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Interview mit Mathilde Seigner: Eine Schwalbe macht den Sommer

Gespräch mit Mathilde Seigner, der Hauptdarstellerin des Films Eine Schwalbe macht den Sommer Frage: Christian Carion und Christophe Rossignon erzählen, dass Sie ganz erpicht darauf waren, in ...

Interview mit Mathilde Seigner


Gespräch mit Mathilde Seigner, der Hauptdarstellerin des Films Eine Schwalbe macht den Sommer

Frage: Christian Carion und Christophe Rossignon erzählen, dass Sie ganz erpicht darauf waren, in diesem Film mitzuspielen. Warum?

Mathilde Seigner: Genau wie bei "Harry meint es gut mit Dir" hatte ich den Eindruck, dass diese Figur nur für mich erfunden wurde, auch wenn das natürlich überhaupt nicht der Fall ist. Abgesehen davon hatte ich einfach Lust, eine Bäuerin zu spielen und in einem Film mitzuwirken, der von einfachen Leuten handelt. Und dann war da ja noch Michel Serrault ... Es kommt nicht oft vor, dass man sich von einem Drehbuch so angesprochen fühlt, mir ist da erst viermal passiert, bei "Rosine", dann bei "Schöne Venus" und bei "Harry meint es gut mit Dir", und jetzt bei Eine Schwalbe macht den Sommer.

Frage: Was wussten Sie vor den Dreharbeiten von der Landwirtschaft?

Mathilde Seigner: Ich bin zwar in Paris aufgewachsen, habe aber doch auch viel Zeit auf dem Land zugebracht. Ich habe das Land immer geliebt und mich dort wohl gefühlt; außerdem liebe ich Tiere und habe auf Bauernhöfen als Reitlehrerin gearbeitet. Eines Tages möchte ich selbst Pferde züchten. Die Lust aufs Land zu ziehen und Pferde zu züchten hat sich durch diesen Film noch verstärkt. Auch wenn ich vorher nie bei der Schlachtung eines Schweins dabei war und auch nie erlebt habe, wie eine Ziege ein Junges wirft, war mir die Welt der Landwirtschaft doch sehr vertraut.

Frage: Eine Schwalbe macht den Sommer ist Christian Carions erster Spielfilm. Warum haben Sie ihm vertraut?

Mathilde Seigner: Wenn man sich auf einen Erstlingsfilm einlässt, dann gibt es nichts, woran man die Qualität des Regisseurs tatsächlich ermessen könnte. Für mich war daher nur wichtig, dass der Film ihm selbst eine Herzensangelegenheit war. In 99% der Fälle kann man dann davon ausgehen, dass es kein Fehlschlag wird. Christian Carion hatte wie Dominik Moll ein Anliegen, das unbedingt raus musste. Und wenn einem etwas wirklich am Herzen liegt, dann kann man gar nichts falsch machen. Ich finde, dass dieser Film voll und ganz gelungen ist. Im Grunde übertrifft er sogar noch meine Erwartungen, denn er ist noch besser als seine Geschichte.

Frage: Der Film eröffnet den Blick auf das bäuerliche Milieu, darüberhinaus geht es aber auch um Einsamkeit ...

Mathilde Seigner: Ja, der Film handelt von der Begegnung zwischen zwei einsamen Menschen, wobei weder Sandrine noch Adrien besonders viel am Umgang mit anderen Leuten liegt. Im Grunde genommen glaube ich aber, dass er sie von Anfang an bewundert und dass auch sie ihn sehr bald wie einen Vater zu lieben beginnt.

Frage: Wie würden Sie Sandrine Dumez beschreiben?

Mathilde Seigner: Sie ist eine junge Frau so um die dreißig. Eine moderne Frau, die alles hinwirft, um etwas Neues zu beginnen. Sie hat die Nase voll von Paris und zieht einfach los, um irgendwo Gemüse zu pflanzen. Sie geht bis ans Ende ihrer Träume und beginnt ein neues Leben. Die Vorstellung, einfach woandershin zu gehen, trifft den Nerv unserer Zeit, das taucht auch immer wieder in den Zeitungen auf. Sandrine braucht Luft und will etwas anderes sehen, und sie hat den Mut, das auch zu tun. Das kann ich gut nachvollziehen, ich habe oft Lust, meinen Beruf an den Nagel zu hängen und einfach Richtung Sonne loszuziehen. Im Gegensatz zu ihr denke ich an so etwas, glaube aber, dass ich nicht den Mut hätte, es tatsächlich zu tun.

Frage: Haben Sie daran gezweifelt, in der Rolle einer Farmerin glaubhaft sein zu können?

Mathilde Seigner: Überhaupt nicht. Ich stelle mir nie solche Fragen. In Filmen habe ich die verschiedensten Berufe, ich war schon Kosmetikerin, Rechtsanwältin, Wetteransagerin, Pornostar, Fabrikarbeiterin ... Die Rollen die ich in "Schöne Venus", Belle Maman", "Harry meint es gut mit Dir", "Le Bleu Des Villes" und "Rosine" spielte, haben überhaupt nichts miteinander zu tun. Warum sollte ich als Farmerin weniger glaubhaft sein, als als Kosmetikerin!

Frage: Inwieweit war dieser Film eine besondere Erfahrung für Sie?

Mathilde Seigner: Dieser Film war ein phantastisches Abenteuer. Als wir am Schauplatz angekommen waren, vergaß ich fast, dass wir wegen eines Films hier waren. Ich hatte eher den Eindruck, als würde ich mein Leben leben und nicht irgendeine Rolle spielen. Natürlich waren die ganze Ausstattung und das technische Equipment nicht zu übersehen, doch alles in allem kam es mir eher so vor, als gingen mich eigentlich nur meine Ziegenherde und mein Traktor etwas an. Und was Michel Serrault anbelangt, der war für mich ganz und gar Adrien. Heute habe ich das Gefühl, dass ich in einer Phase meines Lebens tatsächlich Farmerin war, und nicht nur in einem Film! Außerdem habe ich so aussergewöhnliche Dinge wie die Geburt eines Zickleins erlebt ...

Frage: Wie wurde diese Szene gedreht?

Mathilde Seigner: Der Regieassistent hatte den Auftrag mir bescheid sagen, wenn es soweit ist. Da die Ziege große Schmerzen hatte und erst ihr erstes Junges zur Welt brachte, war mir die Kamera völlig egal. Meine Aufgabe bestand einzig und allein darin, "Hebamme" zu sein. Man hatte mir überhaupt nichts erklärt, da ich grundsätzlich lieber meinem Instinkt folge als irgendwelchen Anweisungen. Ich möchte meine Rollen nicht studieren, ich möchte sie leben. Ich habe also nach dem Zicklein getastet, es an den Pfoten gepackt und herausgezogen. Die lebende Ziege wurde dann durch eine tote ersetzt, die vor Monaten eingefroren wurde.

Die Szene, in der das Schwein geschlachtet wird haben wir noch am selben Tag gedreht. Das war weniger angenehm, weil das Tiere sind, die laut schreien, und überall war Blut ... Am Ende dieses Tages war ich völlig ausgelaugt. Eigentlich wollte ich diese Szene nicht spielen, aber Christian legte großen Wert darauf. Heute verstehe ich warum, denn von diesem Moment an glaubt man wirklich, dass Sandrine es schaffen wird. Das ist der Moment der Bewusstwerdung, und er vollzieht sich auf sehr gewaltsame Art, ist aber sowohl für den Film wie für die Hauptfigur unverzichtbar. Landwirtschaft bedeutet eben nicht nur Ziegenkäse herstellen, die Gewalt gehört zum Geschäft.

Frage: Mit Michel Serrault zusammenzuarbeiten, ging damit ein Traum in Erfüllung?

Mathilde Seigner: Auf alle Fälle! Ich glaube, Michel Serrault ist ein echtes Genie. Er ist einer der letzten großen Schauspieler in Frankreich. Als ich ein kleines Mädchen war, träumte ich davon, einmal mit Jean Gabin, Lino Ventura, Simone Signoret oder Romy Schneider zusammenzuspielen. Nun, für sie ist es bereits zu spät, aber es bleiben eben noch Michel Serrault, oder auch Catherine Deneuve. Michel Serrault ist ein Verrückter, der vor der Kamera jedoch sehr nüchtern zu Werke geht.

Frage: Haben Sie und Michel Serrault so viel Zeit wie die Filmfiguren benötigt, um Zutrauen zueinander zu finden?

Mathilde Seigner: Nein, das ging sehr schnell. Ich habe mit mir nicht alles machen lassen und das hat ihm wohl gefallen. Michel mag nicht allzu viele Leute und ist mir darin ähnlich. Im Grunde habe ich fast den Eindruck, seiner Generation anzugehören. Ich hatte mich darauf eingestellt, dass ich es mit einer außergewöhnlichen Persönlichkeit zu tun bekommen würde. Von seinen Filmen her wusste ich, dass er als Schauspieler über die Fähigkeit verfügt, scheinbar mühelos vom aberwitzigsten Blödsinn zu unglaublich bewegenden Momenten zu wechseln. Er gehört zu den wenigen Schauspielern, die imstande sind, einen innerhalb von zwei Sekunden zum Weinen zu bringen, und Christian hat sich das zunutze gemacht. Ich glaube, so wie in Eine Schwalbe macht den Sommer hat man Michel Serrault schon seit "Garde À Vue" und "Nelly & Monsieur Arnaud" nicht mehr gesehen: Das ist eine dieser Konfrontationen, die man nicht so schnell vergisst.

Beim Drehen brauchten wir nur sehr wenig Wiederholungen weil mit ihm alles wie von selbst lief. Ich hatte mir zwar ein wenig Sorgen gemacht, dass mich seine Anwesenheit verlegen machen würde, hatte dann aber schnell das Gefühl, als würde ich ihn schon seit fünfzehn Jahren kennen. Ich hatte keinerlei Furcht vor seinem Urteil.

Frage: Wie haben Sie die fünfmonatige Unterbrechung zugebracht?

Mathilde Seigner: Für mich war das sehr seltsam, denn ich stand in dieser Zeit für die Filme von Claude Miller und Yamina Benguigui vor der Kamera. Mir fehlte fast etwas. Wenn man aber fünf Monate lang pausiert, dann ereignen sich in dieser Zeit zwangsläufig andere Dinge. Das galt sowohl für mich wie auch für Michel, Christian und den Rest unseres Teams. Folglich sind wir schon nicht mehr ganz die gleichen gewesen, als wir uns wieder zusammenfanden. Ich glaube, der Film spiegelt das wider: Der Teil, der im Sommer spielt, unterscheidet sich deutlich von dem des Winters. Wir haben diesen Winter herbeigesehnt, ganz wie die Bauern.

Frage: Was bedeutet Ihnen dieser Film persönlich?

Mathilde Seigner: Ich spiele gern in riskanten Filmen wie "Harry meint es gut mit Dir" oder "Schöne Venus". Außerdem lasse ich mich gern von unbekannten Regisseuren engagieren, denen in der Regel keine große Unterstützung zuteil wird. Ich bewege mich ständig gegen den Strom. Ich bin wie Sandrine und folge bis ans Ende meiner Lust. (DJFL)


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