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Interview mit Mimmo Calopresti: Ist Liebe nur ein Wort?

Mimmo Calopresti führt die Regie und übernimmt die Rolle des Psychoanalytiker in dem Film Ist Liebe nur ein Wort? Frage: Wie entstand die Idee zu Ist Liebe nur ein Wort? Mimmo Calopresti: ...

Interview mit Mimmo Calopresti


Mimmo Calopresti führt die Regie und übernimmt die Rolle des Psychoanalytiker in dem Film Ist Liebe nur ein Wort?

Frage: Wie entstand die Idee zu Ist Liebe nur ein Wort?

Mimmo Calopresti: Einfach dadurch, dass ich zuhörte, wenn andere über Liebe sprachen. Nachdem "La seconda volta" (Das zweite Mal) vor zwei Jahren auf den Filmfestspielen von Cannes gezeigt wurde, habe ich erst ein wenig gezögert. Zunächst wollte ich einen Film über die Konflikte im ehemaligen Jugoslawien drehen und hatte sogar schon eine relativ lange Geschichte dazu im Kopf. Doch wie soll man als Italiener ein derartiges Thema behandeln? Mir erschien dies zu schwierig und zu vermessen.

Ich pendelte damals häufig zwischen Paris und Rom hin und her und traf mich oft mit Valeria Bruni Tedeschi, die in "La seconda volta" gespielt hatte, sowie mit ihren Freundinnen. Bei dieser Gelegenheit wurde ich ständig Zeuge von Liebesgeschichten, die man sich um mich herum erzählte.

Und dieses kleine Geheimnis des Lebens - "Wie lernt man einen geliebteb Menschen kennen und wie erkennt man ihn als solchen?" - begann mich zu fesseln. Vor allem die weibliche Sichtweise: Dieser Hang zum Irrationalen, der die Frauen dazu verleitet, den Mann fürs Leben erkennen oder ihn gar wiedererkennen zu wollen.

Einige Sätze hörte ich immer wieder, etwa: "Ich habe es immer gewußt und es mir vorgestellt, dass er so oder so sein würde, und genau diesem Bild entsprach er dann auch", oder: "Ich habe ihn sofort erkannt, er musste es sein, denn er hat diese oder jene besondere Eigenschaften". Was hier zum Ausdruck kommt, ist dieses im Grunde genommen recht komische Gefühl von Sicherheit, man könne den geliebten Menschen wiedererkennen, und dies oft aufgrund von vorgefaßten und willkürlichen Kriterien.

Als ich all diese Geschichten hörte, schien mir, dass die Frauen wesentlich verzweifelter in Liebesdingen, gleichzeitig aber viel ernster und viel lustiger als die Männer sind. Kurzum, bei diesem Film habe ich zuerst zugehört, bevor ich mir über das Drehbuch Gedanken machte.

Frage: Wie ein Psychoanalytiker?

Mimmo Calopresti: Wenn man so will. Ich habe wirklich Vielem zugehört: Berichten von Leuten, die der Mitteklasse, also einem eher wohlhabenden Bürgertum angehören und ein bißchen ihre Zeit verschwenden. Dies ist etwas, was mich besonders interessierte: die Möglichkeit, seine Zeit zu verschwenden, was auch bedeutet, dass man sich mit sich selbst und seinen Gefühlen beschäftigen kann, und zwar bis hin zu einer Art Perversion, bei der man dem, was einem widerfährt, viel zu viel Bedeutung beimißt ...

Frage: Angela ist aber mehr als nur eine junge Frau, die einsam ist und ihre Zeit damit vergeudet, über Liebe zu reden. Sie befindet sich am Rande des psychischen Zusammenbruchs ...

Mimmo Calopresti: Das stimmt. Im Grunde gibt es zwei Möglichkeiten: Man kann entweder vorsichtig mit seinen Gefühlen umgehen, sich mit ihnen auseinandersetzen, einen richtigen Umgang mit ihnen finden und sehr bewußt das erleben, was man gerade fühlt; all das ist eher positiv.

Oder aber man läßt sich von seinen Neurosen überwältigen. Und das ist kein Spiel, man muss diese Neurose ernst nehmen. Ich mißtraue sehr stark gewissen romantischen Vorstellungen in Bezug auf Krankheit und Verrücktheit. Die Rolle Marcos, der von Fabrizio Bentivoglio gespielt wird, gefällt mir deshalb so gut, wiel wir in ihm gewissermaßen einen Bruder im Geiste von Angela sehen können, nur dass dieser gesund ist. Er ist zwar sehr verwundbar, aber auf eine positive Weise.

Er teilt mit Angela einige Obsessionen, zum Beispiel den Pünktlichkeitswahn, doch er ist nicht krank. Dies liegt daran, dass er ständig durch seine eigenes Leben abgelenkt wird, wohingegen Angela andauernd mit der Analyse dessen beschäftigt ist, was ihr widerfährt, und mithilfe ihrer fixen Ideen, die zu einer Art Religion geworden sind, ihr Leben zu kontrolieren sucht.

Marco hat mehr Abstand zu sich selbst. Ich möchte aber klarstellen, dass für mich der Unterschied zwischen den beiden Figuren weniger durch das Geschlecht als vielmehr durch die Verschiedenheiten der Charaktere bedingt ist.

Frage: Wurde der Film für Valeria Bruni Tedeschi geschrieben?

Mimmo Calopresti: Es gab verschiedene Phasen. Die Idee zu dem Film ging aus Gesprächen mit Valeria hervor. Zusammen mit Heidrun Schleef und Francesco Bruni, die bereits "La seconda volta" geschrieben hatten, konzipierte ich daraufhin das Drehbuch, während Valeria ihrerseits Anregungen zur Geschichte und zu den Dialogen beisteuerte.

Zunächst dachte ich noch, Valerias Beitrag würde sich auf die Mitwirkung am Drehbuch beschränken, und so machte ich einige Probeaufnahmen mit verschiedenen italienischen Schauspielerinnen. Schließlich übernahm Valeria aber selbst die Hauptrolle und lieferte weiterhin Anregungen, hauptsächlich zu den Dialogen.

Das Drehbuch wurde erst beendet, nachdem die Dreharbeiten bereits begonnen hatten: Einige Szenen waren zu romantisch, weswegen ich mich noch während des Drehens bemühte, den Film stärker an der Realität auszurichten.

Frage: Die Musik spielt eine sehr wichtige Rolle: Es scheint fast so, als hörte der Musiklehrer seinen Schülern mit der gleichen Aufmerksamkeit zu, wie der Psychoanalytiker seinen Patienten, und als sei das Cello eine Metapher für die Gefühle ...

Mimmo Calopresti: Ich liebe die Musik im Kino. Als ich noch am Drehbuch schrieb, hörte ich oft die Cello-Suiten von Bach. Die Idee, Marco einen Cello-Lehrer sein zu lassen, hat es mir ermöglicht, die Musik direkt in den Film zu integrieren.

Mich fasziniert die Vorstellung von einem Kino, in dem sich die Dinge wie von selbst verstehen, ohne dass es der Worte bedarf, also von einem Kino, in dem man mehr sehen kann als nur das, was konkret gezeigt wird. Alle Möglichkeiten, die in diese Richtung führen, sollten ausgeschöpft werden: Dies kann die Musik sein, eine Geste oder ein Gesicht ...

Im übrigen folgt der Film mit seinen Assonanzen und der besonderen Wechselbeziehung zwischen einzelnen Szenen einem fast musikalischen Aufbau.

Frage: Wie ist die sehr kurze, aber umso markantere Szene zu deuten, in der Marco zunächst ein Lied von Pino Daniele singt, dann aber nach seinem Cello greift und darauf zu spielen beginnt?

Mimmo Calopresti: Ich wollte hiermit den Eindruck von einer tiefen Leichtigkeit vermitteln. Im Leben können einem manchmal ganz leichte Dinge wie ein Refrain oder ein Leid helfen, sie auszudrücken.

Frage: Paradox ist es, dass Angela ihre Begegnungen mit Marco provoziert hat und dass sich dennoch eine echte Liebesbeziehung daraus entwickeln kann ...

Mimmo Calopresti: Ja, denn genau dies ist auch Teil des Spiels, das ich beschreiben wollte. Angela mag zwar verrückt sein, aber am Ende hat sie dennoch Recht!

In meinem Film geht es auch um die Frage, wie man Entscheidungen trifft. Allerdings muss man zunächst einmal die Möglichkeit zur freien Entscheidung haben. Und als Voraussetzung dafür gilt, dass man mit sich selbst im Reinen ist.

Frage: Erzählen Sie uns von der Begegnung mit Gérard Dépardieu ...

Mimmo Calopresti: Gérard ist ein Freund von Valeria. Er wollte mich kennenlernen, und dann sind wir Freunde geworden. Er hatte die Absicht, Filme für jungen Regisseuren zu produzieren und hat sich hierbei für mein Drehbuch interessiert. Allerdings hatte er nicht gerade viel Zeit. Schließlich hat er den Film doch nicht produziert, doch legte er Wert darauf, an dem Projekt mitzuwirken und es gewissermaßen als Pate zu überstützen.

Ich schlug ihm daraufhin diese kleine Rolle vor, die bereits vom Drebuch vorgesehen war, ohne jedoch für ihn bestimmt zu sein. (DJFL)


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