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Interview mit Johanna Wokalek: Barfuss

"Großes Kino mit Herz, das einem ein gutes Gefühl gibt." Johanna Wokalek spielt die weibliche Hauptrolle der Leila in dem deutschen Kinofilm Barfuss. Frage: Die Leila ist eine ganz besondere ...

Die unscheinbare Schöne: Ob knallharte RAF-Terroristin, sensibles Maderl oder gläubige Kosterfrau: Johanna Wokalek spielt einfach alles, was das Rollen-Repertoire herzugeben hat. Und das mit selbst aufopfernder Hingabe, bis weit über die Grenzen des psychisch Möglichem hinaus. Geboren wurde Johanna ... [komplette Biografie]

Interview mit Johanna Wokalek


"Großes Kino mit Herz, das einem ein gutes Gefühl gibt."

Johanna Wokalek spielt die weibliche Hauptrolle der Leila in dem deutschen Kinofilm Barfuss.

Frage: Die Leila ist eine ganz besondere Filmfigur. War denn auch die Arbeit an der Rolle besonders?

Johanna Wokalek: Das Besondere an der Arbeit bestand darin, dass ich mich in die Lage versetzen musste, dass ich viele Dinge zum ersten Mal tue, so wie das sonst eigentlich nur Kinder machen.

Für mich war das ein besonderes Erlebnis, ein besonderes Erfahren, weil wir dazu neigen, die meisten Dinge in unserem Leben stets als selbstverständlich hinzunehmen. Ich finde es etwas sehr schönes, als Leila die Dinge noch mal neu zu entdecken.

Frage: Dabei ist Leila ja nicht nur kindlich oder engelsgleich, sondern auch sehr weiblich. Wie bringt man dieses Spannungsfeld als Schauspieler rüber?

Johanna Wokalek: Ich kann sagen, dass ich einfach wieder aufs Neue versucht habe, mich in diese Lage hineinzuversetzen: Wie ist es, gewisse Dinge zum ersten Mal zu erleben. Der Rest, also die Spannung, wenn Sie so wollen, kam von ganz allein: Wenn Leila diesen Mann sieht und beschließt, sie müsse ihm jetzt folgen, barfuss, dann ist sie dabei ja ganz Frau.

Wenn sie sich in ihn verliebt, macht sie das gewiss auf ihre Art und Weise, aber doch auch wie eine ganz normale Frau. Die Szenen sind eher situativ. Da fällt es einem auch leichter, sich die Lage genau vorzustellen.

Frage: Können Sie sich erinnern, was Sie empfunden haben, als Sie das Drehbuch zum ersten Mal gelesen haben?

Johanna Wokalek: Sehr gut sogar. Ich weiß noch, dass ich es sehr schnell gelesen habe und dabei die ganze Zeit schmunzeln musste. Für mich ist das im Nachhinein bezeichnend für den ganzen Film. Der Humor hat nichts mit dem Hau-Drauf-Humor zu tun. Er ist eher leise und charmant. Das gefiel mir sehr gut. Man merkt dem Buch an, dass Til Schweiger die Geschichte sehr nahe geht und er sehr lange daran gearbeitet hat.

Es war sehr schön für uns alle mitzuerleben, wie viel Til Schweiger an dem Film lag, und bei der Umsetzung dieses Films mitarbeiten zu können. Während des ganzen Drehs habe ich immer gemerkt, wie sehr ihm der Stoff am Herzen lag.

Für mich war es auch dahin gehend eine besondere Erfahrung, dass ich wieder daran erinnert wurde, dass es eigentlich immer so sein sollte. Die Rollen, die wir spielen, die Filme, die wir drehen – die müssen uns wirklich am Herzen liegen. Sonst kann man auch etwas anderes machen.

Frage: Warum lag Ihnen Leila so sehr am Herzen?

Johanna Wokalek: Ich finde es toll, gerade in unserer Zeit eine solche Geschichte zu erzählen und eine solche Frauenfigur spielen zu können. Mir gefällt das Märchenhafte und Naive, weil es einen unerschütterlichen Optimismus ausstrahlt. Ich habe die Hoffnung, dass die Menschen eine Sehnsucht verspüren, wieder einmal einen solchen Film zu sehen.

Er will den Zuschauer nicht überanstrengen, sondern lädt dazu ein, sich auf die Geschichte einzulassen, einen richtigen Kinotag zu erleben. Barfuss bietet all das, was man sich vom Kino wünscht: eine Liebesgeschichte, er ist lustig, er ist tragisch. An Leila selbst gefiel mir die Herausforderung, sich in ein völlig anderes Weltbild zu ergeben, sich regelrecht fallen zu lassen.

Eigentlich wünschen wir alle uns das, etwas zum ersten Mal zu entdecken, die Welt zum ersten Mal zu erleben. Es hat mir großen Spaß bereitet, Leilas Welt aus ihren Augen für mich erschließen zu können.

Frage: Konnten Sie etwas von Leila lernen?

Johanna Wokalek: Durch die Rolle ist mir durchaus bewusst geworden, wie sehr man sich über ganz einfache Dinge freuen kann. Leila lebt in einer Welt, in der man sie leicht glücklich machen kann. Dieses Kindhafte finde ich beeindruckend – auch wenn Kinder schnell lernen, andere zu manipulieren.

Das fehlt Leila völlig, was auch zur leicht märchenhaften Atmosphäre des Films beiträgt. Sie ist pur, ein reines Wesen. Für mich waren die Dreharbeiten eine sehr schöne Zeit und es hat viel Spaß gemacht, mit Til zu drehen.

Frage: Wir würden Sie Til Schweiger als Regisseur beschreiben?

Johanna Wokalek: Für mich war es das erste Mal, dass ich von einem anderen Schauspieler inszeniert wurde. Dadurch waren viele Dinge für mich als Schauspielerin einfacher. Wenn es Dinge zu verbessern gab, konnte man sich sehr direkt verständigen. Man musste oft nicht viel reden, weil beide wissen, wovon die Rede ist.

Das Besondere an Til Schweiger ist: Wenn er sich zu etwas entschließt, dann macht er es auch und zieht es durch. Mir gefiel aber auch, dass er offen ist für Vorschläge. Wenn jemand eine Idee hat, ist er sehr schnell und wendig und greift sie auf. Für mich war diese Arbeitsweise etwas unkonventionell. Ich kannte das bisher noch nicht, dass mein Hauptspielpartner auch mein Regisseur ist.

Aber ich fand das auch sehr spannend. Mir ist es in meinem Beruf sehr wichtig, dass nicht nur die Rollen und Stoffe stimmen. Mich interessiert auch, mit welchen Menschen ich arbeite, welche Begegnungen ich beim Drehen habe.

Frage: Ein außergewöhnliches Erlebnis war auch das Casting, wie man so hört ...

Johanna Wokalek: Ich erinnere mich noch sehr gut. Ich war die einzige Frau, und um mich herum waren sechs Männer. Ich war etwas überrascht, wie zügig Til Schweiger von Szene zu Szene ging – und kann mir natürlich vorstellen, dass die anderen Anwesenden gedacht haben müssen: Der hakt das jetzt zack-zack ab, weil er keine Lust hat.

Ich dachte eigentlich nur, dass das offensichtlich Tils Stil ist, so beim Casting vorzugehen. Ich machte mir aber keine Sorgen, weil ich von Anfang an das Gefühl hatte, dass das sehr harmonisch ist, dass das einfach passt.

Frage: Empfanden Sie die Vorbereitung als schwierig – immerhin ist Leila zu Beginn des Films Insassin einer psychiatrischen Anstalt ...

Johanna Wokalek: Das war ein Aspekt, der für mich keine große Rolle spielte. Das ist auch in der Geschichte nur ganz zu Beginn von Belang. Das Schwierige war, sich wieder unwissend zu machen, Dinge nicht zu wissen. Das habe ich versucht mit meiner Fantasie, und Til hat mir auch dabei geholfen. Wir nannten das den Leila-Faktor – dann wusste ich schon Bescheid. Wenn der nicht gegeben war, haben wir noch einmal von vorn angefangen.

Frage: Wie wichtig war Ihnen der Begriff des Barfuss-seins?

Johanna Wokalek: Das Bild als solches finde ich natürlich ganz wundervoll. Mir gefiel die Idee, auf diese Weise Leilas Freiheitswillen zu unterstreichen – jemand, der seine Füße nicht einsperren will.

Aber in diesem Bild steckt gleichzeitig auch etwas sehr Pures. Für diese Rolle finde ich das ganz, ganz großartig. Es hilft einem auch beim Spiel, weil es völlig jenseits der Norm ist, ohne etwas aufgesetzt Rebellisches zu haben.

Frage: Wie würden Sie Barfuss mit wenigen Worten beschreiben?

Johanna Wokalek: Großes Kino mit Herz, das einem ein gutes Gefühl gibt. Man kann etwas für sich selbst mitnehmen von dieser kleinen Reise, die die beiden miteinander unternehmen, und dem Lebensgefühl, das der Film transportiert. Im Idealfall wirkt Barfuss so lange nach, dass man die Welt auch ein paar Tage danach noch mit anderen Augen sieht. (DJFL)


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