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Interview mit Rainer Kaufmann: Kalt ist der Abendhauch

Rainer Kaufmann ist der Regisseur des Films Kalt ist der Abendhauch. Frage: Herr Kaufmann, nach dem großen Erfolg von Die Apothekerin, was waren Ihre Beweggründe für die zweite ...

* 6. Juni 1959 in Frankfurt, Hessen, Deutschland, Regisseur Rainer Kaufmann wurde 1959 in Frankfurt geboren. Er arbeitete zunächst als Zimmermann, seinen Zivildienst leistete er in einem SOS-Kinderdorf. Dann studierte er an der Goethe-Universität in Frankfurt Germanistik und Filmwissenschaften. ... [komplette Biografie]

Interview mit Rainer Kaufmann


Rainer Kaufmann ist der Regisseur des Films Kalt ist der Abendhauch.

Frage: Herr Kaufmann, nach dem großen Erfolg von Die Apothekerin, was waren Ihre Beweggründe für die zweite Ingrid-Noll-Verfilmung?

Rainer Kaufmann: Ich wollte schon immer einen epischen, großen Liebesfilm inszenieren. Die zentrale Figur in Ingrid Nolls Roman ist eine Frau, die gegen alle Widerstände ihr ganzes Leben lang einen Mann liebt. Mühelos werden die unterschiedlichsten Emotionen im Leser erweckt: Spannung steht neben Leidenschaft, Humor neben Tragik. Das sind die Facetten, die ein Leben ausmachen. Mich hat interessiert, diese Vielschichtigkeit in einen Film zu übertragen. Und Ingrid Noll ist eine der wenigen deutschen Schriftstellerinnen, die starke, vielschichtige Frauen in das Zentrum ihrer Geschichten stellt. Ich liebe es einfach, diesen Frauen auf die Schliche zu kommen.

Frage: Der Roman ist komplex und kompliziert angelegt, mit viel "Innensicht" der Figuren.

Rainer Kaufmann: Kathrin Richter und Ralf Hertwig haben hervorragend gearbeitet und den Roman filmdramaturgisch komprimiert. Es ist ihre zweite Noll-Bearbeitung, und sie ist sehr viel freier als Die Apothekerin. Ein Roman kann in Andeutungen bleiben, ein Film musss konkret werden. Der Roman schien vielen unverfilmbar - doch nicht Günter Rohrbach. Und den Autoren ist es gelungen, den Roman elegant umzusetzen und uns eine sehr gute Drehbuchvorlage zu schreiben.<

Frage: Wie sind sie dann an den Stoff herangegangen?

Rainer Kaufmann: Für mich war der Film eine Reise in die Zeit der Kindheit und Jugend meiner Eltern. Charlotte ist 1936 sechzehn - das ist der Jahrgang meines Vaters, meine Mutter war damals sieben. Mich hat die Bürgerlichkeit vor dem Krieg interessiert: Wie streng wurde die Familie regiert, wie offen ist man miteinander umgegangen? Es gibt am Anfang des Filmes eine Szene am Esstisch, in der die Familie zusammensitzt. Da wird bereits die Hierarchie deutlich: der Vater am Kopfende, rechts und links von ihm die Mutter und die Kinder. Ich habe mich gefragt: Welche Freiheiten gab es damals? Wie beginnt in einer solchen Umgebung diese eigenwillige Liebesgeschichte?

Frage: Der Film kreist um die Figur der Charlotte. Was für eine Person ist sie? Welche Rolle erfüllt sie?

Rainer Kaufmann: Die Figur ist für mich besonders reizvoll. Um sie herum gibt es Motive, die nichts an Aktualität verloren haben. Das beginnt damit, dass sie sich in den Mann verliebt, der am wenigsten zur Familie passt. Der junge Mann, den sie anhimmelt, öffnet ihr die Augen für Schönheit und Bedeutung von Literatur und Poesie. Das ist der Mann, der ihre Träume freisetzen kann. Nachdem er ihre Schwester heiratet, geht sie die Ehe mit einem Mann ein, der in die Familie passt. Doch ihr Wunsch nach Sicherheit erfüllt sich nicht. Ihr Mann fällt angeblich im Krieg. Aber Charlotte gelingt es, auch in dieser Phase ihres Lebens glücklich zu sein. Charlotte ist eine moderne Frau, auch wenn im Film ein klassisch-konservatives Familienbild vorherrscht. Die Selbständigkeit der Frauen damals war häufig kriegsbedingt. Und Charlotte hat den Mut, sich zu ihrer großen und verbotenen Liebe zu bekennen.

Frage: Die beiden Hauptfiguren werden von je zwei Schauspielern verkörpert, haben also "zwei Gesichter" ...

Rainer Kaufmann: Es gibt grundsätzlich zwei Ansätze, wenn man eine Figur in ihrer Jugend und in ihrem Alter besetzt: Entweder man versucht, eine große Ähnlichkeit in Aussehen und Stimme zu finden, oder man will, dass die Rolle am besten gespielt wird. Und ich habe mich für letzteres entschieden. Denn jeder Film ist eine Verabredung mit dem Zuschauer. Entweder er nimmt sie an oder nicht. Und er kann den Film nur dann akzeptieren und lieben, wenn ihn die Geschichte fesselt.

Frage: Wie haben Sie die Frauenrollen besetzt?

Rainer Kaufmann: Die Besetzung der jungen Charlotte ist ein großes Glück für diesen Film. Fritzi Haberlandt sprach eigentlich nur für eine sehr kleine Nebenrolle vor. Als ich sie sah, habe ich sie sofort für die Hauptrolle vorsprechen lassen und sie war die perfekte Besetzung. Sie verkörpert den "altmodischen Geist", eine Figur, die damals modern war. Gisela Trowe als alte Charlotte ist ebenso perfekt wie Fritzi Haberlandt als junge Charlotte. Es ist eine Freude, ihr beim Spielen zuzusehen. Ihre Charlotte hat trotz "langer Jahre der Einsamkeit mit den Kindern" nicht ihren Humor und ihre Neugier verloren.

Frage: Und die Männerfiguren?

Rainer Kaufmann: Hugo, der Literaturliebhaber und Frauenschwarm, ist sehr nah am Roman: Die Figur bleibt ein Traum. Die Zeit des gemeinsamen Glücks ist sehr kurz, und das bedeutet für Charlotte ein Leben voller Sehnsucht. Ein ganzes Leben erfüllt von diesem Gefühl, aber nur fünf Minuten lang war es wirklich. Ein Gefühl wie ein Konzentrat. Dadurch wird Hugo seltsam fremd, wird zum Traummann. Die Rolle war eine Herausforderung für August Diehl. Denn er mussste die konkrete Figur Hugo in einem Schwebezustand halten. Und Heinz Bennent verleiht der Figur Hugo eine weitere Dimension. Er stattet sie mit makabrem, fast morbidem Humor aus, ohne sie dabei zu verraten.

Frage: Das Szenenbild ist äußerst aufwändig.

Rainer Kaufmann: Ja, das stimmt. Charlottes Wohnhaus ist ein weiterer Hauptdarsteller im Film. Es geht um Veränderung, Anpassung, Tapetenwechsel, Renovierung des Lebens. An diesem Haus wird die Veränderung der Welt draußen erzählt. Mit Knut Loewe habe ich jetzt den vierten Film gemacht, und jeder ist anders, besonders. Durch die Arbeit mit ihm habe ich begriffen, was es heißt, ein Szenenbild zu erschaffen und einzubinden.

Frage: Wie ist das mit dem Regie führen?

Rainer Kaufmann: Es ist entscheidend, dass man mit einem starken Produzenten eine Vision hat. Während der Vorbereitungsphase wird aus dieser Vision das Rückgrat des Films. Dennoch ist es wichtig, dass man sowohl während der Vorbereitung wie auch beim Dreh einen offenen Blick behält und sogar verführbar bleibt. Dieses Hin und Her zwischen naivem und beherrschtem Zustand ist für mich das interessanteste an der Arbeit, denn es spiegelt sich in jedem Teilaspekt des Filmemachens wieder. (DJFL)


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