synchronrolle und anstehende Projekte.

Frage: Haben die Filmangebote zugenommen nach der kleinen, aber überaus wichtigen Rolle im Parfum?

Jessica Schwarz: 2007 ist jedenfalls voll bei mir, ich habe da auch zwei schöne Rollen, über die ich aber im Moment noch nicht reden kann. Internationale Produzenten sind aber deswegen nicht auf mich zugekommen, dafür ist die Rolle mit ihren drei Minuten einfach zu klein. In so einer kleinen Sequenz kann man auch nicht viel von sich zeigen.

Frage: Trotzdem muss man sich ja auch für kleine Rollen oftmals sehr intensiv vorbereiten…

Jessica Schwarz: Ja. Selbst bei der Synchronisation von Flutsch und weg war das so. Dieser 90-Minüter wurde in zweieinhalb Tagen synchronisiert. Trotzdem müssen da sämtliche Emotionen drinstecken, man muss sich gehen lassen, man muss mutig sein und solche Töne anzuschlagen, wie das im Original in meinem Fall eben Kate Winslet gemacht hat. Man weiß im Nachhinein einfach immer, was man getan hat, ganz egal, wie groß oder klein die Rolle eben war.

Frage: Wie bereitet man sich auf eine Synchronrolle vor?

Jessica Schwarz: Man kann sich nicht wirklich vorbereiten, ich wüsste auch gar nicht, wie… Ich habe noch nie zuvor Synchron gemacht, außer die eigene Stimme nachsynchronisiert, fand das aber auch schon immer sehr schwierig und habe auch zu dem Zeitpunkt, als ich es noch sehr schwer fand, mich selbst nachzusynchronisieren, Castings gehabt für Animationsfilme, aus denen dann aber nie etwas geworden war. Man hat mir wohl meine Unsicherheit dabei angemerkt. Vor dieser Rolle hatte ich mir gesagt, dass ich ab jetzt nicht mehr groß ausgehe, nicht mehr viel am Telefon rede, um meine Stimme zu schonen, weil sie beim Synchronisieren natürlich das Hauptinstrument ist. Ich habe aber keine speziellen Aufwärmtrainings gemacht oder mir Ratten zugelegt (lacht), sondern mir nur den Film angeschaut. Bei jedem Take habe ich mich darauf konzentriert, wie das Kate Winslet gesprochen hatte und danach einfach meinen Gefühlen freien Lauf gelassen.

Frage: Musstet Ihr denn viele Takes dann wiederholen, bis der Synchronregisseur damit zufrieden war?

Jessica Schwarz: Oh…wir hatten einen so tollen Regisseur! Oliver Rohrbeck, das Oberhaupt der drei Fragezeichen, Justus Jonas! Da ist ein Traum für mich in Erfüllung gegangen – drei Tage mit Justus Jonas zusammen einen Fall zu bearbeiten… und zwar den Fall Flutsch und weg. Das ist ein Traum, denn der gibt dir natürlich auch klare Anweisungen, der hat das selbst gelernt und weiß, wie, wann und wo es wichtig ist mit welchen Emotionen wie zu haushalten. In meinem Fall wusste er auch, Frau Schwarz hat so etwas noch nie gemacht, dann muss man auch etwas behutsamer mit ihr umgehen, damit sie irgendwann nicht ganz verzweifelt. Aber es war eine großartige Zusammenarbeit, ich bin noch größerer Fan jetzt, obwohl ich gerade vorgestern mal wieder eine „Drei Fragezeichen“-Folge angehört habe und jetzt sehe ich ständig Oliver Rohrbeck vor mir… Mein alter Justus ist verschwunden.

Frage: Fühlen Sie sich nicht ein wenig wie ein Substitut für richtige Synchronsprecher, da sie ja wegen Ihres Promi-Statuts und der damit einhergehenden Vermarktbarkeit vom Verleih gecastet wurden?

Jessica Schwarz: Ich denke schon, dass es ein ausschlaggebender Punkt ist, dass man sagt, mit prominenten Sprechern kann man die Presse eher begeistern, über die Synchronisation zu berichten. Allerdings habe ich auch, wie bereits gesagt, verschiedene Castings durchlaufen und habe beispielsweise in Sinbad – Der Herr der sieben Meere Catherine Zeta-Jones’ Rolle nicht spielen dürfen, weil ich es nicht konnte. Also, man achtet schon stark darauf, dass da ein bestimmtes Niveau gewahrt wird, denn man kann bei solch einem Casting eben auch durchfallen. Ich bin dreimal durchgefallen, bis es geklappt hat, einfach, weil die Sicherheit nicht da war und weil vielleicht auch der Charakter oder die Stimme nicht gepasst hat. Auch wenn ich ein bisschen ein schlechtes Gewissen gegenüber professionellen Synchronsprechern hatte, weiß man natürlich, dass prominente Leute dafür gesucht werden, die in dem Moment dann dazu in der Lage sind, das so zu erfüllen, wie die Vision es vorgibt.

Frage: In den nächsten Monaten kommen noch drei weitere Filme von Ihnen ins Kino, Nichts als Gespenster, das neue Ensembledrama von Martin Gypkens, Der Liebeswunsch und der zweite Teil der Wilden Hühner, also völlig gegensätzliche Filme. Was macht denn mehr Spaß, die anspruchsvollen oder die komischen Rollen?

Jessica Schwarz: Die Abwechslung ist für mich unglaublich beruhigend, weil man sich dabei immer wieder neu testen und neu auf die Probe stellen muss. Wenn man mit Kindern zusammenarbeitet wie bei den Wilden Hühnern, gibt es eine Willkürlichkeit des Spielens, bei der jeder Take oft ganz anders und neu angesetzt ist, auf die man sich nicht vorbereiten kann, sondern auf die man reagieren muss. Das ist unglaublich anstrengend, aber es ist auch toll. Ich habe die Hühner so was von ins Herz geschlossen, weil ich mit denen jetzt auch ein Jahr älter geworden bin, und weil es eine unglaubliche Freude ist, zu sehen, wie sie sich auch beim Spielen entwickeln. Drama ist natürlich trotzdem meine große Leidenschaft. Ich werde nächstes Jahr aber auch einfach mal meine erste Komödie probieren, darauf bin ich sehr gespannt (lacht). Ich glaube, das wird so schlimm! Aber der Regisseur meinte, mit dem Film könnten wir alle unseren Ruf verlieren und deswegen habe ich gesagt: „Super, wenn ihr mich dabei haben wollt, ich mache gerne mit.“ (Frank Brenner)


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