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Interview mit Laurent Bénégui: Hippolytes Fest

Laurent Bénégui über den Film "Hippolytes Fest" Frage: "Hippolytes Fest" ist die Verfilmung ihres eigenen Romans. Sie sind also gleichzeitig Schriftsteller und Filmemacher? Laurent Bénégui: Ich ...

Interview mit Laurent Bénégui


Laurent Bénégui über den Film "Hippolytes Fest"

Frage: "Hippolytes Fest" ist die Verfilmung ihres eigenen Romans. Sie sind also gleichzeitig Schriftsteller und Filmemacher?

Laurent Bénégui: Ich habe zwei parallele Aktivitäten, wobei das Filmemachen gleichzeitig das Drehbuchschreiben, die Regie und einen Teil der Produktion beinhaltet. Eigentlich bin ich ja Arzt, das heißt: Ich habe mein Medizinstudium beendet und habe dann, als ich innerhalb von zwei Wochen eine Vertretung annehmen sollte, alles an den Nagel gahängt und mit dem Schreiben begonnen. Damals waren alle meine Freunde mit Kurzfilmen beschäftigt und amüsierten sich unheimlich dabei. Ich war in dem Medizinerberuf nicht glücklich, wußte aber noch nicht, ob ich Romane schreiben oder Filme machen wollte.

Zuerst habe ich Hörspiele geschrieben, dann einen ersten Roman. Kurzfilmdrehbücher folgten, ebenso wie die Mitarbeit an Scripts für abendfüllende Filme, von denen einige gar nicht gedreht wurden - wie beispiesweise André Téchinés "Le bruit de la terre qui tremble". Mich frustrierte das ziemlich, ich spürte aber trotzdem keinerlei Ambitionen zur Regie. Bis ich eines Tages erkannte, dass in dieser Frustration tatsächlich die Lust lag, mich in die Regie zu stürzen, das Schreiben aber nicht aufzugeben. Kino ist Abenteuer vom Leben, und das mag ich. Mein größtes kreatives Vergnügen aber bleibt das Romanschreiben. Doch mit dem Film habe ich angenehme Abwechslung von der Einsamkeit des Schriftstellers entdeckt. Einen Film machen ist eine sehr intensive Zeit im Leben: das Leben mit hundert Personen sozusagen Tag und Nacht ein ganzes Jahr lang.

Frage: Mit dem Schreiben des Romans "Hippolytes Fest (Au Petit Marguery)" haben Sie schon vor Ihrer ersten Filmregie mit "Un type bien" begonnen.

Laurent Bénégui: Ja, ich hatte ungefähr die Hälfte fertig, als ich "Un type bien" machte, einen Film, der sich sehr schnell drehen ließ. Ich habe nie eine Filmschule besucht. Am ersten Tag wußte ich am Drehort wirklich nicht, wie man einen Film macht. Und eigentlich bin ich auch heute noch der Meinung, wenn einer ahnungslos sein darf, dann ist es der Regisseur. Er muss nur ausdrücken könnnen, was er sehen möchte auf der Leinwand, und dann gibt es andere am Set, die da sind, diese Vorstellungen zu übersetzen und zu gestalten. Ich habe Inszenieren beim Inszenieren gelernt. Uns als ich "Un type bien" beendet hatte, habe ich weiter am Roman "Hippolytes Fest" geschrieben.

Frage: Sie haben den Roman beendet zu einem Zeitpunkt, als der Film einen immer größeren Platz in Ihrem Leben einzunehmen begann. Hat dieser Tatbestand etwas verändert?

Laurent Bénégui: Nein. Ich hatte mir allerdings geschworen, "Hippolytes Fest" nicht zu verfilmen. Ich fand den Roman unverfilmbar und hatte außerdem keine Lust, mich nochmals mit etwas zu beschäftigen, mit dem ich schon zwei Jahre meines Lebens verbracht hatte. Aber dann hat mein Verleger das Buch zwei oder drei Regisseuren zum Lesen gegeben, Freunde, mit denen ich arbeite, haben mir versichert, dass der Stoff einen guten Film ergeben könne. Schließlich wuchs mein Interesse, und letztendlich motivierte mich eine Wette: Jeder riet mir ab, ein Essen, noch dazu in einem geschlossenen Raum, mit fünfzehn Personen zu filmen. Nichts ist langweiliger, nichts ist schwieriger, doch das Abenteuer reizte mich, mit den Schauspielern wie mit einer Theatergruppe zu leben. In der Arbeit wetteiferten der Regisseur und der Erzähler Bénégui miteinander: Ich konnte jetzt viel weiter gehen als im Roman. Jetzt erst begriff ich, dass ich das Buch für meine Eltern geschrieben hatte, für die ich nun auch ganz bewußt den Film machte. Das Drehbuch, in dem es keine Szene außerhalb des Restaurants mehr gibt, konzentriert sich konsequent auf das Wesentliche.

Frage: Also ist die Geschichte autobiographisch?

Laurent Bénégui: Zum großen Teil. Meine Eltern hatten tatsächlich ein Restaurant namens "Au Petit Marguery" in der Avenue Trudaine. Meinem Vater ist das passiert, was im Film auch erzählt wird - und am letzten Abend vor der Schließung haben alle meine Freunde aus der Kinderzeit beschlossen, dass man sich zu einem letztem Essen in dem Lokal trifft. Das Essen damals war nicht so emotionsgeladen wie im Film. Es war ein Essen wie sonst, weil wir uns auch vorher öfter zum Essen dort getroffen haben. Erst im nachhinein habe ich es stark symbolisch empfunden. Die Übertragung in die Fiktion hat den Inhalt einerseits sehr nah an die wirklichen Ereignisse herangebracht, andererseits sind Details entstanden, die nichts mit dem Vergangenen zu tun haben. Die kleine Geschichte, die jede Person hat, ist nicht mehr dieselbe, einige Fakten sind stärker dramasiert. Der Film sollte sich nicht ausschließlich an meine Freunde und meine Familie richten, sondern auch ein möglichst großes Publikum interessieren.

Frage: Haben Ihre Eltern den Film gesehen?

Laurent Bénégui: Sie waren bei den Dreharbeiten dabei. Wir brauchten einen Berater für das Kochen und die Küche, und ich fragte mich, warum das jemand anderer machen sollte als mein Vater. Also ließ ich meine Eltern zurückkommen nach Paris und habe sie an den Herd gestellt. Alles wurde im Studio gedreht, und wir haben direkt neben dem Set eine richtige professionelle Küche eingerichtet, wo mein Vater alle Gerichte zubereitet hat, die im Film zu sehen sind. Alle diese Gerichte hatte er auch in seinem eigenen Restaurant serviert. Meine Mutter half ihm dabei.

Es war rührend, weil sie manchmal auf den Set kamen und Michel Aumont und Stéphane Audran sahen, wie sie Szenen spielten, die sie selbst erlebt hatten. Ich erinnere mich, meine Vater war beim Drehen, als Stéphane Audran von Hippolytes Krebskrankheit erzählt - ich glaube nicht, dass mein Vater besonders berührt war, aber die Schauspieler haben ihn gesehen, und einer unter ihnen brach in Tränen aus. Ich finde es einfach schön, meine Eltern ein bißchen an meinem Leben teilhaben zu lassen, sie hatten keine Ahnung vom Film und haben jetzt einen Einblick bekommen in meinen Beruf und was er bedeutet.

Frage: Finden Sie es, wie Barnabé in Ihrem Film, schwierig, über den eigenen Vater zu schreiben?

Laurent Bénégui: Es ist keine Seltenheit, dass man sich mit seinen Eltern nur schwer verständigen kann. Wahrscheinlich geht der Film viel weiter als das, was ich gefühlt habe. Und es gab wirklich eine Zeit des Unverständnisses: Als ich mein Medizinstudium hinschmiß, waren meine Eltern schockiert. Ich hatte nie irgendwelche künstlerische Ambitionen gezeigt, und von einem Tag auf den anderen eröffnete ich ihnen, dass ich schreiben werde. Bis dahin hatte ich in meinem Leben nicht mehr als zehn Zeilen schreiben müssen!

Frage: Könnte man sagen, dass es ein Suspense-Moment gibt um Hippolytes Krankheit?

Laurent Bénégui: Ich glaube, die Krankheit wird wie eine Überraschung eingesetzt. Wenn es einen Suspense gibt, dann um den Anlaß für die Schließung des Restaurants. Und wenn der Film Emotionen berührt, dann deshalb, weil das Lokal geschlossen wird, nicht weil der Vater krank ist. Ich habe mich oft gefragt, warum diese Krebs-Geschichte mich interessierte. Nicht weil es eine Idee vom Tod ist, sondern weil ihm die Krankheit den Geruchsinn zerstört und ihm damit das Kochen unmöglich macht. Für mich ist Kochen eine Kunst, und der Film erzählt von einem Künstler, dem man sein Ausdrucksmittel nimmt.

Frage: Haben Sie keinen einzigen Augenblick gedacht, Sie könnten die Wette um die Regie - die ganze Handlung in einem geschlossenen Raum, ein langes Abendessen und eine Fülle von Darstellern - vielleicht doch nicht halten?

Laurent Bénégui: Nein! Aber um mich herum waren alle überzeugt, ich würde die Wette verlieren. Aber ich habe von dem Roman profitiert, denn dort hatte ich ja bereits 400 Seiten über ein einziges Abendessen geschrieben! Vielleicht hatte ich schon unbewußt darüber nachgedacht, wie ich da am besten rauskomme. Der Vorteil des Romans ist, dass man jeden einzelnen sehen kann, aber auch der Rhythmus der Handlung, durch den man die Aufmerksamkeit halten kann.

Frage: Die Küchenszenen sind als Kontrapunkt zu den Essens-Szenen inszeniert?

Laurent Bénégui: Sie sind schon im Roman und eigentlich ganz intuitiv entstanden. Ich wollte zwischen Küche und Speisesaal hin- und herschalten und auf möglichst überzeugende Weise das Funktionieren eines Restaurants, aber auch Hippolyte bei der Ausübung seines Berufs zeigen. Die Szenen in der Küche sollten vor allem schnell sein, und die Kamera folgt den Personen in ihren Bewegungen. Man spürt genau, dass Hippolyte sich nicht den Emotionen überläßt und dass alles gut ist, wenn es dazu dient, nicht in Tränen auszubrechen, auch die Hyperaktivität. Diese leicht mürrische Seite an ihm ist natürlich Fassade, aber mich faszinieren Menschen, die nie eine einzige Emotion ausdrücken können.

Frage: Wenn der Film autobiographisch ist, ist es dann so zu verstehen, dass die meisten Personen durch Ihre Freunde inspiriert sind?

Laurent Bénégui: Ich habe Monstren konstruiert, gewisse Charakterzüge gemischt. Es war eine riesige Arbeit, die Personen vom Roman in das Drehbuch und dann den Film umzusetzen. Zwischen Script und dem ersten Drehtag liegen zeieinhalb Jahre, und in dieser Zeit haben sich die Personen so verändert, dass heute keiner, der den letzten Restaurant-Abend wirklich erlebt hat, mehr sagen kann, wer wer ist. Aber jeder spürt, dass von jedem ein bißchen überall ist.

Herzlichen Dank für das ausführliche Gespräch! (DJFL)


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