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Interview mit Olivier de Funès über Louis de Funès

Klein, mit Glatze, Hakennase und grimassenverzogenem Gesicht ... Louis de Funès war einer der bekanntesten Komiker in Europa. Er drehte 66 Spielfilme. Den größten Erfolg feierte er in Frankreich und ...

Interview mit Olivier de Funès


Klein, mit Glatze, Hakennase und grimassenverzogenem Gesicht ... Louis de Funès war einer der bekanntesten Komiker in Europa. Er drehte 66 Spielfilme. Den größten Erfolg feierte er in Frankreich und Deutschland. International in Japan. Louis de Funès starb am 28. Januar 1983 in Paris an einer Herzattacke. Erstmals gab sein Sohn Olivier de Funès (47), Pilot, im Jahr 1997 ein Interview. "Kabel 1"-Redakteurin Antje Burda traf ihn in Paris.

Frage: Wie haben Sie Ihren Vater gerufen?

Olivier de Funès: Bloß nicht beim Vornamen, das hat er gehasst. Papa!

Frage: Louis de Funès war immer komisch und hektisch. Auch im echten Leben?

Olivier de Funès: Jein! Mein Vater war schrecklich launisch. War er gut drauf, war er ein sehr humorvoller, temperamentvoller Mensch. Schließlich war er Spanier. Er wurde in der Nähe von Malaga geboren. Wir hatten viel zu lachen. Im Gegensatz dazu konnte er stundenlang ernst und wortlos in seinem Büro sitzen, völlig in sich gekehrt. Mein Vater war sehr christlich. Als Sohn lernt man seinen Vater einzuschätzen. Doch Kollegen und Regisseure mussten sich oft seine Launen bieten lassen. Sein Zustand konnte sich dabei sekundenschnell drehen, wie der Wind.

Frage: Äußerte sich das in Tobsuchtsanfällen?

Olivier de Funès: Ja sicher! Mein Vater war ein Perfektionist. Das Schlimmste, was passieren konnte, wenn ein Kollege beim Dreh oder bei den Theaterproben nicht alles gab, nicht 200 %ig bei der Sache war. Dann hat's geknallt! Er konnte dabei zum Tyrann werden. Unterbrach den Dreh, weigerte sich weiterzumachen, bis er glaubte, dass der Kollege gut war.

Frage: Mochten sich Jean Gabin und Louis de Funès aus dem Grund nicht?

Olivier de Funès: Im Gegenteil. Gerade und nur in diesem Punkt verstanden sich die beiden. Beide waren Perfektionisten und sehr eitel, was die Qualität anderer anging. Privat hatten sie keine große Meinung voneinander. Dafür bin ich sehr eng mit seinem Sohn befreundet. Meine Tochter Julia (16) mit seiner Tochter.

Frage: Wurden die Schulaufgaben schon mal gemeinsam an Papas Schreibtisch erledigt?

Olivier de Funès: Oh nein! Mit Schule hatte er gar nix am Hut. Das war die Sache der Frau. Es war auch gar nicht so wichtig, welche Noten wir nach Hause brachten. Er hatte andere Wertvorstellungen.

Frage: Welche? Dicke Autos, schwere Uhren?

Olivier de Funès: Oh weia. Leider nein. Ehrlichkeit, Toleranz und Familie waren seine Schlagwörter. Mein Vater war ein Geizhals. Bekam ich Geld, um mir eine Jacke zu kaufen (und es gab nur eine für den Winter, eine für den Sommer), wurde das Wechselgeld ganz genau abgerechnet. Es passierte auch schon mal, dass ich meine neuen Tennisschuhe umtauschen musste. In seinen Augen waren sie teuer. Und modisch müssen Tennisschuhe ja nicht sein, sie sollen ihren Zweck erfüllen.

Frage: Aber das große Schloss an der Loire. Das hat doch bestimmt eine Menge Geld gekostet?

Olivier de Funès: Bestimmt. Von dort hat er aber seine Kraft geschöpft. Das Schloss war seine Insel. Hier konnte er ungestört mit seiner Familie die Ferien verbringen und sich seinem Hobby widmen. Nach seinem Tod haben wir das Schloss an eine Ärzte-Gemeinschaft verkauft. Die Instandhaltung hätte zu viel gekostet. Das Haus hatte alleine 365 Fensterscheiben, die geputzt werden mussten.

Frage: Und zum Geburtstag, Abitur?

Olivier de Funès: Ja, da bekamen wir Geschenke. Zum Abitur bekamen mein Bruder und ich einen alten, gebrauchten Käfer. Den mussten wir uns teilen.

Frage: Was für Hobbys hatte Ihr Vater?

Olivier de Funès: Er liebte Blumen, besonders Rosen. In sie investierte er alles. Den ganzen Tag verbrachte er im Gewächshaus, buddelte in den Beeten, rannte mit Gießkanne und Wasserschlauch umher. Der Dünger wurde eingeflogen. Schließlich erreichte er auch sein Ziel. Er kreierte 'La rose du Louis de Funès'. Sie ist offiziell anerkannt, ist orange und ist in jedem Blumenladen an der Ecke zu kaufen.

Frage: Die drei wichtigsten Dinge im Leben des Louis de Funès?

Olivier de Funès: Familie, Film, Garten. Er liebte Kinder. Er war so vernarrt in seine einzige Enkeltochter Julia. Waren beide voneinader getrennt, rief er vier bis fünf mal täglich an, um mit ihr zu reden. In den Ferien waren sie unzertrennlich. Er machte den Clown für sie, ließ sie auf seinem Rücken reiten. Julia durfte alles. Auch bei Tisch. Hier war er normalerweise besonders streng. Sein Motto: Was auf den Tisch kommt, wird gegessen. Halbvolle Teller gab es nicht. Julia hatte dagegen Narrenfreiheit.

Frage: War ihr Vater denn zu Ihnen und Ihrem Bruder Patrick (45) sehr streng?

Olivier de Funès: Ja. Er hasste Unpünktlichkeit, Lügen, schlampige Kleidung. Komischerweise auch Unfreundlichkeit - er war ja nicht immer der Netteste!

Frage: Hagelte es auch schon mal Ohrfeigen?

Olivier de Funès: Nein, er verabscheute Gewalt. Dafür wurden wir schon mal in unserem Zimmer eingesperrt. Stunden später erst wieder rausgelassen. Ehrlich gesagt, eine Ohrfeige wäre mir da lieber gewesen.

Frage: Hat Ihr Vater Ihnen einmal einen Rat gegeben, den Sie heute noch beherzigen?

Olivier de Funès: Er gab mir einen Tip: Bringe eine Frau zum Lachen, und Du gewinnst ihr Herz. Mein Vater war ein Frauenheld. Er rannte nicht den Frauen hinterher, sondern sie ihm.

Frage: War Ihr Vater ein guter Ehemann?

Olivier de Funès: Der Beste! Er war meiner Mutter (81) immer treu, war immer für sie da, vergaß nie den Hochzeitstag. Heute lebt sie in Paris, nahe der Oper.

Frage: Irgendwelche Schwächen?

Olivier de Funès: Jeder Mensch hat Schwächen. Die Schlimmste, seine Ungeduld. Im Restaurant ist er dann schon mal aufgestanden und hat persönlich in der Küche geschaut, wo sein Essen bleibt.

Frage: Macken?

Olivier de Funès: Sein Schlüsseltick. An seinem Gürtel trug er stets einen großen Schlüsselbund. Alles bei uns hatte ein Schloss. Jede Türe wurde stets abgeschlossen. Jede Schublade, Schrank. Einfach alles. Warum er das tat, weiß keiner so genau. Es hatte aber zur Folge, dass wir alle mit einem ähnlichen Schlüsselbund ausgerüstet waren. Sonst hätte es passieren können, dass man selber unwissenhaft eingeschlossen wurde und nicht mehr aus der Küche kam. Er hat die Schlüssel auch nie entfernt, wenn sie hinfällig waren. Und so wurde im Laufe der Jahre aus einem einfachen Bund ein dicker Eisenring.

Frage: Welche Erinnerung werden Sie nie vergessen?

Olivier de Funès: Als ich meinen Pilotenschein hatte und den ersten Alleinflug machte. Er wollte unbedingt mitfliegen, obwohl er panische Angst vorm Fliegen hatte. Er wurde so kreidebleich, dass er sich seinen Schal um den Kopf und vor das Gesicht band, damit ich seine Angst nicht sehe. Es war der lustigste Flug meines Lebens.

Frage: Sie haben in jungen Jahren neben Ihrem Vater gespielt. Heute steuern Sie einen Airbus 320 bei der französischen Fluggesellschaft Air Intère. Warum sind Sie nicht bei der Schauspielerei geblieben?

Olivier de Funès: Ich hatte nicht genug Talent. An meinen Vater wäre ich nie herangekommen. Außerdem hatte ich nach sechs Filmen die Nase voll. Es war eine schöne Erfahrung und ich hatte viel Spass dabei. Aber dann wollte ich mir einfach meinen Kindheitstraum, die Fliegerei erfüllen. Gott sei Dank, sonst hätte ich niemals meine wundervolle Frau Dominique kennengelernt. Sie war Passagierin und fiel mir auf, als ich die Fluggäste in der Kabine begrüßte. Es war Liebe auf den ersten Blick. Jetzt sind wir seit fast 19 Jahren verheiratet.

Frage: Wie reagieren die Fluggäste, wenn Sie sich aus dem Cockpit melden?

Olivier de Funès: Die meisten lachen und finden es sehr komisch, dass ihr Pilot so heißt, wie der Sohn des Schauspielers Louis de Funès. Die wenigsten wissen, dass es stimmt!

Frage: Warum fiel die Wahl ausgerechnet auf Sie, als Sie in 'Les Grandes Vacances' (Balduin, der Ferienschreck) als Filmsohn mit Ihrem Vater vor der Kamera standen?

Olivier de Funès: Eigentlich war es eine Notlösung. Der Regisseur suchte verzweifelt eine Besetzung für die Rolle. Jung, frisch, unverbraucht sollte das Gesicht sein. Der Start der Dreharbeiten drohte zu platzen. Na ja, so packte mich mein Vater morgens an der Hand und sagte: Wenn schon ein Filmsohn, dann kann ich auch meinen echten Sohn vor die Kamera stellen.

Frage: War Ihr Vater enttäuscht, dass niemand in seine Fußstapfen getreten ist?

Olivier de Funès: Nein, ich glaube nicht. Er wollte immer, dass wir glücklich sind. Und so studierte Patrick Medizin, ist heute Arzt und ich bin meinen Weg gegangen. Meine Tochter Julia will übrigens Journalistin werden, am liebsten eine Ausbildung in Deutschland machen.

Frage: Verdienen Sie mit den einzelnen Ausstrahlungen viel Geld?

Olivier de Funès: Nicht einen Pfennig. Damals war es nicht üblich, den Hauptdarsteller an den Einspielergebnissen zu beteiligen. In meinen Augen eine Sauerei. Denn immerhin hat der Name Funès die Leute ins Kino gelockt. Und heute noch vor den Fernseher. Die Rechte liegen nicht bei der Familie, sondern bei den einzelnen Produzenten oder Firmen.

Frage: Viele Kinder prominenter Eltern stehen im Presserummel, werden von Neidern verfolgt. Wie ergeht es Ihnen?

Olivier de Funès: Ich habe und hatte immer meine Ruhe. Das lag auch daran, dass mein Vater sich sehr aus der Öffentlichkeit zurückzog. Er ging nicht zu Empfängen, nahm Einladungen ungerne und selten an. Er führte auch keine Interviews. Er hatte Angst davor, in der Nacht vor einem Pressetermin konnte er nicht schlafen. Doch, manchmal wird man angesprochen oder auch angepöbelt. Wie letztens im Golfclub in der Normandie. Omar Sharif saß im Clubhaus. Plötzlich sprang er grundlos auf, schrie mich an, ich sei ein Nichts, ein Stück Sch ..., nur der Sohn von Louis de Funès. Ich weiß weder, woher er mich kannte, noch was ich ihm getan habe. Am liebsten hätte ich ihm eine verpasst. Doch er ist ein armer alter Mann, der zu viel trinkt.

Frage: War Ihr Vater politisch engagiert?

Olivier de Funès: Nein, nicht aktiv. Wenn, rebellierte er auf seine Art. Eine schöne Geschichte. Zur Zeit der deutschen Besatzung verdiente er sein Geld als Pianist in einer Jazz-Bar. Viele deutsche Soldaten kamen dorthin. Sicherlich nicht zum großen Vergnügen der Franzosen. Er heizte den Laden so ein, dass die Deutschen viel Spass hatten und schnell viel tranken, um noch schneller betrunken zu sein. Sie verließen dann das Lokal, und die Pariser hatten wieder ihre Ruhe! Oder aber im Film. In 'Drei Bruchpiloten in Paris' zeigt er deutlich, was er vom Krieg hält. Er zieht ihn ins Lächerliche. Aber auch mit 'Die Abenteuer des Rabbi Jacob' - seinem absoluten Lieblingsfilm - wollte er seine Meinung kundtun, dass man Menschen ehren und achten sollte, egal welcher Nationalität oder Religion sie angehören.

Frage: Denken Sie oft an Ihren Vater? Schauen Sie sich manchmal alte Filme an?

Olivier de Funès: Seine Filme sehe ich so oft wie nur möglich. Doch neben dem lachenden Auge weint das andere. Denn derzeit wird mir in solchen Momenten immer bewusst, dass die Zwillinge, die meine Frau erwartet (8. Monat) ihren fantastischen Großvater niemals kennenlernen werden. Und dabei war es immer sein großer Wunsch, mehrere Enkel zu haben. Deshalb werden wir die beiden Jungs auch nach den besten Freundes meines Vater benennen: Charles und Adrian.

Frage: 1983 starb Louis de Funès. Hat er alles erreicht in seinem Leben?

Olivier de Funès: Fast. Er wollte noch Schwimmen lernen. (DJFL)


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