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Interview mit Marcello Mastroianni: Erklärt Pereira

Marcello Mastroianni, Darsteller in dem Film Erklärt Pereira Marcello erklärt, Tabucchi vor einem Jahrzehnt kennengelernt zu haben: "Ich suchte ihn in Pisa auf, denn ich hatte seine Erzählungen ...

Interview mit Marcello Mastroianni


Marcello Mastroianni, Darsteller in dem Film Erklärt Pereira

Marcello erklärt, Tabucchi vor einem Jahrzehnt kennengelernt zu haben: "Ich suchte ihn in Pisa auf, denn ich hatte seine Erzählungen gelesen und war von seinen so melancholischen Figuren fasziniert. Ich dachte, man könnte aus einer dieser Figuren einen Film machen, aber es wurde nichts daraus. Offensichtlich war der Moment noch nicht gekommen."

Marcellos Theorie ist - so erklärt er zumindest - dass es im Leben nichts bringt, den Ablauf der Ereignisse in eine andere Richtung zwingen zu wollen: "So leicht, wie ich mich in ein neues, vor allen filmisches Abenteuer stürze, so ruhig ertrage ich fehlgeschlagene Verabredungen mit dem Schicksal."

Frage: Tabucchi, oder besser sein letzter Roman, kam erst zehn Jahre später. Folgt man dem Gedankengang Mastroiannis, so ist "Erklärt Pereira" genau zum richtigen Zeitpunkt gekommen. Wie könnte man sonst die Liebe auf den ersten Blick verstehen, zwischen dem sanften Pereira und dem faulen Marcello? Sie rinnen ineinander wie zwei Wassertropfen.

Marcello Mastroianni: Sehen Sie, ich habe den Roman gelesen und sehr geliebt. Aber diese Geschichte, dass Pereira und ich uns ähneln, hat weder Hand noch Fuß. Ich bin nicht Pereira. Oder besser, ich bin Pereira, wie ich Hamlet oder Heinrich IV. sein könnte. Wahr ist, dass wir Schauspieler zu jeder Gemeinheit bereit sind, um eine Rolle zu spielen und den Regisseur oder Produzenten davon zu überzeugen, dass wir die Idealbesetzung sind. Doch ich gestehe, Pereira als Figur hat mich verführt: ein so ergreifender Mensch hat in mir Bewunderung und Sympathie erweckt. Und dann sagte ich mir: guck mal, dieser Pereira, so voraussehbar in seinen Tagesrhythmen, mit seinen Omelettes, seinen Übersetzungen französischer Klassiker für die Zeitung und den Gesprächen mit dem Fota seiner verstorbenen Frau, ist ein Mensch, der den Mut hat, von einem bestimmten Punkt an sein Leben radikal zu ändern. Und da habe ich gedacht: Marcello, wie weit entfernt bist du von der Würde Pereiras, du hast die Siebzig überschritten und machst den Schauspieler weiter, weil du nichts anderes kannst.

Frage: Was machen Sie, Mastroianni - ist das eine öffentliche Beichte?

Marcello Mastroianni: Ach nein! Ich sage nur, dass der Kleinbürger Pereira in Wirklichkeit auf seine Weise ein stiller Held ist. Der Schauspieler dagegen glaubt, ein Held zu sein, in Wirklichkeit ist er ein Kleinbürger. Nur die Rolle verleiht uns Leben und Farbe. Wir sind Verwandlungskünstler, heute bin ich Pereira, morgen - wer weiß? Ehrlich, wir sind große Lügner. Das ist eine Gabe, und das ist auch unsere Grenze. Wir werden nie reif, wir bleiben in ewiger Kindheit stecken.

Frage: Wie fühlten Sie sich, als Sie Pereira interpretiert haben?

Marcello Mastroianni: Ich bin sowas wie ein alter Fuchs, der sein Metier kennt, und ich habe in diesem Film von Faenza auf einfache Art gespielt. Die Gestalt Pereiras hat mir geholfen, denn er lebt, hat Seele. Er ist ein kultiverter, ein anständiger Mann. Marcello, habe ich mir gesagt, Pereiras gibt es heute nicht mehr. Wo du hinsiehst, eine Lawine von Arroganz und Selbstbezogenheit.

Frage: Woran denken Sie?

Marcello Mastroianni: An die Schäde, die das Fernsehen angerichtet hat. Ich denke an die hemmungslose Lust, die alle ansteckt, sich zur Schau zu stellen: Minister, Wissenschaftler und einfache Leute. Die haben uns unseren Beruf geklaut.

Frage: Pereira ist Journalist, und meine Frage bezieht sich auf diesen Beruf. Fühlen Sie sich gut vertreten von der italienischen Presse?

Marcello Mastroianni: Als Schauspieler ja, als Staatsbürger würde ich das bezweifeln. Zuviel politisches Geschwättz, zuviel Raum für Mode. Das Fernsehen, die Dummheit greifen um sich. Nimmst die eine italienische Zeitugn in die Hand, scheint sie dir voller Nachrichten zu stecken. Liest du sie dann eine Weile, merkst du, wie sie jenen vorgeblich Reichen ähneln, die besonders Rom bevölkern. Mein Gott, ich weiß, dass ich mich als letzter beschweren sollte. Im Grunde habe ich zu Journalisten ein guter Verhältnis. Aber mit dem Alter neige ich zu denselben Fehlern wie meine Mutter: ein ständiges Lamentieren über alles und jeden.

Frage: Was denken Sie über das Alter?

Marcello Mastroianni: Man glaubt, weise zu werden. Stattdessen wird man nur müde.

Frage: "Erklärt Pereira" ist auch ein Roman über den Tod. Die Hauptperson hofiert ihn: Leidenschaft für Nachrufe, Zwiegespräche mit der verblichen Frau, Interesse für einen jungen Mann, der seine Diplomarbeit diesem Thema widmet. Wie haben Sie darauf reagiert?

Marcello Mastroianni: Vor dreißig Jahren hätte ich gesagt: Ich will nicht im Rollstuhl verblödet alt werden. Heute sage ich mir: besser verblödet als tot. Ich gehöre zu denen, die sich nicht schämen, den lieben Gott um einigen Aufschub zu bitten. Was Pereira angeht, er redet, als sei er von Tod fasziniert. Aber ich hatte nicht den Eindruck, er sei bereit, zu sterben. Den Tod, den er mag, ist der der anderen. Er hat ein seltsames, morbides Vorbild zu dem Tod: ein klassifizierendes. Er legt Zettelkästen an über das Jenseits. Aus dem Tod hat er einen Beruf gemacht. Im Grunde ist die Außenredaktion, in der er arbeitet, sein Grab. Aber warum sind wir jetzt so düster geworden?

Frage: Dann reden wir von Frauen. Pereira hat keinen Umgang mit ihnen. Er lebt jenseits aller Erotik.

Marcello Mastroianni: Pereira ist ein geschlechtsloses Wesen. Aber es stimmt nicht, dass er keine erotische Impulse empfindet. Er erlebt sie duch verstorbene Schriftsteller. Seine Leidenschaft sind Nachrufe. Ich habe mich auch gefragt, warum Tabucchi eine Figur mit solchen leicht trübsinnigen Eigenschaften gezeichnet hat. Ich würde antworten, dass diese Stimmung sehr geeignet ist, die dramatische und doch schmerzlose Atmosphäre des Jahres 1938 auszudrücken, jenes Jahres, in dem sich in Lissabon Geschichte ereignete. Die Vertrautheit Pereiras mit dem Tod kündigt einen allgemeineren Tod an, den eins Landes, das in der Diktatur, in Konformismus und in den Erschütterungen steckengeblieben ist, die kurz danach Europa in den Krieg stürzen werden. Der Tod ist eben das, wovon Pereira sich entfernt, als er sich entscheidet, sein Leben zu bereuen und sich zu ändern. Es ist kein Zufall, wenn Pereira in den letzten Szenen des Films wie verjüngt wirkt.

Frage: Sie erwähnen Lissabon, wo die Geschichte spielt. Was haben Sie für diese Stadt empfunden?

Marcello Mastroianni: Während der Dreharbeiten hatte ich den Eindruck, in einem Italien wie vor vierzig Jahren zu sein. Aus seltsama Weise erinnert Lissabon an Genua oder an einige Stätten unseres Südens. Es gibt dieses berührende Licht, diese atlantische Brise, die dich umweht, und es gibt den Stockfisch, der bei uns fast verschwunden ist. Dennoch habe ich Angst, dass die Stadt mehr und mehr an Wert verliert. Sie ist Mode geworden. Ich bin mit Tabucchi einer Meinung, wenn er sagt, Oslo sei vielleicht besser.

Frage: Tabucchi, Lissabon und selbsverständlich Pessoa. Haben Sie ihn gelesen?

Marcello Mastroianni: Nein, habe ich nicht. Von Pessoa habe ich nur das äußere Bild von mir: den kleinen Schnurrbart, den Hut und die Brille. Aus Ignoranz, aus Faulheit und auf Methode bin ich kein Schauspieler, der recherchiert. Die Rollen, die ich spiele, muss ich erfühlen.

Frage: Und was haben Sie bei Pereira gefühlt?

Marcello Mastroianni: Ich habe den Sinn der Langsamkeit verstanden. Das Verhältnis Pereiras zur Welt wird von der Langsamkeit bestimmt. Sein dicker Leib atmet den sanften Rhythmus des Lebens. Ja, das Buch Tabucchis ist ein großer Lob der Langsamkeit, und das scheint mir eine schöne Lehre in einer Welt, die Geschwindigkeit zu ihrem Mythos gemacht hat. (DJFL)


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