Interview mit Peter Thorwarth: Was nicht paßt, wird passend gemacht
Frage: Diether Krebs war einer der Protagonisten in Ihrem Kurzfilm Was nicht paßt, wird passend gemacht. Wie haben Sie dessen plötzlichen Tod verarbeitet? Peter Thorwarth: Ich wusste, dass Diether ...
Interview mit Peter Thorwarth
Frage: Diether Krebs war einer der Protagonisten in Ihrem Kurzfilm Was nicht paßt, wird passend gemacht. Wie haben Sie dessen plötzlichen Tod verarbeitet?
Peter Thorwarth: Ich wusste, dass Diether während der Dreharbeiten zu "Bang Boom Bang" Herzprobleme hatte. Als ich dann im Radio erfuhr, dass Diether Krebs an Krebs gestorben ist, wollte ich das nicht glauben und dachte zunächst an ein Missverständnis aufgrund des Namens. Diether hatte Christian Becker und mich zwei Monate vorher zum Essen eingeladen. Der Abend war sehr lustig, wir haben viel über zukünftige Projekte gesprochen, aber er hat niemals ein Wort über seine Krankheit verloren. Ich kann mich aber noch erinnern, dass er sich dafür bedankt hat, sich noch einmal auf der Leinwand sehen zu dürfen. Heute ist mir klar, wie er das gemeint hat. Vielen Dank Diether, dass du in meinen Filmen dabei warst.
Frage: Wie sind Sie bei der Besetzung für Was nicht paßt, wird passend gemacht vorgegangen?
Peter Thorwarth: Es hilft mir immer, wenn ich die Schauspieler schon beim Schreiben des Drehbuchs im Kopf habe. So werden in meiner Vorstellung die Charaktere erst lebendig. Wenn ich Dialoge schreibe, stehe ich oft vor dem Spiegel und versuche zum Beispiel, so wie Ralf Richter oder Diether Krebs zu sprechen. Das ist besonders lustig, wenn ich an Frauenfiguren arbeite. Wenn der Dialog fließt, schreibe ich ihn auf. Beim Drehen bin ich dann immer überrascht, wie anders alles wird - meistens besser.
Frage: Wie kam es dazu, dass Sie neben der Regie auch eine der Hauptrollen übernommen haben?
Peter Thorwarth: Ich hatte Bock, selber zu spielen. Aber ursprünglich wollte ich nicht Regie führen. Der Plan war, dass mein Kumpel und Co-Regisseur des Kurzfilms, Tim Trageser, den Film inszeniert und ich wieder den Studenten spiele. Dann kam doch alles anders. Obwohl ich das Buch mitgeschrieben habe, war mir irgendwie nicht klar, dass der Student eigentlich die Hauptrolle ist. Ich habe den Film immer als Ensemblestück gesehen. Kurz vor Drehbeginn habe ich dann doch Panik gekriegt und noch einmal schnell ein Casting für die Rolle gemacht. Letztendlich hat dann Ralf angeboten, mich zu coachen, und zusammen mit meiner Regieassistentin Andie Kapella haben wir das Ding dann auch durchgezogen.
Frage: Wie nah sind Ihre Figuren, Ihre Geschichten am wirklichen Leben?
Peter Thorwarth: Eigene Erfahrungen sind immer Inspiration für meine Geschichten. Das heißt nicht, dass ich erst eine Bank überfalle, um einen Banküberfall im Film zu erzählen. Oft verarbeitet man Erfahrungen ja auch unbewusst, wie im Traum. Beim Konstruieren von Geschichten gehe ich meistens von Charakteren aus, durch deren Verhalten die Story in Gang gesetzt wird.
Frage: Man sagt, der zweite Spielfilm sei für einen jungen Regisseur erst der richtige Härtetest. Können Sie das nachempfinden?
Peter Thorwarth: Ich weiß ja nicht, wie es ist, den dritten Film zu machen, und die echte Bewährungsprobe kommt wahrscheinlich auch erst, wenn der Film in den Kinos läuft. Wenn ich mich an die Dreharbeiten zu Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding zurückerinnere, bin ich oft erschrocken, wie "cool" ich damals an die Sache herangegangen bin. Ich kannte keine Angst, Fehler zu machen, ich habe einfach welche gemacht, aber gleichzeitig auch viel richtig. In jedem Falle spürt man das auf der Leinwand. Diese Lockerheit hatte ich bei Was nicht paßt, wird passend gemacht nicht mehr.
Frage: Sie arbeiten gerne immer wieder mit den gleichen Leuten zusammen. Zufall oder Methode?
Peter Thorwarth: Sofern es das Projekt zulässt, arbeite ich gerne mit Leuten zusammen, mit denen ich eine gute Erfahrung gemacht habe und mit denen ich mich auch menschlich verstehe. Das gibt mir das Gefühl von Sicherheit, und ohne ihre Hilfe wäre ich auch nicht da, wo ich jetzt bin. Mit Christian Becker war ich auf der Filmhochschule. Dort haben wir auch schon die Kurzfilme zusammen gemacht und später dann Indigo Film gegründet. Durch die gemeinsame Arbeit mit Eckhard Jansen als Kameramann habe ich bestimmt mehr gelernt, als wenn ein routinierter "großer Name" die Filme runtergekurbelt hätte, und ohne Anja Pohl, die alle meine Filme geschnitten hat, wäre Was nicht paßt, wird passend gemacht niemals fertig geworden. Es gab aber auch schon Leute, bei denen man gemerkt hat, dass eine Zusammenarbeit keinen Sinn mehr macht. Dann sollte man auch den Mut haben, die Konsequenzen zu ziehen. Besser früher als später.
Frage: Wie wichtig war Ihnen, dass Was nicht paßt, wird passend gemacht in eine ganz andere Richtung geht als der Kurzfilm, aber auch Bang Boom Bang - Ein todsicheres Ding?
Peter Thorwarth: Man kann ja nicht immer den gleichen Film fahren. Mir gefällt, dass Was nicht paßt, wird passend gemacht sehr ehrlich ist und nicht krampfhaft "cool" sein will. (DJFL)
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Interview mit Peter Thorwarth: Was nicht paßt, wird passend gemacht
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