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Mike Nichols Interview: zu Der Krieg des Charlie Wilson

1931 wurde Mike Nichols in Berlin geboren, der Ausbruch des 2. Weltkrieges ließ ihn mit seiner Familie nach Amerika auswandern. Dort machte er sich in den frühen 60er Jahren als Stand-Up-Comedian ...

Mike Nichols, alias Igor Peschkowsky, geboren 1931 in Berlin: Seines Zeichens erfolgreicher Meister- und Sozialfilmer. Zunächst trieb es den Umtriebigen nicht zum Film: er studiert Psychologie. Doch danach, in den späten 50er Jahren, tritt er gemeinsam mit seiner späteren Regiekollegin Elaine May im ... [komplette Biografie]

Interview mit Mike Nichols


1931 wurde Mike Nichols in Berlin geboren, der Ausbruch des 2. Weltkrieges ließ ihn mit seiner Familie nach Amerika auswandern. Dort machte er sich in den frühen 60er Jahren als Stand-Up-Comedian neben der Schriftstellerin und Regisseurin Elaine May einen Namen, bevor er am Theater und schließlich im Film als Regisseur reüssierte. Schon für seinen Debütfilm Wer hat Angst vor Virginia Woolf? bekam er 1967 eine Oscar-Nominierung, ein Jahr später konnte er die Trophäe dann für Die Reifeprüfung entgegennehmen. Im Laufe der folgenden 40 Jahre drehte er noch so manchen Klassiker, u.a. Silkwood, Die Waffen der Frauen oder The Birdcage, die US-Version von Ein Käfig voller Narren. Mit seinem neuen Film, Der Krieg des Charlie Wilson, kehrt Nichols wieder zum Politfilm zurück. In Berlin trafen wir den Regisseur zum Interview, in dem er über sein Talent spricht, Schauspielern zu Oscars zu verhelfen, und wie er sein Publikum auch nach all den Jahren im Business noch schockieren kann.

Frage: Ich habe in amerikanischen Besprechungen zu Der Krieg des Charlie Wilson gelesen, dass dies eine Farce wie The Birdcage sei. Würden Sie dem zustimmen?

Mike Nichols: Nein, natürlich nicht! Das ist doch albern. Glauben Sie, dass es eine Farce ist?

Frage: Ich bin mir da nicht sicher. Der Film hat schon ein paar Stanley-Kubrick-mäßige Elemente, zum Beispiel bei den bombardierenden Helikoptern in Kombination zu der klassischen Musik…

Mike Nichols: Ja, aber es ist eine Sache, während der Bombardements Händels „Messias“ zu spielen, es ist aber eine andere Sache, dass Nathan Lane vorgibt, eine Frau zu sein und jeder glaubt das! Das ist wirklich eine Farce! Die beiden sind unterschiedlich. Farce ist etwas ganz Bestimmtes. Etwas wird nicht schon dadurch zur Farce, dass es lustig ist. Eine Farce entsteht dadurch, dass etwas unmöglich und gleichzeitig witzig ist. Im echten Leben würde man in dieser Situation sagen: „Was ist das denn für ein Typ? Was meinst Du damit – er ist deine Mutter?“ und so weiter. Das ist der große Unterschied.

Frage: Auch wenn der Film keine Farce ist, so ist es doch ein komischer Film. War diese Tatsache vom echten Charlie Wilson beeinflusst oder wieso haben Sie so viele komische Elemente eingeflochten?

Mike Nichols: Ich glaube, das hat mit Drehbuchautor Aaron Sorkin angefangen. Der hatte einen wirklich harten Job. Aus der Buchvorlage hätte man locker fünf Filme machen können! Sorkin musste also immer wieder auswählen, was er davon verwenden wollte. Er schreibt komisch. Tom [Hanks; die Red.] spielt komisch. Ich inszeniere komisch. Ich traue nichts und niemandem, das nicht zumindest teilweise komisch ist. Also lag das in unserer aller Natur. Und noch etwas: Ich habe eine Erfahrung in meiner Zeit als Stand-Up-Comedian gemacht – Gags ziehen immer dann, wenn man keine Story hat. Nehmen Sie als Beispiel „Spamalot“ [die Musical-Bühnenversion von Die Ritter der Kokosnuss, die Nichols kürzlich inszenierte; die Red.]. Als ich mir das Skript anschaute, erkannte ich, dass wir nicht die geringste Story hatten. Wir mussten also von einem Lacher zum nächsten Lacher kommen. Man musste sich von einer Sache, die funktionierte, zur nächsten Sache, die funktionierte, weiterhangeln und danach ein bisschen Geschichte einfügen. Ich weiß aus meiner eigenen Erfahrung am Theater, dass das funktionieren kann. Eine Geschichte entsteht schon allein aus der Tatsache, dass man über eine Sache lacht, danach über eine andere Sache und dann wieder über eine. Bei Charlie Wilson brauchten wir auch etwas, was unseren Stoff zusammenhält. Denn die Geschichte selbst kann man in zwei Sätzen erzählen. Für mich geht es in der Geschichte um drei sehr verschiedenartige Menschen, die sich zusammenraufen müssen, um gemeinsam etwas auf die Beine zu stellen. Sogar Gust und Joanne sind am Ende zu Freunden geworden und konnten sich gegenseitig respektieren. Und das kann jeder Zuschauer nachvollziehen, weil er es aus seinem eigenen Leben kennt. Der Rest ist dann eine Version dessen, was sich zugetragen hat.

Frage: Ein Nebeneffekt des Films besteht darin, dass Sie den Amerikanern eine Geschichtsstunde erteilen bezüglich der Mudschaheddin. Wie schwierig war das für Sie als Regisseur, damit zu Recht zu kommen?

Mike Nichols: Nun, nicht nur das, sondern alles war sehr schwierig, denn man ist darum bemüht, immer die Wahrheit zu erzählen, wie auch immer diese lauten mag. Wir haben gründlich recherchiert. Charlie war da und hat es getan! George Crile, auf dessen Tatsachenbuch unser Film basiert, arbeitete für die CBS. Und die CBS war sehr, sehr vorsichtig darin, alles auf den Wahrheitsgehalt zu überprüfen, weil ihnen das einige Prozesse eingebracht hat. Und es stellte sich heraus, dass ihre Berichte immer sehr genau recherchiert waren. Wir hatten also bei unseren Recherchen den Vorteil, dass einige der CBS-Experten sich schon sehr penibel mit den Fakten des Falls vertraut gemacht hatten, und wir zusätzlich noch unsere eigenen Experten einsetzten. Wir arbeiteten mit einem ranghohen Angestellten der CIA zusammen, der die Seele eines Künstlers hat und den wir alle sehr liebten – und er war in jeder Minute der Dreharbeiten bei uns. Ich konnte ihn über die kleinsten Details befragen und er gab mir immer ausführliche und akkurate Antworten. Wir haben also alles so gut wie möglich gecheckt und gegengecheckt. Und trotzdem stößt man immer auf die gleichen Probleme – das ist vergleichbar mit dem Gespräch, das wir gerade führen. Drei Viertel von dem, was Sie schreiben, wird dem entsprechen, was ich gesagt habe. Ein Viertel bleibt auf der Strecke, weil es nicht klar wurde, als wir uns unterhielten. Damit muss man einfach leben, so funktionieren Gespräche! Man kann nicht all das erfassen, was jemand ausdrücken möchte, entweder, weil derjenige es falsch ausdrückt oder weil Sie für ein paar Sekunden an Ihre Wäsche denken – oder weil ich für ein paar Sekunden an meine Wäsche gedacht und deswegen das Falsche gesagt habe. So etwas nennen wir Leben. Und damit müssen wir alle klarkommen.

Frage: Sie haben bislang den Schauspielern in Ihren Filmen 18 Oscar-Nominierungen eingebracht. Was ist der Trick dabei, haben Sie dafür ein Rezept?

Mike Nichols: Ist das eine Tatsache? Das wusste ich gar nicht! Ich weiß nicht, ob es dafür einen Trick oder ein Rezept gibt. Ich liebe Schauspieler, ich habe wohl Talent dafür, die richtigen auszuwählen, damit ist schon die Hälfte der Schlacht geschlagen. Wenn man Philip Seymour Hoffman hat, ist der Kampf schon zu Ende! Wir hatten zuvor ein Bühnenstück zusammen gemacht. Ich habe noch nie mit einem solch komplizierten Schauspieler zusammengearbeitet. Ich liebe ihn aber so sehr, dass das nichts ausmacht. Aber die Proben waren wirklich schwierig. An einem Tag war er da, am nächsten konnte ihn keiner finden, am dritten brüllte er, am vierten flüsterte er. Ich sprach ihn an und er sagte: „Ich weiß, ich weiß, ich weiß. Es tut mir Leid. Ich muss das alles machen, auch wenn ich es eigentlich nicht machen will!“ Und ich erwiderte: „Okay, tu, was Du tun musst, denn mir gefällt das Ergebnis.“ Er hat in einem Interview und auch mir gegenüber erwähnt, dass ich ihm helfen würde, aber ich kann mir nicht vorstellen, was ich seiner Meinung nach dazu beitragen könnte. Es gibt aber etwas, das ich sehr gerne mache und das für Schauspieler oft hilfreich ist. Ich probe, und diese Proben bestehen natürlich aus Textübungen, aber ich versuche dabei auch, die Dinge beim Namen zu benennen. Das ist eine Verführung, das ist ein Kampf, das ist eine Verhandlung – was ist das? Was passiert in dieser Szene? Was für eine Szene ist das? Sorkin sagt, dass er eine Szene nicht schreiben kann, solange er noch nicht weiß, was der zentrale Konflikt der Szene ist. Ich kann nicht mit der Inszenierung einer Szene anfangen, solange ich noch nicht weiß, um was es darin geht. Wenn man durch ein Drehbuch geht und die Dinge beim Namen nennt, dann lautet die nächste Frage: „Hast Du selbst schon mal so etwas erlebt? Möchtest Du etwas Persönliches dazu beitragen?“ Zu Julia Roberts habe ich beispielsweise gesagt: „Ich werde nie wieder eine Szene drehen, in der zwei Menschen zusammen im Bett zu sehen sind, die gerade miteinander Sex gehabt haben. Das Bettlaken verhüllt sorgfältig die Brust der Frau, während der Kerl aus dem Bett steigt und seine Boxershorts anzieht. Das kann ich einfach nicht mehr drehen! Ich kann diese bestimmte Lüge, die wir alle akzeptieren, einfach nicht mehr erzählen!“ Also gibt es im Film die Szene im Badezimmer, die für das gleiche steht, aber viel besser funktioniert. Und Julia hat Spaß daran, ihr Make-up zu machen. Auf Anraten ihres Make-up-Künstlers hat sie in der Szene das mit der Sicherheitsnadel gemacht, dieses schreckliche Ding mit der Sicherheitsnadel an ihren Augenwimpern, das sie auch sonst immer macht. Also hat sie etwas von sich selbst in die Rolle eingebracht, das sonst keiner macht. Es geht im Endeffekt nur darum, dass jeder jedem dabei hilft, etwas Ausdrucksvolles zu finden. Das ist das Allerwichtigste.

Frage: Vor 41 Jahren konnten Sie das Publikum noch damit schocken, dass die Schauspieler unanständige Worte im Film sagten. Haben Sie auch heute noch dieses Ziel, damit die Aufmerksamkeit des Kinozuschauers zu erregen?

Mike Nichols: Ich glaube, dass auch heute noch mein Job darin besteht, die Aufmerksamkeit der Leute zu erregen. Darauf kommt es schließlich immer an. Man muss sie vergessen lassen, was sie im Alltag beschäftigt. Jeder hat so seine privaten Sorgen und Ziele, und die muss er für die Dauer des Films vergessen. Das hat sich in all den Jahren nicht verändert. Mit Worten kann man niemanden mehr schockieren – es sei denn, ein großer Schriftsteller benutzt sie. Das kann dann noch immer schockierend sein. Beispielsweise Mary Tyrone in „Eines langen Tages Reise in die Nacht“: An einer Stelle des Stücks, wenn sie schon total zugedröhnt ist, sprechen alle über die Vergangenheit, und Mary sagt: „Die Vergangenheit ist die Gegenwart, oder? Und genauso die Zukunft.“ Wenn man etwas derart Schockierendes sagt, kann man meiner Meinung nach immer die Aufmerksamkeit der Leute erregen. Das ist viel schockierender als das „Leck mich!“, was an Virginia Woolf so schockierend gewesen sein soll, dass sie uns verweigerten, es im Film drinzulassen. Stellen Sie sich das heute mal vor! Aber so richtig schockierend ist, eine Wahrheit zu hören zu bekommen, auf die man bislang noch nicht gekommen war (lacht). (Frank Brenner)


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