Sie befinden sich hier: Home - Interviews - W - Interview mit Michael Winterbottom: Wonderland

Fack Ju Göhte Fack Ju Göhte

Fack Ju Göhte

Auf sein vergrabenes Diebesgut wurde einfach eine verdammte Turnhalle gebaut. Der Ex-Knacki Zeki Müller ...
...jetzt mehr!

Interview mit Michael Winterbottom: Wonderland

"Mir gefiel dieser unvoreingenommene und doch so genaue Blick auf London." Michael Winterbottom führt Regie in dem britischen Film Wonderland. Frage: Was faszinierte sie an dem Drehbuch? ...

* 29. März 1961 in Blackburn, Lancashire, England, Regisseur, Produzent Nach seinem Sudium an der renommierten 'Universität von Oxford' und der Absolvierung mehrerer Aufbaustudiengänge im Bereich Film an der 'Universität Bristol' und an der 'Polytechnic Of Central London', ging Michael ... [komplette Biografie]

Interview mit Michael Winterbottom


"Mir gefiel dieser unvoreingenommene und doch so genaue Blick auf London."

Michael Winterbottom führt Regie in dem britischen Film Wonderland.

Frage: Was faszinierte sie an dem Drehbuch? Wonderland ist weniger ernst und finster als ihre anderen Filme, spielte dieser Aspekt bei Ihrem Entschluß, daraus einen Film zu machen, eine Rolle?

Michael Winterbottom: Was mich am Skript zuerst ansprach, war die Tatsache, dass darin ein Bild Londons gezeichnet war, das ich sehr gut kannte, bislang im Film aber noch nie dargestellt fand. Besonders gut gefiel mir das darin vorherrschende Gefühl der Rastlosigkeit, die Schilderung des alltäglichen Überlebenskampfes der Metropolenbewohner und, was mir fast noch wichtiger erschien, ihrer unentwegten, bisweilen verzweifelten, Suche nach dem kleinen Stück Glück. London kommt mir immer vor wie ein riesiges Meer, in dem Millionen Menschen umhertreiben, deren Lebensbahnen sich manchmal überschneiden, meistens aber nicht.

Dann reizte mich natürlich noch diese familiäre Thematik der Geschichte oder, besser gesagt, der Geschichten. Vor ein paar Jahren habe ich einmal einen Episodenfilm gemacht, der auf einer Vorlage von Roddy Doyle mit dem schlichten Titel FAMILY (1994) basierte. Jede dieser vier Episoden zeigte dieselbe Familie jeweils aus der Perspektive eines bzw. einer anderen Familienagehörigen. Ich fand das ziemlich spannend. Seitdem hatte ich den Plan, einen Film über eine Familie zu machen, deren Mitglieder alle ihre eigenen Wege gehen.

Die meisten Filme dieses Genres konzentrieren sich auf die Zeit, in der alle Angehörigen beisammen sind, weil sie beispielsweise im selben Haus wohnen oder zu einem bestimmten Anlaß zusammenfinden, sei es nun eine Hochzeit oder eine Beerdigung. Mein Interesse galt eher den familiären Beziehungen und Bindungen, den sogenannten "Familienbanden", zwischen Menschen, die sich nicht andauernd sehen. Das kommt meiner persönlichen Erfahrung von Familie sehr nahe und ich glaube, auch der vieler Leute in der heutigen Zeit.

Daneben gefiel mir das Erzählmuster des Buches, diese, ich nenne sie mal, Knüpftechnik, die die einzelnen Erzählstränge mal nebeneinander herlaufen und sie sich dann wieder verknoten läßt. Man findet nicht oft ein Skript, im dem so viele verschiedene Charaktere vorkommen, weil das filmisch nur sehr schwer umsetzbar ist. Aber ich denke, hier funktioniert es ganz ausgezeichnet, weil es nicht nur um eine große Stadt geht und um eine Familie, die in dieser Stadt verstreut ist, sondern auch um Individuen mit ihren Eigenheiten und Eigenartigkeiten. So läßt sich ziemlich locker von einem Charakter zum anderen und von einer Geschichte zur nächsten überwechseln, ohne dass der Gesammtzusammenhang völlig verloren geht. Man gewinnt eher den Eindruck, dass die verschiedenen Schicksale einander beleuchten und in gewisser Weise erklären.

Frage: Was sagt der Film über das Leben in London und was über das Leben im Allgemeinen aus? Könnte sich die Filmhandlung so auch in einer anderen Stadt als London zutragen?

Michael Winterbottom: Der Film spielt in einer sehr speziellen Gegend Londons, in einem Viertel im Süden der Stadt zwischen Vauxhall, Elephant & Castle, Brixton und Soho. Unser filmisches Konzept sah es dabei vor, alle Aufnahmen an realen Schauplätzen stattfinden zu lassen. Im Drehbuch heißt es beispielsweise, dass Nadia in einem Café in Soho arbeitet. Üblicherweise hätte man nun die entsprechenden Aufnahmen in irgendeinem Café irgendwo in der Stadt gemacht, wo die Bedingungen für den Dreh günstig gewesen wären.

Wir wollten es anders machen und suchten uns ein Etablissement aus, dass tatsächlich in dem genannten Stadtteil gelegen ist, nämlich in der Old Compton Street. Wir drehten nicht nur an realen Schauplätzen, sondern verzichteten auch auf den Einsatz von Statisten und richteten uns überdies an die tatsächlichen Öffnungszeiten der Lokale. Die Eröffnungsszene des Films spielt zum Beispiel in einer Piano Bar in Soho. Normalerweise hätte man für die Dreharbeiten dort den gesammten Laden übernommen, für eine bestimmte Zeit geschlossen, mit Statisten gefüllt und eine Nachtszene wahrscheinlich um zehn Uhr morgens aufgenommen.

Wir warteten, um die gewünschte Nachtatmosphäre einfangen zu können, wirklich bis spät in die Nacht, bis zu dem Zeitpunkt, wo die Leute bereits stark angetrunken waren und sich langsam anschickten, nach Hause aufzubrechen. Erst dann schalteten wir die Kameras an. Auf diese Weise spielt, um auf ihre Frage wieder zurückzukommen, die Spezifität der Schauplätze natürlich eine unglaublich wichtige Rolle. Aber ich glaube, je sorgfältiger und genauer ein Film mit seinen Handlungsorten und den dort anzutreffenden sozialen Millieus umgeht, desto besser wird er von den Leuten überall auf der Welt verstanden.

Frage: Aus welchem Grund beschlossen Sie, den Film mit einer sehr reduzierten Crew, mit Handkamera und bei natürlichen Lichtverhältnissen zu drehen?

Michael Winterbottom: Etwas, das mir an der Buchvorlage so gut gefiel, war dieser unvoreingenommene und dabei doch so genaue Blick auf London. Aber es ist nun eine Sache, ein Gefühl oder eine bestimmte Atmosphäre durch einen Text zu erzeugen, und eine ganz andere, dasselbe in bewegten Bildern zum Vorschein zu bringen. Unsere Methode erschien uns zu genau diesem Zweck die geeigneteste zu sein.

Die Tests, die wir im Vorfeld der Dreharbeiten an verschiedenen realen Schauplätzen vornahmen, bestätigten unseren methodischen Ansatz. Sobald wir beispielsweise zuviel künstliches Licht einsetzten, wurden sich die Leute unserer Anwesenheit zu sehr bewußt und verhielten sich verunsichert und selbst irgendwie künstlich. Aus dem gleichen Grund verwendeten wir kleine Radiomikrophone, die man kaum bemerkt, verzichteten auf die berühmte Filmklappe am Anfang der Szenen und waren nur mit zwei oder drei Leuten aus der Crew vor Ort.

All dies geschah in der Absicht, möglichst viel von der wirklichen Atmosphäre in der Stadt einzufangen, und nicht eine künstliche filmisch zu kreieren. Um ästhetische Brüche im Film zu vermeiden, setzen wir dieses Verfahren, das ursprünglich nur für die Aufnahmen an öffentlichen Plätzen gedacht war, auch in denjenigen Szenen fort, in denen ausnahmslos professionelle Darsteller in geschlossenen Sets agierten.

Frage: Waren Sie beeinflußt von den Regeln und Methoden, die einige dänische Filmemacher vor einiger Zeit in ihrem Manifest mit dem Titel "Dogme 95" festgelegt hatten?

Michael Winterbottom: Nein, nicht wirklich. Ich sah beide Dogma-Filme letzes Jahr in Cannes, weil ich dort in der Jury vertreten war, aber zu dieser Zeit befanden wir uns schon mitten in den Drehvorbereitungen. Wie ich bereits sagte, die eigentliche Motivation für die Art, wie wir gefilmt haben, bestand darin, einen authentischen Ausdruck für das Leben der dargestellten Charaktere zu finden. So etwas wie Dogma 95 finde ich insofern interessant, als es zum Nachdenken über filmische Konventionen anregt und Überlegungen in Gang setzt, auf welche Weise sich außerhalb dieser Konvertionen arbeiten läßt und warum dies auch wichtig sein könnte.

Für Wonderland stellte Lars von Triers Breaking the Waves (1996) sicherlich eine größere Inspirationsquelle dar als Idioten (1998). In ähnlicher Weise beeinflußten uns aber genausogut die 16 mm-Arbeiten von Mike Figgis oder etwa die Art, wie Cassavetes und Loach mit ihren Schauspielern umgehen. Ich denke, Dogma 95 ist durchaus sehr nützlich und wichtig als Polemik oder Provokation, aber nicht als Dogmatik.

Frage: Welchen Einfluß nahm diese Vorgehensweise - Handkamera, reduzierte Crew etc. - auf die Ezählweise des Films, den Fortgang der Dreharbeiten und schließlich auf das endgültige Resultat Ihrer Arbeit?

Michael Winterbottom: Ich könnte Ihnen da eine große Zahl von einzelnen Details aufzählen, die aus dieser Arbeitsweise resultierten, aber ich bin mir nicht sicher, ob gerade die Erzählweise dafür ein geeignetes Beispiel darstellt. Der Einfluß läßt sich, glaube ich, besser am Schnitt ablesen oder an der Art und Weise, wie die einzelnen Szenen aneinandergefügt sind. Wir hatten nach Beendigung der Dreharbeiten ca. 150 Stunden Bildmaterial zur Verfügung.

Es gab dabei von einer Szene keine zwei Versionen, die sich wirlich geglichen hätten. Anstatt aber nun ständig im Drehbuch nachzusehen, um danach genau die Takes herauszusuchen, die mit der ursprünglichen Intention des Autors am meisten übereinstimmten, und sie anschließend einfach aneinanderzukleben, entschieden wir uns für ein anderes Verfahren. Der Schnitt gestaltete sich als relativ selbständiger Arbeitsprozeß mit einer ganz eigenen Dynamik. Ich glaube, das wird im Film sichtbar, aber auf einer sehr subtilen Ebene.

Die Auswirkungen unserer Vorgehensweise teilen sich darüberhinaus aber auch in Form des schauspielerischen Ausdrucks, in der Interaktion der Charaktere untereinander und mit dem Hintergrundgeschehen sowie im Rhythmus der Dialoge und im Rhythmus des gesamten Films mit. Wenn Sie den Film ansehen, werden Sie vielleicht nicht genau sagen können, was daran anders ist, aber sie werden auf jeden Fall bemerken, dass etwas anders ist.

Frage: Hat sich das Drehbuch im Verlauf seiner filmischen Bearbeitung verändert und wenn ja, inwiefern? Bewahrt der Film die Atmosphäre und den Ton der Vorlage?

Michael Winterbottom: Ich weiß nicht so recht. Ich mochte das Drehbuch vor allem deshalb, weil es so offen war. Es wirft einen Blick auf die Figuren, der nicht moralisiert und beurteilt, sondern einfach nur beobachtet. Oft erfährt man nicht viel über die Biographie dieser Personen, so dass man angehalten ist, eigene Schlüsse aus ihrem Verhalten über sie zu ziehen. Die Stimmung, die der Film transportiert, stellt das Produkt der dreimonatigen Arbeit mit den Schauspielern dar und mir kommt es so vor, dass sie den Ton der Vorlage ganz gut trifft. Ob es sich wirklich so verhält oder ob sich da etwas verschoben hat, dazu müßten Sie schon Laurence selbst befragen.

Frage: Sie begannen Ihre Karriere beim Fernsehen. Was lehrte Sie die Arbeit beim Fernsehen, glauben Sie, dass junge Filmemacher dort heutzutage immer noch die geeigneten Möglichkeiten vorfinden? Wenn nicht, wo liegen die Chancen für die Zukunft? Im digitalen Film? In dem Weg, den die Dogma-Filmer vorgezeichnet haben?

Michael Winterbottom: Ich denke, dass es heutzutage in Großbritannien so einfach ist wie nie zuvor, Filmprojekte zu realisieren. Man muss nur wirklich entschlossen sein, es zu tun. (DJFL)


Alle Interviews mit Interview mit Michael Winterbottom: Wonderland

Interview mit Michael Winterbottom: Wonderland
"Mir gefiel dieser unvoreingenommene und doch so genaue Blick auf London." Michael Winterbottom führt Regie in dem britischen Film Wonderland. Frage: Was faszinierte sie an dem Drehbuch? [mehr]


Nachrichten rund um Interview mit Michael Winterbottom: Wonderland

Auf DVD und Blu-ray: Shootingstar Freida Pinto in MIRAL
Ein Land. Drei Frauen. Ein gemeinsamer Traum. [mehr]

THE KILLER INSIDE ME ab 29. April auf DVD und Blu-ray!
Teufel in Uniform: THE KILLER INSIDE ME ab 29. April 2011 auf DVD und Blu-ray im Handel. [mehr]

''Für alle Fälle Fitz - Die komplette Serie'' bei KOCH Media
Am 21. November 2008 wird die Krimi-TV-Serie FÜR ALLE FÄLLE FITZ - Die komplette Serie (Italien 1972) im Handel erhältlich sein. [mehr]

Arthaus im Juni: Magnolia, Junebug, Jonathan, etc.
Bei Arthaus gibt es im Juni einige neue Titel auf DVD. [mehr]

''Ein mutiger Weg'' mit Angelina Jolie - ab 29. Mai auf DVD
Eine wahre Begebenheit: Zwei Journalisten auf einem Hoellentrip in Pakistan. [mehr]

Zwei Journalisten auf einem Höllentrip in Pakistan: ''Ein mutiger Weg''
"Ein mutiger Weg" - Eine wahre Begebenheit: Zwei Journalisten auf einem Höllentrip in Pakistan. [mehr]

Sunfilm Entertainment: Neue DVDs im November
Neue Titel bei Sunfilm Entertainment im November [mehr]

Sony Pictures Home Entertainment: Oktober 2005
Topaktuellen DVD- und Video-Highlights bei Sony Pictures Home Entertainment. [mehr]

Sunfilm Entertainment: Aktuelles im August / September
Sunfilm Entertainment kommt mit neuen Titeln im August und September. [mehr]

Aktuell: Sunfilm Entertainment im Juni 2004
Was bringt Sunfilm Entertainment im Juni auf DVD? [mehr]


Blog-Einträge rund um Interview mit Michael Winterbottom: Wonderland

Mexikanischer Film gewinnt ARRI/OSRAM Award
Der Spielfilm "Heli" des mexikanischen Regisseurs Amat Escalante wurde auf dem 31. INTERNATIONALEN FILMFEST MÜNCHEN als bester internationaler Film... [mehr]

BRAD PITT ist die heisseste Hollywood-Waffe
Hollywoods heißeste Waffe im Kampf gegen die Apokalypse hat einen Namen: BRAD PITT. Ab dem 27. Juni liefert sich der Superstar in WORLD WAR Z in... [mehr]

"The Killer inside me" mit Jessica Alba und Kate Hudson im Review
Lou Ford (Casey Affleck), der 29jährige Hilfssheriff in einem kleinen, texanischen Kaff, ist nach außen hin ein hilfsbereiter und freundlicher... [mehr]

PIPPA LEE erhält Internationalen Literaturfilmpreis
Wir freuen uns, dass Rebecca Miller für die Verfilmung ihres eigenen Romans PIPPA LEE mit dem diesjährigen Preis für die „Beste internationale... [mehr]

PERSEPOLIS ist der "Wertvollste Film des Jahres"
Unter frenetischem Beifall und mit Standing Ovations wurde Marjane Satrapis eindrucksvolle, international erfolgreiche und Oscar®- nominierte... [mehr]


Bücher rund um Interview mit Michael Winterbottom: Wonderland

Farbe im Kino
Kino ist ein Fest für die Sinne: Markerschütternde Explosionen fahren bis in unsere Mägen herab, leidenschaftliche Küsse erwärmen unser Herz und... [mehr]



Interviews

Bei DigitalVD.de gibt es Interviews mit Prominenten, Stars oder Schauspielern. Ein Interview ist eine Befragung mit dem Ziel persönliche Informationen oder Sachverhalte zu einem Thema zu erhalten. Das journalistische Interview ist die bekannteste Form der Befragung. Wir befragen Personen persönlich, telefonisch oder per E-Mail. Unsere Interviews werden in unterschiedlicher Form durchgeführt. Zusammen mit unseren Biografien liefert das Interview ein schönes Gesamtbild zu einem Schauspieler(in).

Wir führen Interviews mit Schauspieler und Schauspielerinnen, Regisseure und andere Prominente aus der Film-Branche. Möchten Sie auch gerne ein Gespräch mit uns führen? Sprechen Sie uns an.

[A]  [B]  [C]  [D]  [E]  [F]  [G]  [H]  [I]  [J]  [K]  [L]  [M]  [N]  [O]  [P]  [Q]  [R]  [S]  [T]  [U]  [V]  [W]  [X]  [Y]  [Z]

Gezielt ein Interview suchen:






+++ ..DVD-RUBRIKEN.. +++

Alles Gute!

zum heutigen Geburtstag
wünschen wir folgender Person:
Beau Bridges, und allen anderen!
> Weitere Geburtstage...