Sie befinden sich hier: Home - Interviews - S - Interview mit Michel Seydoux: Der Barbier von Sibirien

Der Hobbit - Smaugs Einöde Der Hobbit - Smaugs Einöde

Smaugs Einöde

Zusammen mit Zauberer Gandalf und 13 Zwergen unter der Führung von Thorin Eichenschild versucht Bilbo ...
...jetzt mehr!

Interview mit Michel Seydoux: Der Barbier von Sibirien

Michel Seydoux ist der Produzent des Films Der Barbier von Sibirien Frage: Der Barbier von Sibirien ist Ihr vierter Film mit Nikita Mikhalkov. Wie begann diese Beziehung? Michel Seydoux: Vor ...

Interview mit Michel Seydoux


Michel Seydoux ist der Produzent des Films Der Barbier von Sibirien

Frage: Der Barbier von Sibirien ist Ihr vierter Film mit Nikita Mikhalkov. Wie begann diese Beziehung?

Michel Seydoux: Vor Schwarze Augen war Nikitas Arbeit nicht sehr bekannt. Daher stellte ich einige Recherchen über ihn an, als der Film in Cannes lief. Danach hatte ich das Glück, an dem Abenteuer "Cyrano de Bergerac" teilzunehmen, wonach ich jedoch Lust auf etwas völlig anderes verspürte. Nach einer Besprechung mit meinen Partnern traf ich zuerst Nikitas Bruder Andrej Kontschalowski, der gerade aus Amerika zurückgekehrt war. Mir wurde ein Drehbuch mit dem Titel Stalin's Projectionist gegeben.

Ich fuhr nach Mailand, wo er gerade an der Scala inszenierte. Ich fand Kontschalowski interessant, entdeckte jedoch schnell, dass wir nicht wirklich gut zueinander passten. Filme bedeuten für mich jedoch enge Beziehungen. Also wendete ich mich seinem Bruder zu. Damals hatte Nikita Mikhalkov gerade mit einem französischen Fernsehproduzenten einen Vertrag über eine Serie über Sinti und Roma abgeschlossen. Ich brauchte nur zwei Seiten von Close to Eden, das damals noch den Arbeitstitel Phantom of Mongolia hatte, zu lesen und wusste, dass ich mich in dieses Projekt einklinken mussste. Im darauffolgenden September begann unsere Zusammenarbeit. Seitdem habe ich an allen Produktionen von Nikita mitgearbeitet.

Frage: Wie würden Sie Ihre Beziehung zu Nikita Mikhalkov beschreiben?

Michel Seydoux: Eine gute Beziehung zwischen Produzent und Regisseur musss mehr beinhalten als Professionalität. Was sie verbindet, ist weit komplexer. Jeder Film ist ja wie ein Kind, der Regisseur ist seine Mutter, der Produzent sein Vater. Man kann natürlich auch ohne Vater Kinder in die Welt setzen, aber sie haben nicht die gleichen Voraussetzungen wie von beiden Elternteilen erzogene Kinder. Man braucht eine gewisse Komplizenschaft zwischen den Eltern - bei echten Kindern und bei Filmen.

Wobei bei der Filmproduktion eine Scheidung verschoben werden kann. Im Leben ist so eine Beziehung oft sehr widersprüchlich, weil es sich um den Vater und die Mutter in Bezug auf das Kind dreht und die Liebesbeziehung in der Partnerschaft ausschließt. Ich sehe meinen Job so: Ich muss eine Mutter finden, um Vater spielen zu können. Und natürlich steht die Liebe dabei an erster Stelle. Ich kann nur auf dieser Basis eine Beziehung mit einem Regisseur haben. Produzieren heißt für mich 90 Prozent künstlerische Arbeit und 10 Prozent finanzielle Arbeit.

Frage: Der Barbier von Sibirien ist sowohl Ihre bisher größte Produktion als auch Nikita Mikhalkovs teuerster Film ...

Michel Seydoux: Je größer ein Film ist, desto mehr kostet er. An dem Tag, an dem der Produzent sein Einverständnis gibt, geht die Macht in andere Hände. Tatsächlich hat er nur solange die Macht, wie noch kein grünes Licht für den Dreh gegeben wurde. Solange man noch über das Drehbuch diskutiert, in Vorverhandlungen ist und der Regisseur noch nicht sicher ist, dass sein Film überhaupt gemacht wird, kann der Produzent noch Seiten ausreißen. Danach ist das eine ganz andere Geschichte. Dann verändert sich die Philosophie völlig. Es ist wie ein ganz neues Spiel. Die Erfahrungen bei Der Barbier von Sibirien waren natürlich besonders eindrücklich, weil der Film über vier Jahreszeiten gedreht wurde, also fast ein ganzes Jahr. Aber eine Saga dieser Dimensionen kann eben nicht in drei Monaten erzählt werden. Und je höher die Kosten sind, desto höher ist das Risiko.

Frage: Wie verlief denn dieses Abenteuer?

Michel Seydoux: Wir begannen im April 1996 und gingen im September nach Sibirien, nachdem wir alles Material mit Hubschraubern dorthin gebracht hatten. Bei dieser Art Unternehmung braucht man dieselben technischen Voraussetzungen wie seine Mitbewerber. Wir blieben sieben Wochen in Sibirien, wir nannten die Zeit Vor-Dreh. Dann machten wie ein Pause, von Anfang November bis Ende Januar. Mitte Februar kamen wir nach Moskau zurück, um den zweiten Teil der Geschichte, der im Winter spielt, zu drehen. Von April bis Juni arbeiteten wir in den tschechischen Barrandow-Studios. Im August 1997 schließlich gingen wir nach Portugal, um die Szenen zu drehen, die in der Militärakademie spielen.

Frage: Was überraschte Sie bei diesem Marathon am meisten?

Michel Seydoux: Verschiedene Dinge. Zum einen die Art und Weise, wie das Team zusammenwuchs. Wie diese vielen Menschen mit unterschiedlichen Ursprüngen zu einer europäischen Familie zusammenschmolzen. Da waren Italiener, Franzosen, Engländer, Polen, Tschechen, Russen, Portugiesen. Natürlich bedeutete das auch Sprachprobleme, aber für mich war es eine große Überraschung, wie die Kommunikation doch immer klappte, obwohl keiner weder seine Persönlichkeit noch seine Heimat verleugnete. Auch die Vielzahl von Begabungen hat mich beeindruckt und das Gefühl, dass jeder langsam aber sicher an etwas sehr Großem mitarbeitete. Bei einem so langen Prozess kann man nicht ausschließen, dass sich der eine oder andere von Zeit zu Zeit nach Hause wünscht. Aber die ganze Maschinerie dieser Filmproduktion hatte enorm viel Kraft, die den Einzelnen seine Probleme vergessen ließ, gleich ob er Pole, Franzose oder Moldau-Slovake war. Die größte Überraschung war jedoch, dass diese riesige Maschinerie von Tag zu Tag besser lief.

Frage: Wie direkt haben Sie Einfluss auf die Besetzung genommen?

Michel Seydoux: Mir gefällt es ja, mehr als reines Berufsinteresse in einen Film einzubringen, und wenn ein Regisseur weiß, wie er aus dem Werkzeug Schauspieler - entschuldigen Sie diesen Ausdruck - Dinge herausholen kann, die dieser noch niemals zuvor gegeben hat. Für eine gigantische Produktion wie Der Barbier von Sibirien mussste es mehr als die klassische Besetzungsbeziehung zwischen Regisseur und Schauspieler geben. Darum habe ich immer Treffen zwischen Regisseur und Schauspielern initiiert, die mit klassischem Vorsprechen nichts zu tun hatten. Dann spielte ich Mäuschen und prüfte, ob die Kombination funktionierte oder nicht. Während der Besetzung kamen verschiedene Namen ins Spiel, die auf einer kommerziellen Ebene vielleicht für den Film besser gewesen wären. Wir entschieden uns jedoch für Schauspieler, mit denen uns eine Zusammenarbeit am vielversprechendsten schien.

Frage: Was war das komplizierteste Problem während der Dreharbeiten?

Michel Seydoux: Ein derartig schwieriger Dreh ist wie ein Schlachtfeld. Wir musssten 2000 Komparsen auf die schmelzende Eisoberfläche eines Sees stellen; Hubschrauber nach Sibirien schicken; mit vier Labors in vier verschiedenen Ländern arbeiten. Kurz: Die ganze Logistik war ein Alptraum. Aber die Zusammenarbeit des Teams war sehr erfolgreich. Jeder Tag hatte neue Überraschungen parat. Da gab es die Armee, die viermal am Tag den See mit flüssigem Nitrogen besprühte, damit er wie eine Eislauffläche aussah und den Set von mehreren Tonnen Gewicht tragen konnte. Da gab es Sibirien, wo die Hubschrauberpiloten sich weigerten zu landen, sobald eine Wolke am Himmel auftauchte, weil sie das Wetter nicht einschätzen konnten. Ohne Zweifel wären Dreharbeiten unter westlichen Bedingungen viel leichter gewesen. Aber hätten wir auch die Magie einfangen können, wie wir es unter diesen Umständen konnten? Ich glaube nicht.

Frage: Wie gestaltete sich die Zusammenarbeit mit der russischen Armee?

Michel Seydoux: In osteuropäischen Ländern ist es die Norm, um Schutz und Hilfe während Dreharbeiten zu bitten. Das war auch im Kommunismus so. Außerdem ist der Wehrdienst in Russland viel länger und oft helfen Soldaten dann bei allem möglichen aus, eben wie im Zivildienst. Im russischen System ist es absolut logisch, die Armee um Mithilfe zu bitten. Nikita kennt den Lebensstil und die Mentalität der Russen und so konnten wir - mit Hilfe der Armee - an unglaublichen Orten drehen. Man musss wirklich den Hut vor Mikhalkov und seinem Talent für den Erhalt aller Dreherlaubnisse ziehen.

Frage: Wissen Sie genau, wie viele Armeemitglieder am Der Barbier von Sibirien gearbeitet haben?

Michel Seydoux: Das ist fast unmöglich in Zahlen auszudrücken. Allein bei dem Dreh am Nijni Nowgorod waren 600 Militärangehörige dabei, um die Sicherheit zu unterstützen und die Kommunikationssysteme aufrecht zu erhalten. Sie musssten beispielsweise ein Funktelefon etablieren, weil wir vom Rest der Welt total abgeschnitten waren. Das nächste Dorf, von wo unser Produktionsleiter nach Paris telefonieren konnte, lag sieben Stunden Fußmarsch entfernt. Wir benutzten also dieses eine Telefon und wohnten auf einem Kreuzfahrtschiff, das früher zu Trips auf den Flüssen benutzt wurde. Das Boot ankerte am Oka Fluss und wir benutzten es als Hotel. Bei einem anderen Dreh in der Nähe des Nowodewetschi-Klosters waren 1200 Armeeangehörige dabei. Es war schwierig für uns, in Moskau einen der Zeit entsprechenden Drehort ohne Bäume zu finden. Dieser riesige See war der einzige offene Platz, wo wir einen Set von der geplanten Größe bauen konnten.

Frage: Was kam nach den langen Dreharbeiten?

Michel Seydoux: Die Postproduktion, die auch sehr lang dauerte. Für mich persönlich ist dies die aufregendste Phase bei der Entstehung eines Films. Das vorliegende Filmmaterial war gigantisch. Nikita dreht sehr systematisch Einstellung nach Einstellung und schneidet diese Szenen, indem er sich das Material Figur für Figur vornimmt. Danach geht er ins Detail. Anstelle von zehn Aufnahmen hat man dann 15 oder 18 Einstellungen von derselben Länge. Fünf Minuten auf der Leinwand entsprechen dann fast einer Stunde Filmmaterial.

Frage: Wie lief das mit der Musik?

Michel Seydoux: Edward Artemyev komponierte den Original Score. Die symphonischen Aufnahmen wurden in Moskau gemacht und der Ton und die Tonanlegung in Paris. Viele Einstellungen wurden jedoch basierend auf dem Rhythmus der Musik gedreht. Nikita Mikhalkov ist sehr musikorientiert und so gibt es im Film Blaskapellen, Militärmärsche und sogar Opernmusik. Musik spielt in diesem Film eine Schlüsselrolle. Deshalb komponierte Artemyev den Score nach den Dreharbeiten in einem zeitgenössischen Stil. (DJFL)


Alle Interviews mit Interview mit Michel Seydoux: Der Barbier von Sibirien

Interview mit Michel Seydoux: Der Barbier von Sibirien
Michel Seydoux ist der Produzent des Films Der Barbier von Sibirien Frage: Der Barbier von Sibirien ist Ihr vierter Film mit Nikita Mikhalkov. Wie begann diese Beziehung? Michel Seydoux: Vor [mehr]



Interviews

Bei DigitalVD.de gibt es Interviews mit Prominenten, Stars oder Schauspielern. Ein Interview ist eine Befragung mit dem Ziel persönliche Informationen oder Sachverhalte zu einem Thema zu erhalten. Das journalistische Interview ist die bekannteste Form der Befragung. Wir befragen Personen persönlich, telefonisch oder per E-Mail. Unsere Interviews werden in unterschiedlicher Form durchgeführt. Zusammen mit unseren Biografien liefert das Interview ein schönes Gesamtbild zu einem Schauspieler(in).

Wir führen Interviews mit Schauspieler und Schauspielerinnen, Regisseure und andere Prominente aus der Film-Branche. Möchten Sie auch gerne ein Gespräch mit uns führen? Sprechen Sie uns an.

[A]  [B]  [C]  [D]  [E]  [F]  [G]  [H]  [I]  [J]  [K]  [L]  [M]  [N]  [O]  [P]  [Q]  [R]  [S]  [T]  [U]  [V]  [W]  [X]  [Y]  [Z]

Gezielt ein Interview suchen:






+++ ..DVD-RUBRIKEN.. +++

Alles Gute!

zum heutigen Geburtstag
wünschen wir folgender Person:
Kim Basinger, und allen anderen!
> Weitere Geburtstage...