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Interview mit Nora Hoppe: The Crossing

Nora Hoppe ist die Regisseurin in dem Film The Crossing Frage: The Crossing erzählt von einem Mann, der aus seinem Heimatland fliehen musste und nun weitgehend bindungslos in seiner neuen Umgebung ...

Interview mit Nora Hoppe


Nora Hoppe ist die Regisseurin in dem Film The Crossing

Frage: The Crossing erzählt von einem Mann, der aus seinem Heimatland fliehen musste und nun weitgehend bindungslos in seiner neuen Umgebung lebt. Was hat Sie am Thema des Exils interessiert?

Nora Hoppe: Das Thema der Isolation hat mich immer stark beschäftigt. Die Exilsituation erzwingt oft eine doppelte Isolation, die gewaltsame Heraustrennung aus einer Umgebung und die innere Isolation, die selbst gewählte Flucht ins innere Exil.

Dazu kam bei mir die lange Beschäftigung mit der persischen Kultur. Die Darstellung des Exils in The Crossing ist stark beeinflusst von der Mathnawi, einem Werk des persischen Dichters Djaluddin Mohammad Balkhi (Rumi) aus dem13. Jahrhundert. In die Geschichte sind dann viele Erfahrungen mit ganz unterschiedlichen Menschen eingeflossen, unabhängig von ihrer Herkunft. Das verbindende, universelle Element ist die Isolation und der Versuch, sie zu überwinden. Die geographischen Pole der Geschichte, Afghanistan und Brüssel, werden im Film deshalb nie explizit erwähnt.

In der Figur des Babak sind diese verschiedenen Aspekte des Exils konzentriert. Er mussste aus seinem Heimatland fliehen; warum und was es für ihn bedeutet, erfahren wir erst am Schluss. Zweitens hat er sich in seiner neuen Umgebung nicht eingelebt, er hat kein neues äußeres Zuhause gefunden. Und er ist bei sich selbst nicht zuhause, was die dritte, die endgültigste Form des Exils darstellt. Diese drei Ebenen haben viele Mšglichkeiten in der Ton- und Bildgestaltung des Films eröffnet, das Ineinanderfliessen oder Aufeinandertreffen der äußeren Eindrücke und der inneren Impulse.

Ich wollte etwas erzählen, was au§erhalb der konventionellen Erzählstruktur liegt: den Zustand eines Mannes, der von sich selbst abgeschnitten zu sein scheint und im Verlauf eines Tages mit seiner Vergangenheit, seiner inneren Katastrophe, mit sich selbst konfrontiert wird. Der Tag läuft chronologisch ab, aber diese Chronologie liegt außerhalb von Babak. Die Herausforderung lag darin, diese Geschichte, in der sich Vergangenheit und Gegenwart überlagern und durchdringen, ohne Rückblenden zu erzählen. Ich hasse Rückblenden.

Frage: Gibt es einen Begriff von Heimat, der dem des Exils gegenübersteht?

Nora Hoppe: Heimat ist für mich nichts, was sich kartographisch oder politisch fassen lässt. Man sitzt im Flugzeug und schaut herunter auf ein bestimmtes Gebiet - es bedeutet nichts. Das Leben beginnt unten, auf dem Boden, wo es keinen abstrakten Überblick gibt. Heimat ist für mich etwas sehr Persönliches, Subjektives, Sinnliches; die Erinnerung an einen Baum, einen Berg, den man als Kind von seinem Fenster aus gesehen hat; an die Straßen von New York oder die wilden Gärten von Surinam, in denen ich aufgewachsen bin, an bestimmte Gerüche, Farben und Geräusche, eine bestimmte Musik, die die Erinnerung an Kindheit evozieren - und die Sehnsucht danach. Wenn Babak am Ende des Films "nach Hause" geht, musss das nicht Afghanistan sein.

Frage: Wie haben Sie versucht, diese Vielschichtigkeit filmisch umzusetzen?

Nora Hoppe: Es gibt sehr unterschiedliche Mšglichkeiten, die Dinge zu sehen. Ein Apfel ist ein Apfel, aber plötzlich schaut man ihn an und das, was man sieht, lässt sich vom Begriff und geht eine Verbindung mit dem Beobachter, seiner Geschichte und seinen Gefühlen ein, es bekommt etwas Magisches, vielleicht auch etwas Erschreckendes.

Die Wahrnehmung der Realität ist unbeständig, auch die FoKusssierung spielt eine Rolle dabei, wie man etwas sieht. Man hat eine Lesebrille auf und sieht die Buchstaben scharf, und wenn man über den Rand der Brille schaut, wird alles verschwommen. Es passiert mir manchmal, dass ich alles weitwinklig sehe, wie in Trance, es gibt keinen Fokus auf bestimmte Gegenstände. Dieser Trance-Blick scheint übrigens auch eine große Rolle in der persischen Malerei zu spielen, in der nichts in den Vordergrund gerückt ist.

In The Crossing wollte ich solche Deformierungen und Verschiebungen der Wahrnehmung zeigen, den Zustand Babaks zwischen physischer Realität und seinen Erinnerungen und Gefühlen. Es war ein großes Glück für mich, mit Walther van den Ende zusammen zu arbeiten, der ein sehr erfahrener und wunderbar neugieriger Kameramann ist. Von einer Brillenfabrik hatten wir uns vierzig verschiedene alte Brillenlinsen besorgt und probierten dann aus, was für Effekte wir mit der Kombination von Kameralinse und einer davorgesetzten Glaslinse erreichen können. Manchmal haben wir während des Drehs auch zufällig Dinge gefunden und eingesetzt, wie eine alte zersprungene Glasscheibe, durch die wir Babaks Blick auf die Stadt gezeigt haben. Auch auf der Ton- und Lichtebene haben wir versucht, Mittel zu finden, die Babaks inneren Zustand ausdrücken können. Jeder der fünf Akte hat eine andere Lichtstimmung, im zweiten Akt z.B. haben wir die Küche nur indirekt über kleine Spiegelscherben ausgeleuchtet, die hinter der Kamera an den Wänden und Gegenständen befestigt waren, so da§ man nicht erkennt, wo das Licht eigentlich herkommt.

Ein Problem beim Experimentieren war natürlich die begrenzte Zeit, wir hatten nur 24 Drehtage zur Verfügung. Aber wir hatten ein wunderbares Team, das sich vollständig auf die Idee eingelassen hat. Dafür war es auch gut, dass wir mit einem relativ kleinen Team gearbeitet haben, die Arbeit war dadurch sehr intim und intensiv - fast ein bisschen altmodisch.

Frage: Im Zentrum des Films stehen die Küchenszenen, die Dynamik der Begegnung zwischen Babak und Sarban. Wie war die Zusammenarbeit mit zwei so erfahrenen und unterschiedlichen Schauspielern?

Nora Hoppe: Wunderbar! Beide waren warmherzig, professionell und auf eine sehr eigene Weise verwundbar, sehr tief mit ihrer Figur und der Geschichte verbunden. Behrouz Vossoughi lebt selbst seit fast 20 Jahren im Exil und konnte mit der Figur des Babak sofort etwas anfangen. Er ist ein sehr unmittelbarer, intuitiver und physisch präsenter Schauspieler.

Diese Präsenz war mir wichtig als Kontrapunkt zur verletzlichen Seite des Babak, von dessen einstiger Vitalität und Kraft noch genug vorhanden ist, um sich nicht in sein Schicksal zu ergeben und manchmal sogar abrupt, fast rüde sein zu können. Johan Leysen ist ein ganz anderer Schauspielertyp, aus der Stanislawski-Schule. Er versucht, die ganze Spannbreite seiner Figuren zu begreifen und sich die Rolle zu erarbeiten. Auch Joahnn Leysen hat sich schnell dafür entschieden, die Rolle des Sarban anzunehmen. Er hat sich das Drehbuch abgeholt, es nebenan in einem Café gelesen und danach zugesagt.

Die Arbeit war gerade wegen der Unterschiedlichkeit von Johan und Behrouz sehr intensiv. Wir haben uns eine Woche Zeit genommen, um die Szenen in der Küche zu proben. Beide haben sich auf ihre Art in ihre Figuren hineingelebt, es gab ein tiefes, sehr echtes und direktes Mitempfinden, das mit den eigenen Erfahrungen verbunden war. Manchmal war das Aufeinandertreffen so intensiv, da§ die Grenzen zwischen der Filmszene und der Wirklichkeit verschmolzen sind. (DJFL)


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