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Interview mit Lars Kraume: Keine Lieder über Liebe

"Ich war schockiert, als wir den Schluss gedreht haben." Lars Kraume ist Regisseur und Drehbuchautor des deutschen Kinofilms Keine Lieder über Liebe. Frage: „Keine Lieder über Liebe“ ist ein ...

Interview mit Lars Kraume


"Ich war schockiert, als wir den Schluss gedreht haben."

Lars Kraume ist Regisseur und Drehbuchautor des deutschen Kinofilms Keine Lieder über Liebe.

Frage: „Keine Lieder über Liebe“ ist ein sehr ungewöhnlicher Film: die Schauspieler arbeiteten ohne Drehbuch; es wurde eine Band gegründet, die wirklich auf Tour ging und vor ganz normalem Konzertpublikum spielte; die Handlung entwickelte sich erst beim Drehen - wie bist du auf die Idee zu diesem Projekt gekommen?

Lars Kraume: Es gab zwei Grundideen – die eine war das Thema, die zentrale Frage des Films: Wie gut kennt man die Menschen, mit denen man sein Leben verbringt? Der andere war, dass Jürgen Vogel gerne mal einen Musiker spielen wollte und mich fragte, ob wir nicht zusammen einen Film über einen Musiker machen wollten. Ich sagte, dass ich das nicht schreiben könnte, ich war nie in einer Band, da würden nur Klischees rauskommen.

Das einzige, was ich mir vorstellen konnte: Jürgen wird wirklich Musiker für den Film. Diese beiden Ideen zusammen - Jürgen als Musiker, ein Film über Geheimnisse in Beziehungen - ergaben das Projekt „Keine Lieder über Liebe“.

Frage: Wie ging es weiter?

Lars Kraume: Wir haben uns dann um den Musiker Markus Hansen herum eine Geschichte ausgedacht. Dass er einen Bruder hat, dass eine Frau zwischen ihnen steht, dass sein Bruder einen Dokumentarfilm über ihn macht und so weiter. Dann habe ich die anderen Schauspieler besetzt, Florian Lukas und Heike Makatsch, und mit allen Dreien ihre Rolle entwickelt. Da waren die Schauspieler ganz maßgeblich mit beteiligt. Und dann habe ich über diese Figuren ein Drehbuch geschrieben.

Frage: Also gab es doch ein Drehbuch?

Lars Kraume: Ja, ganz klassisch, mit Dialogen und allem drum und dran. Aber ich habe es niemandem gegeben. Das war nur für den Notfall. Falls alles schief läuft. Damit ich dann einen roten Faden hätte.

Frage: Und, hast du mal reinschauen müssen?

Lars Kraume: Ich habe es nie angerührt. Wir haben jeden Tag chronologisch gedreht, fast rund um die Uhr, und die Schauspieler haben vier Wochen eigentlich durchgehend improvisiert. Sie haben mit mir besprochen, wie ihre Figur sich nun weiter verhalten würde. So wusste ich immer, was sie denken und fühlen und wo es interessant werden könnte – die Schauspieler untereinander wussten es aber nicht, sie mussten spontan aufeinander reagieren, wie im echten Leben ja auch.

Frage: Hat sich die Geschichte beim Drehen weit davon entfernt, was du in deiner Vorlage geschrieben hattest?

Lars Kraume: Die äußere Handlung ist genau gleich. Aber was die Figuren angeht, wie kompliziert so eine Dreiecksgeschichte dann letztlich ist, wie viele Missverständnisse es in Gesprächen gibt, wie viele Widersprüchlichkeiten in den Charakteren – das ist viel genauer und wahrer geworden als jedes Drehbuch, das ich hätte schreiben können. Auch in meinem Drehbuch verlässt Ellen in Hannoversch- Münden die Tour und fährt zurück nach Berlin, aber sie tut es aus einer viel geradlinigeren psychologischen Motivation heraus - wie es im Leben halt eben nicht ist.

Frage: Hattest du ein Happy End vorgesehen?

Lars Kraume: Nee, ich hatte ein offenes Ende vorgesehen.

Frage: Warst du dann selbst überrascht davon, wie dein Film jetzt endet?

Lars Kraume: Ich war schockiert, als wir den Schluss gedreht haben. Das war auch die einzige Szene, bei der ich die Schauspieler darum gebeten habe, sie zu wiederholen, und zwar anders.

Frage: Und?

Lars Kraume: Die Szene ist beim zweiten Mal genauso hart geworden. Die waren nicht bereit, sich auch nur einen Zentimeter zu bewegen. Der Film hat sich beim Drehen selbst geschrieben, er hat seine eigenen Wahrheiten, seine eigene innere Logik entwickelt, da kam ich als Regisseur nicht gegen an, und das ist ja auch das Spannende.

Frage: Inwieweit war das Ganze denn überhaupt steuerbar?

Lars Kraume: Die äußeren Bedingungen waren natürlich durch die Situation der Konzert-Tournee, die ja real stattfand, immer vorgegeben, also Städte, Clubs, Fahrten im Tourbus. Und ich habe Nebenrollen mit Schauspielern besetzt, was die Hauptdarsteller aber nicht wussten. Es gibt zum Beispiel eine Szene, da treffen sie einen alten Seemann in einer Kneipe, der von seinem traurigen Leben erzählt, von seiner großen Liebe und wie sie ihm verloren ging. Heike, Florian und Jürgen dachten, der wäre echt.

Frage: In dieser Szene reagieren alle sehr emotional. Heike Makatsch verlässt weinend den Raum. Das sind also echte Reaktionen?

Lars Kraume: Das sind echte Reaktionen, aber natürlich sind das auch immer Reaktionen der Figuren, die Heike, Florian und Jürgen spielen, das darf man nicht vergessen. Heike weint als Ellen. Als Ellen reagiert sie auf das Leben um sie herum, von dem sie annimmt, dass es echt ist, was es aber nicht immer ist.

Frage: Ihr habt fast rund um die Uhr gedreht, sagst du – wie viel Material hattet ihr am Ende?

Lars Kraume: 150 Stunden. Und nichts davon doppelt. 150 Stunden durchgehendes, unikates Material. Die Cutterin Barbara Gies und ich waren sieben Monate im Schneideraum, der fertige Film ist jetzt 100 Minuten lang.

Frage: Was an dieser Arbeit hat für dich als Regisseur den größten Reiz ausgemacht?

Lars Kraume: Normalerweise beinhaltet Filmemachen immer eine Hierarchie, der Regisseur sagt an, was zu tun ist. Hier ging es darum, die Autorität abzugeben, dem Film ein Eigenleben zu geben und den Schauspielern Eigenverantwortung und, innerhalb des festgesteckten Rahmens, so viel Handlungsfreiheit wie möglich. Ich war da eher wie ein Therapeut, zu dem die Schauspieler gehen konnten, wenn sie unglücklich waren.

Und dadurch, dass ich das für alle drei war, hatte ich einen Wissens-Vorsprung. Ich wusste, wann der Punkt erreicht war, dass Tobias keine Lust mehr hatte, mit Ellen zu reisen. Und ich wusste auch, dass Ellen aber noch nicht abfahren wollte, weil sie noch keine Gelegenheit gehabt hatte, mit Markus zu reden.Ich wusste also, wann es wo eine spannende Szene geben würde und dass ich da besser Kameras dabei haben sollte – wie sie dann aber genau ablaufen würde, das hatte ich nicht in der Hand.

Frage: Wie kam es zu der Zusammenarbeit mit dem Hamburger Plattenlabel Grand Hotel Van Cleef?

Lars Kraume: Die machen Musik, die Jürgen und ich auch privat hören. Tomte, Kettcar, das sind einfach die tollsten Bands. Und dann haben wir die gefragt, und die hatten Lust auf das Projekt.

Frage: Haben die Musiker die Songs mit Jürgen Vogel zusammen geschrieben?

Lars Kraume: Er war an der Entwicklung beteiligt, geschrieben haben sie die Musiker. Wir haben das Thema des Films vorgegeben und die Biographie von Markus Hansen. Und dann haben wir den Musikern gesagt, so, das ist der Singer/Songwriter der HANSEN BAND, aus dessen Geist müsst ihr zehn Songs schreiben, die um die Themen Liebe, Verrat, Vertrauen, Geheimnisse kreisen. So sind dann Stücke wie „Keine Lieder über Liebe“ oder „Baby Melancholie“ entstanden.

Frage: Und das ging gleich gut – Jürgen Vogel und die Band?

Lars Kraume: Die haben sich schon erstmal beschnuppern müssen – da prallen ja Welten aufeinander, aber sie haben sich gut zusammengerauft. Es gibt diese lustige Geschichte, dass Jürgen am Anfang immer bei den rockigeren Stücken springen wollte und auf der Bühne rumgehüpft ist, und Thees Uhlmann dann irgendwann zu ihm sagte, wenn du noch einmal springst, trete ich dir von hinten in die Beine. So hat er die hohe Kunst der Hamburger Schule gelernt.

Frage: Hast du vor, in Zukunft öfter so frei zu arbeiten wie in „Keine Lieder über Liebe“?

Lars Kraume: Ja, absolut. Ich habe das Gefühl, wahnsinnig dafür belohnt worden zu sein, dass ich den Leuten so viel Freiraum gegeben habe. Für mich ist das mein bester und wichtigster Film bisher, und ich will unbedingt versuchen, da für weitere Projekte viel von mitzunehmen, auch an Arbeitsvorgängen. Ich glaube, es lohnt sich, Schauspielern den Raum zu geben, ihre Figuren mit zu entwickeln und Geschichten zu erzählen, die versuchen, der Komplexität des Lebens zumindest ansatzweise nahe zukommen. (DJFL)


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