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Interview mit Nikita Mikhalkov: Der Barbier von Sibirien

Nikita Mikhalkov ist der Regisseur des Films Der Barbier von Sibirien Frage: Mit der Idee zu Der Barbier von Sibirien beschäftigen Sie sich schon lange - hat sich das Projekt in den Jahren ...

Interview mit Nikita Mikhalkov


Nikita Mikhalkov ist der Regisseur des Films Der Barbier von Sibirien

Frage: Mit der Idee zu Der Barbier von Sibirien beschäftigen Sie sich schon lange - hat sich das Projekt in den Jahren verändert?

Nikita Mikhalkov: Von der Ausgangssituation hat sich wenig verändert. Je dichter der Stoff wurde, desto besser wurde er einfach. Am Anfang hatte die erste Drehbuchversion noch 600 Seiten, fast wie ein Roman. Das war eine richtige Romanze, die die Entwicklung der Figuren über einen Zeitraum von 20 Jahren verfolgte. Dann hat sich das Material natürlich immer mehr geändert und wurde geraffter und dadurch anders.

Frage: Wie haben Sie die Dreharbeiten vorbereitet?

Nikita Mikhalkov: Wie bei der Erstellung des Drehbuchs machte ich über alle Szenen und Figuren detaillierte Notizen. Die beinhalteten den Inhalt der Szene, die Art, wie ich sie drehen wollte, die Atmosphäre, die Kostüme, Beleuchtung und jeden denkbaren Fehler, den ich vermeiden wollte. Diese Notizen waren fast doppelt so dick wie das Drehbuch selber. Aber diese Aufzeichnungen gaben meinen Mitarbeitern Antworten auf alle Fragen in Bezug auf Kostüme, Maske und alle möglichen künstlerischen Entscheidungen. So mussste keiner fragen, wieviel Statisten oder welche Kostüme man benötigt. Es war zwar eine Heidenarbeit, aber es erwies sich als sehr nützlich. Jeder hatte Zugang zu diesen Notizen, die an alle Stabmitglieder auch in Englisch und Französisch verteilt wurden.

Frage: Ist der Der Barbier von Sibirien das größte Projekt, an dem Sie bisher gearbeitet haben?

Nikita Mikhalkov: Nun, es ist immer noch schwer für mich, zu begreifen, wie groß dieses Projekt wirklich war. Aber ich habe mich niemals überwältigt gefühlt. Der Barbier von Sibirien ist einer der größten Filme, die jemals in Europa gemacht wurden. Ich liebe Filme dieser Größenordnung, weil sie einen eigenen Charme, eine ganz besondere Anziehungskraft besitzen. Dieser Film gab uns die Möglichkeit einen freien Geist mit gewaltigen Dimensionen zu verbinden.

Frage: Ist es der erste Film, den Sie in CinemaScope gedreht haben?

Nikita Mikhalkov: Ja, und ich bin seitdem wirklich süchtig danach. Heute kann ich mir kaum vorstellen, wieder in einem anderen Format zu drehen.

Frage: In Ihren vorherigen Filmen gab es öfter Anspielungen auf den Schriftsteller Anton Tschechow. Diesmal heißt Ihr Held Tolstoi. Warum haben Sie sich zu einem derart suggestiven Namen entschlossen?

Nikita Mikhalkov: Ich wollte, dass unser Tolstoi gefragt wurde, ob er mit dem großem Dichter verwandt ist. Er ist es übrigens nicht. Aber Tolstoi ist in Russland auch ein verbreiteter Name. Die Filmfigur stammt offensichtlich nicht aus begüterten Verhältnissen und seine Mutter lebt sehr bescheiden. Als Jane ihn fragt, ob er mit Tolstoi verwandt ist, kann man sehen, dass er deswegen seit seiner Jugend an einem Minderwertigkeitskomplex leidet. Er ist sehr jung und hätte es großartig gefunden, mit dem Dichter Leo Tolstoi verwandt zu sein. Er ist schon so oft danach gefragt worden und das bedrückt ihn. Das ist absolut wichtig für seine Charakterisierung. Es offenbart eine Seite seiner Persönlichkeit. Geboren in eine ärmliche Umgebung, wäre er sehr gerne der Sohn eines Aristokraten und mit einem berühmten Romancier verwandt gewesen.

Frage: Was hat Sie bewogen, die Rolle von Zar Alexander III zu übernehmen? Wäre General Radlov nicht attraktiver gewesen?

Nikita Mikhalkov: Tatsächlich hatte ich erst vor, Radlov zu spielen, aber Regie zu führen und gleichzeitig eine größere Rolle zu spielen, das erschien mir als zu schwierig. Radlov ist übrigens von großer Bedeutung. In Die Sonne, die uns täuscht habe ich mir das Vergnügen erlaubt, den Colonel Sergej Petrowitsch Kotov zu spielen, weil meine Tochter Nadia an dem Projekt beteiligt war und auch, weil der Film ein viel kleineres Budget hatte. Aber diesmal war dieses Risiko für mich zu groß. Darum entschloß ich mich, nur eine kleine Rolle zu spielen.

Frage: Sie spielten also den Zaren, befehligten eine riesige Filmcrew - fühlten Sie sich da nicht selber wie ein Herrscher?

Nikita Mikhalkov: Irgendwie ist ein Regisseur immer ein General. Ganz gleich, ob fünf oder 120 Menschen auf seine Anweisungen hören: Jeder musss seine Rolle spielen und sich der Verantwortung des Regisseurs ausliefern, der für die Qualität und das Endergebnis gerade stehen musss. Ich spüre immer das Gewicht dieser Verantwortung auf meinen Schultern - da ist es sozusagen meine Pflicht, wie ein General zu handeln.

Frage: Sie arbeiten sehr eng mit den Schauspielern und reden viel mit ihnen am Drehort. Was sagen Sie ihnen?

Nikita Mikhalkov: Ich liebe Proben. Das anschließende Drehen geht dann sehr schnell. Ich mag es nicht, wenn ein Schauspieler am Drehort erscheint und den Text, den er zu sprechen hat, gerade mal zwei Stunden vorher vorbereitet hat. Besonders bei einem Projekt wie Der Barbier von Sibirien. Wir haben beispielsweise mit Julia Ormond viel geprobt, die sich in diesen Proben als exzellente Partnerin und wunderbare junge Frau zeigte.

Frage: Das moderne Russland erlebt gerade eine seiner größten historischen Krisen. Warum haben Sie in dieser Situation einen Film ausgewählt, der zur Zarenzeit spielt?

Nikita Mikhalkov: Unter Zar Alexander III erlebte Russland eine Periode der Stabilität und des Wirtschaftswachstums. Es gab keinen Krieg, der Rubel war eine starke Währung, die Maisproduktion war riesig und Russland - besonders die Ukraine - war die Kornkammer Europas. Alexander III war, obwohl kein Genie oder Abenteurer wie Peter der Große, eine starke Persönlichkeit, ein vernünftiger Herrscher, der auf ruhige Weise Dinge in Bewegung setzte. Damit ist seine Zeit nicht vergleichbar mit jeder anderen beliebigen Zarenzeit. Russland verändert sich ständig. Man kann nur hoffen, dass die in meinem Film beschworenen Werte vielleicht eines Tages wieder in das zukünftige Russland zurückkehren. Vor 20 Jahren waren Filme, die ich im 19. Jahrhundert ansiedelte wie Unvollendete Partitur für ein mechanisches Klavier (1977) oder später Tage aus dem Leben Ilja Oblomows (1980) reine Nostalgie, weil man sich damals nicht vorstellen konnte, dass die Dinge sich überhaupt ändern könnten.

Frage: Welche russische Literatur bevorzugen Sie?

Nikita Mikhalkov: Mein Lieblingsdichter ist Puschkin, der größte Schriftsteller der russischen Romantik. Aus dieser Zeit schätze ich ebenfalls Gogol und auch in seinem Werk findet sich Romantizismus. Und natürlich liebe ich Tschechow.

Frage: Wie würden Sie die Zusammenarbeit mit dem Produzenten Michel Seydoux beschreiben?

Nikita Mikhalkov: Michel brachte mir bei, mit dem Westen zu kommunizieren. Wir lernten uns bei der Arbeit an Schwarze Augen (1987) kennen. Damals wurde mir klar, dass wir Russen nicht in der Lage waren, mit dem Westen zu kommunizieren. Für die Sowjets war allein der Umstand, in den Westen zu reisen, eine riesige Möglichkeit. Damals lernte ich viel und es brachte mich dazu, Co-Produktionen größere Aufmerksamkeit zu schenken. Ich realisierte bald, dass die Intentionen oft eher praktischer als künstlerischer Art waren. Man bot mir die Chance, in Hollywood zu bleiben, aber mir gefiel das nicht, weil es dort nur darum ging, einen Vertrag zu unterschreiben. Michel verstand, dass ich der Produzent meiner eigenen Filme bleiben wollte. Nur so kann ich mit ihm eine gute Beziehung erhalten. Außerdem hat er einen großartigen Sinn für Humor.

Frage: Was waren die größten Probleme bei der Produktion von Der Barbier von Sibirien?

Nikita Mikhalkov: So merkwürdig es auch klingen mag, waren die Wetterbedingungen die größten Probleme. So schossen die Temperaturen im Februar plötzlich auf 13 Grad Celsius hoch, und das Eis auf einem See, auf dem wir einen winterlichen Jahrmarkt aufgebaut hatten, begann auf eine hauchdünne Schicht zu schmelzen. Das war natürlich sehr gefährlich und wir musssten unter Zeitdruck eine neue Möglichkeit finden, die Szenen zu drehen. Natürlich gab es auch einige andere Schwierigkeiten, aber in meinem Leben war noch nie etwas wirklich einfach. Alles fordert immer enorme Anstrengungen von mir, aber Gott sei Dank sieht man dem Ergebnis auf der Leinwand die großen Kraftanstrengungen nicht an.

Frage: Wie haben Sie das Sprachproblem am Set in den Griff bekommen?

Nikita Mikhalkov: Ganz natürlich. Die Amerikaner sprachen untereinander und mit den Russen Englisch. Die Russen sprachen untereinander Russisch. 70 Prozent im Film ist auf Englisch, 30 Prozent auf Russisch gedreht.

Frage: Hatten Sie jemals Zweifel an dem erfolgreichen Abschluss dieses Abenteuers?

Nikita Mikhalkov: Wenn ein Bergsteiger vor dem Mount Everest steht, denkt er erst mal, dass es unmöglich ist, den Berg zu besteigen. Aber wenn er mit dem Aufstieg beginnt, denkt er nur noch an den nächsten und nächsten und nächsten Schritt. So besteigt er langsam, Schritt für Schritt, den Berg, bewältigt jedes neue Problem, lässt es mit jedem neuen Schritt hinter sich, während er die Höhe des Berges fast vergisst. Und eines Tages steht er dann auf dem Gipfel. Genauso erging es mir, während der Finanzierung, der Dreharbeiten, dem Schnitt. Schritt für Schritt, Tag für Tag löste ich neue Probleme, bis der Film schließlich fertig war. (DJFL)


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