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Fack Ju Göhte

Auf sein vergrabenes Diebesgut wurde einfach eine verdammte Turnhalle gebaut. Der Ex-Knacki Zeki Müller ...
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Interview mit Katja Riemann: Favourites

"Ich versuche, meinen eigenen Weg zu finden!" Eine "Powerfrau" im besten Sinne des Wortes! Überaus erfolgrleich als Film-, Fernseh- und Bühnenschauspielerin. Jetzt auch als Sängerin: Katja ...

* 1. November 1963 in Kirchweyhe, Bremen, Deutschland, Schauspielerin, Autorin Katja Riemann wird 1963 als jüngstes von drei Kindern in Kirchweyhe bei Bremen geboren. Unter der Obhut ihrer Eltern (beide arbeiten als Kunsterzieher) nimmt sie schon als kleines Mädchen Ballettstunden und Klavier-, ... [komplette Biografie]

Interview mit Katja Riemann


"Ich versuche, meinen eigenen Weg zu finden!"

Eine "Powerfrau" im besten Sinne des Wortes! Überaus erfolgrleich als Film-, Fernseh- und Bühnenschauspielerin. Jetzt auch als Sängerin: Katja Riemanns Album Favourites erschien am 3. November 2003 bei SPV. Dies war für Anlass für das folgende Gespräch mit der Sängerin.

Frage: Wie kam es zu der Entscheidung, nach Bandits eigene Musik zu machen bzw. weiter zu machen?

Katja Riemann: Eigentlich ist die Entscheidung, eigene Musik zu machen, durch Bandits bereits gefallen. Wir hatten so eine Art Ausschreibung gemacht. De facto bekamen wir ein paar Demos geschickt, bei denen wir alle ganz steif im Nacken wurden.

Und recht bald tauchte dann der doch eigentlich recht schlüssige Gedanke auf: wer sollte besser wissen, welche Art Musik diese Charaktere machen, als wir Schauspielerinnen, die sie erfunden hatten. Jasmin Tabatabai, Nicolette Krebitz und ich. Den Löwenanteil hat Jasmin geschrieben. So entstanden gemeinsame Texte, gemeinsame Songs und Stück von jeder Einzelnen. Dadurch wurde ein Stein ins Rollen gebracht. Da der Erfolg des Filmes auf die Musik zurückging, kamen für jeden von uns Angebote, ein Soloalbum zu machen.

Klar, das Interesse der Majors war es, den unglaublichen Erfolg des Soundtracks von Bandits (drei Wochen Platz 1 der Albumcharts und wochenlang unter den ersten 10, goldene Platte, damals benötigte man dazu noch 250.000 verkaufte Alben) möglichst fortzusetzen. Wir sagten ab. Als das Angebot von Wea kam, nahm ich mir ein halbes Jahr Zeit, um diese Idee und die damit verbundene Verantwortung zu prüfen - und die Neugier war dann doch stärker. Ja, so war das wohl.

Frage: Wann hast du festgestellt, dass du Lyrics schreiben kannst, und vor allen Dingen, dass deine Stimme so ausgebildet ist?

Katja Riemann: Ich habe mir das Schreiben mit fünf Jahren selbst beigebracht, deswegen ist meine Handschrift so saumäßig. Geschrieben - als Ventil. Als Kanal. Geschichten, Gedichte, Liedtexte, Tagebuch, Drehbücher, Artikel. Ich finde es faszinierend, Weiß in Gedanken zu verwandeln. Den dumpfen Druck in Worte zu fassen. Weil es manchmal unabhängig von einem passiert. Weil es heilen kann.

Ich weiß nicht, ob ich Lyrics schreiben kann. Ich schreibe einfach Songs. Und irgendwann habe ich mich getraut, sie mal jemandem vorzuspielen. Fertig.

An meiner Stimme haben sich sieben Stimmbildner und Sprecherzieher versucht. Sie ist nicht ausgebildet im klassischen Sinne. Ich habe eine ganz normale Schauspielschul-Sprecherziehung genossen, die natürlich auch Stimmbildung und Gesang beinhaltet.

Meine Stimmbänder schließen nicht komplett. Das war der Grund für eine Gesangslehrerin an der Falckenbergschule in München, mir als damals 23-jährige mitzuteilen, dass ich mich darauf einstellen müsse, mit 30 den Beruf an den Nagel hängen zu müssen, weil mir voraussichtlich bis dahin keine Stimme mehr zur Verfügung stehen würde. Und dass ich jetzt mal ins Krankenhaus gehen sollte, um mir meine Knötchen, die ich zweifelsohne hätte, entfernen zu lassen.

Ich hatte keine Knötchen, nur panische Angst vor dieser Frau. Jetzt bin ich fast 40 und immer noch bei Stimme. Mein Gesangslehrer in Berlin, Jonathan Kinsler, hat mir einiges beigebracht, vor allem, dass man immer singen können muss, auch mit Stimmbandentzündung!

Ansonsten behaupte ich mitnichten, eine Jazzsängerin oder dergleichen zu sein. Ich würde mir das nicht anmaßen. Ab einem bestimmten Punkt habe ich für mich die Musik und die Singerei als sehr verwandt zur Schauspielerei erfahren, nämlich als Interpretation, die nicht ausschließlich auf der suche nach dem schönen, perfekten Ton ist, sondern nach einem Gefühl, das man mitteilen möchte, und da spielt der Gedanke und das eigene Gefühl dahinter eine größere Rolle als der letztlich dann entstehende Ton.

Frage: Wie bist du auf SPV als deine neue Plattenfirma gekommen?

Katja Riemann: Irgendwann gab es dann dieses Oktett; wir wollten Konzerte geben, auf irgendein Ziel musste man ja hinarbeiten, erst diffus, dann konkreter, Konzerte. Dazu braucht man einen Konzertveranstalter, der braucht Demos, damit er weiß, was wir so machen. Haben wir gemacht und einem Veranstalter geschickt, der war ganz begeistert. Whow. Um dann den verhängnisvollen Satz zu sagen: "Ohne Platte keine Tour!". Ich wollte aber gar keine Platte machen.

Hm, da ich aber keinen Veranstalter bekam, da alle dasselbe sagten, bin ich mit meinem musikalischen Leiter und Trompeter, Michael Merkelbach, ausgezogen, eine Plattenfirma zu finden. Frohen Mutes, muss ich zu meiner Schande gestehen. Wir saßen bei all den großen Firmen, jemine. Schon eine dolle Sache, dass ich überhaupt Einlass bekam. Und ein Gespräch.

"Nee, Jazz??"
"Katja, ich habe keine Ahnung von Musik, ich verkaufe sie nur ..."
"Mach doch eine Platte für Rotweintrinker!" (Michael und ich schauten uns an und dachten beide dasselbe: 'Oje, wenn die das Gitarrensolo von 'Shadows' hören, schütten die ihren Rotwein vor ihrem Kamin aus.)
"Mach 'ne Platte wie Robbie Williams." (Damals war gerade sein Frank-Sinatra-Album der Kassenknüller.)
Als wir dann endlich einen Deal in der Tasche hatten, und der sich als leere Rede herausstellte, dachte ich: "Leck mich am Arsch, ich brauch die doch alle nicht. Ich brauche keinen A&R, der mir ständig 'Ich hör die Single nicht!' sagt. Ich brauche doch eigentlich nur jemanden, der mir die Platten in den Laden stellt. Einen Vertrieb. Und jemanden, dem das gefällt, was wir da so tun." Dann kam mein Manager auf die Idee mit SPV.
Ich lernte Manfred Schütz kennen. Und dann ging alles ganz schnell. Was soll ich sagen. Er hörte sich die Demos an und kam zu einem Konzert nach Berlin ins Soultrane. Wir haben uns auf eine Bandübernahme geeinigt, sodass ich in alleiniger Verantwortung das Album produziert habe. Ich habe musikalisch alle Freiheiten gehabt und Unterstützung bekommen bei dem Artwork meines Booklets.

Und zu meiner großen Freude werden wir auch zusammen die Live-Platte machen, bei der man vorschlug, sie gleich als DVD zu produzieren. Ich bin gespannt, ob wir das hinbekommen. Inschallah!

Frage: Von welcher Musik fühlst du dich beeinflusst? Hast du musikalische Vorbilder?

Katja Riemann: Nein, ich habe keine Vorbilder, weil ich versuche, meinen eigenen Weg zu finden, weil ich nicht imitieren oder plagiieren will, das finde ich irgendwie auch nicht interessant; ich möchte nicht sein, wie ..., sondern arbeite daran, herauszufinden, wie ich überhaupt selber bin, und den Mut zu entwickeln, so dann auch zu sein, auch wenn man sich damit nicht beliebt macht.

Es gibt viele Musiker, die ich bewundere, verehre, deren Musik mich begleitet hat, immer verschiedenen, je nach den diversen Phasen des Lebens, durch die man geht - oder kriecht. In Musik sind Erinnerungen geradezu haptisch aufbewahrt. Du kannst eine Musik auflegen, und es erwischt dich wie eine Ohrfeige eine Zeit, von der du meintest, sie sei seit zehn Jahren vorbei.

Ich bin in einem Haushalt groß geworden, in dem klassische Musik nicht vorkam, weil sie meine Mutter traurig machte.

Ich bin groß geworden mit den Beatles, mit Ella Fitzgerald, Billie Holiday und Louis Armstrong. Daher kommt wahrscheinlich meine Liebe zum Jazz. Es ist vertraut. Die macht mich sicherer. Später kam Crosby, Stills, Nash & Young dazu, Joni Mitchell und Pink Floyd. Dann die Liedermacher, wie Hermann van Veen, Bettina Wegener, Hannes Wader und Konstantin Wecker. Und so ging es immer weiter.

Und wenn du gern wissen willst, was ich derzeit höre: Es ist französische Musik, von beispielsweise Henri Salvador und Benjamin Biolay.

Frage: Beschreibe den Stil von Favourites in deinen Worten ...

Katja Riemann: Michael Merkelbach hat es gut zusammengefasst für unser erstes Konzert im Mai 2002 im A-trane in Berlin. "Accoustic beats and jazzy songs." Voila. Dem bleibt nichts hinzuzufügen.

Frage: Nachdem Nachtblende deutschsprachig aufgenommen wurde, kommt Favourites nicht in deiner Muttersprache. Warum?

Katja Riemann: Ich erzählte ja schon eingangs, dass wir nicht mit der Absicht das Oktett gegründet haben, um eine Platte aufzunehmen, sondern um einen Konzertabend zusammenzustellen. Meine Ausgangsfrage war: kann ich die Songs von Nachtblende akustisch neu arrangieren? Wie klingt es, wenn das live gespielt wird. Das sind ja alles Songs, die mal auf der Gitarre erfunden wurden und nicht am Computer.

So bereitete ich alles vor, ließ Noten schreiben, checkte mit Andreas Schmidt - der das Oktett gemeinsam mit mir ins Leben rief und alle Musiker angesprochen hatte - die ganzen Tonarten und Songstrukturen und wir begannen mit sechs Nachtblende-Titeln. So ergab eins das andere. So entstand eben auch der Titel: Favourites. Ganz zu Beginn hatten wir den Arbeitstitel: Lieblingsliebeslieder.

Als dann die Idee der Platte reifte, schloss es sich naturgemäß für mich aus, die Nachtblende-Songs erneut aufzunehmen. Das, was blieb, war zum größten Teil englisch. Unser Konzertabend beginnt mit einem deutschen Teil, auch Titel, die neu sind und der zweite Teil ist dann englisch.

Frage: Sind die restlichen Mitglieder des Oktetts an der musikalischen Entscheidung und Auswahl etc. beteiligt?

Katja Riemann: Wir sind eine demokratische Band. Das kann ziemlich anstrengend sein. Wir haben unser Material zu 80 Prozent gemeinsam arrangiert. Das war eine langwierige Arbeit, die uns aber gezeigt hat, wo wir musikalisch hingehen und uns treffen.

Ich bin nicht diejenige, die sagt: so machen wir das jetzt. Das würde ich mir, ehrlich gesagt, auch gar nicht zutrauen. In letzter Instanz bin ich diejenige, die Entscheidungen zu fällen hat, was nicht immer angenehm ist. Weil ich mich vor Endgültigkeit fürchte. Aber die Musik entwickelt sich mit jedem Konzert, das Zusammenspiel als Band haben wir durch unsere Konzerte in diesem Jahr erst richtig erfahren dürfen, und darum gibt es letztlich nichts Endgültiges.

Ich habe die große Ehre mit hervorragenden Musikern zu arbeiten, von denen ich viel lerne, die mir zeigen, welches unterschiedliche Potenzial in den diversen Stücken vorhanden ist - oder eben auch nicht; die jede Dynamik im Gesang übernehmen und fortsetzen, sodass das Spielen nie zur Routine wird, sondern immer zu einem neuen Erlebnis.

Es gibt eine recht große Spannbreite an musikalischen Vorstellungen, die nicht immer unter einen Hut zu bringen sind, die aber die Arbeit extrem abwechslungsreich machen. Manche Stücke wurden vorbereitet von dem einen oder anderen aus der Band, wie beispielsweise "Funny Valentine" oder "After You Killed Me" von Andreas Schmidt oder "Les Choses De La Vie" von Michael Merkelbach. Das kürzt das Entstehungsprozedere ab, weil ich mich dann mit diesen Musikern vorab allein treffe und wir das Stück besprechen, bevor wir mit der ganzen Band proben.

Während der Konzerte ist es für mich jedes Mal eine große Freude zuzuhören, was Neues, Anderes, Unterschiedliches entsteht, da unsere Titel immer viel Luft für Musik, für Solos haben und Jazzmusiker nun mal das große Talent haben, sich nicht zu wiederholen. (DJFL)


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